Die Pandemie der Eindimensionalität

Die Pandemie der Eindimensionalität

Die Pandemie der Eindimensionalität

Ein Artikel von Rainer Fischbach

Seit bald zwei Jahren ist die eine Botschaft allgegenwärtig: Die größte Gefahr, die die Menschheit wie auch uns individuell überall und jederzeit, wo wir anderen begegneten, bedrohe, sei die durch das SARS-CoV-2 oder, wie es oft in beschwörendem Tonfall heißt, die durch ›die Pandemie‹. Rettung bringe ausschließlich die Impfung.[1] Alle müssten deshalb dabei mitmachen. Nur so sei die Herdenimmunität herzustellen, die das Virus aus der Welt schaffen werde. Ein kennzeichnendes Merkmal der sich darin äußernden Sicht ist ihre Eindimensionalität: es gäbe genau ein Problem, das nur eine Ursache hätte und deshalb auch nur die eine Lösung, die diese eine Ursache aus der Welt schaffe. Doch die Ursachen der Phänomene in der realen Welt haben eines gemeinsam: sie treten so gut wie nie im Singular auf.[2] Von Rainer Fischbach.

Dem scheint die Alltagserfahrung zu widersprechen. Jörg Phil Friedrich führt den Steinwurf gegen die Glasscheibe ins Feld, um zu unterstreichen, dass »klar ist, dass diese konkrete Scheibe jetzt kaputt ist, weil ich einen Stein dagegen geworfen habe«.[3] Das mag oft so sein, doch wenn der Stein z.B. nur eine Masse von wenigen Gramm hatte und nur mit leichtem Schwung geworfen wurde, sollte man sich schon fragen, ob noch andere Faktoren im Spiel waren. Völlig anders sieht die Sache aus, wenn wir den Steinwurf in einen anderen Kontext stellen: Ein faustgroßer Stein wurde durchaus mit Wucht gegen eine Scheibe geworfen, die zu einem Geschäft gehörte, dessen Inhaber diese, vom Hersteller als bruchsicher beworbene, Scheibe erst vor kurzem einbauen lassen hatte. Bei dem Verfahren um Schadensersatz, das der Geschäftsinhaber gegen die mit dem Einbau beauftragte Firma anstrengt, geht es dann genau darum, dass keinesfalls klar ist, dass der Steinwerfer schuld am Glasbruch ist, sondern ob vielmehr die Firma nicht sauber gearbeitet bzw. nicht das spezifizierte, d.h. vielmehr minderwertiges Material eingebaut bzw. geliefert bekommen hatte oder ob der Hersteller sogar mit unseriösen Versprechen arbeitet. Noch einmal anders stellte sich die Sache dar, wenn der Stein nicht mit der Hand geworfen, sondern mit einem Katapult geschossen worden wäre. Hier wäre dann zu diskutieren, was ›bruchsicher‹ im vorliegenden Fall genau heißt. Der Begriff der Stabilität hat nicht nur einen faktischen, sondern auch einen normativen Gehalt: In der Technik gilt als stabil, was unter auslegungsgemäßen Lasten das auslegungsgemäße Verhalten zeigt. Es gibt keine absolute Stabilität.

Tatsächlich verhindern die Schemata des Alltagsverstandes, ganz besonders das Denken in in linearen Wirkungsketten, oft die Wahrnehmung von komplexeren Zusammenhängen. Zu dieser Art der Engführung des Denkens gehört auch die Vorstellung, dass die Speicherung, der Transport und die Verarbeitung von Information immer expliziter Vorrichtungen bedürften, wie wir sie von technischen Geräten kennen. Herd und Kühlschrank haben Sensoren für die Temperaturmessung, Signalleitungen und einen Regelmechanismus, der einen Schalter betätigt. Doch in Organismen, die ihre Temperatur regulieren, gibt es weder Entsprechungen solcher Gerätschaften, noch folgen sie starren Zielwerten, sondern differenzieren diese nach Zonen und Situationen. Die Vorstellung eines dinglichen Wirkmechanismus, der Jörg Phil Friedrich anhängt, führt in die Irre:

»Nur wenn wir uns ein Wirkprinzip wenigstens vorstellen können, glauben wir an eine Wirkung. Umgekehrt gilt genauso: Wenn wir uns ein Wirkprinzip überhaupt nicht vorstellen können, glauben wir auch nicht an die Wirkung. Nur wenige können sich vorstellen, dass Wasser ein Gedächtnis hat, welches irgendwie die Wirksamkeit eines homöopathischen Mittels zeigt […].«[4]

Was die Homöopathie angeht, bin ich, ganz im Gegensatz zu vielen Zeitgenossen, die entschieden der einen oder anderen Seite zuneigen, völlig leidenschaftslos. Doch ist es völlig unwissenschaftlich, etwas abzulehnen, weil man sich kein dingliches Wirkprinzip vorstellen kann. Vielmehr muss man die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass Wasser kein Gedächtnis hat, sondern das Gedächtnis ist, weil selbst Moleküle, die aktuell in einem bestimmten Quantum Wasser nicht mehr vorhanden sind, doch seinen Zustand verändern, also Spuren darin hinterlassen haben können. Ich maße mir nicht an, zu beurteilen, was das genau bedeutet, doch ist es zunächst eine durchaus interessante Hypothese, die weiter zu untersuchen wäre.[5]

Tatsächlich gibt es in den Dimensionen, in denen quantenmechanische Effekte eine Rolle spielen, viele Phänomene, zu denen wir uns kein Wirkprinzip vorstellen können, das sich mit den anerkannten, d.h. auch den relativistischen, Vorstellungen einer in Raum und Zeit kausal organisierten stofflichen Welt deckt. Auch Albert Einstein hatte damit ein Problem, was ihn und zwei Kollegen zu der Formulierung des berühmten Einstein-Podolsky-Rosen-Paradoxons (EPR-Paradoxon) durch ein Gedankenexperiment veranlasste, bei dem die Messung einer im Rahmen der Quantenmechanik nicht deterministisch bestimmten Zustandsgröße an einem Teilchen an einem Ort die Festlegung dieser Größe an einem anderen Teilchen an einem anderen Ort zur Folge hat, wenn der Zustand dieser beiden Teilchen verschränkt, d.h. durch bestimmte Gesetzmäßigkeiten, z.B. die Erhaltungssätze und eine Zustandsfunktion, gekoppelt ist. Es gibt kein Wirkprinzip, das diesen Effekt einer im herkömmlichen Sinne realistischen Weltsicht entsprechend erklären könnte — was Einstein und seine Kollegen als Argument gegen die Quantenmechanik verstanden, die Derartiges forderte. Dieser nichtlokale Effekt ist jedoch inzwischen auch empirisch, nämlich durch Experimente, die eine Verletzung der durch John Bell formulierten und nach ihm benannten Ungleichung zeigen, bestätigt und damit auch belegt, dass es gesetzmäßige Zusammenhänge gibt, denen unsere Vorstellungen von Wirkprinzipien nicht gerecht werden.[6] Wenn man dabei nicht stehenbleiben möchte, sondern nach einem Modell sucht, das diese Zusammenhänge erklärt, dann gelangt man dazu, »dass die unterschiedlichen Teilchen buchstäblich als Projektionen einer höherdimensionalen Realität zu nehmen sind, von der es nicht möglich ist, Rechenschaft in Begriffen einer zwischen ihnen wechselwirkenden Kraft zu geben«.[7] Der bisher einzige funktionierende Versuch, den Indeterminismus der heute dominierenden Interpretation der Quantenmechanik, in der es für das EPR-Paradoxon keine Erklärung gibt, zu überwinden, eröffnet den Blick in eine Welt, in der die raumzeitliche Trennung der Dinge aufgehoben ist.

