Hinweise des Tages Spezial zur Festnahme von Julian Assange

Jens Berger
Ein Artikel von:

Die gestrige Festnahme von Julian Assange teilte auch das Netz in zwei Teile. Während die Meldung in den sozialen Netzwerken und bei den alternativen Medien einschlug wie eine Bombe, zeigten sich die klassischen Medien – vor allem in Deutschland – vergleichsweise desinteressiert. Und wenn sie dann doch Stellung nahmen, kam dabei nichts Gutes heraus. Eine kommentierte Sonderhinweis-Sammlung von Jens Berger.

Für progressive alternative Medien war die gestrige Verhaftung und drohende Ausweisung des Journalisten und Aktivisten Julian Assange in London wohl eine der wichtigsten Meldungen des Jahres. Auch die NachDenkSeiten reagierten sofort und brachten kurz nach der Verhaftung einen kritischen Artikel. Erstaunlicherweise bewerten die traditionellen Medien die Bedeutung dieser Nachricht jedoch offensichtlich ganz anders. Der Tagesschau war die Festnahme nur eine kurze – unkritische – Meldung in der zweiten Hälfte der Sendung wert. Auch die anderen traditionellen Medien glänzen bis heute mit Zurückhaltung. Man vermeldet Agenturberichte und spekuliert ein wenig, in wie weit die Verhaftung die Position Trumps stärken oder schwächen könnte. Als sei dieser Nebenkriegsschauplatz von Interesse. Dass die Verhaftung Assanges auch ein Frontalangriff auf die Pressefreiheit ist, ging in der Berichterstattung der etablierten Medien komplett unter; ebenso wie die Widersprüche im Haftbefehl und generell sämtliche Hintergrundinformationen, die sich nicht um Trump, Trump und nochmal Trump drehen. Um nicht vollends in Depressionen zu verfallen, haben wir diese Sammlung jedoch auch mit zahlreichen positiven Gegenbeispielen angereichert. Die sind alles andere als repräsentativ und stammen ausschließlich aus dem englischen Sprachraum. Dies tut uns leid, da wir ja wissen, dass einige unserer Leser lieber deutschsprachige Texte lesen.

Update [13:00]: Unsere Leserin Manuela Hahn hat dankenswerterweise für uns die Zusammenfassung der englischsprachigen Hinweise übersetzt. Wir haben die Übersetzungen nun übernommen.

Deutschland hält sich jedoch bedeckt und das trifft ausdrücklich auch auf die Politik zu. Bis jetzt (Stand Freitag 10:00) haben weder CDU, SPD, die Bundesregierung, der Außenminister oder das Auswärtige Amt überhaupt etwas zur Verhaftung Assanges verlautbaren lassen. Es herrscht dröhnendes Schweigen.

