Leserbriefe zu „Medien im Propagandarausch: Der Militarismus sitzt in den Redaktionen“
Hier hat Marcus Klöckner die immer weiter zunehmend militarisierte Medienberichterstattung kommentiert. Der Rausch der Propaganda habe sich im Journalismus ausgebreitet. Das Feindbild Russland sei ausgemacht, der russische Angriff auf die NATO werde „regelrecht herbeiberichtet“. Der Bayerische Rundfunk habe mit dem Militärexperten Gustav Gressel ein Interview geführt. Die Überschrift dazu lautet „100 Prozent Wahrscheinlichkeit“ und beziehe sich auf einen russischen Angriff. Der Militarismus sitze in den Redaktionen und breite sich immer weiter aus. Wir danken für die interessanten E-Mals hierzu. Es folgt nun eine Auswahl der Leserbriefe, die Christian Reimann für Sie zusammengestellt hat.
1. Leserbrief
Eine der Fragen in diesem Zusammenhang ist, ob die Redaktionen unisono hinter diesem Unsinn stehen? Aus meiner Kenntnis des Milieus gehen diese Meinungen von oben, den Chefredaktionen bzw. Inhabern aus und werden pflichtbewußt bedient. Andersdenkende halten sich von sich aus zurück oder wagen nur gelegentlich ein offenes Wörtchen. So ist mir bereits vor Jahren anläßlich der deutschen Wiedervereinigung berichtet worden, daß in der Redaktion die Meinung vorherrschte, der Wiedervereinigungsplan von Lafontaine, der einen Stufenplan vorschlug, sei der bessere, “doch das durfte man nicht schreiben”.
Natürlich haben all diese Verfasser keine Ahnung von Krieg; in der hiesigen Zeitung ist heute ein Artikel über Götz Aly zu lesen. Auch dieser renommierte Historiker hat keine Ahnung von Putin, wie eine Vielzahl seiner Kollegen auch.
Fritz Schmidt
2. Leserbrief
Hallo Herr Klöckner,
Sie treffen den Nagel auf den Kopf.
Ich frage mich seit langem, wieso ein Überfall Russlands auf andere europ. Länder als wahrscheinlich bzw. sogar gegeben dargestellt wird. Es gibt faktisch keinen Beleg dafür außer dem dümmlichen Geplapper von Politikern und von wem auch immer so titulierten Experten.
Woher kommt diese extreme Sicht in den Redaktionsstuben? Welche Informationen liegen diesen Leuten vor? Wie alt sind sie, dass sie so leichtfertig mit Aussagen umgehen, ohne diese wirklich kritisch zu hinterfragen? Fehlt ihnen das historische Trauma des letzten Weltkrieges, um nicht alles dafür zu tun, dass ein weiterer Krieg verhindert wird, anstatt dumm-naiv alles für bare Münze zu nehmen, was ihnen von offizieller Seite vorgesetzt wird?
Ist die Journalismusausbildung inzwischen so miserabel, dass es nur noch zum Steigbügelhalter reicht?
Was ist los mit diesen Menschen, brauchen sie wieder einen Sündenbock, um die Lage Deutschlands zu ertragen bzw. einen Schuldigen zu haben?
Ich kann es nicht fassen und intellektuell nicht nachvollziehen, dass sich ein Berufsstand quasi in toto ad absurdum führt.
Schöne Grüße
Hansjörg Sachs
3. Leserbrief
Guten Tag,
realistisch gesehen, handelt es sich hier nicht um Experten, sondern um Dummschwätzer und Propagandisten.
Weich gespült, ohne eigene Recherchen und aus der Komfortzone heraus kriegstreiben, ist die Devise.
Das Ziel dieser Kriegstreiberei ist es natürlich, die Bevölkerung weich zu klopfen, für den wohl angedachten ,, Bundeswehreinsatz ” in der Ukraine. Wer sich da einlullen lässt, dem ist schwerlich zu helfen. Mein Eindruck ist nach wie vor, dass sich die meisten Zeitgenossen immer noch als Zuschauer wähnen, bis es sie selbst betrifft.