Ebenfalls, wenn auch auf eine andere Weise, überschreiten die Zusammenhänge des Lebendigen die verbreiteten mechanistischen Vorstellungen von Wirkprinzipien. Deren Grenzen werden immer wieder sichtbar, wenn in den Medien von der Interaktion zwischen Organismen und Viren ein Bild gezeichnet wird, das Letztere als handelnde oder gar strategisch überlegende Agenzien darstellt, die Erstere angreifen oder einer Abwehr, z.B. durch eine Impfung, ausweichen — wobei auch naturwissenschaftliche Begriffsbildungen wie die der Escape-Mutation bei wörtlicher Interpretation Anlass zu Missverständnissen geben. Doch ebenso inadäquat wie die Vorstellungen von handelnden Viren oder Bakterien sind die von der Wirksamkeit menschlicher Gegenwehr, sei es durch Isolation, Masken oder Impfungen. Tatsächlich besiedeln Bakterien und Viren komplexere Organismen wie auch den menschlichen Körper in Zahlen, die die von deren Zellen um mindestens eine Größenordnung übertreffen, und sie tun dies, weil diese Organismen, genauer: die Gesellschaften, zu denen sie sich formieren, ihnen ein Habitat bieten, d.h. ihre Reproduktion ermöglichen bzw., wie im Fall der Viren, sogar betreiben. Viren haben, anders als Bakterien, keinen eigenen Stoffwechsel und können sich auch nicht selbstständig vermehren, sondern benötigen dazu Wirtszellen, doch sind sie integraler Bestandteil des Lebens und sogar Treiber von dessen Evolution, indem sie auch einen horizontalen Genaustausch ermöglichen. Ein Virion ist eine Art genetischer Flaschenpost. Vieles aus dieser, als Mikrobiom bezeichneten, Mikrowelt ist für die Physiologie und Integrität der Organismen sogar konstitutiv. Ohne das Mikrobiom der Haut funktionierte diese nicht als Schutzwall gegen fremde Mikroben und ohne das des Darmes gäbe es keine Verdauung; wobei spezielle Viren, die sogenannten Bakteriophagen nicht nur dafür sorgen, dass die Darmbakterien nicht überhandnehmen, sondern als Genboten deren Evolution vorantreiben.[8] Das Verhältnis der Organismen zu dieser Mikrowelt ist evolutionär entstanden, d.h. aus einer Geschichte gegenseitiger Anpassung hervorgegangen. Dieser Anpassungsprozess geschieht beständig, ohne, solange es Leben gibt, jemals einen Abschluss zu finden.

Während die Menschheit lernte, manches, mit dem sie im Verlaufe ihrer zivilisatorischen Entwicklung — durch Haustiere, Siedlungsverdichtung, Verkehr — konfrontiert wurde und an das sich anzupassen eher schwierig war oder misslang, durch geeignetes Verhalten zu vermeiden bzw. dieses durch sanitäre Einrichtungen von sich fernzuhalten, blieben ihr, neben vielem anderen, die vorwiegend zu den Viren zu rechnenden Begleiter, denen episodisch auftretende Phänomene wie Husten, Schnupfen, Heiserkeit, Hals- und Kopfschmerzen auch mit etwas Fieber zugerechnet werden, erhalten. Vielgestaltigkeit und Variabilität sind die hervorstechenden Merkmale dieser sogenannten respiratorischen Viren, die prosperieren werden, solange Menschen Schleimhäute haben und atmen. Generell gilt im Verhältnis zwischen der Menschheit und ihrer angestammten Mikrowelt, dass episodisch auftretende Ereignisse wie Epidemien oder auch nur die alljährliche Erkältungssaison ebenso sehr mit Veränderungen des Habitats, das sie ihr bietet, wie mit Entwicklungen jener Mikrowelt zu tun haben, die immer in Wechselwirkung mit jenem stattfinden. Sie signalisieren Verschiebungen, die bestimmten Arten eine disproportional große ökologische Nische einräumen.

Der fundamentale Irrtum des heute vorherrschenden eindimensionalen Denkens besteht in dem Glauben, Erkrankungen, die in der Folge solcher ökologischer Verschiebungen auftreten, primär durch eine Bekämpfung von einzelnen, dabei als Pathogene in den Blick geratenden, Bakterien oder Viren aus der Welt schaffen zu können. Insbesondere wird dabei übersehen, dass die Verschiebungen fortbestehen und lediglich andere Pathogene die dadurch auftauenden ökologischen Nischen nutzen, ja, dass Bekämpfungsmaßnahmen dem Habitat selbst oft Veränderungen zufügen, die sie vergrößern. So zeigt eine Studie, dass die Impfung gegen Influenza, die aktuell wieder nachdrücklich empfohlen wird, zwar die Zahl der Fälle vermindert, in denen genau die Viren nachweisbar sind, gegen die diese sich richtet, jedoch nicht die Anzahl der Erkrankungen mit einschlägiger Symptomatik[9] — was bedeutet, dass an die Stelle der Influenzaviren lediglich andere treten. Dass Stress, Angst und Vereinsamung, die mit den angeblich zur Bekämpfung des Virus durchgeführten Maßnahmen einhergehen, die ökologische Nische für dieses und weitere erweitern, ist ebenso offenkundig, wie es von den Erlassern der Maßnahmen ignoriert wird.[10]

Die Zahl der gegen Influenza Geimpften liegt in der Größenordnung von 10% der Bevölkerung. Die heutigen Impfstoffe gegen verschiedene Influenzaviren basieren größtenteils jeweils auf einem Protein aus der Hülle des Virus, das durch verschiedene Verfahren aus Virionen zu isolieren ist, die in Zellkulturen vermehrt werden. Wie die aktuell gegen das SARS-CoV-2 eingesetzten genetischen Stoffe, die menschliche Zellen veranlassen, ein bestimmtes Protein zu produzieren, adressieren sie nur ein Fragment des Virus und rufen deshalb nur eine schmalbandige Immunantwort hervor, die gegen neue Varianten, die bei den hohen Evolutionsraten, die insbesondere die RNA-Viren aufweisen, zu denen die Influenza- und die Coronaviren gehören, rasch an Wirksamkeit verliert. Was geschieht, wenn nicht nur 10%, sondern der überwiegende Teil der Bevölkerung einer solchen Behandlung unterzogen wird, ist gegenwärtig zu beobachten.

Noch vor wenigen Wochen berichtete die ARD triumphierend, dass »Spanien […] eine Herdenimmunität erreicht haben [könnte]« weil es dort eben keine Querdenker gäbe und deshalb Impfquoten von 80% und bei den über 18-Jährigen sogar von 90% erreicht wären.[11] Inzwischen liegt dort die Zahl der neuen Fälle — genauer natürlich: der positiv Getesteten — im Verhältnis zur Bevölkerung noch über der deutschen und hat das RKI Spanien wie auch Dänemark und Portugal, die ebenfalls als Impf-Musterländer gelten, zu Hochrisikogebieten erklärt.