Wie es anders gehen kann, zeigen die alternativen Medien …

Die Anklage der US Regierung gegen Julian Assange wirft schwerwiegende Fragen zur Pressefreiheit auf.
Die Anklage gegen JULIAN ASSANGE, die heute vom Trump Justice Department enthüllt wurde, stellt eine ernsthafte Bedrohung der Pressefreiheit dar, nicht nur in den USA, sondern weltweit. Das Anklagedokument und der dazugehörige Auslieferungsantrag der US-Regierung, mit dem die britische Polizei Assange verhaftet hat, nachdem Ecuador offiziell seinen Asylschutz entzogen hat, zielt darauf ab, zahlreiche Aktivitäten im Kern des investigativen Journalismus zu kriminalisieren.
So viel von dem, was heute über diese Anklage berichtet wurde, war falsch. Insbesondere zwei Fakten wurden durch das DOJ völlig verzerrt und dann von zahlreichen Medienunternehmen falsch gemeldet.
Die erste entscheidende Tatsache an der Anklage ist, dass ihre wichtigste Behauptung – dass Assange nicht nur geheime Dokumente von Chelsea Manning erhalten hat, sondern versucht hat, ihr zu helfen, ein Passwort zu knacken, um ihre Spuren zu verwischen – nicht neu ist. Es war dem Obama-DoJ lange bekannt und war ausdrücklich Teil des Prozesses gegen Manning, doch das Obama-DoJ – nicht gerade bekannt dafür, dass es ein unerschütterlicher Hüter der Pressefreiheit ist – kam zu dem Schluss, dass es Assange nicht verfolgen konnte und sollte, weil die Anklage gegen ihn eine ernsthafte Bedrohung für die Pressefreiheit darstellen würde. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die heutige Anklage keine neuen Beweise oder Fakten über Assanges Handlungen enthält; alles ist seit Jahren bekannt.
Die andere wichtige Tatsache, die weitgehend falsch berichtet wird, ist, dass die Anklage Assange beschuldigt, Manning dabei zu helfen, Zugang zu Dokumentendatenbanken zu erhalten, auf die sie keinen gültigen Zugang hatte: d.h. Hacking statt Journalismus. Aber die Anklage behauptet nichts dergleichen. Vielmehr wird Assange einfach beschuldigt, versucht zu haben, Manning zu helfen, sich unter einem anderen Benutzernamen in die Computer des Verteidigungsministeriums einzuloggen, so dass sie ihre Anonymität wahren konnte, während sie Dokumente im öffentlichen Interesse herunter lud und sie dann an WikiLeaks zur Veröffentlichung weitergab.
Mit anderen Worten, die Anklage zielt darauf ab, das zu kriminalisieren, wozu Journalisten nicht nur erlaubt, sondern auch ethisch verpflichtet sind: Maßnahmen zu ergreifen, um ihren Quellen zu helfen, ihre Anonymität zu wahren.
Glenn Greenwald und Micah Lee auf Intercept

Diesen Artikel sollten sich die Journalisten der etablierten Medien als Vorbild für eine ordentliche Berichterstattung einrahmen. Greenwald und Lee liefern auf den Punkt eine treffende Analyse zu den jüngsten Vorgängen, die alle wichtigen Punkte enthält, den Finger mitten in die Wunde legt und die richtigen Fragen stellt.

Chelsea und Julian sind im Gefängnis. Die Geschichte erzittert.
Heute Abend befinden sich sowohl Chelsea Manning als auch Julian Assange im Gefängnis, beide wegen Straftaten im Zusammenhang mit der Veröffentlichung von Materialien, die US-Kriegsverbrechen in Afghanistan und Irak spezifizieren, und beide werden wegen nichts anderem angeklagt. Egal, mit welchem Blödsinn politische und MSM-Lügner versuchen, dich zu füttern, das ist die einfache Wahrheit. Manning und Assange sind wahre Helden unserer Zeit und leiden darunter.
Wenn ein russischer Oppositionspolitiker von der bewaffneten Polizei heraus geholt würde und innerhalb von drei Stunden von einem offensichtlich voreingenommenen Richter ohne Jury und mit einer langen Gefängnisstrafe verurteilt würde, können Sie sich die Reaktion der westlichen Medien auf diese Art von Känguruhgericht vorstellen?
Doch genau das ist gerade in London passiert.
Bezirksrichter Michael Snow ist eine Schande für die Richterbank, der es verdient, weit über seinen Tod hinaus berüchtigt zu sein. Er zeigte das schlichteste und offenste Vorurteil gegen Assange in den 15 Minuten, die er brauchte, um den Fall anzuhören und Assange für schuldig zu erklären, in einer Weise, die die Gerichte der Diktatoren, die ich gesehen hatte, in Babangidas (Nigeria) oder Karimovs (Usbekistan) fair und vernünftig aussehen lässt, im Vergleich zu der groben Farce der Gerechtigkeit, die von Michael Snow geführt wurde.
Eine wichtige Tatsache verriet Snow’s enormes Vorurteil. Julian Assange sagte während des gesamten kurzen Verfahrens nichts, außer zweimal “Nicht schuldig”, und eine Frage mit einem Satz zu stellen, warum die Anklagepunkte auf halbem Weg durch diesen “Schein Prozess” geändert wurden. Doch Richter Michael Snow verurteilte Assange als “narzisstisch”.
In Snow’s kurzer Gerichtsverhandlung ist nichts passiert, was zu dieser Meinung hätte führen können. Es war offensichtlich etwas, das er mit in den Gerichtssaal brachte und das er in den Mainstream-Medien gelesen oder gehört oder in seinem Club aufgegriffen hatte. Es war kurz gesagt die Definition von Vorurteilen, und “Richter” Michael Snow und sein summarisches Urteil sind eine totale Schande.
Quelle: Craig Murray

