Kinder gewöhnen sich an alles
Kinder gewöhnen sich an alles

Kinder gewöhnen sich an alles

Ein Artikel von Frank Blenz

Wer Kinder hat und angesichts der aktuellen Pläne von Landesregierungen – konkret gegen die Kinder, gegen die Schüler – nicht mit dem Kopf schüttelt, nicht empört ist und nichts unternimmt, um der Hysterie der Entscheidungsträger entgegenzuwirken, dem ist nicht mehr zu helfen. Der 20. März wird in der Bundesrepublik gerade als ein Datum gehandelt, das eine „Rückkehr“ zur Normalität aus den pandemischen Albträumen terminiert – allein loslassen wollen gewisse Kreise nicht, vor allem den Kindern und Schülern soll die Normalität vorenthalten werden. So plant die Landesregierung von Brandenburg anders als die Bundesregierung. Und ja: Kinder gewöhnen sich an alles, sagt eine Mutter, nicht als freudige Feststellung. Von Frank Blenz.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Die Neuigkeiten lesen sich in den Gazetten landauf, landab, als traute man den Augen nicht „…Auch nach dem 18. März plant man, so in Brandenburg, an den Corona-Beschränkungen festzuhalten und diese teilweise zu verschärfen.“ Bei aller Pein behält man also die Kinder, die Schüler besonders, weiter im Blick: In Schulen bleibt die Masken- und die Testpflicht, Letztere soll auch in den Kindertagesstätten den Alltag bestimmen.

Mittlerweile scheint es schon fatalistische Gewohnheit für uns Erwachsene zu sein, im Straßenbild Kinder zu sehen, die nach der Schule, mit Ranzen und Trinkflasche bepackt, auch ihre Masken, Mund-Nasenschutzobjekte tragen. Und die so wie modische Details unter dem Gesicht schlenkernd und/oder mitten am helllichten Tag auf dem Nachhauseweg ganz und gar weiter im Gesicht behaltend – so sehr, scheint es, als sind sie daran gewöhnt, eine Art Renitenz ist allerorten bei Kindern nicht zu erkennen.

Es hat etwas von Gewohnheit. Und die wurde und wird ja tagein, tagaus gepredigt und von Erwachsenen den Kinden eingebleut. Auch im TV. Im Januar gab es zum Thema Maske Tragen einen Beitrag beim öffentlich-rechtlichen TV-Kinderkanal, NachDenkSeiten nahm sich des Stückes an. Kika beschrieb in der Sendung „Logo“ eine Forschungsarbeit, die der Frage nachging, ob es beim Lernen mit und ohne Maske Unterschiede gäbe. Man kann raten, wie die Sache ausging.

Aus der Sendung von den NachDenkSeiten beschrieben:

„Das Ganze fängt mit Moderatorin Linda gute Laune machend an. Sie kündigt freundlich, locker, kindgerecht einen Beitrag an, in dem das Thema „Maske Tragen in der Schule“ behandelt wird. Die Hände sind desinfiziert, die Maske aufgesetzt, so Linda, doch gehe es nicht in den Operationssaal, sondern „nur“ in die Schule. Tja, so ist das eben wieder und fortlaufend seit Wochen nach den Feiertagen. Die Kinder sitzen in der Schule beim Lernen mit dem Mund-Nasen-Schutz. Dass das gar nicht schlimm und dem Lernen nicht hinderlich sei, haben nun Forschende herausgefunden. Deren wissenschaftlich erhellender und Kinder froh machender Versuch bestand darin, dass 133 Kinder im Alter von 11 bis 14 Jahren eine vergleichende Aktion mitmachten. Sie wurden in zwei Gruppen eingeteilt und sollten jeweils den gleichen Leistungstest absolvieren. Der Unterschied bestand darin, dass eine Gruppe Maske trug, die andere Gruppe keine. Es kam heraus? Bei beiden Gruppen gab es gleiche Erfolge der Tests. Ja, es sei kurz und knapp gesagt: Die Maske habe keinen Einfluss auf die Denkvorgänge und auf die Konzentration der Kinder in der Schule.