Ein Anteil von 80% Geimpften an der Bevölkerung, das sei, so hören wir, nachdem ursprünglich sogar 60-70% reichen sollten, seit einiger Zeit die Schwelle, bei der die Herdenimmunität einsetze und das Virus als besiegt gelten könne. Und jetzt das? Wie konnte das geschehen? Ganz offenkundig erleben wir gerade das Scheitern der Politik, die allein auf die Impfung setzte und dies auch noch mit unrealistischen Versprechungen begleitete. Diese Politik ist beispielhaft für das eindimensionale Denken, dessen massenhafte Verbreitung die Pandemie unserer Zeit ist. Der folgende Versuch, diese Aussage zu begründen, versucht einiges, was ich dazu schon in einem früheren Beitrag ausgeführt habe,[12] ausführlicher zu erläutern und zu ergänzen. Zunächst die vier, oben bereits knapp angedeuteten, wesentlichen Merkmale der aktuell bevorzugt verwendeten Stoffe, die jedoch auch auf solche zutreffen, die die betreffenden viralen Proteine selbst enthalten, anstatt deren Produktion in den Körperzellen zu erzwingen:

  1. Keine Impfung mittels einer Injektion kann ein respiratorisches, d.h. auf die Schleimhäute von Nase und Rachen spezialisiertes Virus daran hindern, sich dort niederzulassen, in deren Zellen einzudringen und sich zu vermehren.
  2. Wer sich in einem geschwächten Zustand befindet, wird dann vielleicht nicht Opfer des einen Virus, aber dafür eines anderen oder eines sonstigen Pathogens.
  3. Eine Impfung, die vor allem Antikörper gegen ein einzelnes Protein der Virushülle hervorruft, ist viel zu schmalbandig und wird gegen rasch auftretende Varianten, die dieses Protein durch ein verändertes ersetzen, unwirksam.
  4. Eine Impfung, die darauf zielt, vor allem Antikörper, d.h. eine humorale Immunantwort hervorzurufen und die zelluläre außer Acht lässt, verliert schon allein durch das offensichtlich sehr schnelle Verschwinden der Antikörper an Wirksamkeit.

Ungeachtet der Tatsache, dass eine dauerhafte Abwehr, die zwar keine vorübergehende Infektion, doch eine ernstere Erkrankung verhindert, nur auf dem zellulären Immunsystem beruhen kann,[13] werden die Status ›geimpft‹ und ›genesen‹ einzig nach dem Antikörpertitter zugeteilt. Das ist ein Rezept für, da von schwindender Wirksamkeit, ebenso sinnlose wie endlos zu wiederholende Booster-Impfungen. Ebenso fragwürdig ist das willkürliche Hantieren einer entfesselten Bürokratie mit den, meist auch noch in inkonsistenter Weise an solche Werte gebundenen, Fristen des Statusentzugs. Doch tatsächlich erweist sich die massive Impfkampagne nicht nur als weitgehend unwirksam, sondern zudem als fatal — fatal vor allem deshalb, weil das rücksichtslose Ausrollen der Impfung nicht nur für die Mehrzahl der Betroffenen zumindest überflüssig und nicht ganz selten auch schädlich ist, sondern vor allem, weil es den bedingten Schutz, den sie einer kleinen Gruppe von Gefährdeten möglicherweise bietet, noch weiter durchlöchert. Zur Erklärung muss ich etwas weiter ausholen.

Den grundlegenden Sachverhalt, der sich auch in Deutschland inzwischen einstellt, doch in den Ländern mit sehr hoher Impfquote wie Spanien, Portugal und Dänemark schon länger massiv hervortrat, schlüsselt eine aktuelle, bereits durch die Peer Review gegangene und soeben als Preprint veröffentlichte Studie aus den USA auf:[14] in einem über tausend Fälle umfassenden Infektionscluster war die Delta-Variante für 99% davon verantwortlich. 84% waren geimpft. Ungefähr 40% der Fälle mit entsprechendem Anteil der Geimpfen wurden in die Studie einbezogen. Die Infektionswege wurden überwiegend genetisch rekonstruiert und, wo Kontaktdaten vorhanden waren, auch genetisch verifiziert.

Die Übertragungen fanden überwiegend zwischen Geimpften statt und vor allem gab es in der Virenlast keinen Unterschied zwischen Geimpften und nicht Geimpften, wobei auch der zeitliche Abstand zur Impfung keine signifikante Rolle spielte: »diagnostic cycle threshold (Ct) values, an approximation of viral load, were similar between vaccinated and unvaccinated individuals and between symptomatic and asymptomatic individuals […] Ct values decreased slightly with increasing time since vaccination, but the trend was not statistically significant«.[15] Wenn man also, anstatt vorwiegend nicht Geimpfte zu testen, eine Momentaufnahme des Infektionsgeschehens macht, gibt es keine »Pandemie der Ungeimpften«, sondern ein Geschehen, das alle gleichermaßen, ja die Geimpften sogar ein wenig mehr, erfasst. Das galt schon für die Delta-Variante und mit Omikron deutet sich an, dass diese die Geimpften sogar überproportional befällt. Der weitgehende Ausschluss der nicht Geimpften aus der Gesellschaft durch die 2G-Regel ist eine ebenso sinnlose wie gefährliche Maßnahme, für die sich, sofern man ausschließen möchte, dass hier massive ökonomische Interessen und vielleicht auch disziplinarische Intentionen im Spiel sind, kein nachvollziehbarer Grund finden lässt. Während die Möglichkeit, sich selbst und dann auch andere zu infizieren, schon unmittelbar nach der Impfung besteht und sich offenkundig nicht von der bei nicht Geimpften unterscheidet, besteht gegen die bisherigen Virus-Varianten durch die Impfung zumindest ein, im Laufe weniger Monate allerdings verschwindender Schutz gegen symptomatische und schwere Verläufe.[16]

Es ist noch offen, wie sich dieser Schutz unter der Omikron-Variante verhält. Eine aktuelle serologische Studie, die bereits die Peer-Review durchlaufen hat, akzeptiert und als Preprint verfügbar ist,[17] berichtet, dass der überwiegende Teil der, sei es durch Impfung, sei es durch eine Infektion gebildeten, Antikörper (17 von 19 Typen) gegen die Omikron-Variante wirkungslos oder nur vermindert wirksam sei. Zu den Berichten aus Südafrika, denen zufolge mit der Omikron-Variante verminderte Zahlen von symptomatischen Erkrankungen und Hospitalisierungen verbunden seien, gibt es, nach anfänglich eher zurückhaltenden Berichten,[18] inzwischen Bestätigungen auch aus Europa. Dafür scheint, zumindest legen dies Tierversuche und Modellstudien nahe, eine verminderte Fähigkeit der Variante, in Lungenzellen einzudringen, verantwortlich zu sein.[19] Mit der erhöhten Infektiösität der Variante ginge damit, einem bekannten Muster entsprechend, eine verringerte Pathogenität einher. Eine interessante Fragestellung wäre in diesem Zusammenhang, ob nicht sogar die Mutationen des Spike-Proteins, die zu einer optimierten Anpassung an die Umgebung der Nasen- und Rachenschleimhäute führen, zugleich auch eine schlechtere Anpassung an die Lungenumgebung bedingen. Spezialisierung würde den Erfolg in einer Umgebung steigern und ihn in einer anderen, die zudem für die Verbreitung des Virus irrelevant ist, vermindern. Träfe dies zu, wären die das nächste Unheil beschwörenden Spekulationen über ein chimärisches ›Deltakron‹ gegenstandslos.

