Die Süddeutsche polemisiert gegen die NachDenkSeiten und ihren Herausgeber.
Die Süddeutsche polemisiert gegen die NachDenkSeiten und ihren Herausgeber.

Die Süddeutsche polemisiert gegen die NachDenkSeiten und ihren Herausgeber.

Albrecht Müller
Ein Artikel von: Albrecht Müller

„Das an Gehässigkeit nicht zu überbietende Streiflicht vom 14./15. September ist ein deutliches Zeichen dafür, wie sehr die “Nachdenkseiten” von Albrecht Müller der SZ auf die Nerven gehen.
Ein Grund mehr, die NDS jeden Tag zu lesen.“ – So Dr. Hans Bleibinhaus aus München in einer Mail. Was war geschehen? Was hat die Süddeutsche Zeitung geschrieben und prominent auf ihrer ersten Seite platziert? Was ist der Hintergrund und das Motiv für diesen journalistischen Offenbarungseid? Was können die mit-betroffenen NachDenkSeiten-Leserinnen und -Leser tun? Zunächst geben wir im Anhang das Streiflicht vom vergangenen Samstag wieder. Albrecht Müller.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Ein paar kurze Anmerkungen zum Inhalt:

  • In den ersten Sätzen wird erkennbar, dass der Süddeutschen Zeitung drei aktuelle Artikel und Interviews der NachDenkSeiten nicht gepasst haben: die Zweifel an der offiziellen Version zum Einsturz der „beiden“ Türme des World Trade Centers, die wir übrigens stets sehr vorsichtig und differenziert vorgetragen haben; die Süddeutsche ärgert sich weiter über Jens Bergers Artikel „Hongkong-Held“ oder US-Marionette? und über meinen Beitrag darüber, für wen unser Bundespräsident und die Bundeskanzlerin wohl arbeiten.
  • Die Süddeutsche Zeitung behauptet, wir würden vor allem Fragen stellen. NachDenkSeiten-Leserinnen und -Leser können die Skurrilität dieser Behauptung besonders gut einschätzen.
  • Dann wird nach erprobter Weise versucht, die NachDenkSeiten in die Verschwörungs- und Querfrontecke zu packen. Dazu wird Sarrazin mit mir und den NachDenkSeiten in einen Topf geworfen. Das ist ohne jegliche Basis. Auf den NachDenkSeiten hat es bisher nur Kritisches zu Herrn Sarrazin gegeben. Das wird auch so bleiben.
  • Dann wird mein vergleichsweise hohes Alter benutzt, um mich und damit die NachDenkSeiten in ein schlechtes Licht zu rücken. Das Alter als Argument! – das ist eine Masche, die erstaunlicherweise immer mal wieder benutzt wird. Sind ältere Menschen per se unzurechnungsfähig oder leistungsunfähig? Soll ich mich dafür schämen, dass mir im hohen Alter von 62 Jahren die Idee zu den NachDenkSeiten kam und ich 65 war, als wir dieses Projekt zu realisieren begannen, oder dass ich mit 66 „Die Reformlüge“ schrieb, die eine der frühen und substantiellen Kritiken der Agenda 2010 war und ist? Alle diese Projekte hätten ja gerne auch Jüngere übernehmen können. Vielleicht sogar der anonyme Autor des Streiflichts.
    Es ist übrigens schade, dass die ansonsten einsehbare Übung, die Autorenschaft des Streiflichts nicht zu nennen, hier zu einer üblen persönlichen Abrechnung benutzt wird. – Ich erinnere mich wegen gelegentlicher und produktiver Zusammenarbeit noch gut daran, welche vergnüglichen und kritischen Streiflichter der frühere Redakteur der Süddeutschen Zeitung, Claus Heinrich Meyer, geschrieben hat. Für seine aktuellen Nachfolger würde er sich schämen, wenn er noch lebte.

Was ist vermutlich das Motiv für die Veröffentlichung des Streiflicht gegen die NachDenkSeiten und ihren Herausgeber zum jetzigen Zeitpunkt?

Ein Leser und Freund der NachDenkSeiten aus Nürnberg schrieb gestern, im ersten Moment hätte er gar nicht glauben können, „was man auf der ersten Seite einer der größten deutschen Tageszeitungen liest“ . Er meint, „das infame Geschreibe“ richte sich gegen die SZ selbst. Offenbar habe man keinerlei Argumente, sondern kann nur noch persönlich diffamieren bzw. reite man inzwischen auf einem so hohen Ross, dass man es nicht mehr für notwendig halte, sich ernsthaft und argumentativ mit Positionen auseinanderzusetzen, die von der offiziellen Sprachregelung abweichen. „Ich finde, die SZ macht sich selbst lächerlich, wenn dies das Niveau ist, auf dem sich heute der ‚Qualitätsjournalismus‘ bewegt.“

Diese Einschätzung könnte richtig sein. Das besagte Streiflicht könnte von der Mehrheit der Leserinnen und Leser der Süddeutschen Zeitung kritisch aufgenommen werden und ihr sogar schaden. Aber das stört offensichtlich in diesem Fall nicht. Der unmittelbare Anlass dafür, dass die Süddeutsche Zeitung gerade jetzt mit einem so polemischen Streiflicht kommt und dabei auch in Kauf nimmt, dass sich das bei ihren Leserinnen und Lesern gegen das Blatt selbst wendet, dürfte etwas anderes sein: die Zielgruppe dieses Streiflichts sind vermutlich nicht die normalen Leserinnen und Leser der Süddeutschen Zeitung, sondern Journalistinnen, Journalisten und Redaktionen anderer Medien.

