Leserbriefe zu „Die ewige Gelbe Gefahr“ und „Bewegung gegen Rassismus: Bilder werden gestürmt, Systeme werden verschont“

Ein Artikel von:

Walther Bücklers analysiert hier das Verhältnis des Westens – insbesondere die mediale Berichterstattung – zu China. Er kommt zu dem Ergebnis, dass auch die deutschen Medien dabei helfen, China als einen Feind der EU und der NATO darzustellen.
Tobias Riegel hat in seinem Beitrag auf die Oberflächlichkeit der Bewegung gegen Rassismus hingewiesen. Symbole, z.B. Bücher, Denkmäler und Filme, werden kritisiert, aber das Wirtschafts- und Rechtssystem nicht infrage gestellt.
Zahlreiche Leserinnen und Leser der NachDenkSeiten haben schnell auf diese beiden Artikel reagiert. Für die eingereichten Leserbriefe bedanken wir uns. Es folgt eine Auswahl der Antworten. Zusammengestellt von Christian Reimann.

Zu: Die ewige Gelbe Gefahr

1. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Bücklers,

vielen vielen Dank für den Artikel und die Richtigstellung einiger von den Massenmedien falsch dargestellten Sachverhalte.

Als Deutscher, der über 9 Jahre in China gelebt hat und mit einer Chinesin verheiratet ist, muss ich sagen, dass die Durchdringung der deutschen Bevölkerung mit sinophoben Gedanken leider recht stark ist und ich habe wenig Hoffnung, dass sich daran etwas ändert.

Jedes Mal, wenn ich mich in Deutschland mit Menschen unterhielt und das Thema kam auf China, musste ich mir regelmässig die gesamte Litanei des Grauens anhören: “Gnadenloser Polizeistaat”, “totale Überwachung”, “Diktatur der Partei” usw.

Was mich besonders schockiert, dass insbesondere angeblich gebildete Menschen (z.B. pensionierte Lehrer im Umfeld meiner Eltern, aus der 68er Generation) diese Narrative unreflektiert übernehmen. Und auch unter den alternativen Medien, die zum Teil sehr Russland-freundlich sind, werden oft sinophobe Narrative der Massenmedien paraphrasiert.

Von der Realität in China haben die meisten Deutschen keine Ahnung.

Davon, dass China massiv in Bildung investiert zum Beispiel, hat wahrscheinlich noch kein Deutscher gehört.
Und wenn, würde das wahrscheinlich als “Indoktrinierung” oder was auch immer umgedeutet.
Alles was in China passiert wird negativ umgedeutet. Selbst die Lehre des Meister Kong (latinisiert: Konfuzius), in der es um Anstand und Moral geht, wird zur autoritären Lehre umgedeutet. Diese plumpe Form der Bedienung eines Feindbildes ist sehr bedauernswert.

Schade, denn der Westen könnte von chinesischer Kultur und Lebensart viel lernen.

Herzliche Grüße aus der Provinz Anhui,
Christoph Stahl


2. Leserbrief

Liebes Team, Herr Bücklers,

bei persönlichen Gesprächen ist mir in letzter Zeit aufgefallen, dass sich Menschen in der Weise negativ über Chinesen äußern, dass dies mir sogar rassistisch erscheint. Sie werden für das Coronavirus allein verantwortlich gemacht. Dies wird natürlich durch die einseitige Berichterstattung über die chinesische Regierung noch befeuert. Insbesondere Herr Ulf Röller vom ZDF versteht da sein Fach. China versucht  auch wirtschaftlich auf der Welt Fuß zu fassen. Es gelingt diesem Land, auch mit seinen Produkten auf dem Weltmarkt anzukommen. Sicher gibt es in einem kommunistisch geführten Staat ja auch noch einige Betriebe, die billiger arbeiten können, weil keine Gewinne auf die hergestellten Waren draufgeschlagen werden. Aber darüber sprechen unsere Medien natürlich nicht. Unsere Medien besitzen hingegen noch die Frechheit zu behaupten, dass China anderen Ländern wie Italien nur deshalb helfen wolle, um angesehen zu sein und um sogar noch einen Keil in die EU treiben zu können. Beide “bösen” Länder,  Russland und China, haben ja das gleiche Ziel, nämlich Europa zu spalten. Nicht nur die Medien, sondern auch unsere Parteien, wie vorwiegend CDU und Grüne, sind an dieser Hetze gegen die chinesische und russische Regierung beteiligt. Mit dieser Methode wird (vielleicht manchmal auch unbewusst) nicht nur eine Regierung, sondern sogar eine ganze Bevölkerung verunglimpft. Diese Manipulation und Herabwürdigung anderer Völker ist für mich auch schon eine Form des Rassismus. Merken unsere Vertreter der Medien und Parteien dies nicht oder ist es Absicht? Das eine wäre dumm und das andere kriminell.