Andererseits sind die Ursachen für die schwachen Auswirkungen von Omikron in Südafrika nicht vollständig geklärt. Möglicherweise sind viele Nichtfälle bzw. milde Verläufe selbst in Europa neben der geringeren Gefährlichkeit von Omikron auch auf eine gewisse Verbreitung der zellulären Immunität zurückzuführen. Wenn man davon ausgeht, dass ca. 70% der Bevölkerung in Südafrika bereits eine Infektion erfahren und dadurch eine viel breitere zelluläre Immunität erworben haben, die auch nach dem Abklingen bzw. bei Unwirksamkeit der Antikörper immer noch einen guten Schutz gegen eine ernste Erkrankung bietet, dann bedeutet dies, dass die Strategie der möglichst vollständigen Durchimpfung der Bevölkerung die Länder, die ihr gefolgt sind, in eine gefährliche Sackgasse geführt hat. Christian Drosten ist in diesem Zusammenhang etwas herausgerutscht, was wohl eine bittere Wahrheit preisgibt. Mit Blick auf die günstigen Anzeichen aus Südafrika sagte er am 23.12.2021 im ZDF: »In gewisser Weise kann uns das beruhigen. Südafrika ist sicher ein Blick in eine Zukunft, in eine endemische Situation, die sich dort gerade einstellt […] Nur sind wir leider noch ein ganzes Stück davon entfernt«.[20] Das heißt also, dass Deutschland mit einer Impfquote von über 70% und, wenn man die miserable Dokumentation in Betracht zieht, vielleicht sogar von über 80% weiter von der endemischen Normalität entfernt ist als Südafrika mit einer Quote von ca. 25 bis 30%!

Konsequent zu Ende gedacht bedeutet das, dass die Länder, die exklusiv auf die Impfung setzen, nicht nur ein Rezept für eine nicht endende Folge von Wellen mit immer neuen, auf die Geimpften adaptierten, Varianten des Virus und, da frohlockt die Pharmaindustrie, Booster-Impfungen befolgen, sondern auch ihre Bevölkerung einer fortgesetzten Belastung durch eine inadäquate Immunantwort aussetzen. Insbesondere sind gerade die Risikogruppen, für die die Impfung einen gewissen Sinn hat, besonders gefährdet, weil die Masse der ohne erkennbare Indikation Geimpften das ist, was eine bairische Redensart als »a gmahde Wiesn« bezeichnet.[21] Während das Immunsystem jedes Infizierten die an die jeweilige Variante angepasste, breite Antwort entwickelt, die Durchseuchung also eine flexible, autoadaptive Immunisierung bildet, stellt die auf Impfstoffe, die gegen ein Protein einer längst nicht mehr im Umlauf befindliche Variante entwickelt wurden, eine starre, uniform schmalbandige dar und übt deshalb einen breitflächigen Selektionsdruck zugunsten von Varianten aus, gegen die diese weitgehend unwirksam ist. Ja mehr geimpft wird, desto schneller geht das. Wenn man nicht zu den Gefährdeten gehört, ist die Impfung kein Akt der Solidarität, sondern höchstens eine individuelle Vorsichtsmaßnahme und oft eher das Gegenteil von Solidarität. Das mag jeder für sich entscheiden und, insbesondere angesichts der massiv geschürten Ängste, verständlich sein, doch stellt es weder einen Anlass dar, es zur Tugend adeln, noch gar es zur Pflicht zu erklären.

Eindimensionales Denken führt oft zu Aktionen mit im günstigsten Fall lediglich fiktiven und im ungünstigsten mit kontraproduktiven Resultaten. Musterbeispiel dafür ist die Bundesregierung, die jeden Anstieg der sogenannten Infektionszahlen, d.h. der positiven Testergebnisse, dem Virus und jeden Rückgang ihren Maßnahmen zuschreibt. Dass das Geschehen bei den Atemwegserkrankungen eine ausgeprägte Saisonalität aufweist, dass die lokal epidemischen Phasen der Virusausbreitung selbstlimitierend sind, dass die Zahl der positiven mit der Gesamtzahl der Tests korreliert und, nicht zuletzt, dass nahezu alles, was als Maßnahme gegen das Virus deklariert wird, vor allem auch eine gegen die Gesundheit der Bevölkerung ist, bleibt von der Echokammer, in der sich Regierung und Medien bewegen, ausgeschlossen. In der Politik liegt beides, das eindimensionale Denken wie das verwandte Handeln, nahe beieinander, zumal Politiker sich unter dem beständigen Druck wähnen, Entschlossenheit durch Handeln demonstrieren zu müssen — ein Eindruck, den zu verstärken die tonangebenden Medien sich große Mühe geben. Anstatt gezielt die wenigen Dinge zu tun, die machbar und erfolgversprechend sind — der Bevölkerung ein paar Hinweise zu geben, die sie selbstverantwortlich zu befolgen vermag, denen gezielt zu helfen, die Schutz und Unterstützung benötigen, schließlich dort für Linderung, Heilung und Pflege zu sorgen, wo dies geboten ist, werden mit großem Getöse, Strafandrohung, Angstpropaganda und Nötigung Maßnahmen wie Kontaktsperren, Maskenpflicht, Massentest und Massenimpfung durchgesetzt, die unnötig und teuer sind sowie massive wirtschaftliche, soziale und gesundheitliche Schäden zur Folge haben.

Zentrales Element dieser Politik ist die Entmündigung durch Medikalisierung. Der Mensch und der menschliche Organismus seien hilflos Gefährdungen ausgesetzt, denen zu wehren, permanente Überwachung und frequente Intervention durch die medizinische Profession und ihre Helfer erfordere. Nur so könne er seine Aufgabe als Glied in einem gesunden Volkskörper erfüllen. Dass hier Resonanzen mit Klängen aus dunklen Zeiten hörbar werden, ist kein Zufall. Ein Antifaschismus zum intellektuellen Nulltarif gefällt sich heute zwar darin, die Kritik an den Regierungsmaßnahmen in die Nähe des Faschismus zu rücken, doch übersieht er dabei, dass man sich eher fragen muss, ob in jenen Maßnahmen »[…] nicht die gleiche technologische Optimierungslogik, die einst die ideale Rasse erschaffen wollte, in neuem, nun globalem Gewand wieder auferstanden [ist], um auf ihre Weise erneut die Welt ›retten‹ zu wollen?«.[22] Dass der Nationalsozialismus und die Wissenschaft seiner Zeit, ganz besonders die medizinische, sich keinesfalls feindlich gegenüberstanden, sondern vielmehr beiderseitig ihre Harmonie betonten, scheint dieser aparten, doch dessen ungeachtet zum Mainstream avancierten, Spielart des Antifaschismus, der allzu gerne auch mit Etiketten wie ›esoterisch‹ und ›wissenschaftsfeindlich‹ operiert, völlig entgangen zu sein. Als Fritz Lenz, eine der medizinischen Autoritäten jener Zeit, schon 1931 erklärte, dass der Nationalsozialismus »angewandte Wissenschaft, in erster Linie angewandte Biologie, angewandte Rassenkunde« sei,[23] konnte er sich der Zustimmung weiter Krise seines Standes sicher sein. Kein anderer war zu so großen Teilen in diversen NS-Organisationen vertreten. Das eugenische Programm wurde in zahlreichen, gerade auch westlichen, Ländern verfolgt und NS-Deutschland war nicht einmal das erste, das entsprechende Gesetze erließ. Folgt man der Diktatur der Gesinnung, hat man es nicht mehr nötig, sich in eine Sache zu vertiefen, da es ja reicht, auf der richtigen Seite zu stehen, heute wieder auf der der ›Wissenschaft‹. Dies tiefer zu analysieren, erforderte jedoch einen eigenen Artikel.