Am vergangenen Donnerstag hat der Westend Verlag nämlich eine große Zahl von Journalistinnen und Journalisten und Redaktionen davon unterrichtet, dass am 1. Oktober ein medienkritisches Buch von mir erscheint: „Glaube wenig. Hinterfrage alles. Denke selbst. Wie man Manipulationen durchschaut.“

Am gleichen Tag schon gab es eine größere Zahl positiver Reaktionen von Journalisten, die Besprechungen des Buches oder Interviews mit dem Autor zu arrangieren gedenken, jedenfalls ankündigten, dies in ihren Redaktionen besprechen zu wollen.

Das Streiflicht der Süddeutschen Zeitung ist unmittelbar danach und auch mit Bezug auf mein Buch platziert worden; es soll offensichtlich die Beratungen in den Redaktionen negativ beeinflussen. Das scheint mir das eigentliche Motiv zu sein und das ist auch zielführend gedacht. Das weiß jeder, der die Entscheidungsprozesse in Redaktionen kennt. Wer will schon einen Autor interviewen, den die Süddeutsche Zeitung auf prominentem Platz abgekanzelt hat.

Gründe dafür, mein neues Buch zu verschweigen, gibt es aus der Sicht führender Medien genügend. Offensichtlich ärgert sich die Süddeutsche Zeitung darüber, dass viele ihrer Leserinnen und Leser die Qualität des Blattes hinterfragen und sich vor allem fragen, wie aus einem früher einmal fortschrittlichen, jedenfalls aufgeklärten und aufklärenden und unabhängigen Medienorgan ein über weite Strecken den herrschenden Interessen und Parolen angepasstes Medienorgan werden konnte. Darüber berichten die NachDenkSeiten regelmäßig. Das ist unsere Aufgabe.

Im zweiten Kapitel meines neuen Buches beschreibe ich, dass und wie die Süddeutsche Zeitung wie auch einige andere ehedem fortschrittliche und aufklärende Blätter ihre Ordinate nach rechts verschoben haben. So viel Aufklärung über die Lage unserer Medien vertragen die Süddeutsche Zeitung wie auch die anderen hoch konzentrierten Medienkonzerne nicht.

Ich beschreibe in meinem neuen Buch die Methoden der Manipulation und ich skizziere und analysiere viele Fälle und Strategien gezielter Meinungsmache. Dabei kommen selbstverständlich auch Belege aus der Werkstatt der Süddeutschen Zeitung zur Sprache.

Helfen Sie bitte mit bei der Überwindung der auch mit dem Streiflicht aufgebauten Medienbarriere

Da zu erwarten ist, dass sich viele Entscheider in den Medien vom Streiflicht der Süddeutschen Zeitung beeindrucken lassen, auch wenn es unsachlich ist, auch wenn es persönlich herabwürdigt und eigentlich gegen die Süddeutsche Zeitung selber spricht, sind wir jetzt auf die Macht der NachDenkSeiten-Leserinnen und -Leser angewiesen, um die von der Süddeutschen Zeitung konstruierte Medienbarriere zu überwinden.

Dabei kann das Buch, das am 1. Oktober erscheint, helfen. Daher die herzliche Bitte: Schauen Sie sich das Buch an, werben Sie gerade in den nächsten Wochen in Ihrem Umfeld dafür, machen Sie den Buchhändler Ihres Vertrauens darauf aufmerksam. Wenn in der ersten Oktoberwoche zum Beispiel besonders viele Nachfragen beim Buchhandel eintreffen, dann besteht die Chance, dass das Buch auf die Spiegel-Bestsellerliste kommt. Dann hätten wir den Autoren und Initiatoren des Streiflichtes vom vergangenen Samstag ein Schnippchen geschlagen.

Sie können davon ausgehen, dass ein wirtschaftlicher Erfolg des neuen Aufklärungsbuches der Arbeit für die NachDenkSeiten zugute kommen wird.

In den nächsten Tagen und Wochen werden weitere Artikel zum Thema erscheinen, unter anderem:

  • Zur Erinnerung: Frank Schirrmacher und die NachDenkSeiten
  • Gliederung und Einführung des neuen Buches „Glaube wenig. Hinterfrage alles. Denke selbst.“
  • Der Spalt zwischen Gläubigen und Zweifelnden wächst. Anmerkungen auf der Basis der Erfahrungen mit dem Umgang mit 9/11, den Kriegen des Westens usw.

Noch eine Bitte und Anregung: Machen Sie gerade in diesen Tagen auf die Arbeit der NachDenkSeiten in Ihrem Umfeld aufmerksam. Je mehr kritische Zeitgenossen es gibt, umso größer ist die Chance, mit solchen ins Gespräch zu kommen. Der Kreis der Hinterfragenden muss wachsen. Damit wir unsere Welt vor Schlimmem bewahren und außerdem noch das Vergnügen haben, auf Gleichgesinnte zu treffen. Diese Chance zu erweitern, war übrigens einer der Gründe dafür, das neue Buch zu schreiben.

Anhang
Das Streiflicht der Süddeutschen Zeitung vom 14./15. September 2019: