„Korrigiert die Weltkarte!“: Eine Kampagne, um Afrika seine tatsächliche Größe zurückzugeben

„Korrigiert die Weltkarte!“: Eine Kampagne, um Afrika seine tatsächliche Größe zurückzugeben

„Korrigiert die Weltkarte!“: Eine Kampagne, um Afrika seine tatsächliche Größe zurückzugeben

Ein Artikel von: Redaktion

Karten prägen die Vorstellungskraft. Wenn Kinder ihre Schulbücher aufschlagen und sehen, dass Afrika kleiner dargestellt ist als Europa, verinnerlichen sie eine Botschaft der Marginalität. „Es ist inakzeptabel, dass Generationen weiterhin mit Karten aufwachsen, die die Größe Afrikas und damit auch seine Bedeutung herabsetzen. Die Karte zu korrigieren bedeutet, die Wahrheit und Würde in der Wahrnehmung Afrikas und in der Wahrnehmung der Afrikaner von sich selbst wiederherzustellen”, sagt Fara Ndiaye, Mitbegründerin von Speak Up Africa. Ihre Organisation hat zusammen mit Africa No Filter die Kampagne „Correct the Map“ (Korrigiert die Karte) ins Leben gerufen. Von Lucía Blanco Gracia.

Afrika ist 14-mal so groß wie Grönland. Fast alle europäischen Länder, die USA, Japan, Mexiko und China passen hinein. Die seit dem 16. Jahrhundert am häufigsten verwendete Weltkarte spiegelt dies jedoch nicht wider. Eine von der Afrikanischen Union unterstützte Kampagne will nun diese historische Anomalie ändern.

Die Initiative „Correct the Map”, die von zwei zivilgesellschaftlichen Organisationen – Africa No Filter und Speak Up Africa – ins Leben gerufen wurde, hat eine seit Jahrzehnten anhaltende Debatte wieder auf den Tisch gebracht. Diese hat im August dieses Jahres an Dynamik gewonnen, nachdem die panafrikanische Organisation öffentlich ihre Position zugunsten einer Weltkarte zum Ausdruck gebracht hatte, die die tatsächliche Größe des Kontinents und anderer Teile der Welt, wie beispielsweise Südamerika, widerspiegelt.

Es ist inakzeptabel, dass Generationen weiterhin mit Karten aufwachsen, die die Größe Afrikas und damit auch seine Bedeutung herabsetzen. Die Karte zu korrigieren bedeutet, die Wahrheit und Würde in der Wahrnehmung Afrikas und in der Wahrnehmung der Afrikaner von sich selbst wiederherzustellen”, sagt Fara Ndiaye, Mitbegründerin von Speak Up Africa.

Eine verzerrte Karte

Die Mercator-Projektion, die derzeit fast alle Karten bestimmt, wurde 1569 vom flämischen Kartografen Gerardus Mercator entwickelt, um die Navigation auf der Ost-West-Achse zu erleichtern und zu verhindern, dass Schiffe vom Kurs abkommen.

Zwar sollte diese Karte die Arbeit der Seefahrer auf der Erde mit ihrer Kugeloberfläche vereinfachen, doch verzerrt sie auch die Größe der Territorien gewaltig.

Foto 1: Quelle: Shutterstock / VectorIcon2003

So erscheint Afrika, der – nach Asien – flächenmäßig zweitgrößte Kontinent der Welt und Heimat von mehr als 1,5 Milliarden Menschen und den 55 Mitgliedsländern der Afrikanischen Union, auf den meisten Karten nur wenig größer als Grönland. Diese Insel hat weniger als 2,5 Millionen Quadratkilometer und etwa 57.000 Einwohner.

Die Kampagne entstand aus einer einfachen, aber unbestreitbaren Feststellung: Seit mehr als 450 Jahren vermittelt die Mercator-Karte ein verzerrtes Bild unserer Welt“, erklärt Ndiaye.

Deshalb schlägt die Initiative als Alternative die Verwendung der kartografischen Projektion Equal Earth Ma (Karte einer gleichberechtigten Erde[1]) vor, die 2018 von Tom Patterson, Bernhard Jenny und Bojan Šavrič entwickelt wurde und versucht, die Verzerrungen in den Formen und Entfernungen zwischen den Kontinenten zu vermeiden.

Quelle: Equal Earth

Lehrpläne

Einer der Bereiche, in denen die Mercator-Projektion weiterhin verwendet wird, sind die Lehrpläne, sowohl in Afrika als auch im Rest der Welt.

Sekou Otondi ist Sozialkundelehrer an der International School of Kenya, die von Schülern aus verschiedenen Teilen der Welt besucht wird, die in Nairobi leben.

Um seinen Schülern die historische Verzerrung des Kontinents, auf dem sie leben, zu vermitteln, brachte der Lehrer mehrere gedruckte Karten mit in den Unterricht, darunter die Mercator-Projektion und andere Alternativen.

Ich glaube, viele Schüler waren überrascht, als sie sahen, dass das, was sie als Darstellung der Karte Afrikas betrachteten, in Wirklichkeit keine wahrheitsgetreue Darstellung der Größe des Kontinents ist“, berichtet der Lehrer.

Die Erkenntnis wurde noch deutlicher, als die Schüler Ausschnitte verschiedener Gebiete der Welt verwendeten und sahen, wie viele davon tatsächlich in Afrika Platz finden.

Für Ndiaye ist klar:

„Karten prägen die Vorstellungskraft. Wenn Kinder ihre Schulbücher aufschlagen und sehen, dass Afrika kleiner dargestellt ist als Europa, verinnerlichen sie eine Botschaft der Marginalität.“

Geopolitische Auswirkungen

Die Mercator-Karte wird nicht nur in Schulbüchern, sondern auch in den meisten Institutionen und Unternehmen weiterhin verwendet, obwohl in den letzten Jahren Fortschritte erzielt wurden.

So hat Google Maps sie 2018 in seiner Desktop-Version durch einen dreidimensionalen Globus ersetzt, obwohl die klassische Projektion weiterhin die Standardeinstellung in der mobilen Anwendung ist. Auch Institutionen wie die NASA beginnen, andere Karten zu verwenden.

Die Kampagne „Correct the Map“ reiht sich ein in Forderungen nach einer stärkeren Vertretung Afrikas in globalen Institutionen wie dem UN-Sicherheitsrat und einer gerechteren Finanzarchitektur für den Kontinent durch Reformen des Internationalen Währungsfonds oder der Weltbank.

Die Art und Weise, wie Afrika visuell dargestellt wird, hängt mit der institutionellen Behandlung zusammen, die es erfährt. So, wie wir eine gerechtere Vertretung in der UNO, in den globalen Finanzinstitutionen oder bei den Klimaverhandlungen fordern, müssen wir auch Gerechtigkeit bei der Darstellung von Wissen und Geografie fordern”, argumentiert die Mitbegründerin von Speak Up Africa.

Diese Verzerrung kann die globale Wahrnehmung, die Diplomatie und sogar Investitionsentscheidungen beeinflussen”, schlussfolgert sie.

Der Beitrag ist auf Spanisch bei Naiz erschienen und wurde von Marta Andujo übersetzt.

Titelbild: Equal Earth


[«1] Die Equal Earth Map kann man in verschiedenen Sprachen und Formaten herunterladen.

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