Hinweise des Tages II

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  1. Englische Gesundheitsbehörde: Viruslast von Geimpften genauso hoch wie von Ungeimpften
  2. Sinkende Nachfrage: Impfstoff-Vernichtung nimmt zu
  3. Es ist Zeit, die Corona-Einschränkungen zu beenden und zur Normalität zurückzukehren
  4. Digitale Corona-Impfzertifikate: Was bisher falsch lief
  5. Dauerbrenner Hitze – ein stark steigendes Gesundheitsrisiko
  6. Lieferdienst in der Maxvorstadt: “Damit werden Leben gefährdet”
  7. Exodus in der Gastro
  8. Mein Vater war ein Gastarbeiter
  9. Drei Wochen nach der Hochwasser-Katastrophe: „Total im Stich gelassen“: Ahrweilers Flutopfer kochen vor Wut über mangelnde Hilfe
  10. Eine tödliche Kombination
  11. EU-Abschottung: »Es bleibt die tödlichste Fluchtroute«
  12. Vor der US-Küste Sauerstofffreie: »Todeszone« im Golf von Mexiko dehnt sich weiter aus
  13. Protektionistische US-Handelspolitik schadet der Wirtschaft weltweit
  14. Wahlrechtsgrundsätze als Säulen der innerparteilichen Demokratie

Vorbemerkung: Wir kommentieren, wenn wir das für nötig halten. Selbstverständlich bedeutet die Aufnahme in unsere Übersicht nicht in jedem Fall, dass wir mit allen Aussagen der jeweiligen Texte einverstanden sind. Verantwortlich für die Richtigkeit der zitierten Texte sind die jeweiligen Quellen und nicht die NachDenkSeiten. Wenn Sie diese Übersicht für hilfreich halten, dann weisen Sie doch bitte Ihre Bekannten auf diese Möglichkeit der schnellen Information hin.

  1. Englische Gesundheitsbehörde: Viruslast von Geimpften genauso hoch wie von Ungeimpften
    Daten aus den USA deuteten bereits darauf hin: Nun hat auch England beobachtet, dass Geimpfte, die sich mit Delta infizieren, genauso ansteckend sein könnten wie Ungeimpfte.
    Die britische Gesundheitsbehörde »Public Health England« (PHE) vermutet, dass Menschen, die sich mit der Delta-Variante infizieren, sehr ansteckend sind — unabhängig von ihrem Impfstatus. Das berichtet der »Guardian«.
    Erste Erkenntnisse zeigten, dass die Viruslast bei Geimpften, die aufgrund eines Impfdurchbruchs positiv getestet wurden, genauso hoch sei wie bei ungeimpften Delta-Infizierten, hieß es dem Blatt zufolge in einem Statement der PHE.
    Quelle: DER SPIEGEL

    dazu auch: Studie aus Israel bestätigt: Geimpfte können andere anstecken
    Der Epidemiologe und Pandemieexperte Klaus Stöhr hält eine Covid-19-Auffrischimpfung für Senioren vor dem Winter für sinnvoll.
    Die Resultate einer israelischen Studie mit Angestellten eines medizinischen Zentrums und die Folgeschlüsse:
    Angesteckte, die keine Symptome haben, können andere anstecken
    Je weniger Antikörper Geimpfte im Blut haben, desto grösser die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich trotz Impfung anstecken.
    Seniorinnen und Senioren entwickeln nach einer Impfung tendenziell weniger Antikörper. Das heisst, die Impfung wirkt bei ihnen weniger gut.
    Geimpfte, die sich bereits wenige Wochen nach der Impfung anstecken, riskieren kaum eine schwere Erkrankung.
    An der Studie nahmen rund 11’500 Angestellte des grössten medizinischen Zentrums in Israel teil, die vollständig mit dem Pfizer/Biontech Impfstoff geimpft waren. Sie wurden von Mitte Dezember 2020 bis Ende April 2021 geimpft, also zu einer Zeit, als die Alpha-Variante in Israel dominierte. Das Ziel war, herauszufinden, wie viele sich trotz Impfung mit Sars-CoV-2 ansteckten.