Mit freundlichen Grüßen
Thomas Stöbe
4. Leserbrief
Hallo, Herr Klöckner und Redaktion !
Danke für diesen wichtigen Artikel!
Die Analysten greifen gleichwohl zu kurz, wenn sie nur länderweise die Medienaktivitäten betrachten. Im Westen inkl. USA ist die Mehrzahl der bellizistisch auftretenden Medien in Händen sehr weniger Leute. Die schnappten sich nach Zusammenklappen des Ostblocks 1990ff auch die Medien dieser Länder und polten sie in die gewünschte Richtung um. Herr Orbán könnte dazu eine Menge aus der Nähkiste erzählen.
Die Journalisten der Medien stellen den Politikern stets dieselben, kriegstreiberischen Killer-Fragen. Die pflegen mit den Worten “Schließen Sie aus…” zu beginnen, um dann eine Eskalation der Kriegsaktivität folgen zu lassen. Beispiele: “Herr Macron, schließen Sie aus, dass französische Bodentruppen in die Ukraine verlegt werden” oder “Herr Merz, schließen Sie aus, dass Taurus-Flugkörper ohne Reichweitenbeschränkung geliefert werden” und so weiter. Anschließend sitzen die Politiker in der Klemme: Schließen sie es aus, binden sie sich, schließen sie es nicht aus, kündigen die nächsten Titelzeilen eine Kriegseskalation an.
Es sind ein paar Dutzend Medieneigentümer, die sich sehr gut verstehen und den bellizistischen Ton weltweit promovieren. Wären sie nicht aktiv, hätten wir längst Frieden. Zu benennen, wer diese Herrschaften sind, würde gleich mit “Anti-sonstwas” – Vorwürfen geblockt. Aber ohne das Blankziehen der Agenten wird man nicht vom Fleck kommen.
Freundliche Grüße
Alexander G. Roklum
5. Leserbrief
Sehr geehrter Herr Klöckner,
im Gesamtbild gilt es den gegenseitigen Einfluss zwischen Politik, Medien, den in den Medien präsentierten Experten und die öffentliche Meinung zu durchleuchten.
In den Medien sehen wir den vorauseilenden Gehorsam, die Verschiebung des Overton Fensters hin zur Kriegsakzeptanz, im engen Zusammenspiel mit wir sind die Unschuldigen, wir verteidigen uns nur.
Die aufgeführten Experten werden gründlich zum Gewünschten hin ausgewählt.
Die gegenseitige Wirkung schaukelt sich dann hoch bis zur Kettenreaktion, dem Punkt wo ein zurück unmöglich wird.
Was das Motiv angeht für die Medien gibt es ein übergeordnetes: da ist die Spur von Geld und Macht zu verfolgen. Das untergeordnete sind die Machtverhältnisse innerhalb der Redaktion, die bestehen zwischen den einfachen Journalisten und den Chefredakteuren. Dieses Machtverhältniss stützt sich stark auf die Art der Arbeitsverträge oder deren Abwesenheit: Freelance, Teilzeit etc. Ein einfacher Journalist denkt an sein Einkommen, das er braucht für Familie, Rückzahlung von Darlehen etc. Dies führt zur Selbstzensur und dem Schreiben von Nachrichten, die dem Wunsch von Chefredakteur und weiter zum Eigentümer Geldgeber der Medien entsprechen.
Was die Bürger angeht, verfügen sie überhaupt über Mittel, Zeit und Kenntniss um sich dem Würgegriff der Propaganda zu entziehen?
Was die Politik angeht, da geht es um Macht und dem Aufhalten der Drehtür zur Wirtschaft um nach Ende der politischen Laufbahn mit offenen Armen in der Wirtschaft unterzukommen.
Eine Hand wäscht die andere.
Mit freundlichem Gruß
Patrick Janssens
6. Leserbrief
Wozu soll man solchen Experten noch folgen, die egal was zu 100 Prozent zu wissen glauben, vor allem, was andere Menschen denken und, entgegen jeglicher Logik und Vernunft und unter Ausklammerung aller Fakten so alles vorhaben. Die schaukeln sich doch nur gegenseitig in Rage.