Wieder in Mode ist auch jene Neigung, das Sollen aus dem Sein bzw. aus dem, was man darin an Gesetzen erkannt zu haben glaubt, abzuleiten. Standen einstmals die Gesetze der Erbbiologie und deren Deuter, die alles zu tun bereit waren, um die nordische Rasse vor dem Untergang zu bewahren, hoch im Kurs, so jetzt die Vertreter anderer medizinischer Disziplinen, die sich anmaßen, aus der Natur der Viren zu lesen, was zu tun sei, um die Menschheit zu retten: »Omikron schreibt jetzt die Regeln«, so Christian Drosten, der sich auch »1G« vorstellen kann, also dass ein großer Teil dessen, was zum Leben gehört, nur noch für »Geboosterte« zugänglich sein soll.[24] Nein, Regeln schreibt, von Alpha bis Omikron und vorhersehbar auch bis Omega, kein Virus, sondern es sind Politiker und ihre Experten, die sich hinter diesem verstecken. Merkwürdig auch, dass sowohl die Personen des öffentlichen Lebens als auch die ihnen den Zugang zu diesem ebnenden Journalisten, die, angeblich um niemanden zu diskriminieren, permanente Verrenkungen mit Sternchen und Pünktchen machen, keine Mohrenstraßen und bald auch keine Martin-Luther-Straßen mehr akzeptieren wollen, doch keine Probleme mit einer Sprache haben, die Menschen nach ihrer biologischen Wertigkeit in Klassen sortiert. Dass man in diesem Klassifikationssystem ein Abonnement nehmen muss, um on top zu bleiben, macht daraus auch noch ein großartiges Geschäftsmodell. Doch auch beim Schritt von der Klassifikation zum praktischen Ausschluss oder noch Schlimmerem scheinen manche Medienschaffende keine roten Linien zu kennen — so etwa dieals Kabarettistin firmierende Sarah Bosetti im ZDF:

»Wäre die Spaltung der Gesellschaft wirklich etwas so Schlimmes? Sie würde ja nicht in der Mitte auseinanderbrechen, sondern ziemlich weit rechts unten. Und so ein Blinddarm ist ja nicht im strengeren Sinne essentiell für das Überleben des Gesamtkomplexes.«[25]

Die Auszustoßenden sind die Verächtlichen, Rechte und auch noch Unterschicht, überflüssig wie der Blinddarm und den kann man ja herausoperieren. Das ist eindeutig die Sprache des Unmenschen, Faschismus im Schleichmodus, der sich auch noch als ›Kampf gegen Rechts‹ tarnt.

Wenn die Wertigkeit des Lebens von Autoritäten zugemessen und diese Zumessung durch konformes Verhalten erworben werden muss, müssen zugleich die Quellen der Erfahrung und der Selbstwirksamkeit verschlossen werden. So befindet dann der darüber wachende Experte: »Im Ernst: Immunreaktion vs. ›starkes Immunsystem‹ ist wie Lernen vs. Intelligenz. Ich kann ein Gedicht auswendig lernen, bin dadurch aber nicht intelligenter geworden. Ich kann eine Infektion überstehen, habe dadurch aber nicht ›mein Immunsystem gestärkt‹.« Da bleibt dem Journalisten nichts anderes übrig als artig zu sekundieren: »Soll heißen: Die Immunreaktion des Körpers, also die Antwort des Immunsystems auf Antigene, kann unterschiedlich gut ausfallen und sich verändern. Das Immunsystem bleibt aber gleich.«[26] Die Einsicht in den Prozesscharakter der Realität, ganz besonders des Lebendigen in dieser Realität, die doch zum Grundbestand auch der heutigen Naturwissenschaft gehört, scheint am deutschen Star-Virologen vorbeigegangen zu sein. ›Alles fließt‹, soll Heraklit gesagt haben, der schon wusste, dass man nicht zweimal in denselben Fluss steigen kann. Dass organische Vermögen, gleich welcher Art, verkümmern, so sie nicht geübt werden, und dass jede Übung sie verändert, im günstigsten Fall auch stärkt, gehört doch zum Grundbestand der Lebenswissenschaften. Wer läuft und dabei das richtige, d.h. seiner Verfassung angemessene Maß wahrt, tut etwas gegen den Abbau seines Bewegungsapparats und baut ihn, sofern seine Physis das noch zulässt, auch auf. Wer ein Gedicht memoriert, tut damit sicher etwas für seine geistigen Kräfte, ob er sie damit stärkt oder nur gegen ihren Verfall angeht, hängt entscheidend vom Lebensalter bzw. ihrem dadurch bedingten Stand ab. Die Intelligenz kann dadurch profitieren. Dass ein Immunsystem, das eine Infektion übersteht, dabei etwas lernt, indem es Antikörper und, vor allem, spezialisierte Gedächtniszellen bildet, also seine Fähigkeiten erweitert, gehört doch zum Lehrbuchwissen. In welchem Maße der Organismus seine Widerstandskraft stärkt, hängt natürlich auch von weiteren Faktoren, insbesondere von der Lebensweise ab. Das Immunsystem bleibt nicht gleich — es hat eine Geschichte. Man mag nun rätseln, was Christian Drosten zu solchen obskuren Äußerungen veranlasst, doch fügt sich das in aktuell praktizierte Politik der Entmündigung. Es fragt sich nur, was diesen rauschhaften Run ins Obskure antreibt. Man scheint einer Logik zu folgen, die man, die Überlebensstrategie legendärer Wild-West-Figuren oder auch einen FDP-Slogan aus dem vorletzten Bundestagswahlkampf abwandelnd, auf die Formel ›twitter now, think later‹ bringen könnte.[27]

Allerdings ist das, was damit pseudowissenschaftlich verbrämt wird, nicht nur eine Politik der Entmündigung, sondern auch eine, die gesundheitliche Gefahren in sich birgt: umfassende Kontaktbeschränkungen und Maskenzwang hinterlassen nicht nur zunehmend psychische Schäden, sondern lassen in Kombination mit dem manischen Gebrauch von Desinfektionsmitteln eine Bevölkerung entstehen, die immunologisch nicht mehr auf dem aktuellen Stand ist, eben weil ihr das beständige Training und die regelmäßigen Updates fehlen. Bisher eher harmlose Pathogene werden so zu Killern, die, wie z.B. die RS-Viren, besonders Kindern gefährlich werden. Indem man sie gegen ein Virus ›geschützt‹ hat, das für sie völlig harmlos ist, hat man ihnen verwehrt, ihre Abwehr gegen Viren aufzubauen, die sie tatsächlich bedrohen.[28] Der Wahn, jede Infektion zu vermeiden, führt in einen Zustand, in dem die Gesundheit permanent als bedroht erscheint und nur durch Befolgen von Regeln, die alles ersticken, was Leben ausmacht, und Produkte aus der Hand des medizinisch-informatischen Komplexes zu bewahren zu sein scheint. »Die Pandemie hat zweifellos gezeigt, dass der Bürger auf das nackte biologische Dasein reduziert wird«, bemerkt Giorgio Agamben dazu.[29] Die Alternative, der Ausweg aus dem Wahn, müsste nur Sachverhalte wieder zur Kenntnis nehmen, die seit vielen Jahrzehnten bekannt sind und erfahrenen Ärzten früher auch präsent waren — den Experten, denen die Regierungen der Industrieländer überwiegend Gehör schenken, jedoch offenkundig nicht. Dazu fällt einem nur noch die Definition von Expertentum ein, die Steven Weinberg nachgesagt wird: »An expert is a person who avoids the small errors while sweeping on to the grand fallacy.«