Requiem für die “vierte Staatsgewalt”
Es ist ein sehr trauriger Tag für die Rechtsstaatlichkeit.
Die heutige breit angelegte Handhabung und Verschleppung von Julian Assange aus dem politischen Asyl in der ecuadorianischen Botschaft in London zeigt im Handumdrehen, dass im heutigen Anglo-Amerika die Magna Carta und die Bill of Rights nun “malerisch und obsolet” sind, um die Worte des Pseudo-Anwalts Alberto Gonzales zu verwenden.
Der Anwalt des Weißen Hauses, Gonzales, bezog sich im Januar 2002 auf andere Grundprinzipien des Völkerrechts, die Genfer Konventionen, von denen er beschloss, Bush eine Ausnahmeregelung gewähren zu können, damit er Folter genehmigen konnte – was er am 7. Februar 2002 tat. (Wir haben das Memo.)
Dieses kein Geheimnis; wir haben auch das Protokoll von Gonzales zu Bush.
Für die erbrachten Dienstleistungen wurde Gonzales nominiert und als Justizminister, dem wichtigsten US-amerikanischen Strafverfolgungsbehörden, bestätigt.
Als WikiLeaks Kriegsverbrechen der USA im Irak und in Afghanistan aufdeckte, wählten die Sam Adams Associates for Integrity Julian Assange für ihren jährlichen Integritätspreis aus. Der “Oscar”, ein eck-aufhellender Kerzenhalter für strahlendes Licht an dunklen Orten, wurde Herrn Assange von dem britischen Botschafter Craig Murray und Daniel Ellsberg nach einer großen Pressekonferenz am 23. Oktober 2010 in London überreicht. Julian Assange wurde der achte in einer bemerkenswerten Reihe von sechzehn Wahrsagern – Preisträgern der Sam Adams Associates.
Quelle: Ray McGovern

Interessant ist auch diese – zugegeben lange – spontane Gesprächsrunde mit KimDotCom …

#FreeJulian livestream roundtable

Quelle: #Unity4J

In den etablierten US-Medien kämpft man derweil noch damit, den richtigen Spin zu finden …

Nach der Verhaftung von Julian Assange bleibt das Russland – Mysterium bestehen.
Im Juni 2016, fünf Monate vor den amerikanischen Präsidentschaftswahlen, machte Julian Assange in einem wenig beachteten Interview mit einer britischen Fernsehsendung eine mutige Prognose.
“WikiLeaks hat ein sehr großes Jahr vor sich”, sagte er, nur wenige Sekunden nach der Ankündigung, dass die von ihm gegründete Website bald einen Fundus mit E-Mails über Hillary Clinton veröffentlichen würde.
Er hatte Recht. Aber eine Anklage, die am Donnerstag enthüllt wurde, indem man Herrn Assange beschuldigte, sich 2010 in einen Pentagon-Computer gehackt zu haben, erwähnt nicht die zentrale Rolle, die WikiLeaks in der russischen Kampagne gespielt hat, um Mrs. Clintons Präsidentschaftschancen zu untergraben und Präsident Trump zu helfen. Es bleibt unklar, ob die Verhaftung von Herrn Assange ein Schlüssel zur Aufdeckung des noch bestehenden Mysteriums um die Russen, der Trump-Kampagne und der Handlung, eine Wahl zu hacken, sein wird.
Quelle: New York Times