Mit freundlichen Grüßen
Harald Pfleger


3. Leserbrief

Guten Tag Herr Bücklers,

meine chinesische Ehefrau muß ihrem Bericht widersprechen. In den chinesischen Medien wurde nach Ausbruch des Virus am 30.12 in den Medien vor einer ungefährlichen Krankheit berichtet, die nicht von Mensch zu Mensch übertragbar ist. In den sozialen Medien wurde daraufhin berichtet, dass sich Krankenhauspersonal angesteckt hat, dass nicht auf dem Tiermarkt in Wuhan war und davon auszugehen ist, dass die Krankheit übertragbar ist.

Dr. Li war der erste, der das Virus als neue Sars Form identifiziert hat und darüber berichtet hat. Die chinesische Bevölkerung geht ebenfalls davon aus, dass die Behörden die Krankheit zu Beginn unterschätzt haben und die Toten vertuschen wollten, um Ärger zu vermeiden. Das ist keine Erfindung der westlichen Presse. Weshalb Sie die chinesischen Behörden so positiv darstellen, versteht meine Frau nicht.

Viele Grüße
Andreas Grenzdörfer


4. Leserbrief

Liebe Nachdenkseiten-Redaktion,

vielen Dank für die ebenso hilfreiche wie überfällige Analyse und Richtigstellung der Absurditäten der antichinesischen Propaganda in den deutschen Mainstream-Medien.

Hinsichtlich der breitgetretenen Maßregelung des vermeintlichen “Whistleblowers” Li drängt sich der Verdacht auf, dass der Fall ähnlich gelagert sein könnte, wie die Horrorgeschichte von den Zwangslagern für Millionen von Uiguren, die vor einiger Zeit den Blätterwald in Atem gehalten hat. Wolfram Elsner hat mittlerweile sehr gut gezeigt, wie der Fake damals von der US-Vertreterin im UN-Komitee zur Beseitigung der Rassendiskriminierung als offizielle Verlautbarung des Komitees selbst in die Welt gesetzt und dann trotz eines umgehenden Dementis des damaligen Komitee-Vorsitzenden so lange im Mainstream-Zitierkarussell zirkulierte, bis er als unumstößliches “Faktum” galt.

Wichtig wäre allerdings im Auge zu behalten, dass man den Komplex China-Bashing mit dem der Einschätzung der Covid-19-Epidemie nicht allzusehr vermengen sollte. Man liefe sonst Gefahr, bei der Zerlegung des einen Mythenkomplexes unhinterfragte Auffassungen hinsichtlich Covid-19 zu verstärken.
Zweifellos ist die Leistungsfähigkeit des chinesischen Gesundheitswesens bei der Begrenzung der Opferzahlen nur zu bewundern – ganz besonders, wenn man bedenkt, dass China nach wie vor zur Gruppe der Lower Middle-Income-Countries zählt. Das ist wahrlich beispiellos!

Gleichzeitig sollte man aber auch im Falle Chinas die Frage offen halten, wieviel der Lockdown dort gebracht hat. Epidemiologen wie Knut Wittkowski sind beispielsweise der Auffassung, dass auch in Wuhan die drastischen Maßnahmen zu einem Zeitpunkt ergriffen wurden, als die Epidemie bereits ihren Höhepunkt erreicht hatte, und wirksam wurden, als er bereits überschritten war. (vgl. hier)