    Bei Krankheitssymptomen oder nach einem bekannten Kontakt mit einer Sars-CoV-2-positiven Person sollten die Angestellten deshalb einen Schnelltest und/oder einen PCR-Test machen. Bis Ende April lagen PCR-Resultate von fast 1’500 Personen vor.
    Quelle: Infosperber

  2. Sinkende Nachfrage: Impfstoff-Vernichtung nimmt zu
    Weil die Nachfrage sinkt und die Haltbarkeit begrenzt ist, müssen immer mehr Bundesländer Impfstoff vernichten. Allein Bayern hat im Juli laut einer Umfrage von NDR und WDR Zehntausende Impfdosen vernichtet.
    Seit Beginn der Pandemie hat Bayern insgesamt 53.000 Impfstoff-Dosen entsorgt, wobei mehr als die Hälfte davon allein im Juli “als Verwurf gemeldet” wurde. “Die im Sommer angestiegenen Zahlen sind die unmittelbare Folge einer abnehmenden Impfbereitschaft in der Bevölkerung”, teilte das bayerische Gesundheitsministerium auf Anfrage mit. Auch in Baden-Württemberg lief Ende Juli die Haltbarkeit von 4000 Dosen des Impfstoffs von AstraZeneca ab, die deshalb “fachgerecht entsorgt wurden”, wie das dortige Gesundheitsministerium schreibt.
    Quelle: Tagesschau
  3. Es ist Zeit, die Corona-Einschränkungen zu beenden und zur Normalität zurückzukehren
    Waren früher Ansteckungsgefahren Teil des Lebens, diktieren heute abstrakte Kennzahlen eine Null-Risiko-Strategie. Warum sich die Politik dagegen sträubt, die Corona-Verbote endlich aufzuheben.
    Inzwischen gibt es Impfstoff für alle – und er wirkt. Die Zahl der Personen, die trotz doppelter Impfung an Covid-19 erkranken, ist verschwindend klein. Während die Neuinfektionen wieder zunehmen, verharren die Spitaleintritte und Todesfälle auf niedrigem Niveau. Warum also kehrt die Gesellschaft nicht endlich zum Normalbetrieb zurück? Weil der pandemische Zeitgeist regiert.
    Der pandemische Zeitgeist bedeutet die Kontrolle der Gesellschaft im Zeichen eines absolut verstandenen Gesundheitsschutzes. Dieser beruht auf drei Elementen: einer hypergenauen Diagnostik, einer gigantischen Organisation und Eingriffen in die Grundrechte.
    Anderthalb Jahre mit einer für die wohlstandsverwöhnte Moderne einzigartigen Herausforderung haben die Wahrnehmung in einseitiger Weise konditioniert. Politikern und Heerscharen von Public-Health-Beamten in Verwaltung und Wissenschaft fällt es schwer, die Welt in anderen Kategorien zu denken als in Sieben-Tage-Inzidenzen, Testzahlen oder Impfquoten. Die für einen einzelnen Erreger geschaffene Sonderorganisation läuft noch auf Hochtouren, obwohl die Dringlichkeit etwa bei den Impfungen nachlässt.
    Quelle: NZZ
  4. Digitale Corona-Impfzertifikate: Was bisher falsch lief
    Das Apotheker-Impfzertifikate-Portal unterwandert, die Corona-Warn-App zeigt Beispielzertifikate als gültig an. Eine Analyse des EU-weiten Projektes.
    Der vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) hastig auf die Beine gestellte digitale Impfnachweis ist ins Gerede gekommen. Schnell aufeinanderfolgende Hiobsbotschaften verunsichern – gibt es jetzt ernsthafte Probleme mit den Zertifikaten oder nicht? […]
    Die Sicherheitsforscher Martin Tschirsich und Dr. André Zilch konnten nachweisen, dass der DAV diese Bewerbungen ohne ausreichende Prüfung durchwinkte. Sie erfanden eine Apotheke, die mit minimalem Aufwand als Fake hätte enttarnt werden können, erhielten innerhalb eines Tages Zugang zum DAV-Portal und konnten dort ein Zertifikatspaar ausstellen.
