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Da findet zusammen, was zusammen gehört: Guttenberg wird BILD-Chef

Veröffentlicht in: Das kritische Tagebuch, Kultur und Kulturpolitik

Interne Dokumente, die den NachDenkSeiten vorliegen, bestätigen, was die Spatzen bereits seit längerem von den Dächern pfiffen: Der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wird in den Vorstand der Axel Springer AG wechseln. Er wird dort Nachfolger von Andreas Wiele, der seinerseits in den Vorstand der RTL-Group wechselt. Zum Verantwortungsbereich Guttenbergs wird dabei neben der BILD-Gruppe auch das neugeschaffene Ressort Social-Media-Relations gehören. Der Axel Springer Verlag sieht hier vor allem auf Facebook ein großes PR-Potential, das bislang noch weitestgehend brachliegt.

In Medienkreisen wird diese Personalentscheidung durchweg positiv aufgenommen. Karl-Theodor zu Guttenberg ist bereits seit längerem eng mit dem BILD-Chefredakteur Kai Diekmann befreundet und pflegte während seiner aktiven politischen Karriere eine für beide Seiten geschäftlich überaus fruchtbare Beziehung zu seinem neuen Vorstandsmitglied. „Im letzten Jahr war Karl-Theodor zu Guttenberg ja quasi Dauergast in der BILD-Redaktion, da fällt der Übergang in das neue Geschäftsfeld leicht“, so ein Branchenexperte gegenüber den NachDenkSeiten. Letzte Bedenken wegen zu Guttenbergs nicht sonderlich beeindruckender Berufserfahrung in der Medienbranche, konnte der Baron leicht ausräumen: Er sei von 1988 bis 1991 bereits in verantwortlicher Position bei einem Rosenheimer Medienunternehmen tätig gewesen und daher auf seine neuen Aufgaben bestens vorbereitet. Recherchen der NachDenkSeiten ergaben jedoch, dass es sich bei dem „Rosenheimer Medienunternehmen“ um die Schülerzeitung des Ignaz-Günther-Gymnasiums gehandelt haben muss, an dem zu Guttenberg am 1. April 1991 sein Prädikatsabitur machte.

Karl-Theodor zu Guttenberg war in den letzten Wochen auch als möglicher Nachfolger des beliebten ZDF-Show-Masters Thomas Gottschalk bei „Wetten, dass ..?“ und als Bundesbeauftragter für Open Access im Gespräch. Ebenfalls noch offen ist, ob Guttenberg nun, wie ursprünglich angekündigt, die im Mai beginnenden Schlichtungsgespräche zwischen dem Internetkonzern Google und der VG Wort leiten wird. Wahrscheinlich war das Gehalt – Branchenkenner schätzen das Jahressalär auf rund vier Millionen Euro – schlussendlich für die Entscheidung des Barons ausschlaggebend. Unterhalt und Heizkosten des fränkischen Familiensitzes übersteigen die Pension des ehemaligen Politikers bei weitem.

Gerüchten zufolge soll die Personalie zu Guttenberg beim berühmt-berüchtigten Kaffeekränzchen von Angela Merkel und ihren Freundinnen Friede Springer und Liz Mohn ausgekungelt worden sein. Merkel fürchtet sich vor einem Comeback des gefallenen schwarzen Engels so sehr wie der Teufel das Weihwasser. Damit der fränkische Baron nicht doch wieder auf die Idee kommt bis 2013 seinen Hut in den politischen Ring zu werfen, wurde er daher entsprechend seiner Interessen und Fähigkeiten in das Netzwerk des Triumfeminats eingebunden. Weitere politische Störenfriede aus Merkels Umfeld sollen folgen und beim zum Bertelsmann-Konzern gehörenden Verlagshaus Gruner + Jahr eine neue Betätigung finden: Guido Westerwelle wird als Chefredakteur von „Brigitte“ gehandelt und Rainer Brüderle als neuer Chefsommelier beim Fachmagazin „essen und trinken“. Die NachDenkSeiten werden die weiteren Entwicklungen wie gewohnt kritisch begleiten.

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