Wellenreiter. Von Andrea Zipko

Wellenreiter. Von Andrea Zipko

Wellenreiter. Von Andrea Zipko

Ein Artikel von Andrea Zipko

Das berühmte Sozialexperiment „Die Welle“ sollte veranschaulichen, wie schnell Menschen sich manipulieren und vereinnahmen lassen; wie sie sich freiwillig fügen und Anordnungen einer Autorität kritiklos akzeptieren und befolgen.

So ging das auch mit den jungen Menschen, die damals an diesem Experiment beteiligt waren.  

So geht das.  

Dabei fängt alles meist harmlos an.  

Nur mit guten Absichten fängt man die Leute ein.  

Die Menschen lassen sich zunächst in den Dienst einer vermeintlich guten Sache stellen und später dienen sie mitunter auch einer schlechten Sache. 
 
Im originalen „Welle“-Experiment wurden zunächst eigene übergroße, wohlklingende Grundsätze und Ziele definiert, die bald unhinterfragbar wurden: Stärke, Disziplin, Gemeinschaft.  

Man dachte sich eigene Grußrituale und Erkennungsmerkmale aus, um sich als Gruppe zu unterscheiden – etwa einheitliche Kleidung wie das weiße Hemd, Verhaltensnormen, zur Schau gestellte Prinzipien. 

Durch soziale Kontrolle wurde schließlich von innen heraus sichergestellt, dass sich alle an die neuen Gruppengesetze halten und den Vorgaben entsprechen – bis zum bitteren Ende. 
 
Zum Vergleich, was hatten wir nicht alles in der letzten Zeit: 

Grußrituale mit Ellbogenshake und Fußverrenkung, um eine Achtsamkeit zu signalisieren, korrekt getragene Maske, Markierungsbändchen beim Einkaufen für die geimpfte Gemeinschaft oder Foto vom gepflasterten, frisch gestochenen Oberarm posten, damit man sich auch weithin visuell deklarieren kann… 

Derweil unhinterfragbar gewordene, übergroße Axiome über allem: Solidarität, Disziplin, Vernunft, Gesundheit, Sicherheit, Schutz. 

Mit der Impfung dann die finale Zweiteilung in Clubmitglieder und abtrünnige Außenseiter. 

Ähnlich wie die Aufforderung, ein weißes Hemd zu tragen, um den Gemeinschaftssinn zu stärken, fordert man die Impfung zuweilen als ähnlich symbolischen Akt ein. 

Ein Initiationsritus. 

„Mach schon!“, sagen sie. 

Damals haben sie gesagt: Ein weißes Hemd hat doch jeder im Schrank und heute: Die Impfung gibt’s an jeder Ecke.  

Hilft’s nicht, schadet es auch nicht, wird behauptet.  

Für die Gemeinschaft. 

Stell dich in eine Reihe mit den anderen, stell keine Fragen. 
 
Die Sache wird zum Selbstläufer. 

Der Druck von innen arbeitet perfekt. 

Finden sich immer welche, die ein wachsames Auge auf ihre Mitmenschen haben, um sie erbarmungslos zu reglementieren, zurechtzuweisen, auszuschließen, zu verfolgen. 

Ziemlich unmenschlich eben, alles vergessend, sich in eine Härte verlaufend. 

So ging, so geht das. 
 
Das erste Welle-Experiment endete damals mit einer bitteren Erkenntnis. 

Dass wir momentan in sowas Ähnlichem drinstecken, dass wir alle die Welle reiten irgendwie (hier: nicht die virologische), steht für mich schon außer Frage.  

Hab das Buch gelesen, die Verfilmung angeschaut, aufmerksam. 

Irgendwas ist da schwer aus dem Ruder gelaufen, da draußen. 

Ich weiß nur nicht, wie weit wir vom Moment der Erkenntnis noch entfernt sind. 

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