Man mag nicht glauben, daß solch ein Mist von Leuten unters Volk gebracht wird, die auch nur einen Hauch von Bildung, Wissen, Unvoreingenommenheit und Verantwortung besitzen.
Das wirft doch die Frage auf, ob es nicht vielmehr nur darum geht,
- das seit Jahrzehnten aufgebaute Feindbild weiter anzuheizen
- die Masse der Menschen mit einseitiger geopolitischer Bildung in Angst, Panik und Gefolgschaft zu versetzen
- die gigantischen Aufrüstungsmaßnahmen trotz bereits bestehender Überlegenheit der NATO zu rechtfertigen
- um letztlich selber einen weiteren Krieg gegen Rußland mit Billigung ausreichender Teile der Bevölkerung zu führen, der dann natürlich, dafür würde man sich nach bereits gelungener Vereinnahmung der „Leitmedien“ schon etwas einfallen lassen, als (natürlich unprovozierter) Angriffskrieg der Russen auf die NATO dargestellt werden könnte.
Oder man schickt einige Taurus gen Osten oder provoziert sonstwie in einer Weise, die für Rußland nicht hinnehmbar wäre. Dann, und nur dann, würde Rußland ein NATO-Land angreifen. Und nicht, um sich die gerade abgestoßene DDR zurückzuholen oder weil es am Rhein so schön ist, sondern um die militärischen Kapazitäten auszuschalten.
So herum wird allerdings ein Schuh draus und da bräuchten sich die Amerikaner gar nicht mal zu beteiligen. Die kämen dann, wie gehabt, zum Ende dazu, um mit abzuräumen. Vorausgesetzt allerdings, es liefe alles wie geplant.
MfG
G. Hantke
7. Leserbrief
Hallo Nachdenkseiten, sehr geehrter Herr Klöckner,
ich habe gestern in einer mail an Politik-interessierte Freunde versucht, die bodenlose Hetze des “Experten” Gessler zu zerlegen – an ihr kann man geradezu formvollendet sehen, wie Propaganda geht:
In einem Beitrag für den BR behauptet der österreichischen “Militärexperte” Gressel forsch, Putin würde Europa noch vor 2029 angreifen, die Wahrscheinlichkeit liege bei 100 % – was ja bedeutet: absolut sicher! Das steht zwar im Widerspruch zu seiner anderen Behauptung, das sei noch abwendbar (also doch!) ” wenn Europa kriegsbereit wird. Dazu gehören nicht nur Waffenkäufe, sondern strukturelle Veränderungen, personelle Tiefe, Zivilschutzkonzepte” – also das ganze Programm der Hochrüstung und Kriegstauglichkeit. Interessant ist, dass er zwar keinerlei Begründung für seine These liefert, dass Russland uns mit 100 %er Wahrscheinlichkeit angreifen wird, dafür aber eine sehr klare Vorstellung hat, wie das ablaufen wird:
“es wird nicht nur Spitzbergen oder nur Narwa sein. Das würde Putin nicht reichen. Die politischen Ziele Russlands sind, die europäische Sicherheitsordnung zu zerschlagen und durch eine nach Moskau ausgerichtete zu ersetzen. Dafür müsste Russland in allen drei baltischen Staaten und Ostpolen einmarschieren, die nicht-russische Bevölkerung ausradieren und das vor Kameras dokumentieren, dann einen Pflock einschlagen und sagen: ‘Hier ist der Frieden-, Freundschafts- und Kooperationsvertrag mit Russland, wenn ihr nicht unterschreibt und die Nato auflöst, dann ergeht es euch so wie den baltischen Staaten.’
Putin wird also in den baltischen Staaten und Ostpolen einmaschieren und dort zu Demonstationszwecken “die nicht-russische Bevölkerung ausradieren”.