    Mit diesen Fakten konfrontiert, reagierte der DAV auf die dramatischste mögliche Weise: Er sperrte das Portal. Ohne Vorwarnung, ohne Abwägung der Risiken und Nebenwirkungen, für alle 17.900 angeschlossenen deutschen Apotheken, egal ob mit Mitglieds- oder Gastzugang.
    Dann überprüfte der DAV alle ca. 470 Gastzugänge auf Gültigkeit und vertröstete die Apotheken mehrere Tage lang, es gehe bald wieder los mit der Zertifikatausstellung.
    Auch nach Abschluss der Überprüfung hatte der DAV keine weitere Fake-Apotheke ausfindig gemacht, der den Zertifikatehandel in den Messenger-Kanälen erklärt hätte. Die Vollsperrung war also für die Katz. Womöglich arbeiteten die gewerbsmäßigen Fälscher mit geklauten Zugangsdaten – auf eine Zweifaktor-Authentifizierung hatte das DAV-Portal ebenfalls verzichtet. Inzwischen hat das BMG das Bundeskriminalamt (BKA) mit der Untersuchung beauftragt.
    Quelle: Heise Online
  5. Dauerbrenner Hitze – ein stark steigendes Gesundheitsrisiko
    Die Klimakrise geht ArbeitnehmerInnen im wahrsten Sinn des Wortes immer öfter unter die Haut. Jeder spürt, dass mit der Temperatur auch die gesundheitlichen Belastungen steigen. Die hohen Temperaturen belasten ArbeitnehmerInnen besonders, weil sie die Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz nur bedingt beeinflussen können.
    In der Vergangenheit wurden Hitzewellen noch medial hochgejubelt. Diese Art der Berichterstattung hat sich nach einer Reihe von Hitzewellen in den letzten Jahren aber geändert oder zumindest auf die erste Hitzewelle im Jahr und die Urlaubszeit begrenzt. Mittlerweile wird immer offensichtlicher, dass die Probleme und Belastungen dieser extremen Temperaturen und der wiederkehrenden Hitzewellen für breite Bevölkerungsgruppen und die Umwelt überwiegen. Die Freude ist in vielen Fällen der Angst um die Gesundheit gewichen.
    In den vergangenen Jahrzehnten wurden unsere Sommer, durch eine Vielzahl von Messstellen statistisch gut belegbar, immer heißer. Diese länger andauernden Hitzeperioden sind mittlerweile „normal“ geworden und sie sind die spürbaren Ergebnisse der globalen Erwärmung. Betrachtet man das ganze Jahr, so zeigt sich, dass die Temperaturen generell ansteigen und damit die Umwelt in verschiedensten Bereichen verändern. Längst ist aufgrund der überwiegend negativen Folgen nicht mehr vom Klimawandel, sondern von der „Klimakrise“ oder „Klimakatastrophe“ die Rede. Die Medienberichte über Unwetterereignisse in und rund um Österreich liefern in den letzten Wochen die entsprechenden Bilder zur neuen Realität.
    Quelle: A&W blog
  6. Lieferdienst in der Maxvorstadt: “Damit werden Leben gefährdet”
    Der Lieferverkehr am Gorillas-Logistikzentrum blockiert immer wieder die Lothstraße. Anwohner protestieren gegen diese Zustände – es wird auch das Durchkommen für Rettungsfahrzeuge erschwert.
    “Faster than you”: So lautet der Slogan des Lieferdienstes Gorillas, der seit einigen Monaten in München Lebensmittel an die Haustür bringt. Schneller als du. Schneller als der Einkauf im Supermarkt also. Beobachtet man die Situation um das Gorillas-Logistikzentrum in der Maxvorstadt, könnte man mit etwas Zynismus behaupten: Das Unternehmen mag zwar schnell sein – bremst dabei aber andere aus. Zur Erklärung: Das Geschäftsmodell von Gorillas besteht darin, dass zwischen Bestellung und Lieferung nur zehn Minuten vergehen sollen. Das Sortiment ist nicht so groß wie im Supermarkt, aber ordentlich. Um die schnelle Lieferzeit einzuhalten, betreibt Gorillas in mehreren Stadtteilen Logistikzentren. Dort werden die bestellten Waren in Rucksäcke gepackt und an Fahrradkuriere übergeben. Eines dieser Logistikzentren befindet sich an der Lothstraße in der Maxvorstadt.