Leider enthält Walther Bücklers vorzüglicher Artikel eine für seine Argumentation nebensächliche, aber dennoch nicht ganz unwichtige Fehlinformation, die richtig gestellt werden müsste:
Zu Recht weist er auf den grellen Kontrast zur wohlwollenden medialen Behandlung der öffentlichen Reaktion in New York hin, und das, obwohl um den 10. April die Krankenhaus-“Neueinweisungen bei über 18.000 Menschen pro Tag” gelegen hätten.
Dennoch: Diese Zahl ist falsch und um den Faktor 10 zu hoch gegriffen. Das legen zumindest die offiziellen Angaben des New Yorker Department of Health and Mental Hygiene nahe. Die Krankenhauseinweisungen erreichten am 6. April mit 1.709 Fällen ihren absoluten Höhepunkt und sind danach konstant zurückgegangen. Am 10. Juni waren es noch 11 Fälle. Es ist also davon auszugehen, dass in New York City die Epidemie vermutlich vorbei ist.
Das ändert natürlich nichts daran, dass die Sterblichkeit viel zu hoch war (New York City hat mehr Tote zu beklagen als ganz China!) und überdies einen erheblichen “racial and poverty bias” aufwies.
(Alles ist der – gemessen an den miserablen deutschen Standards! – einigermaßen sinnvollen Darstellung der Daten des NYC Health Department deutlich zu entnehmen. Wieviele der Verstorbenen nicht krankenversichert waren und deswegen erst viel zu spät einen Arzt aufgesucht haben, ist aber auch dort nicht zu erfahren. Ein Indiz dafür könnte aber sein, dass die jeweiligen Kurven für gemeldete Fälle, Hospitalisierung und Tod parallel verlaufen und zeitlich nur um wenige Tage verschoben sind, also viele Verstorbene erst kurz zuvor  ins Krankenhaus gekommen sein müssen. – Auch dies im Gegensatz zu China, wo von Anfang an frühe Diagnose und frühe, kostenlose Behandlung absolute Priorität hatten. vgl. hier)

Mit den besten Grüßen
Sebastian Scholz


5. Leserbrief

Hallo Liebe Nachsenkseiten

vielen Dank für die gute Recherche zur gelben Gefahr.

Ich hatte in meinem Berufleben sehr viel mit Chinesen zu tun und war erstaunt über ihre Disziplin und Unterwerfung unter das Regime.

Dass  China jetzt zum Sündenbock gemacht wird ist klar: Deutschland hat mal wieder alles richtiger gemacht als alle Anderen-vor allen Dingen Schweden.

Es ist zum Kotzen-(mit Verlaub das richtige Wort) dass wir Deutschen uns immer über andere Völker erheben müssen!

Deshalb ist der Virus ja auch auch China gekommen-ganz klar! und die Chinesen haben Schuld!

Schön dass es die Nachdenkseiten gibt, ich wüsste sonst nicht was ich am Abend lesen sollte-unsere Qualitätsmedien habe ich alle abbestellt.

Ihr M. B.


6. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Bücklers,

in Ihrem Artikel schreiben sie:

China ist ein furchtbares Land. Eine Diktatur, ein korrupter Einparteienstaat, der die Menschenrechte mit Füßen tritt, in dem die Zensur regiert und dessen kommunistische Partei sich allein durch Unterdrückung der eigenen Bürger und massive Propaganda der Staatsmedien an der Macht halten kann.

Ich musste doch wirklich kurz nachsehen, ob da wirklich China steht oder das nicht in Wahrheit eine Analyse von Deutschland darstellen soll. Danke dafür.

S. P.


Zu: Bewegung gegen Rassismus: Bilder werden gestürmt, Systeme werden verschont

7. Leserbrief

Lieber Herr Riegel,

Ihr Artikel trifft einen sehr wichtigen Punkt. Genau wie bei dem von oben verordneten „Kampf gegen Rechts“  muss man bei der gegenwärtigen von oben zumindest geteilten und integrierten Anti-Rassismus-Welle genau beobachten, was daran Folge eines „Empörungsmanagements“ ist. Rassismus kann nicht wirklich verstanden werden, wenn er nicht im Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Strukturen von Herrschaft und Ausbeutung gesehen wird. Und dem Empörungsmanagement geht es darum, die ehrliche Empörung auf individuelles Fehl-)verhalten, Sprache und Symbole zu lenken – alles im Sinne genau der Herrschaftsverhältnisse, die zu ihrer Legitimation des kulturellen oder biologistischen Rassismus bedürfen.  Wenn es Ihnen möglich ist, stellen Sie doch dazu bitte das Interview mit Herrn Mausfeld „Der Wahnsinn der Normalität“ vom 21. März in Rubikon ins Netz, der diesen Zusammenhang gut nachvollziehbar erläutert.