Ist demnach also alles gut? Und Maske Tragen somit kein Problem? Nein. Die Maske ist inzwischen ein Symbol, stellen Eltern fest. Und sie kämpfen gegen die absurden Repressionsmaßnahmen, dieses Symbol, in Deutschland ist es Teil des Ausnahmezustandes, der zum Dauerzustand geworden ist. Diesen „Maßnahmen“ stellen sich mehr und mehr Menschen entgegen, so haben zwei Frauen bei einer Demonstration in Berlin ihre Argumente, ihre Erlebnisse und Erfahrungen, ihre Wut und ihre Forderungen zum Ausdruck gebracht. Die Reden der Frauen werden in der Berliner Zeitung zitiert. Auszüge.

Nicole Reese:

„… Ich bin Mutter von vier schulpflichtigen Kindern im Alter von acht bis 14 Jahren und leide seit zwei Jahren mit meinen Kindern und kämpfe für sie und ihre Rechte. Ich engagiere mich in Elterninitiativen, habe zig Briefe und Mails geschrieben, eine Partei mitgegründet, über Kinderrechte geschrieben, auf Symposien und im Fernsehen auf die Diskrepanzen hingewiesen und schlussendlich unzählige Male für Präsenzunterricht und gegen die Maskenpflicht geklagt.

Gefühlt, ziemlich erfolglos. Zu Beginn der Pandemie war da vielleicht noch die große unbekannte Gefahr und auch Solidarität, die Kinder und Eltern veranlasste, die Maßnahmen zu erdulden. Dies alles ist aber der Ernüchterung gewichen, dass Deutschland wohl das kinderfeindlichste Land Europas ist und wohl auch bleibt. Von Anfang an hat sich unsere Politik auf unsere Kinder gestürzt, sie zu Schuldigen gemacht und ihre Rechte missachtet. Wir alle kennen die Panikpapiere des Innenministeriums, in denen es im März 2020 hieß:

„Wenn sie dann ihre Eltern anstecken, und einer davon qualvoll zu Hause stirbt und sie das Gefühl haben, schuld daran zu sein, weil sie z.B. vergessen haben, sich nach dem Spielen die Hände zu waschen, ist es das Schrecklichste, was ein Kind je erleben kann.“

Diese Kommunikation sollte eine „Schockwirkung“ in der Gesellschaft erzielen und dafür sorgen, dass sich vor allem Kinder an die Corona-Regeln halten, um die ältere Generation zu schützen, anstatt auf eine differenzierte Risikokommunikation zu setzen und die betroffenen Vulnerablen zu schützen. Dies setzt sich bis heute fort…. Wir alle wissen um das psychische Leid unserer Kinder, circa 60 Prozent fühlen sich weniger glücklich als vor Corona, Adipositas und Essstörungen haben extrem zugenommen, jedes dritte Kind hat psychische Probleme, ungezügelter Medienkonsum, Straftaten zu Lasten von Kindern und Gewalt in Familien sind enorm angestiegen. All diese negativen Auswirkungen auf unsere Kinder waren spätestens im Sommer 2020 abzusehen; es war klar, dass die Schäden durch die Maßnahmen größer sein werden als der Schutz vor Corona.