Für New York Times und Co. muss dies alles sehr verwirrend sein. Da hat man drei Jahre tagein tagaus die Verschwörungstheorie verbreitet, dass Wikileaks der verlängerte Arm des russischen Geheimdienstes sei und Trump ohnehin von Putin kontrolliert werde und nun sorgen Trumps Kettenhunde dafür, dass der Wikileaks-Chef pünktlich zum kommenden Wahlkampf im nächsten Jahr in den USA vor Gericht erscheinen soll. Das passt freilich hinten und vorne nicht. Das weiß auch die Times und tritt zur Vorwärtsverteidigung an, indem sie die alten – längst widerlegten – Verschwörungstheorien aufs Neue pausenlos wiederholt.

Und Deutschland? Beispielhaft für die deutschen Medien ist diese “Meldung” von tagesschau.de …

Assange droht Haft wegen Verschwörung
Was passiert nach der Festnahme des WikiLeaks-Gründers Assange? Zunächst bleibt er in London in Gewahrsam. Doch der Fall ist juristisch komplex. In drei Staaten interessiert sich die Justiz für ihn. Ihm droht lange Haft. […]
Nach Angaben des US-Justizministeriums drohen Assange in den USA wegen der Verschwörung maximal fünf Jahre Haft. Noch ist aber nicht klar, ob er dort nicht noch mit weiteren Anklagen rechnen muss, die ihm eine höhere Strafe einbringen könnten.
Genau das befürchten Assange und seine Anwälte. “Die Vorwürfe, wegen derer sie ihn ausliefern, bedeuten sehr lange Gefängnisstrafen”, sagte Geoffrey Robertson aus dem Anwaltsteam und fügte an: “Chelsea Manning, seine Quelle, wurde zu 35 Jahren verurteilt, Assange drohen bis zu 45 Jahre.” […]
“Reporter ohne Grenzen” appellierte an die britischen Behörden, Assange nicht an die USA auszuliefern. “WikiLeaks-Veröffentlichungen wie die Irak-Papiere waren zweifellos von öffentlichem Interesse und haben breite politische Debatten ausgelöst”, erklärte der Geschäftsführer der deutschen Sektion der Organisation, Christian Mihr. Assange dafür nach fast neun Jahren noch zu verfolgen, wäre ein gefährlicher Präzedenzfall für Journalisten, Whistleblower und andere Quellen der Berichterstattung.
Quelle: Tagesschau

Vergleichen Sie diesen Artikel auf tagesschau.de nun bitte einmal inhaltlich mit dem oben verlinkten Artikel von Intercept. Der Unterschied könnte größer kaum sein. Die Tagesschau gibt das, was amerikanische und britische Behörden haben verlautbaren lassen, als neutrale Nachricht wieder, hinterfragt dabei überhaupt nichts und versteckt ihre minimale Kritik in einem indirekten Zitat von Reporter ohne Grenzen am Ende des Textes. So ein Text wäre hinzunehmen, wenn er von einem Anzeigenblatt käme, das mangels personeller Ausstattung ein paar Agenturmeldungen zusammenmischt. Von dem selbsternannten Flaggschiff des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks sollte man aber eigentlich mehr – ja viel mehr – erwarten.

Noch schlimmer ist jedoch die Berichterstattung der großen Zeitungen …

Der Assange-Trump-Komplex
Was die Festnahme von Wikileaks-Gründer Assange mit US-Präsident Trump zu tun hat und warum die USA seine Auslieferung verlangen: Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Quelle: Süddeutsche Zeitung

Anstatt die Hintergründe der Verhaftung offenzulegen und auf die Widersprüche zu verweisen, strickt auch die Süddeutsche Zeitung lieber an der Verschwörungstheorie weiter, Assange und Wikileaks hätten zusammen mit russischen Geheimdiensten den Wahlkampf manipuliert und immer wieder verweist man – so als habe es den Mueller-Report überhaupt nicht gegeben – darauf hin, dass auch Trump seine Hände dabei im Spiel haben könnte. Jedwede Solidarität mit dem nun inhaftierten Kollegen vermisst man hingegen.
Bei anderen Medien, wie der taz, gibt es sogar zwischen den Zeilen klammheimliche Freude …