Die Wechselwirkung mit einer Umwelt, die den Horizont bornierten Expertentums überschreitet, die gegenseitige Beeinflussung von Agenzien oder gar die Möglichkeit, dass zwischen diesen eine unsichtbare Verbindung besteht, übersteigt anscheinend das kognitive Vermögen mancher Sterne am Medienhimmel. Nein, Querdenker sind sie nicht, sondern eher Flach-, Schmal- und Längsdenker. So, scheinen sie zu glauben, seien sie vor Widerstand durch die, von deren Gunst sie sich abhängig sehen, gefeit. Sie führen die Wissenschaft im Munde und tun doch alles, um sie zu behindern. Nicht nur immunologisches, sondern auch epidemiologisches Lehrbuchwissen wird systematisch ignoriert, sonst hätte man schon vor 22 Monaten eine systematische Kohortenstudie initiiert, die zuverlässig Auskunft über die Verbreitung des Virus, über Krankheitsverläufe, Immunstatus und auch die Wirkungen der Impfung in der Bevölkerung geben könnte.[30] Um Letztere bewerten zu können, bräuchte man in diesem Zusammenhang auch eine Kontrollgruppe von nicht Geimpften, also von Probanden, die im Dienste der Wissenschaft sich auf etwas einlassen, was der herrschende Diskurs als großes Risiko hinstellt. Doch an all dem scheint nicht das geringste Interesse zu bestehen. Das hat ja den Vorteil, dass man immer noch, mit Verweis auf Unwissen und Ungewissheit, die schrecklichsten Szenarien beschwören und mit freizügig konstruierten Modellen unterfüttern kann.[31]

Dem Desinteresse an genauer Information zum globalen Stand der Dinge entspricht auch eines im Einzelfall. Hauptsache, es wird geimpft. Für das, was verantwortungsbewusste Ärzte noch tun — sich zunächst ein Bild vom allgemeinen Gesundheitszustand und insbesondere vom Immunstatus des Patienten zu machen, um mit ihm sorgfältig das Für und Wider der Impfentscheidung zu besprechen — ist im Impfmarathon, der nach der Devise »viel hilft viel« vorgeht, kein Platz. Im linken, eher zu Betonung sozialer Aufgaben geneigten Teil des politischen Spektrum scheint man die Missachtung des Individuums ebenso schon als Programm akzeptiert zu haben wie die erschleichende Ableitung von Imperativen aus vermeintlichen Fakten. Beispielhaft dafür agiert die Landesarmutskonferenz (LAK) Niedersachsen, die die Diskussion um die Einführung der Impfpflicht begrüßt und deren zeitnahe Einführung für alle fordert:

»Der Freiheitsbegriff derjenigen, die gegen eine Impfpflicht sind, weil sie auf den verantwortungsvollen, mündigen Bürger setzen, geht an der Realität vorbei. Ein Blick in die Statistik, in die Modellierungen und in die Krankenhäuser zeigt, dass dieser Freiheitsbegriff nicht funktioniert. Die Einführung der Impfpflicht für alle ist solidarisches Handeln im Interesse aller, gerade für die Schwächsten der Gesellschaft.«[32]

Da ballt sich das intellektuelle Elend des zeitgenössischen linken Mainstreams in einem knappen Absatz. Man verweist auf »die Statistik«, obwohl man zuvor noch zurecht beklagt hat, dass es, was ja nahezu alle Aspekte des Themas angeht, »da […] allerdings an zuverlässigen Daten [fehlt]«, man pocht auf »die Modellierungen«, ohne die geringste Ahnung davon zu haben, dass es davon ganz unterschiedliche mit unterschiedlichen Ergebnissen gibt und die, auf die sich das Regierungshandeln bisher stützte, allesamt weit von der Realität lagen, man beschwört den Blick in »die Krankenhäuser«, obwohl in den 22 Monaten der sogenannten Pandemie deren Belastung durch COVID-19-Patienten sich in Grenzen hielt und auch noch nie in die Nähe eines nationalen Notstands kam.[33] Doch selbst mit soliden Fakten gibt es weder einen Sprung vom Sein zum Sollen, noch wird auf diese Weise aus einem Verstoß gegen die ärztliche Ethik und dem Bruch von Grundrechten »solidarisches Handeln«. Diese Erklärung atmet den Ungeist der Sozialpädagogisierung nicht allein der Armutspolitik, der dafür verantwortlich ist, dass ›links‹ weithin zu einem Synonym für überhebliche Bevormundung geworden ist. Sie steht für einen anschwellenden Strom linker Politik und Publizistik, der alles dafür tut, die Linke als bedeutende politische Kraft zu beseitigen. Der Widerstand gegen Bevormundung, die nicht zuletzt auch die Form der Medikalisierung des Lebens annimmt, das Eintreten für kreatürliche Freiheit des Individuums und offene Debatten gehörte einmal zum Kern linker Programmatik. Das scheint vorbei zu sein.

Neben der Partei DIE LINKE mit ihrem Umfeld stellen sich auch Bündnis90/Die Grünen durch einen Kurs, der offizielle Politik nicht nur akzeptiert, sondern in vielen Punkten sogar verschärft sehen möchte, als geistig entkernte Zombie-Partei dar, die narzisstischen Persönlichkeitsstörungen eine vorzügliche Bühne bietet, auf die alle Medienaugen gerichtet sind. Von ihren katastrophenträchtigen außenpolitischen Positionen sei hier einmal abgesehen, doch auch der ökologische Sündenfall besteht nicht allein darin, die Gentechnik, die man vor kurzem noch in keinem Salatblatt wissen wollte, in der Humanmedizin völlig unproblematisch, ja geradezu genial zu finden. Eine Politik, die sich in sinnlosen Verboten austobt und im verzweifelten Vertrauen auf die Keule der Impfung weder Unterscheidungen zu treffen vermag, noch roten Linien kennt, hat sehr viel Ähnlichkeit mit der industriellen Landwirtschaft, die Nährstoffe gewaltsam in als Monokultur angebaute Pflanzen presst, um dann mit den Bioziden, die Unerwünschtes fernhalten sollen, alles Leben im Boden abzutöten und ihn der Erosion preiszugeben. Ein ökologisches Denken, das versteht, dass auch potentielle Pathogene sich nur in Wechselwirkung mit ihrem Habitat zu entwickeln und sich disproportional nur zu vermehren vermögen, wenn sich ihnen spezielle Nischen bieten, wird alles zu vermeiden versuchen, was solche Nischen erweitern und insbesondere die im Habitat vorhandenen Abwehrkräfte schwächen könnte — also genau all das nicht tun, was den meisten Regierungen als alternativlos gilt oder auch nur ausgegeben wird. Eine Vernunft, die solche simplen Sachverhalte zur Kenntnis nimmt, bedarf endlich einer Plattform jenseits der Nischen, in die sie sich bisher eingesperrt fand.