    Quelle: Süddeutsche
  7. Exodus in der Gastro
    Saarland: Lebensmittelgewerkschaft NGG kritisiert prekäre Lohn- und Arbeitsbedingungen – unbezahlte Mehrarbeit etwa. Discounter werben Fachkräfte gezielt ab
    Es ist eine Abwanderungsbewegung: Rund 20 Prozent der Beschäftigten in der Gastronomie haben in der Coronakrise bundesweit die Branche verlassen – auch im Saarland. Ein Beispiel: Allein in diesem Bundesland sind Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zufolge von etwa 6.500 nur noch zirka 5.100 Kolleginnen und Kollegen im Gast- und Hotelgewerbe verblieben, berichtete jüngst die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG), Region Saarland. Kurzum: Jeder fünfte ist weg.
    Jobsuche und -wechsel kommen nicht von ungefähr. Zahlreiche Köche, Servicekräfte und Angestellte in der Hotellerie plagen Existenznöte. »Schon vor Corona stand das Gastgewerbe nicht gerade für rosige Arbeitsbedingungen«, sagte Mark Baumeister, Geschäftsführer der regionalen NGG, am Donnerstag gegenüber jW. Niedrige Löhne, unbezahlte Überstunden, rauher Umgangston und hohe Abbruchquote unter Azubis seien nur einige der strukturellen Branchenprobleme, so Baumeister weiter. »Die Unternehmen haben es über Jahre versäumt, die Arbeit attraktiver zu machen. Das rächt sich jetzt.« Und wenn dann nur noch das Kurzarbeitergeld ausgezahlt wird, »wissen viele nicht, wie sie über die Runden kommen sollen«, erklärte der Gewerkschafter.
    Quelle: junge Welt
  8. Mein Vater war ein Gastarbeiter
    Erschreckend wenige Menschen in Deutschland kennen die Geschichte der Gastarbeiter. Dabei haben sie beigetragen zum Aufbau im Nachkriegsdeutschland und nicht zuletzt zum Wohlstand in diesem Land. Über Vergessen und Erinnern.
    Als mein Vater starb, beerdigten wir ihn auf seinen Wunsch in Anatolien. Dort stand ich auf dem Flughafen und flog ohne meinen Vater zurück. Reiste in das Land zurück, in das er gekommen war, in dem er nicht in der Gegenwart, sondern immer in einer Zukunft gelebt hatte. Einer Zukunft, die schließlich für immer in seiner Imagination bleiben musste. Manche Träume realisieren sich nicht. Manche bleiben ungelebt. Mein Vater war ein Gastarbeiter.
    Die von den Gastarbeitern angestrebte Rückkehr – nur ein paar Jahre arbeiten, Geld verdienen und dann zurück – war schließlich endgültig mit dem Tod eingetreten. Dieser für mich bis dahin unbekannte Schmerz des Verlustes brachte anderen Kummer mit, andere, neue Erkenntnisse. Ich wurde wieder ein Gastarbeiterkind. Von meinem Vater war keine Spur mehr in Deutschland. Niemand erinnerte sich an ihn. An die Gastarbeiter. Selbst im Tod bleiben sie unsichtbar. Über diese Zäsur habe ich hier und hier geschrieben.
    Quelle: Kontext: Wochenzeitung
  9. Drei Wochen nach der Hochwasser-Katastrophe: „Total im Stich gelassen“: Ahrweilers Flutopfer kochen vor Wut über mangelnde Hilfe
    21 Tage nach der Flutkatastrophe mit allein 139 Toten im Landkreis Ahrweiler leben viele Menschen im Ahrtal zwischen Blankenheim und Remagen nach wie vor ohne Wasser, Strom, Duschen und Toiletten. FOCUS Online sprach mit den Menschen in Bad Neuenahr, die von Stadt und Landrat, jedoch auch von Technischem Hilfswerk und Feuerwehr allein gelassen werden.