Vielen Dank für Ihre Arbeit und herzliche Grüße
Hagen Kühn


8. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Riegel,

das erinnert mich doch stark an die maoistische Kulturrevolution mit allen üblen Folgen: Hetze, Zerstörung, Propaganda, Mord und Totschlag, und all das nur, weil Mao seine Konkurrenz ausschalten wollte.

Wird hier nicht eine Gelegenheit genutzt, um Ähnliches durchzuführen?
Also eine gute Gelegenheit gerade in den USA für die Trumpgegner? (Jetzt muss ich ja noch erklären, das ich Trump auch nicht für den idealen Präsidenten halte, sonst bin ich unten durch. Aber ich bezweifle, dass die Konkurrenz besser ist, sie ist allenfalls gefährlicher.)

Mit freundlichen Grüßen

G. Nesemann


9. Leserbrief

Zunächst einmal, sehr verehrter Herr Müller, Herr Berger, Herr Riegel und alle anderen intern und extern im Team: meinen herzlichen Dank für Ihre großartige Arbeit!

Das ist mein erster Leserbrief, und ich würde mich freuen, falls Sie ihn veröffentlichen.

Es ist sehr anstrengend, sich heutzutage permanent so dumm stellen zu müssen, dass einen nicht die Verschwörungstheoretiker-Keule trifft…
Dabei waren die alten Römer mit ihrer Frage „cui bono?!/ Wem nutzt es?!“ doch schon weiter fortgeschritten…
Wem nutzt denn ein Lockdown bis zur („bitte lasst mich raus, ich tu ja alles was ihr wollt“) Zwangsimpfung?!
Wer finanziert denn zB. die WHO, das RKI, Drosten und Konsorten?!
Warum fordern erstaunlicherweise die amerikanischen Demonstrierer dasselbe wie die deutschen: Polizei abschaffen und Gefängnisse aufmachen!?
Wer finanziert denn „Black Lives Matter“?!
Warum beleuchten wir denn nicht mal die „Menschenfreunde“ Bill Gates und George Soros?!
Der eine verdient u.a. an gesundheitsgefährdenden Impfstoffen (Eugenik, also Sterilisation mit inbegriffen), der andere fördert mit seiner Open Society Foundation Unruhen und Umstürze weltweit, um sich daran zu bereichern!
Aber in dieser verkehrten Welt geht‘s ja andersrum:
Die Verschwörer rufen: haltet die Verschwörungstheoretiker!

Wer nicht mit den hochheiligen und allwissenden Redakteuren unserer „Qualitätsmedien“ kritiklos im Gleichschritt mitmarschiert, sich erdreistet selbst sein Gehirn zu benutzen und noch andere Fachleute bzw. Medien (auch aus England oder USA) anzuhören, wird kaltgemacht:
mit einer immer länger werdenden Aneinanderkettung von Vernichtungsbegriffen, von denen die Verschwörungstheoretiker-Verleumdung (ein CIA-Begriff der psychologischen Kriegsführung aus den 60er Jahren, erfunden um Nachforschungen am Mord von JFKennedy zu verhindern, von George W. Bush wiederbelebt, um alles kritisch Hinterfragende bzgl. 9/11 zu ersticken) noch die harmloseste ist…
Warum redet eigentlich niemand davon, dass allein der Spiegel von Bill Gates 3 Millionen Dollar erhalten hat?! (Und viele andere Medien, die ZEIT nicht ganz so viel…)
„Wess‘ Brot ich ess‘ des Lied ich sing‘“, oder?!
Und dafür dürfen uns diese (ich drehe den Spieß jetzt mal um:) Verschwörer dann übelst beschimpfen und verleumden, uns in Angst und Panik versetzen, damit die eigentlichen Interessen gnadenlos durchgedrückt werden können, ohne dass sich noch einer traut, Kritik anzumelden, ja sich zu wehren…
Wie konnte es nur passieren, dass sich die letzten Jahre – seit Corona ganz klar ersichtlich – eine Gedankenpolizei etabliert hat, ein medial gestützter Faschismus, der nichts mehr duldet, was vom regierungsamtlichen Narrativ auch nur ein bisschen abweicht?!

• Wollt ihr die totale Zwangsimpfung?!
(An der Gates&Co fürstlich auf Kosten unserer Gesundheit verdienen werden!)
• Wollt ihr die totale krebserregende Mobilfunk- und 5G-Zwangsbestrahlung?!
(Millionen neuer Sender, an jeder Straßenlaterne + 40.000 (ja wirklich: geplant vierzigtausend! von der amerikanischen FCC genehmigte) 5G-Satelliten, hochgeschossen auf „Teufel komm‘ raus“ vom smarten Elon Musk!
Tausende unabhängiger Forschungsergebnisse beweisen viele weitere schädliche Wirkungen der gepulsten Mikrowellenstrahlung (oxidativer Zellstress, Gehirntumore, Öffnen der Blut-Hirnschranke => Alzheimer, Tinnitus, Schlaf- und Konzentrationsstörungen etc. etc.)!)
Und an die Kinder, die noch viel empfindlicher sind, denkt sowieso niemand!
• Wollt ihr den ewigen Maulkorb?!
(Viele Ärzte sind sich einig, dass das kaum Schutz vor Viren bringt – aber das Einatmen der eigenen verbrauchten Luft inkl. Viren und Bakterien aus der Mundhöhle dem Immunsystem massiv schadet!)
• Wollt ihr die totale Demo?!
Dann demonstriert zu zigtausenden ohne Abstand und Mundschutz bei von George Soros finanzierten Demos „Gegen Rassismus“, bewerft und beschimpft die Polizei (die kaum einschreitet), verlangt, dass alle Gefängnisse geöffnet werden –
aber wehe, du gehst auf die Straße für das Grundgesetz: Ausweis her – mitkommen!…

Und wieder rufen alle JAAAA!

Nicht mehr auszuhalten!

Herzliche Grüße
K.S.


10. Leserbrief

Indem die wirtschaftlichen Strukturen teilweise ausgeblendet werden: Stellen sich Teile des Protests nicht indirekt an die Seite der Neoliberalen?
https://www.nachdenkseiten.de/?p=62143

Hallo Herr Riegel,

das hört sich an nach Querfront, diesmal aber einer tatsächlichen und nicht der, die bei den Protesten für’s Grundgesetz zwanghaft an den Haaren herbeigezogen wurde – daran war im übrigen wiederum die taz mit einer reichlich verwirrten ‘Antifa’ beteiligt.
Oder wie sehen Sie das?

Viele Grüsse,
Thomas Bürklin


11. Leserbrief

Lieber Tobias Riegel,

Chapeau (!!) für diesen Artikel – er spricht mir aus der Seele!

Im Grunde handelt es sich bei den jetzt durch den Tod von George Floyd befeuerten weltweiten Bewegungen/Proteste/Strömungen, insbesondere gegen Rassismus und Polizeigewalt, um – so möchte ich es einmal bezeichnen – “Kleine Revolutionen”.

Was diese “Kleinen Revolutionen” sehr schön aufzeigen ist das fehlen von nachhaltiger, politischer Orientierung bzw. der fehlende Blick über die Fixierung auf die Symptome hinaus, hin zu den Verantwortlichen, ursächlichen Personen/PolitikerInnen, Konzerne, Parteien, Strukturen, Stiftungen, Institutionen, etc.! Dies ist ein großes Dilemma (um es einmal vorsichtig auszudrücken)!

Dieses Dilemma birgt m.E. zwei entscheidende Gesichtspunkte die i.d.R. das Scheitern solch “Kleiner Revolutionen” schon in sich tragen: Erstens muss immer irgendetwas (spektakuläres/medienwirksames) passieren bevor viele (zuvor eher nicht politisierte) Menschen auf die Strasse gehen und zweitens, dass solche Proteste, an denen sich viele zuvor eher nicht politisierte Menschen beteiligen, leicht durch die Regierenden/Herrschenden (inkl. der Medien) lenken bzw. in die irre führen lassen – um die eigene Verantwortung aus der “Schusslinie” zu nehmen und somit die eigene Macht zu sichern. Man nennt dieses Vorgehen der Regierenden/Herrschenden auch Konterrevolution.