Angstmache auf höchstem Niveau – ohne auch nur einen Hauch eines Beweises oder zumindest von Indiziern dafür!
Aber um nicht ungerecht gegenüber diesem Experten zu sein: Pistorius himself hat ja auch schon behaupte, Putin habe immer wieder offen gesagt, dass er Europa angreifen werde – und als man dann zunächst bei der Bundespressekonferenz und später im Bundestag nach einem Beleg für diese Zitate nachfragte, gab man zu, dass man dafür “keine Quellen” habe.
Pistorius hatte sich das also freihändig aus dem A… gezogen.
Gleichzeitig verküpft Gressel das schlau mit etwas, was Putin tatsächlich fordert, wenn der von der Beseitigung” der Kriegsursachen spricht: Nämlich eine neue Sicherheitsarchitektur in Europa unter Einschluss Russlands (was ja auch schon Gorbatschows Idee war, bevor sich dann die USA dazu entschlossen, das Versprechen an Gortbatschow zu brechen und die NATO bis an die Grenzen Russlands ausdehen zu wollen – inclusive Ukraine): Diese Forderung Putins deutet Gressel flugs dazu um, Putin wolle “die europäische Sicherheitsordnung …zerschlagen und durch eine nach Moskau ausgerichtete … ersetzen”. Und um das herbei zu pressen würde Putin die nicht-russische Bevölkerung im Baltikum und Ost-Polen ausradieren. Es sei denn, Europa wird “kriegsbereit” und kriegstüchtig mit allem drum und dran.
Auf dieser Basis wird unsere Hochrüstung und Kriegstüchtigmachung untermauert!
Toller move – so geht Propaganda!
Und künftig solle jeder von euch, wenn Putin was von “Kriegsursachen beseitigen” und “neue europäische Sicherheitsarchitektur” sagt, genau daran denken und das mit diesem Horrorszenario vom Ausradieren verknüpfen, um kriegsbereit zu sein!
Und ich bin mir nicht sicher, ob es dabei bleibt – und man nicht proaktiv tätig wird, um diese “Prophezeiung” wahr werden zu lassen. Wie ich das meine? Nun so, dass man einen Krieg um ein baltisches Land provoziert, so wie man den Irakkrieg mit erfundenen Massenvernichtungswaffen von Sadam und Brutkastenlügen herbeigeführt hat und (fast) alle mitgemacht haben – Schröder zum Glück nicht, der roch den Braten. Oder den “unprovozierten” Angriffskrieg Putins in der Ukraine, zu dessen “Unprovoziertheit” ich ja so einiges geschrieben habe…
Ich kann nur noch kotzen, was “Wissenschaftler” und “Experten” wie dieser Gressel uns erzählen, anstatt die Sicht und die berechtigten russischen Interessen verstehen zu wollen und auf friedlichem und diplomatischem Weg einen Ausgleich mit Russland zu suchen.
Und auch darüber, das ich mich immer wieder bemüßigt fühle, zu versichern: Nein, ich bin kein Putin-Apologet, sondern nur einer, der durch Nachdenken und Beobachtung, was passiert, versucht, ein wenig in der Nähe der Wahrheit zu bleiben und nicht der Kriegspropaganda auf den Leim zu gehen.
Alles klar, Freunde?
Liebe Grüße
Karl Kudla
Anmerkung zur Korrespondenz mit den NachDenkSeiten
Die NachDenkSeiten freuen sich über Ihre Zuschriften, am besten in einer angemessenen Länge und mit einem eindeutigen Betreff.
Es gibt die folgenden E-Mail-Adressen:
- leserbriefe(at)nachdenkseiten.de für Kommentare zum Inhalt von Beiträgen.
- hinweise(at)nachdenkseiten.de wenn Sie Links zu Beiträgen in anderen Medien haben.
- videohinweise(at)nachdenkseiten.de für die Verlinkung von interessanten Videos.
- redaktion(at)nachdenkseiten.de für Organisatorisches und Fragen an die Redaktion.
Weitere Details zu diesem Thema finden Sie in unserer „Gebrauchsanleitung“.