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Albrecht Müller Wolfgang Lieb
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21. Dezember 2014
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Der Kaiser ist nackt

Verantwortlich:

Saale-Zeitung – 9. Oktober 2004, Albrecht Müller rechnet mit den Reformen ab.

(hz) Hartz IV, Gesundheitsreform, Rentenreform, Lohnsenkung, Abbau des Kündigungsschutzes, längere Arbeitszeit: Mit immer neuen Reformen wollen die Eliten des Landes Deutschland aus der Wachstumskrise rühren. Viele Menschen beschleicht dabei ein ungutes Gefühl, denn ein Erfolg stellt sich nicht ein, im Gegenteil. Die Arbeitslosigkeit und die Staatsdeflzite steigen, ein Ende der Misere in Ostdeutschland ist nicht absehbar. Die Antwort der Verantwortlichen: Man habe eben noch zu wenig reformiert und müsse noch viel radikalere Maßnahmen ergreifen.

Doch jetzt kommt einer und sagt: „Der Kaiser ist nackt.” Albrecht Müller hat ein Buch geschrieben, in dem er mit der herrschenden Meinung abrechnet. Er weist nach: Die Reformen sind nicht die Lösung, sondern die wesentliche Ursache der Krise.

Zwei Sachen machen dieses Buch besonders interessant: Zum einen ist Albrecht Müller nicht irgendwer, den man als Spinner abtun könnte. Der Nationalökonom arbeitete im Stab von Karl Schiller und war Leiter der Planungsabteilung im Bundeskanzleramt unter Willy Brandt und Helmut Schmidt. Zum anderen ist das Buch in einer prägnanten und allgemein verständlichen Sprache geschrieben. Es führt so die Diskussion aus der Enge fachwissenschaftlicher Publikationen in die breite Öffentlichkeit.

Müller weist nach: Es ist alles Humbug. Vielfach braucht er nur wenige Zeilen und ein bisschen gesunden Menschenverstand, um die neoliberalen Glaubenssätze zu zerpflücken, auf denen der ganze Reformeifer beruht. Das Gejammere über den Zustand Deutschlands, das angeblich immer weiter hinter andere Länder zurückfällt wird anhand der konkreten Zahlen hinterfragt. Müllers Fazit: Es ist nichts dran, an den Thesen, die von angeblichen Sachverständigen und Interessenvertretern immer wieder vorgetragen und von Medien und Politikern nachgeplappert werden. Er stellt nicht in Abrede, dass es in Deutschland Probleme gibt, die gelöst werden müssen. Doch gerade dazu sind all die schon ergriffenen und geplanten Maßnahmen nicht in der Lage. Sozialabbau und das Schlechtreden des Landes verschlimmern die Probleme vielmehr immer weiter. Sie verunsichern die Menschen, entziehen ihnen Kaufkraft und würgen so die Binnennachfrage ab.

Man muss Müllers Buch nicht von vorn bis hinten lesen, sondern kann es wie ein Nachschlagewerk benutzen. Alle Themen werden in einzelnen in sich abgeschlossenen Kapiteln behandelt. Müllers Buch ist eine Stimme der Vernunft in einem Umfeld wahnhafter Gedankenkonstrukte.

© Saale Zeitung

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