Nachtrag zum Artikel zu Todenhöfers Buchlesung in Hamburg. Mancheiner fällt ein Urteil, ohne einen Text gelesen zu haben.

Albrecht Müller
Ein Artikel von:

Gestern haben wir den Bericht eines Hamburger Journalisten über eine Veranstaltung mit Jürgen und Frederic Todenhöfer in Hamburg gebracht. Ich habe den Bericht in den NachDenkSeiten eingestellt, weil ich ihn für eine ehrliche und im Ergebnis äußerst positive Wertung des Buches und der Arbeit der beiden Todenhöfers hielt und halte. Die Reaktion auf diesen Bericht auf unserer Facebook-Seite und auch bei einigen uns erreichenden Leserbriefen ist irritierend. Die letzte Lesermail lautet: „Sehr geehrtes NDS-Team, nun weiß ich endlich wie ein Verriß aussieht und man Kräfte auseinanderdividiert anstatt zu vereinen. Schlimm! I.D.“ Ich kann dem nicht mehr folgen. Albrecht Müller.

Vermutlich lesen manche Leserinnen und Leser nicht mehr die wesentlichen Teile eines Textes und kommen ganz schnell zu einem Urteil, möglichst zu einem vernichtenden Urteil. Ich habe zur Sicherheit den Bericht unseres Autors aus Hamburg noch einmal gelesen, schließlich kann man sich ja auch selbst täuschen. Im Folgenden sind ein paar Auszüge dokumentiert. Rechtfertigen diese Aussagen die zitierte Bewertung und die anderen Bewertungen auf unserer Facebook-Seite? Meines Erachtens ganz und gar nicht. Deshalb komme ich noch einmal auf diesen Bericht zurück.

Hier also die Auszüge aus dem Bericht des Hamburger Journalisten Lothar W. Brenne-Wegener. Lesen Sie bitte bis zum letzten Absatz. Rechtfertigen diese Textpassagen das Urteil, dieser Bericht sei ein Verriss und würde zeigen, wie man die Kräfte, zum Beispiel gegen den Krieg, auseinanderdividiert? Darf denn ein Artikel mit einem insgesamt sehr positiven Urteil über eine Person und seine Publikation nicht auch ein paar kritische Anmerkungen enthalten, im Bericht über Hamburg zum Beispiel den Hinweis auf die Schauelemente der Veranstaltung? Solche undifferenzierten Debatten sind tödlich für jede demokratische Debatte.

Auszüge aus dem Bericht über die Veranstaltung mit den beiden Todenhöfers in Hamburg:

„Wer es (das Buch ‚Die große Heuchelei des Westens‘) gelesen hat, weiß, dass Todenhöfer zusammen mit seinem Sohn Frederic darin die zentrale Lüge der westlichen Außenpolitik thematisiert, dass nämlich die oft terroristischen Militärinterventionen des sogenannten Wertewestens nie der Freiheit und Demokratie dienen, sondern immer nur den ökonomischen und geostrategischen Interessen, ein Befund, wie wir ihn in dieser Deutlichkeit bisher nirgendwo sonst gelesen haben.

In meiner weiteren Darstellung beschränke mich also auf die Darstellung des Ablaufs des Abends, der zu einem ähnlich spektakulären Erlebnis wurde, wie es zuvor bereits die Lektüre des Buches selbst gewesen war.

Gegen Ende übernahm erneut der Vater, der noch einmal gegen die Medien austeilte. Mit kriegsverherrlichenden Zitaten der drei Edelfedern Berthold Kohler (FAZ), Stefan Kornelius (SÜDDEUTSCHE) und Josef Joffe (DIE ZEIT) beendete er unter tosendem Applaus, wiederum kreischenden Frauenstimmen und mit Standing Ovations seine Lesung und stellte sich – allerdings nur für einen kurzen Augenblick – den Fragen der Zuhörer.

Inzwischen war es beinahe 22.30 Uhr geworden. Die Schlange derer, die dennoch geduldig zur Signierung des gerade erworbenen Buches und für ein Selfie anstanden, schien beinahe endlos. Und nicht, dass Todenhöfer diesen Programmpunkt etwa im Schnellverfahren abgehakt hätte! Er nahm sich für jeden, der zu ihm die Bühne hinaufstieg, Zeit, legte ihm für das Selfie die Hand auf die Schulter oder wechselte mit ihr ein paar freundliche Worte. Das kam an, wirkte überzeugend und gab den Besuchern das Gefühl „…das ist einer von uns/ oder für uns.“

In seinem sehenswerten Kurz-Video Feindbild Islam – 10 Thesen gegen den Hass, in welchem er nach eigenem Bekunden die gezielten Unwahrheiten über den Islam zerlegt, lautet die erste These „Der Westen war und ist viel gewalttätiger als die muslimische Welt“. Damit spricht er selbstverständlich den vielen in unserem Lande lebenden Türken aus der Seele, auch denen in Wilhelmsburg.

Aber wo waren an diesem Abend die – nennen wir sie einmal – „Biodeutschen“, die Todenhöfers zentrales Anliegen, dass nämlich die westliche Politik permanent die westlichen Werte verrät, keinen Deut weniger angingen? War ich der einzige Zuhörer aus den Elbvororten, der sich über den Verlust der Glaubwürdigkeit, die doppelten Standards, Lügen und Fake News in Politik und Medien aufregte?

In der Diskussion hatte Todenhöfer zuvor noch einmal klargestellt:

Russland verringert seinen Rüstungshaushalt seit mehreren Jahren kontinuierlich. Und Russland ist inzwischen sogar von Saudi-Arabien und Frankreich überholt worden. Allein die europäischen NATO-Staaten geben fünfmal so viel für Rüstung aus wie Russland. Da sehen Sie, welche Märchen der Bevölkerung auch hier eingehämmert werden. Das ist zum Beispiel ein Punkt, wo Sie mit Leserbriefen, aber auch im Internet sich engagieren können. Wehren Sie sich gegen die Aufblähung des deutschen Rüstungshaushalts. Wir brauchen nicht mehr Rüstung. Wir brauchen eine gute Bundeswehr zur Verteidigung Deutschlands, aber das zusätzliche Geld, das Trump von uns will, ist doch gar nicht für die Verteidigung Deutschlands, sondern ist für Kriege irgendwo in der Welt. Und dafür sollten wir kein Geld ausgeben. (Applaus)

Neben dem Schweizer Daniele Ganser ist er augenblicklich einer der wenigen Protagonisten, die mit Ihren leidenschaftlichen Vorträgen oder Lesungen gegen den Krieg Säle füllen und dabei vor allem auch ein junges Publikum ansprechen. Das macht Hoffnung!

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