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9. Dezember 2016
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MH 17 – Der Zwischenbericht liegt vor und lässt viele Fragen offen

Veröffentlicht in: Außen- und Sicherheitspolitik, Militäreinsätze/Kriege

Heute morgen um 10.00 veröffentlichten die niederländischen Behörden den lang erwarteten Zwischenbericht [PDF – 4.6 MB] zum Absturz/Abschuss von MH 17. Wer sich von dem Bericht eine möglichst lückenlose Aufklärung der Ereignisse erhofft hat, wird jedoch enttäuscht sein. Von Jens Berger.

Das was jedoch abzusehen. Sinn und Zweck der Untersuchungen war es, das Unglück aus Flugsicherheitsaspekten heraus zu beleuchten. Und da lief alles erwartungsgemäß rund – die Maschine war fehlerfrei, die Crew fit und auch die Fluglotsen machten ihren Job offenbar fehlerfrei. Zur Frage, warum der Luftraum oberhalb von 33.000 Fuß nicht gesperrt war, obgleich (nicht nur) die ukrainischen Behörden Informationen darüber hatten, dass die Separatisten womöglich in Besitz von Flugabwehrraketensystemen sind, die auch in wesentlich größeren Höhen eine potentielle Gefahr für Zivilflugzeuge darstellen, geht der Bericht gar nicht erst ein. Und auch ansonsten hält man sich bemerkenswert vornehm zurück, wenn es um politische Aussagen geht.

Veröffentlicht wurden nun erstmals die Aufzeichnungen des Voice Recorders, des Bodenfunkverkehrs und die Flugdaten aus der Black Box. Die Aussagekraft dieser Daten ist jedoch – ebenfalls erwartungsgemäß – nicht sonderlich groß. Der Funkverkehr riss demnach abrupt ab, es gab keine ungewöhnlichen Vorkommnisse. Fest steht lediglich, dass MH 17 in der Luft auseinander gerissen wurde, so dass die Wrackteile sich über einen großen Raum verteilen. Auch das war jedoch nicht neu. Bezüglich der Unglücksursache verweist der Bericht auf eine große Anzahl „hoch energetischer Objekte“ (high energy objects), die die Boeing von außen durchlöcherten. Dies ist symptomatisch für den Abschuss durch ein Flugabwehrraketensystem, wie z.B. das Buk-System. Die niederländischen Behörden vermeiden jedoch auch hier jede Festlegung – noch nicht einmal der Begriff „Rakete“ taucht im Bericht auf. Spekulationen, MH 17 sei durch die Bordkanonen eines Kampfjets abgeschossen wurden, dürften damit endgültig widerlegt sein. Ob MH 17 aber nun durch eine Rakete der Separatisten oder durch eine Rakete der ukrainischen Regierungstruppen (das behaupten die Separatisten) abgeschossen wurde, ist jedoch nach wie vor nicht mit Sicherheit zu sagen.

Der offizielle Zwischenbericht eignet sich nicht dafür, politische Aussagen oder Schuldzuweisungen, gleich in welche Richtung, zu machen. Er stützt vor allem nicht die Argumentationsgrundlage für die verschärften Sanktionen, die der Westen gegen Russland ausgebrochen hat. Der gesamte Bericht enthält kein einziges Indiz, das für eine russische aktive oder passive Urheberschaft spricht. Für den SPIEGEL und andere schreibende Falken im Blätterwald dürfte dies eine Enttäuschung sein. Da der Bericht jedoch allgemein keine verwertbaren Aussagen zur Täterschaft enthält, ist zu erwarten, dass MH 17 auch weiterhin im Sinne der Konfrontationsstrategie missbraucht wird. Die „Wahrheit“ bleibt im Dunklen, so viel ist klar. Mit dem Abschlussbericht ist in diesem Jahr nicht mehr zu rechnen. Wahrscheinlich werden wir nie erfahren, wer MH 17 abgeschossen hat.

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