    „Es ist eine Frechheit, was hier mit uns passiert“, sagt Markus Reisenhofer (34). Der Fernfahrer war beruflich in Bremen, als ihn um 3 Uhr in der Nacht vom 14. Juli auf den 15. Juli eine WhatsApp-Nachricht seines Vaters erreicht: „Bad Neuenahr gibt es nicht mehr.“ Reisenhofer versteht nicht. „Ich dachte erst, er macht einen Witz.“ Drei Stunden später schickt ihm ein Kollege ein Foto seines Autos: Der blaue Ford Focus schwimmt auf dem Betriebshof seiner Spedition. Nur die Antenne ragt noch aus dem Wasser. Zur gleichen Zeit kommt noch eine Nachricht des Vaters, der im selben Häuserblock wohnt: „Du hast keine Wohnung mehr.“ Reisenhofer ist fassungslos: „Man hat sich über Jahre eine Existenz aufgebaut und dann ist in wenigen Stunden alles zerstört“, sagt der schlaksige schwarzhaarige Mann in der dunkelblauen Arbeitshose.
    Quelle: Focus Online

    dazu: 141 Tote und ein Anfangsverdacht: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Landrat
    Nach der Flutkatastrophe in Ahrweiler wird gegen CDU-Landrat Jürgen Pföhler und ein Mitglied des Krisenstabes ermittelt. Sie könnten sich durch Unterlassen strafbar gemacht haben
    Jetzt ist es offiziell: Die Staatsanwaltschaft Koblenz hat ein Ermittlungsverfahren gegen den Landrat des von der Flutkatastrophe besonders betroffenen Landkreises Ahrweiler, Jürgen Pföhler (CDU), eingeleitet. Es gehe um den Anfangsverdacht der fahrlässigen Tötung und fahrlässigen Körperverletzung durch Unterlassen am Abend des Hochwassers vom 14. Juli, teilte die Behörde am Freitag mit.
    Quelle: Telepolis

  10. Eine tödliche Kombination
    Ein Jahr nach „Beirutshima“ liegt der Libanon am Boden. Die Politik ist gelähmt. In der Bevölkerung herrschen Wut und Verzweiflung.
    Am 4. August 2020 um 18.07 Uhr blieb im Libanon die Zeit stehen. An diesem schrecklichen Tag wurde nicht nur eine Stadt verstümmelt, sondern eine ganze Bevölkerung. Viele Zahlen wurden bekannt: 2 750 Tonnen Ammoniumnitrat, 215 Todesopfer, mehr als 6 500 Verletzte, mindestens zwei Opfer, die nach einem Jahr noch immer im Koma liegen, über 70 000 beschädigte Wohneinheiten, mehr als 300 000 Menschen, die ihr Zuhause verloren haben. Geschätzte acht Milliarden US-Dollar an materiellen Schäden. Unbezahlbare Verluste an Menschenleben. Die entscheidende Zahl sind die über sieben Millionen traumatisierten Menschen im Libanon und im Ausland, die um Gerechtigkeit kämpfen.
    Ein Jahr ist seit diesem Tag nun vergangen. Über der Explosion vom 4. August – von vielen „Beirutshima“ genannt, das sie ein fast nukleares Ausmaß an Zerstörung brachte – schwebt immer noch das Gespenst der Straffreiheit. Die libanesische Gesellschaft befindet sich in einer massiven Krise, die von Verzweiflung und Enttäuschung geprägt ist. Es ist eine tödliche Kombination: die abstürzende Währung des Landes, Banken, die das Geld ihrer Kunden einbehalten, die Pandemie und eine Katastrophe von beinahe atomarer Wucht.
    Quelle: IPG Journal
  11. EU-Abschottung: »Es bleibt die tödlichste Fluchtroute«
    Seenotrettung im Mittelmeer: Schiff »Ocean Viking« mit mehr als 500 Menschen an Bord auf sich allein gestellt. Ein Gespräch mit Petra Krischok
    Ihr Rettungsschiff »Ocean Viking« hat mehr als 500 Kinder, Frauen und Männer an Bord, die seit dem Sonnabend in sechs Einsätzen auf dem Mittelmeer aus Seenot gerettet wurden. Die Situation auf dem Schiff wurde als »untragbar« bezeichnet. Wie ist die Lage konkret?