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[«1] Hierzu sei angemerkt, dass die Stoffe, die in Deutschland wie in weiten Teilen der westlichen Welt vorwiegend in diesem Zusammenhang injiziert werden, mit denen, die man herkömmlicherweise als Impfstoffe bezeichnet, kaum etwas gemein haben. Wenn im Folgenden weiterhin einfach von Impfung und Impfstoffen die Rede ist, geschieht dies, um einerseits umständliche Formulierungen zu vermeiden und andererseits das Verständnis erschwerende Brüche mit der Alltagssprache zu vermeiden.

[«2] Ausführlichere Erläuterungen dazu finden sich in Rainer Fischbach: Wer oder was ist Schuld?. In: Paul Steinhardt (Hrsg.): Schuld und Sühne. Wiesbaden: Makroskop, 2020, 32—35.

[«3] Jörg Phil Friedrich: Die Rationalität der Impfentscheidung. NachDenkSeiten, 22. November 2021 <nachdenkseiten.de/?p=78186>.

[«4] Friedrich, a.a.O.

[«5] Es gibt eine Reihe von Forschern mit Verdiensten in den hard sciences, die das für möglich halten. Dazu gehören u.a. der HIV-Entdecker Luc Montagnier und Bernd Kröplin, der lange den renommierten Lehrstuhl für die Statik und Dynamik der Luft- und Raumfahrtkonstruktionen an der Universität Stuttgart innehatte.

[«6] Eine immer noch anspruchsvolle, doch halbwegs populäre Darstellung dieser Sachverhalte bieten Silvia Arroyo Camejo: Skurrile Quantenwelt. Berlin: Springer, 2006 und Stefan Bauberger: Was ist die Welt? Zur philosophischen Interpretation der Physik. 4. Aufl., Stuttgart: Kohlhammer, 2018, Kap. 5., während Franco Selleri: Die Debatte um die Quantentheorie. Braunschweig: Vieweg, 1983 eine auch historisch detaillierte und theoretisch profunde Auseinandersetzung mit der Problematik bietet, die allerdings bedingt durch ihr Alter die jüngsten Entwicklungen, wie ihre Bedeutung für Quantencomputer und Quantenkryptographie nicht mehr umfasst.

[«7] David Bohm: Wholeness and the implicate order. London: Routledge & Kegan Paul, 1980, 186−187 (eigene Übersetzung).

[«8] Die Vielfalt der Mikrobiota mit den dazugehörenden Viren und ihren Funktionen in der Natur ist bisher nur ansatzweise erforscht. Erst kürzlich wurden im menschlichen Darm über hunderttausend neue Arten von Viren entdeckt. Siehe Luis F. Camarillo-Guerrero, Alexandre Almeida, Guillermo Rangel-Pineros, Robert D. Finn, Trevor D. Lawley: Massive expansion of human gut bacteriophage diversity. Cell 184(4), Februar 2021, 1098−1109 <doi.org/10.1016/j.cell.2021.01.029> (Abruf: 26.12.2021).

[«9] Josine Van Beek, Reinier H. Veenhoven, Jacob P. Bruin et al.: Influenza-like illness incidence is not reduced by influenza vaccination in a cohort of older adults, despite effectively reducing laboratory-confirmed influenza virus infections. Journal of Infectious Diseases 216(4), 1. August 2017 <doi.org/10.1093/infdis/jix268> (22.06.2021).

[«10] Dies zu wiederholen wird nicht müde Christian Schubert: Stresstest Corona: Warum wir eine neue Medizin brauchen. Norderstedt: BoD, 2021.

[«11] Reinhard Spiegelhauer: Warum Spaniens Impfkampagne so gut läuft. Tagesschau, 12. November 2021 <tagesschau.de/ausland/europa/spanien-impfquote-101.html> (23.12.2021).

[«12] Rainer Fischbach: Wägen ohne Gewichte und andere Paradoxien − zu einigen unterbelichteten Details der Impffrage. NachDenkSeiten, 13. August 2021 <nachdenkseiten.de/?p=73236> (Abruf: 13.08.2021).

[«13] Das zeigten schon frühere Studien anhand von Erkrankungsverläufen wie Agnes Bonifacius, Sabine Tischer-Zimmermann, Anna C Dragon, Britta Eiz-Vesper: COVID-19 immune signatures reveal stable antiviral T cell function despite declining humoral responses Immunity. Immunity 54(2), 9. Februar 2021, 340-354.e6 <doi.org/10.1016/j.immuni.2021.01.008> (10.09.2021) und gilt auch noch für Omikron. Dazu Heidi Ledford: ‘Killer’ immune cells still recognize Omicron variant. Nature 601, 11. Januar 2022, 307 <doi.org/10.1038/d41586-022-00063-0>. Bisher ist allerdings zu wenig erforscht worden, worauf die nachgewiesene breite zelluläre Immunantwort beruht. Es erscheint unwahrscheinlich, dass sie auf eine Impfung zurückgeht, die nur ein einziges Protein ins Spiel bringt. Viel plausibler und in Einzelfällen auch nachgewiesen ist als Ursache eine Infektion mit dem Virus bzw. sogar eine mit dessen schon lange kursierenden Verwandten. Dazu Max Kozlov: How do people resist COVID infections? Hospital workers offer a hint. Nature 599, 11. November 2021, 543 <doi.org/10.1038/d41586-021-03110-4> (13.11.2021) und im Detail Annika Nelde, Tatjana Bilich, Jonas S. Heitmann, Juliane S. Walz et al.: SARS-CoV-2-derived peptides define heterologous and COVID-19-induced T cell recognition. Nature Immunology 22, 2021, 74–85 <doi.org/10.1038/s41590-020-00808-x>.

[«14] Katherine J. Siddle, Lydia A. Krasilnikova, Gage K. Moreno, Daniel J. Park, Bronwyn L. MacInnis, Pardis C. Sabeti et al.: Transmission from vaccinated individuals in a large SARS-CoV-2 Delta variant outbreak. Cell, 22. Dezember 2021 <doi.org/10.1016/j.cell.2021.01.029> (27.12.2021).

[«15] Siddle, Krasilnikova, Moreno, Park, MacInnis, Sabeti et al., a.a.O., 4.

[«16] Peter Nordström, Marcel Ballin, Anna Nordström: Effectiveness of Covid-19 Vaccination Against Risk of Symptomatic Infection, Hospitalization, and Death Up to 9 Months: A Swedish Total-Population Cohort Study. The Lancet, 25. Oktober 201 <dx.doi.org/10.2139/ssrn.3949410> (28.12.2021).

[«17] Lihong Liu, Sho Iketani, Yicheng Guo et al.: Striking antibody evasion manifested by the Omicron variant of SARS-CoV-2. Nature, 23. Dezember 2021 <doi.org/10.1038/d41586-021-03826-3> (30.12.2021). Den Erkenntnissen dieser Studie entsprechend zeichnet sich auch eine nachlassende Wirkung monoklonaler Antikörper ab, wie sie in der Therapie eingesetzt werden. Die Ergebnisse einer Reihe von vorweg veröffentlichten, noch nicht abgeschlossen begutachteter Studien resümiert Max Kozlov: Omicron overpowers key COVID antibody treatments in early tests. Nature, 21. Dezember 2021 <doi.org/10.1038/d41586-021-03829-0> (04.01.2022).

[«18] Heidi Ledford: How severe are Omicron infections? Nature 600, 23. Dezember 2021, 577−578 <doi.org/10.1038/d41586-021-03794-8> (30.12.2021).