In dieser Sache trifft es den Falschen
Assange ist kein Vorkämpfer der Transparenz – aber ins Gefängnis gehört er auch nicht. Ein Verfahren in den USA könnte ihm erneut eine Bühne bieten. […]
In der linksliberalen Öffentlichkeit hat Assange in den letzten Jahren viele Sympathien verspielt. Insbesondere seine mehr oder weniger deutliche Wahlkampfhilfe für Donald Trump genau wie immer mal wieder geäußerte Verschwörungstheorien zur europäischen Flüchtlingskrise erweckten den Eindruck, hier habe sich jemand in seiner Geltungssucht völlig verrannt. Und der Umgang von Wikileaks auch mit erkennbar sensiblen Daten schien im Vergleich zu anderen Veröffentlichungen nicht mehr wirklich verantwortungsbewusst. […]
Aber ein glaubwürdiger Vorreiter für Transparenz und für die demokratische Kontrolle der Macht ist der Selbstdarsteller Julian Assange ganz sicher nicht oder nicht mehr. Der Prozess über die Auslieferung und, wenn diese denn vollzogen wird, das Verfahren in den Vereinigten Staaten werden ihm noch einmal eine mächtige Bühne bieten. Eine, die er eigentlich heute nicht mehr verdient hat.
Quelle: Bernd Pickert in der taz

So etwas nennt sich dann wohl “eingebetteter Journalismus”. Auch die taz kann nicht zwischen der Botschaft und dem Überbringer unterscheiden und macht Assange paradoxerweise für den Wahlsieg Trumps verantwortlich. Das ist natürlich grotesk. Grotesk auch der Anspruch auf das Deutungsmonopol für die “linksliberale Öffentlichkeit”, das die taz für sich in Anspruch nimmt.

Die gleiche Botschaft mit anderen Worten und für ein anderes Publikum gibt es bei der BILD …

Assange hat nie der Freiheit gedient
Dass Assange längst selbst zum Täter wurde, hat er nie begriffen. Die Veröffentlichung gestohlener, geheimer, hochsensibler Daten war kein Dienst an der Freiheit, sondern ein Messer in ihren Rücken. Unzählige Menschen, die er in seinen Leaks bloßstellen ließ, mussten danach um ihre Sicherheit fürchten. Die Demokratie, die er angeblich verteidigen wollte, wurde von Wikileaks – instrumentalisiert oder angeleitet von der russischen Regierung – in die Krise gestürzt. […]
Das aktuellste Beispiel: Die Veröffentlichung interner E-Mails der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton nur wenige Wochen vor den Präsidentschaftswahlen 2016. Perfekt orchestriert, um ihr – und der amerikanischen Demokratie – den größtmöglichen Schaden zuzufügen. […]
Assange wollte stets die Menschen gegen den Staat ausspielen – obwohl es in Demokratien die Menschen selbst sind, die den Staat legitimieren. Dafür machte er sich bereitwillig zum Helfer autoritärer Regimes – etwa Russland –, die nun am lautesten seine Verhaftung kritisieren. Assanges Krieg gegen staatliche Strukturen wurde zum Kampf gegen die westliche Freiheit.
Seine Verhaftung ist rechtens und richtig.
Quelle: BILD

Dies markiert dann auch den Bodensatz des “Journalismus”.