    Seit vier Tagen sind 553 von SOS Méditerranée gerettete Menschen auf der »Ocean Viking«, nachdem sie zuvor bis zu drei Tage lang in Todesangst in seeuntüchtigen Booten auf dem Mittelmeer ausgeharrt haben. Die erschöpften Männer, Frauen und Kinder leiden unter der Hitze, der Enge an Deck und der Ungewissheit, was mit ihnen passiert. Der psychische Druck wächst. Außerdem haben viele körperliche und seelische Beschwerden, vor allem als Folge der unmenschlichen Bedingungen in den Internierungslagern in Libyen.
    Quelle: junge Welt
  12. Vor der US-Küste Sauerstofffreie: »Todeszone« im Golf von Mexiko dehnt sich weiter aus
    Dort, wo der Mississippi sein Wasser in den Golf von Mexiko spült, befindet sich ein lebensfeindliches Gebiet im Meer: Die USA wollen die Ausdehnung dieser »dead zone« begrenzen – bisher ohne Erfolg. […]
    Der Mississippi, der längste Fluss der USA, löst das Entstehen der »Todeszone« aus. Hauptverursacher ist jedoch der Mensch. Denn: Überschüssige Nährstoffe aus städtischen und landwirtschaftlichen Gebieten fließen in den Mississippi. Der Fluss spült sie dann weiter in den Golf. Dort wirken sie wie ein Dünger für Algen. Die Algen wachsen übermäßig schnell – ein Phänomen, das als Algenblüte bezeichnet wird. Das ist aber noch nicht das Problem, denn Algen betreiben Fotosynthese und produzieren Sauerstoff. Doch wenn die Algen absterben, sinken sie auf den Grund. Dort werden sie von Bakterien zersetzt – und bei diesem Prozess wird Sauerstoff verbraucht.
    Quelle: DER SPIEGEL
  13. Protektionistische US-Handelspolitik schadet der Wirtschaft weltweit
    US-Handelsrestriktionen belasten Finanzmärkte – Aktienkurse und Anleiherenditen geben nach Zollerhöhungen und ähnlichen Maßnahmen nach – Wirkung hält bis zu fünf Monate an – Fast alle Branchen und Handelspartner sind negativ betroffen – Rückkehr zur multilateralen Handelsordnung wäre wünschenswert
    Erst Ende Juli hat US-Präsident Joe Biden eine Verschärfung der „Buy America“-Politik angekündigt und führt damit die protektionistische Handelspolitik seines Vorgängers Donald Trump fort. Dass diese aber nicht nur der US-Wirtschaft, sondern fast allen Handelspartnern geschadet hat, zeigt eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Demnach haben die Finanzmärkte auf Zollerhöhungen und andere restriktive Maßnahmen der Trump-Administration bis zu 100 Handelstage, also rund fünf Monate lang, signifikant negativ reagiert. Für die Studie haben die DIW-Ökonomen Lukas Boer, Lukas Menkhoff und Malte Rieth die einzelnen US-handelspolitischen Ankündigungen und Umsetzungen von 2017 bis 2020 identifiziert und mithilfe eines SVAR-Modells in Beziehung zu den Entwicklungen der Finanzmärkte gesetzt.
    Quelle: DIW
  14. Wahlrechtsgrundsätze als Säulen der innerparteilichen Demokratie
    Der Bundeswahlausschuss hat heute die Entscheidung des saarländischen Landeswahlausschusses bestätigt, die Landesliste der Grünen im Saarland nicht zur Wahl zuzulassen. Zu Unrecht wurde diese Entscheidung auf den Ausschluss der Delegierten aus Saarlouis für die Landesvertreterversammlung gestützt. Die Entscheidung ist aber im Ergebnis richtig, weil das Frauenstatut der Grünen mit elementaren Wahlrechtsgrundsätzen unvereinbar ist.
    Quelle: Verfassungsblog

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