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Albrecht Müller Wolfgang Lieb
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20. Dezember 2014
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“Kinder lernen besser ohne Computer”

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Das meint der Ulmer Hirnforscher Manfred Spitzer in einem Interview mit dem Berliner Tagesspiegel vom 22.06.2007. Er sieht einen Zusammenhang zwischen Fernsehkonsum einerseits und Bildungsstand und Gewaltbereitschaft andererseits und wendet sich deshalb gegen übermäßigen TV-Konsum. Wir haben über seine Arbeit schon mehrmals berichtet. Das Interview ist lesenswert. Mir fehlt allerdings der Hinweis auf die politischen Zusammenhänge und die Tatsache, dass der von Manfred Spitzer beklagte Zustand wissend von der Regierung Kohl herbeigeführt wurde und die damals handelnden Personen so für die Zerstörung einer wichtigen Errungenschaft in Deutschland, eines einigermaßen vernünftigen Fernsehens, später von einem der Profiteure, von Leo Kirch, auch noch entlohnt worden sind. Darüber habe ich in „Machtwahn“ ausführlich geschrieben. Eine wichtige Passage zur entlohnten Zerstörung findet sich in den NachDenkSeiten unter “Der arme Gerhard Schröder – ganz allein am Pranger! Ein Skandal!”. Albrecht Müller.

  1. Das ist der relevante Auszug aus dem in die NachDenkSeiten übernommenen Text:

    Wege zum Geld: Politiker haben das Land umgekrempelt – zum Nachteil von uns allen und zu ihrem Vorteil:
    Die Regierung Kohl hat nach der politischen Wende von 1982 Milliarden öffentlicher Gelder für die Verkabelung und für Propaganda zugunsten der Kommerzialisierung des Fernsehens und des Hörfunks ausgegeben und zugleich die politischen Entscheidungen für diese kultur- und familienpolitisch folgenreiche Weichenstellung getroffen. Nach Informationen des Focus soll Altkanzler Helmut Kohl (CDU) von einem der Begünstigten, Leo Kirch, für Beratertätigkeit von 1999 bis 2002 umgerechnet etwas über 400 000 Euro pro Jahr erhalten haben. [89] Zusätzlich erhielt Helmut Kohl nach seiner Amtszeit 100 000 Schweizer Franken im Jahr von der Schweizer Großbank Credit Suisse für seine Tätigkeit als Berater, so Focus. Er war Mitglied im internationalen Beirat. [90]
    Nach Mitteilung des Spiegel hatten auch andere ehemalige Minister vertragliche Beziehungen mit Kirch: die ehemaligen Postminister Christian Schwarz-Schilling (CDU) – über seine Firma Dr. Schwarz-Schilling GmbH – und Wolfgang Bötsch (CSU), der ehemalige Finanzminister Theo Waigel (CSU) und der frühere Verteidigungsminister Rupert Scholz (CDU) sowie der ehemalige Vizekanzler und Wirtschaftsminister Jürgen Möllemann (FDP). [91] Panorama wollte von Helmut Kohl und Wolfgang Bötsch Genaueres wissen und von Friedrich Merz und Angela Merkel ihre Bewertung des Vorgangs kennenlernen. Kohl reagierte aggressiv. Die anderen schwiegen. Kurt Beck, der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz kommentierte so: »Niemand zahlt 800 000 Mark oder 300 000 Mark, dazwischen lagen ja wohl die Verträge, für nichts. Das kann ich mir nicht vorstellen. Da muss es also Interessen gegeben -haben, die verflochten worden sind.« [92]

  2. Auf den Seiten 157-165 von „Machtwahn“ finden Sie unter der Überschrift „Ein neuer Bildungsnotstand: Verwahrlosung durch Kommerzialisierung“ eine ausführliche Darstellung der Folgen der Kommerzialisierung des Fernsehens und des politischen Kontextes.
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