Von Dr. Albrecht Müller, Klingenmünster, können wir alle viel lernen. Ein Nachruf.

Albrecht Müller
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Die meisten NachDenkSeiten-Leserinnen und -Leser werden ihn nicht gekannt haben. Umso mehr ist es mir ein Bedürfnis, zum Tod von Dr. Albrecht Müller, Klingenmünster, ein paar Zeilen zu schreiben. Er ist am 9. November gestorben. Ohne ihn gäbe es die NachDenkSeiten nicht. Und viel wichtiger: Dieser praktische Arzt, oder wie andere sagen: Landarzt, hatte eine beeindruckende Ausstrahlung. Er half, wo er konnte. Er war Vorbild, ohne darüber zu reden. Er war ein heiterer, warmherziger Zeitgenosse. In der langen Zeit unserer Bekanntschaft und Freundschaft habe ich nie ein böses Wort von ihm gehört. Nie. Er war der geborene Mediator. Wie schafft man das?

Wir haben uns im Dezember 1973 kennengelernt, also vor 46 Jahren, weil wir zufällig gleich heißen. Er hat sich um seine Patienten gekümmert; und ganz praktisch – als Anreger und Organisator von Ausstellungen – auch um Kunst in unserer Region. Und weit darüber hinaus.

Zu ihm konnte man wegen der verschiedensten Anliegen kommen und von ihm lernen. Er kannte Künstler, Intellektuelle und Ärzte in anderen Teilen unseres Landes. Er kannte gute Journalisten. Und niemand wusste so gut Bescheid über die Winzer und die Weine unserer Region. Er hat vermutlich Dutzende davon überzeugt, den tunesischen Deckwein, die Süßreserve wegzulassen und trocken auszubauen. Die Winzer der Südpfalz und der Mittelhaardt müssten ihm ein Denkmal setzen.

Die Pleisweiler Gespräche hat er mit Sympathie und förderndem Wohlwollen begleitet. Er war ein politisch interessierter und engagierter Mensch und Arzt. Er hat Anfang der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts in Bonn gegen die Nachrüstung demonstriert. Und noch früher boten er und seine Frau Ursel in ihrem Haus einem weitsichtigen Kreis von Leuten eine Heimatadresse, dem „Klingenmünster Kreis zur Förderung des naheliegenden Gedankens, dass wir nicht mehr Fernsehen brauchen“. Das war 1979. Wir hatten uns damals zusammengetan, um dafür zu werben, die Fernsehprogramme nicht unendlich zu vermehren und schon gar nicht zu kommerzialisieren. Manche, die ihn und uns damals verspottet haben, sehen heute, welch einen Wahnsinn sie mit dem totalen Fernsehen und seiner Kommerzialisierung angerichtet haben. Dr. Albrecht Müller wusste von seinen vielen Gesprächen mit Patienten, wie es in den deutschen Familien und Wohnzimmern aussieht; er war schon deshalb ein geborener Partner und Freund des damaligen Versuchs, Unheil von unserem Land fernzuhalten.

Dr. Albrecht Müller hat in den letzten Wochen seines Lebens sehr gelitten. – Wir werden ihn schon deshalb in guter Erinnerung behalten, weil er uns fehlt.

Albrecht Müller Herausgeber der NachDenkSeiten.

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