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3. Dezember 2016
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Nur wenn wir die Glaubwürdigkeit unserer Hauptmedien und des Führungspersonals erschüttern, wird die Politik besser. Beispiel Geburtenrate.

Veröffentlicht in: Aufbau Gegenöffentlichkeit, Demografische Entwicklung, Kampagnen / Tarnworte / Neusprech

Wenn Sie dabei mitmachen wollen, über gezielte Manipulationen und Irreführungen oder auch nur über die Mittelmäßigkeit unseres Führungspersonals aufzuklären, dann empfiehlt es sich, praktische Beispiele für das Gespräch mit Ihren Freundinnen/en und Kolleginnen/en zu nutzen. Weil beim Thema Demographie so unglaublich manipuliert wird, und so viele Menschen immer noch beunruhigt sind, eignet sich dieses Thema in besonderer Weise. Hier ein praktisches aktuelles Beispiel: die Erfolgsmeldungen unserer Familienministerin zur Geburtenrate von Mitte Februar. Sie wurde jetzt, also nach nur gut drei Wochen, Lügen gestraft. Albrecht Müller.

Am 15. Februar meldete die Familienministerin Von der Leyen: „Wenn die Wirtschaft wankt, hat die Familie Konjunktur…“ und feierte den Anstieg der Geburten zwischen Januar und September 2008. Reihenweise übernahmen führende Medien unseres Landes die Erfolgsmeldungen.

Ich analysierte diesen Vorgang am 17. Februar 2009: „Geburten: Tom Buhrow-Tagesthemen, SpiegelOnline, BILD und eine Reihe anderer Medien erweisen sich wieder als Teil der PR-Industrie“ und beschrieb zum Beispiel, wie leichtfertig es ist, einen Zuwachs von 5000 Geburten als gravierende Veränderung zu interpretieren. NachDenkSeiten-Leser konnten erfahren, wie sehr die Geburtenziffer auch in der Vergangenheit schwankte. Wolfgang Lieb hatte schon am 16. Februar beschrieben, wie unsinnig die These ist, die Familie habe Konjunktur, wenn die Wirtschaft wankt.

Wir schrieben dies aus sachlichen Gründen. Wir schrieben es auch mit dem Risiko, dass die Familienministerin und die Medien in ihrem Gefolge weitere Erfolge an der Geburtenfront hätten feiern können. Uns kommt es auf eine korrekte Information der NachDenkSeiten Leser an.

Gestern erreichte mich nun die Mail eines unserer Leser:
„Sie hatten mal wieder auf den Punkt genau Recht! Bedrückend, wirklich
bedrückend, wie extrem leicht die Medien zu manipulieren sind. Wie wenig die
nachdenken und selber recherchieren. Anbei ein interessanter Artikel aus der FTD:

Einbruch bei Geburtenzahl
Bumerang für von der Leyen

Vor kurzem jubelte die Familienministerin noch über den angeblichen Babyboom in Deutschland – doch nun schweigt sie lieber. Kein Wunder: Im Herbst 2008 gingen die Geburtenzahlen deutlich zurück.“

In der Tat erweisen sich die Luftsprünge von Frau von der Leyen (siehe Bild am Sonntag vom 15. Februar 2009) als reine Show. Eines der Medien, die noch vor gut drei Wochen die Ministerin und ihre Politik gefeiert hatten, berichten jetzt kleinlaut von der Täuschung, hier SpiegelOnline:

„Geburtenzahlen brechen ein
2007 stiegen die Geburten zwar noch leicht an, doch Ende des vergangenen Jahres ist die Anzahl von Neugeborenen massiv gesunken. Im November wurden im zweiten Monat in Folge weniger Babys geboren als im entsprechenden Vorjahresmonat – der Einbruch ist so stark, dass er höchstwahrscheinlich gleich das ganze Jahr ins Minus zieht.“

Es wäre interessant zu beobachten, ob die anderen Medien wenigstens berichten, dass sie einer falschen Nachricht und Fehleinschätzung auf den Leim gegangen sind. Haben die Tagesthemen die Sprüche des Tom Buhrow korrigiert? Und Bild am Sonntag?

Der Zusammenhang zwischen Manipulation zum einen und falschen politischen Entscheidungen zum andern ist beim Thema Demographie besonders eng. Zum Beispiel war gemeldet und von vielen Medien verbreitet worden, die Kinderlosigkeit der Akademikerinnen läge bei 40, ja sogar bei 43 % und sei damit weit überdurchschnittlich und besonders hoch. Tatsächlich zeigte sich jedoch, das die Kinderlosigkeit von Akademikerinnen nur knapp über dem Durchschnitt liegt.

Siehe hier:

Menschen zeigen wie sie manipuliert werden

Als dieses Interview im August 2007 erschien und damit das Eingeständnis, über ein Phantom geklagt zu haben, war die Umstellung vom Erziehungsgeld zum Elterngeld schon gefallen. Gutverdienende erhalten pro Kind und Monat 1800 €, Schlechtverdienende oder Arbeitslose erhalten 300 € pro Monat und Kind.

Die Manipulation in Sachen Demographie hatte auch praktische Folgen für die Entscheidungen zur Altersvorsorge. Unsere Meinungsführer in Politik und Medien, in Wirtschaft und Wissenschaft haben den Menschen erzählt, mit der Umstellung auf Privatvorsorge werde auch das so genannte demographische Problem gelöst. Ein logischer Zusammenhang existierte nie. Mit der Umstellung werden plötzlich nicht mehr Menschen geboren und arbeitsfähig.

Das waren zwei Beispiele dafür, wie bedeutsam die Meinungsbildung und damit Manipulationen für die politischen Entscheidungen sein können.

Deshalb ist auch im Interesse besserer politischer Entscheidungen Aufklärung und der Aufbau einer Gegenöffentlichkeit notwendig.

Bitte verwenden Sie ein solches Beispiel wie den Umgang der Ministerin von der Leyen und der ihr gefügigen Medien mit der Entwicklung der Geburtenrate für die Aufklärung unter ihren Freunden und Bekannten.

Ganz praktisch: Drucken Sie den Beitrag vom 17. Februar und den heutigen Beitrag oder auch nur die Kurzmeldung bei Financial Times Deutschland aus und geben Sie das mit ihrer persönlichen Anmerkung weiter.

Oder nutzen sie Ihre E-Mail-Adressen für Ihre persönliche Aufklärungsarbeit.

Zeigen Sie anderen, wie wir manipuliert werden. Erschüttern Sie die Glaubwürdigkeit der Hauptmedien. Wir müssen wieder zweifeln lernen. Das ist wichtig.

Sie erweisen Ihren Freunden und Bekannten sicher auch einen Dienst, wenn Sie auf die NachDenkSeiten als Quelle von täglichen Informationen gegen den Strich hinweisen.

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