Und dennoch hat die Politik sehenden Auges die Pandemie immer wieder auf dem Rücken unserer Kinder und der Familien ausgetragen und zwar entgegen der in der UN-Kinderrechtskonvention verbrieften Rechte. Der gesellschaftliche Aufschrei blieb, und das erschüttert mich zutiefst, und bleibt aus. Die Gesellschaft, vor allem die Familien selbst und ihre Kinder, nehmen dieses überwiegend klaglos hin, obwohl dies rechts- und verfassungswidrig ist…. es sind immer die Kinder, die zuerst und am längsten die härtesten Maßnahmen ertragen müssen. Wie kann es sein, dass in Berlin und andernorts die Diskos geöffnet sind, und die Erwachsenen ohne Abstand und Maske abfeiern dürfen, während unsere Kinder immer noch 8 Stunden täglich mit Masken im Klassenzimmer sitzen und die Masken meistens sogar im Sportunterricht tragen müssen, und das selbstverständlich bestgetestet.“

Heidi Müller:

„Ich halte hier heute meine Rede für euch, weil ich weiß, wie es den Kindern und Jugendlichen in der Pandemie geht. Und ich nehme es schon vorweg: Es geht vielen nicht gut! Das fängt mit dem leidigen Thema Maske Tragen in der Schule an. Einen Satz höre und hörte ich sehr häufig: „Kinder gewöhnen sich doch an das Maske Tragen.“ Dazu kann ich nur sagen: Ja, das stimmt! …

Kinder gewöhnen sich an alles. Weil es ihre Überlebensstrategie ist, ein lebensnotwendiger Anpassungsprozess! Kinder gewöhnen sich an Gleichgültigkeit. Kinder gewöhnen sich an einen lieblosen Umgang. Kinder gewöhnen sich an Ungerechtigkeiten. Kinder gewöhnen sich an verbale Abwertungen. Kinder gewöhnen sich an seelische Gewalt. Kinder gewöhnen sich an körperliche Gewalt. Kinder gewöhnen sich an sexuelle Gewalt. Weil sie keine andere Wahl haben!

Für mich ist das stundenlange Maske tragen eine Misshandlung von Schutzbefohlenen. Eins ist sicher: Die Masken schaden den Kindern. Physiologisch , emotional, entwicklungspsychologisch und sozial….

Jens Berger schreibt in seinem aktuellen Artikel zu der Hysterie, die Maßnahmen hochzuhalten:

„… Die mehr oder weniger harten Zahlen aus dem Gesundheitssystem geben also keinen Anlass dazu, die Bevölkerung jetzt noch durch irgendwelche Maßnahmen zu beeinträchtigen. Wenn sich sowohl bei den Krankenhausneuzugängen wie bei den Sterbefällen kein Trend erkennen lässt, dass eine Corona-Infektion auch nur irgendeinen negativen statistischen Einfluss hat, ist jedwede Begründung für diese Maßnahmen obsolet. Der am 20. März eigentlich geplante Wegfall der meisten Maßnahmen und die Rückkehr zu einem „Basisschutz“ ist also nicht zu weitreichend, sondern ganz im Gegenteil noch lange nicht weitreichend genug. So sieht die Gesetzesnovelle zwar einen Wegfall der Maskenpflicht im Einzelhandel und eine Rückkehr zur Normalität in Gastronomie, Kultur und Tourismus vor – aber dennoch bleiben unverständlicherweise Maßnahmen wie die Maskenpflicht im Nah- und Fernverkehr oder die Testpflicht in Schulen erhalten. Warum?“

Die Antworten könnten lauten: Die Spannung hochhalten, die Deutungshoheit nicht aus der Hand geben, den Ausnahmezustand zum Dauerzustand machen.

Alle nehmen Schaden, die Kinder, die Jugendlichen, die Erwachsenen, obschon es doch heißt: Bleiben Sie gesund. Oder: Die Gesundheit hat oberste Priorität. Sich an diesen Istzustand, der krank ist, zu gewöhnen, sollten wir alle nicht.

Titelbild: FamVeld/shutterstock.com

Die NachDenkSeiten sind für eine kritische Meinungsbildung wichtig, das sagen uns sehr, sehr viele - aber sie kosten auch Geld und deshalb bitten wir Sie, liebe LeserInnen, um Ihre Unterstützung.
Herzlichen Dank!