Getoppt wird die BILD in Sachen Niedertracht jedoch diesmal vom Weser-Kurier …

Überfällig
Endlich hat diese bizarre Geschichte um Julian Assange ein Ende. Es war längst überfällig. Zu lange hat sich der Wikileaks-Gründer zu einem freiwilligen Gefangenen gemacht und sich mit der Flucht ins diplomatische Asyl über das Gesetz gehoben. […]
Das Opfer aber spielte stets Assange. Dabei war er freiwillig ins Asyl geflüchtet. Er hatte die Wahl. Natürlich wusste er, was ihm blühen würde, sollte er aus der Botschaft marschieren. Doch warum sollte er in einem Rechtsstaat wie dem Vereinigten Königreich keine faire Behandlung genießen?
Quelle: Weser-Kurier

Wie es besser gehen kann, zeigt der Guardian, der Assange ja auch nicht gerade freundlich gesinnt ist, aber die eigenen Ressentiments wenigstens offenlegt …

Die Ansicht des Guardian über Julian Assange:
[…] Es wäre falsch, ihn auszuliefern.
Als er zum ersten Mal in die ecuadorianische Botschaft eintrat, versuchte er, die Auslieferung an Schweden wegen Vorwürfen der Vergewaltigung und Belästigung zu verhindern. Das war falsch. Aber diese Fälle sind inzwischen abgeschlossen. Er steht immer noch vor den englischen Gerichten, weil er die Kaution nicht bezahlt hat. Wenn er die Botschaft verlässt und verhaftet wird, sollte er sich dafür verantworten, vielleicht auf eine Weise, die zur Abschiebung in sein Heimatland Australien führen könnte. Nichts daran ist einfach, am wenigsten Herr Assange selbst. Aber wenn der Anruf aus Washington kommt, braucht er ein festes und grundsätzliches Nein. Es wäre weder sicher noch richtig für das Vereinigte Königreich, Herrn Assange an das Amerika von Herrn Trump auszuliefern.
Quelle: The Guardian

Klar in der Botschaft sind die Kommentare der “Zivilgesellschaft”. Nahezu alle maßgeblichen NGOs beziehen klar und kritisch Stellung …

ACLU KOMMENTAR ZUR VERHAFTUNG VON JULIAN ASSANGE
Ben Wizner, Direktor des Rede-, Datenschutz- und Technologieprojekts der American Civil Liberties Union, gab daraufhin folgenden Kommentar ab:
“Jede Verfolgung von Herrn Assange durch die Vereinigten Staaten wegen der Verlagsaktivitäten von Wikileaks wäre beispiellos und verfassungswidrig und würde die Tür für strafrechtliche Ermittlungen gegen andere Nachrichtenorganisationen öffnen. Darüber hinaus würde die Verfolgung eines ausländischen Verlages wegen Verletzung von US-Geheimhaltungsgesetzen einen besonders gefährlichen Präzedenzfall für US-Journalisten darstellen, die routinemäßig gegen ausländische Geheimhaltungsgesetze verstoßen, um Informationen zu liefern, die für die Interessen der Öffentlichkeit von entscheidender Bedeutung sind.
Quelle: ACLU

Bürgerliche Gruppen für Freiheitsrechte verurteilen die Anklage der Trump-Administration gegen Julian Assange.
Heute wurde der WikiLeaks-Verlag Julian Assange von britischen Behörden verhaftet, nachdem Ecuador seinen Asylstatus beendet hatte. Er wurde wegen angeblicher Verschwörung mit der Informantin Chelsea Manning unter dem Computer Fraud (Betrug) and Abuse (Missbrauch) Act angeklagt und steht vor einer möglichen Auslieferung an die Vereinigten Staaten – ein Land mit einer langen Geschichte, das sich gegen Informanten mit Strafurteilen im Gefängnis richtet. Die Details der Anklage sind mit Auswirkungen auf die Pressefreiheit behaftet und könnten möglicherweise Journalisten kriminalisieren, die häufig mit Informanten / Informations-Quellen zusammenarbeiten, .
Quelle: Freedom oft the Press Foundation

