Demokratie = Durchsetzung des Willens der selbst ernannten Eliten

Albrecht Müller
Ein Artikel von:

Am 2. September 2010 hatten wir auf eine eigenartige und zugleich typische Sendung im Presseclub hingewiesen (siehe in der Anlage hier) Der Moderator des Presseclub, Jörg Schönenborn, hatte viel Journalisten eingeladen, die sich mit ihm völlig einig waren, dass das Renteneintrittsalter auf 67, wenn nicht gar auf 70 Jahre erhöht werden müsste. Und man wunderte sich über die mangelnde Einsicht des Publikums. Derartiges erleben wir immer wieder. Der NachDenkSeiten-Freund R.S. machte jetzt auf eine ähnliche Konstellation beim Thema Kopfpauschale/Gesundheitsprämie aufmerksam. Dazu hatte sich der zuständige Staatssekretär im Gesundheitsministerium, Kapferer, in einem Interview geäußert und dabei die Unterstützung des „Spiegel“ lobend hervorgehoben, die Mehrheitsmeinung im Sinne der Meinung der selbst ernannten Eliten umzudrehen. Albrecht Müller.

R.S. bezog sich auf unseren Beitrag vom 31. Mai 2011 „Was ist das für ein heruntergekommener Journalismus“ und ergänzte:

Ich bin aus beruflichen Gründen über einen weiteren Beleg für Ihre These zur ‚Manipulation‘ durch den Spiegel und zur Kooperation dieses Blattes mit den Neoliberalen gestoßen, die Sie vielleicht interessieren wird und auf die ich Sie daher hinweisen möchte.

In der letzten Ausgabe der Zeitschrift ‚Organisationsentwicklung‘, die vom Fachverlag des Handelsblattes herausgegeben wird, findet sich gleich zu Anfang ein Interview mit dem Staatssekretär im Gesundheitsministerium, Herrn Kapferer. Dieser weist auf Seite 7 explizit darauf hin, dass der ‚Spiegel‘ sich frühzeitig positiv zu der von der FDP verfochtenen Gesundheitsprämie geäußert hat und dass daher „in Fach- und Wissenschaftskreisen sowie bei starken Multiplikatoren die Stimmung für das Projekt gar nicht so schlecht ist.“ Ein klarer Beleg dafür, dass man sich hier gegenseitig ‚zuarbeitet‘.

Hier der einschlägige Auszug aus dem Interview des Staatssekretärs Kapferer:

Bei den Meinungsbildnern gibt es die interessante Situation, dass es relativ viele Fans der Gesundheitsprämie gibt. Beispielsweise hat die Zeitschrift «SPIEGEL» sich in einem frühen Stadium sehr positiv zum Thema Gesundheitsprämie geäußert.
Das heißt, Sie haben die Konstellation, dass in Fach- und Wissenschaftskreisen sowie bei starken Multiplikatoren die Stimmung für das Projekt gar nicht so schlecht ist. Da haben Sie relativ viele, die sagen, «Ja das ist der richtige Weg, da muss man hin.» In der breiten Bevölkerung haben Sie jedoch bisher kaum Akzeptanz. Die können Sie eigentlich nur im Nachhinein gewinnen.

Das ist interessant. Hier wie beim Thema Renteneintrittsalter arbeiten die politisch Verantwortlichen mit den Multiplikatoren in den Medien und der Wissenschaft zusammen, um den Mehrheitswillen zu konterkarieren und mit der Zeit zu überwinden.
Das geschieht bei vielen Themen – bei der Zustimmung zu Personen wieder Bundeskanzlerin, wie im Artikel vom 31. Mai beschrieben; es passiert fast täglich beim Thema Aufschwung, XXL-Aufschwung, Erfolg der Reformpolitik und vielen Themen mehr. Spiegel Online ist einer der wichtigen Partner dieser Gleichschaltungsmaschinerie.

Versuchen Sie in den Foren stückweise Gegenöffentlichkeit herzustellen

Ein anderer Nutzer der NachDenkSeiten versucht wie viele andere an Aufklärung interessierten Menschen, sich in Foren verschiedener Medien in die Diskussion einzuklinken. Er tat das bei Spiegel Online auf der Basis unseres Beitrages vom 31.5.
Hier sein Bericht:

Ich habe gestern wie üblich bei so etwas, einen Beitrag ans SPON Forum mit nahezu identischem Inhalt wie ihr Beitrag hier auf den NDS, abgeschickt. Er wurde wie die meisten meiner Beiträge natürlich wegzensiert. Da ich Kopien solcher Beiträge den einschlägig “positiv” bekannten Foristen ebenfalls zustelle, blieb ein gewisses Echo natürlich nicht aus.

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