Solange sich die “Kleinen Revolutionen” an Sympthomen “abarbeiten” hat es die Konterrevolution relativ leicht. Sie schafft es sogar – wie im Artikel thematisiert – die Bewegung zum eigenen Nutzen zu instrumentalisieren und die von der Konterrevolution angewendete Gewalt hält sich (relativ gesehen) noch in Grenzen. Sollten solche Bewegungen/Proteste/Strömungen beginnen sich gegen die wahren Verantwortlichen und deren Strukturen zu stellen und entsprechende Konsequenzen fordern die dann m.E. zwangsläufig deren Machtstellung bedrohen, wird die Gewalt auf Seiten der Konterrevolution extrem/radikal zunehmen (da spielen dann auch Menschenleben keine Rolle mehr – das hat die Geschichte immer und immer wieder gezeigt).

Was ich damit sagen möchte erscheint im ersten Moment ziemlich banal. Der Erfolg einer “Revolutionen” (Protestbewegung/Strömung) steht und fällt mit der politischen (Vor)Bildung (und damit dem Vorhandensein nach einer nachhaltigen, strukturellen/institutionellen Veränderung) der Revolutionäre bzw. sollte eine solche politische (Vor)Bildung bzw. ein solcher veränderungswunsch insbesondere auch bei der breiten Masse der Bevölkerung die nicht mit auf die Strasse geht vorhanden sien. Ist dem nicht so hat die Konterrevolution leichtes Spiel.

Um so größer die Masse der politisch mündigen derer die auf die Strasse gehen und derer die nicht mit auf die Strasse gehen, um so größer die Erfolgsaussichten für eine Protestbewegung/Revolution.

Politische Aufklärung muß jeder Mensch selbst bei sich voran bringen. Eine (im besten Wortsinne sozialdemokratische) Gegenöffentlichkeit wie sie die www.NachDenkSeiten.de seit vielen Jahren betreiben leisten hierzu herausragendes.

Die fehlende politische (Vor)Bildung, durch einen großen öffentlichen Debattenraum und entsprechnd öffentlicher Diskussion, im Vorfeld von plötzlich auftretenden Ereignissen die zu (auch massenhaften) Bewegungen/Proteste/Strömungen führen, ist ursächlich für das Scheitern bzw. für die Fixierung lediglich auf Sympthome sowie bzw. für die Anfälligkeit instrumentalisiert zu werden.

Lieber Tobias Riegel, abschliesend möchte ich nur kurz und ganz persönlich auf die m.e. absolut berechtigte/richtige Abschnittsüberschrift “Verkürzung der Rassismus-Debatte” eingehen. Es gibt für mich einen (m.E. auf das wesentlichste reduzierten) Leitspruch auf den ich im Zuge meiner Diplomarbeit gestoßen bin und der mich diesbezüglich schon lange prägt: “Kultur ist das was Dich zum Fremden macht wenn Du von daheim fort gehst”. Dieser Spruch drückt für mich rein gar nichts negatives aus. Für mich beinhaltet dieser Leitsatz die ganze Vielfalt und Schönheit der verschiednsten Kulturen/Ethnien/Lebens- u. Verhaltensweisen, etc. die unsere schöne Welt zu bieten hat und ausmacht.
Ich “durfte” als junger Mann die Erfahrung machen einem “Kulturschock” ausgeliefret zu sein. Man muss m.E. als aufgeklärter/mündiger Mensch einen solchen Kulturschock m.E. nicht zwingend miterlebt (und hinterher positiv verarbeitet) haben um alle Kulturen/Ethnien/Lebens- u. Verhaltensweisen, etc. gleichermaßen zu schätzen, es hilft aber ungemein! wobei wieder bei “aufgeklärt” und “mündig” wären – im Gegensatz zu manipuliert!

Ganz herzliche Grüße
Andreas Rommel

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