[«19] Max Kozlov: Omicron’s feeble attack on the lungs could make it less dangerous. Nature 601, 5. Januar 2022, 177 <doi.org/10.1038/d41586-022-00007-8> (31.01.2022).

[«20] Virologen vorsichtig optimistisch für weitere Corona-Entwicklung. GMX, 31. Dezemer 2021 <gmx.net/magazine/news/coronavirus/virologen-vorsichtig-optimistisch-corona-entwicklung-36476332> (31.12.2021).

[«21] So der Biochemiker Stefan Tasler in einem sehr aufschlussreichen Interview mit Jens Berger. Wenn man die mundartliche Redensart wörtlich ins Hochdeutsche überträgt, hört sich das allerdings etwas komisch an, weil deren Sinn, nämlich, dass man mit der so bezeichneten Sache ein leichtes Spiel hat, außerhalb Bayerns kaum jemand versteht. Das ist schade, weil es diese Redensart im Original sogar schon in den Titel eines Münchner Tatort-Krimis geschafft hat. Siehe hier <de.wikipedia.org/wiki/Tatort:_A_gmahde_Wiesn>. Hier das Interview mit Tasler: »Wir haben mit der aktuellen Impfstrategie eine gemähte Wiese für die Etablierung von Mutationen geschaffen, die dem Impfprinzip entkommen«. NachDenkSeiten, 13. Dezember 2021 <nachdenkseiten.de/wp-content/uploads/2021/12/211213-Tasler-Interview-komplett-NDS-JB-1.pdf> (13.12.2021). Eine ausführlichere Darstellung der biologischen Grundlagen dazu bietet der nachgefolgte Artikel von Stefan Tasler: Von Irrglauben und Irrlichtern. NachDenkSeiten, 20. Januar 2022 <nachdenkseiten.de/?p=79951> (20.01.2022).

[«22] Erich Freisleben: Ansichten eines Hausarztes: Wege aus dem Corona-Dilemma. Engerwitzdorf: Freya, 2021, 140.

[«23] Zitiert nach David G. Marwell: Mengele: Biographie eines Massenmörders. Darmstadt: Theiss, 2021, 32. Diese Biographie räumt vor allem mit der Legende auf, die Mengele als monströsen Charakter zeichnet, der aus purem Sadismus völlig verrückte Versuche unternommen hätte. Vielmehr sei Mengele ein beispielhafter Vertreter der medizinischen Forschung seiner Zeit gewesen, auf dem die Hoffnungen seiner Doktorväter — ebenfalls führende und weltweit anerkannte Vertreter ihres Fachs — gelegen hätten. Das Forschungsprogramm, dem er gefolgt sei, hätte den internationalen Standards entsprochen und in Auschwitz hätte er ideale Arbeitsbedingungen gefunden, die einmalige Erträge versprochen hätten — weshalb die Überwindung moralischer Hemmungen andererseits sehr leicht gefallen sei.

[«24] Drosten kann sich 1G vorstellen: »Omikron schreibt jetzt die Regeln«. Berliner Zeitung, 23. Dezember 2021 <berliner-zeitung.de/news/drosten-kann-sich-1g-vorstellen-omikron-schreibt-jetzt-die-regeln-li.202424> (31.12.2021).

[«25] Zitiert nach Dagmar Henn: Ist das schon Nazisprache? ZDF-»Kabarettistin« bezeichnet Ungeimpfte als Blinddarm. RT DE, 6. Dezember 2021 <de.rt.com/meinung/128041-ungeimpfte-als-blinddarm-ist-nazisprache/> (02.01.2021).

[«26] Immunsystem durch Corona-Infektion trainieren? So reagiert Christian Drosten. Berliner Zeitung, 29. Dezember 2021 <berliner-zeitung.de/news/immunsystem-durch-corona-infektion-trainieren-so-kontert-christian-drosten-li.203315> (31.12.2021).

[«27] Eine »Vertwitterung der Gesellschaft«, die deren Fähigkeit, die relevanten Probleme rational zu erörtern, zunehmend gefährde, erkennt Heiner Flassbeck: Keine Zeit für Vernunft — Gedanken zum Jahreswechsel. Relevante Ökonomik, 3. Januar 2022 <relevante-oekonomik.com/2022/01/03/keine-zeit-fuer-vernunft-gedanken-zum-jahreswechsel/> (04.01.2022).

[«28] In meiner näheren Umgebung lagen kürzlich zwei Kinder mit Lungenentzündung — aber nicht wegen COVID-19 — in der Klinik. Ärzte mit Urteilsvermögen, wie Erich Freisleben, a.a.O., 215−218, haben auf diese Problematik schon früh mit Hinweis auf die Erfahrungen, die schon im Südwinter Neuseelands gemacht wurden, aufmerksam gemacht. Dazu Barbara Barkhausen: Corona-Quarantäne: Immunsystem von Kindern geschwächt – Erkältungen als Gefahr. Frankfurter Rundschau, 10. Juli 2021 <fr.de/politik/das-immunsystem-ist-bei-kindern-geschwaecht-90852483.html> (03.01.2022). Eine Übersicht zum Thema bietet auch Nicola Jones: Why easing COVID restrictions could prompt a fierce flu rebound. Nature 598, 7. Oktober 2021, 395 <doi.org/10.1038/d41586-021-02558-8> (12.10.2021).

[«29] Giorgio Agamben: An welchem Punkt sind wir? Die Epidemie als Politik. Wien: Turia + Kant, 2021, 106.

[«30] Dieser Mangel wie auch das Fehlen nahezu jeglicher verlässlicher Daten zum Infektionsgeschehen wurde auch wiederholt von zahlreichen Fachleuten beklagt, zuletzt etwa von Jürgen Windeler, dem Chef des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in einem Interview: »Wir können von einem Versagen der Wissenschaft sprechen«. Cicero, 27. Januar 2022 <cicero.de/innenpolitik/evidenzbasierte-medizin-corona-krise-wissenschaft-windeler-pharmaindustrie> (31.01.2022).

[«31] Eine scharfe Kritik erfährt der methodische Stand der regierungsnahen Modellierung durch Bernhard Müller: Zur Modellierung der Corona-Pandemie − Eine Streitschrift: Addendum zum Thesenpapier 8.0 zur Pandemie durch SARS-CoV-2/Covid-19. Monitor Versorgungsforschung 14(6), 10. Oktober 2021 <http://doi.org/10.24945/MVF.06.21.1866-0533.2354> (27.10.2021).

[«32] Zitiert nach junge Welt, 24. Dezember 2021, 8 <jungewelt.de/artikel/416955.zeit-f%C3%BCr-deeskalation.html> (04.01.2022).

[«33] Dass es mit einer vernünftigen Politik und einem Gesundheitssystem, das die Bürger nicht zu Opfern medizinischer und pharmakologischer Gewinnsucht macht, sogar mit einem Drittel der deutschen bzw. der Hälfte der Schweizer Bettenkapazität in der Intensivpflege bei weniger Erkrankungs- und Todesfällen geht, zeigt das Beispiel Schweden. Dazu Urs P. Gasche: Schweden 2021: Nur halb so viele Intensivbetten. INFOsperber, 27. Dezember 2021 <infosperber.ch/gesundheit/public-health/schweden-2021-halb-so-viele-intensivbetten-und-corona-tote/> (4.01.2022).

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