RSF (Reporter ohne Grenzen) fordert das Vereinigte Königreich auf, die Rolle journalistischer Quellen bei der Behandlung von Julian Assange zu schützen.
Julian Assange, Gründer von Wikileaks, wurde in London wegen angeblicher Verletzung der Kautionsauflagen verhaftet. Am 11. April wurde er in Polizeigewahrsam genommen, nachdem er aus der ecuadorianischen Botschaft vertrieben worden war, wo er fast sieben Jahre lang gelebt hatte. Reporter ohne Grenzen (RSF) fordert das Vereinigte Königreich auf, den Grundsätzen der Meinungsfreiheit und des Schutzes der Rolle des Journalismus, einschließlich journalistischer Quellen, bei der Behandlung von Assange Priorität einzuräumen. […]
RSF fordert die britischen Behörden auf, den Grundsätzen der Meinungsfreiheit und des Schutzes der Rolle des Journalismus, einschließlich journalistischer Quellen, bei ihrer Behandlung von Assange im Einklang mit dem britischen Recht und den internationalen Menschenrechtsverpflichtungen des Vereinigten Königreichs Vorrang einzuräumen. Daher sollte das Vereinigte Königreich davon absehen, dem Ersuchen um Auslieferung von Assange an die USA nachzukommen, die darauf abzielen, seine journalistisch orientierten Aktivitäten zu sanktionieren.
Quelle: Reporter ohne Grenzen

JULIAN ASSANGE DARF NICHT AN DIE USA AUSGELIEFERT WERDEN.
Nach der Ankündigung der Verhaftung von Julian Assange und des Antrags auf Auslieferung an die Vereinigten Staaten sagte Massimo Moratti, stellvertretender Direktor für Forschung in Europa von Amnesty International:
“Amnesty International fordert das Vereinigte Königreich auf, die Auslieferung oder sonstige Entsendung von Julian Assange in die USA zu verweigern, wenn die reale Gefahr besteht, dass er mit Menschenrechtsverletzungen konfrontiert wird, einschließlich Haftbedingungen, die gegen das absolute Verbot von Folter und anderen Misshandlungen verstoßen würden, und eines unlauteren Prozesses mit anschließender möglicher Hinrichtung aufgrund seiner Arbeit mit Wikileaks”.
Quelle: Amnesty International

Das Vereinigte Königreich leistet die Drecksarbeit der USA, indem es einen Mann verfolgt, der Kriegsverbrechen aufgedeckt hat.
Dies ist eine Hexenjagd gegen Informanten und diejenigen, die von den Mächtigen Rechenschaft verlangen. Der Auslieferungsvertrag zwischen Großbritannien und den USA, der seit jeher für Missbrauch prädestiniert ist, wird wieder einmal dazu benutzt werden, Stimmen von Meinungsverschiedenheiten zum Schweigen zu bringen.”
“Assange darf nicht an die USA ausgeliefert werden. Er ist ein Wahrheits-Sprecher und einer, der seine eigene Freiheit geopfert hat, um Licht in die Missbräuche der mächtigsten Staaten der Welt zu bringen. Wenn niemand über dem Gesetz steht, wie Sajid Javid prahlte, dann sollten wir Assange doch unterstützen, und ihn nicht verhaften.”
Quelle: CAGE

Ausgiebig wurde die Verhaftung auch von Aktivisten, Politikern und Journalisten auf Twitter kommentiert. Wir haben dazu eine positive Sammlung zusammengestellt, die sicher nicht repräsentativ ist, dafür aber Hoffnung macht …

Und zum Abschluss noch mal eine Erinnerung, was Wikileaks eigentlich ist und was Julian Assange für die Allgemeinheit geleistet hat …

What WikiLeaks revealed to the world in 2010
The government wants you to believe it’s a criminal enterprise. But here’s a look back at what WikiLeaks exposed
Quelle: Glen Greenwald auf salon.com

Rubriken:

Hinweise des Tages

Schlagwörter:

Die NachDenkSeiten sind für eine kritische Meinungsbildung wichtig, das sagen uns sehr, sehr viele - aber sie kosten auch Geld und deshalb bitten wir Sie, liebe LeserInnen, um Ihre Unterstützung.
Herzlichen Dank!