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22. Dezember 2014
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Finanztest: Staatlich verordnete Verkaufsunterstützung für die Riester-Rente

Verantwortlich:

In der September-Ausgabe 2010 kommt ein frischgebackener Riester-Rentner zu Wort, der als Gewinnrente sage und schreibe 0,38 Euro mehr, also 0,6 % mehr als die Garantierente erhält. Folgerichtig urteilt Finanztest: „Von mickriger Rente kann Finanztest-Leser … ein Lied singen … Über eine derart geringe Überschussbeteiligung kann (man) nur noch lachen“. Leider wird den meisten Riester-Rentnern das Lachen vergehen, wenn sich ihre heutige Gutgläubigkeit rächt. Von Edmund Hagmann

Dauerthema bei Finanztest ist die Riester-Rente. Klar, dass Finanztest die Vorgaben der letzten Bundesregierungen umsetzen muss, da die Zeitschrift am Tropf einer Staatssubvention in Millionenhöhe hängt. So verwundert es auch nicht, dass zwar einige (aber nicht alle) negativen realen Situationen peu à peu angesprochen werden, an der Empfehlung für die Riester-Rente aber nicht gerüttelt wird.

Aufgrund der nicht wegzuleugnenden Fakten versucht es Finanztest mittlerweile auf die smarte Art. Während man 2007 noch in die Vollen ging und sich nicht schämte, von einer jährlichen Rendite von bis zu 9 % auszugehen, spielen in der neuesten Ausgabe Gewinne aus der Geldanlage überhaupt keine Rolle mehr. Diese Vorsicht hat handfeste Gründe. Nunmehr behauptet Finanztest, dass auch ohne Verzinsung des Kapitals eine Rendite auf den eingezahlten Eigenbeitrag vorliegt. Dabei genieren sich die Macher von Finanztest nicht, unattraktive Nachsteuer-Renditen von 0,6 % bis 1,5 % als passabel darzustellen (Finanztest-Titel: “Zum Plus geht es per Zulage”).

Zu allem Übel stecken mindestens drei Fehler in diesen Finanztest-Angaben – und aus dem erträumten “Plus” wird ganz schnell ein reales sattes “Minus”:

  1. Bei Riester-Rentenversicherungen ist eine Mindestverzinsung von z. Zt. 2,25 % in den obigen Renditen berücksichtigt. Wird diese Mindestverzinsung (wie in der Branche laut angedacht) weiter reduziert, leiden darunter auch die obigen Renditen. Die Finanztest-Aussage “Schon ohne Verzinsung des Kapitals … sind Renditen auf den eingezahlten Eigenbeitrag drin” kann sich somit nicht auf obige Renditen beziehen.
  2. In den von Finanztest errechneten Renditen ist die Inflation noch nicht berücksichtigt. Bei einer (realistischen) jährlichen Inflationsrate von 2 % sind alle von Finanztest vorgestellten Riester-Renditen negativ, d.h. man spart in den Finanztest-Beispielen mehr als man später trotz staatlicher Zulagen und Steuervorteilen real kaufen kann. Sieht so (lohnendes) Sparen aus?
  3. Die von Finanztest angegebenen Renditen werden nur erfüllt, wenn man das Durchschnittsalter erreicht. Stirbt man zum Beispiel fünf oder zehn Jahre nach Rentenbeginn und hat (wie die meisten) nur eine 5-jährige Rentengarantiezeit vereinbart, wird die Riester-Rente eine äußerst negative Geldanlage, trotz staatlicher Bezuschussung. Der überlebende Ehegatte wird mit der Riester-Rente eine unangenehme Erfahrung machen, anders formuliert: er oder sie wird gar keine Erfahrung mit dieser Rente machen.

Liebe Regierungsmitglieder und liebe Finanztestler: Lassen Sie es gut sein mit der Riester-Rente. Lassen sie die unnützen Lockrufe mit der staatlichen Förderquote für das Riestern, denn diese Subventionen müssen die Riester-Sparer sowieso entweder über ihre Steuern bezahlen (linke Tasche, rechte Tasche) oder die Staatsverschuldung wird dadurch erhöht.
(Zudem wird der „Altersvorsorgeanteil“ sozusagen vorab und fiktiv von den Bruttolöhnen und Gehältern abgezogen. Um diesen Anteil wird die Lohnhöhe geschmälert, an die die Beiträge für die gesetzliche Rente anknüpfen. Vereinfacht gesagt, der Riesterfaktor mindert die Anpassung der Renten an die Lohnsteigerungen. WL)
Das will doch niemand.

Die meisten Riester-Rente werden mit ihr eine negative Erfahrung machen und der Staat sowieso. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein (für 90 % aller Riester-Sparer) Ärgernis ohne Ende.

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