Verschwörungsleugner: Aggressive Naivität oder gezielte Propaganda
Verschwörungsleugner: Aggressive Naivität oder gezielte Propaganda

Verschwörungsleugner: Aggressive Naivität oder gezielte Propaganda

Ein Artikel von: Tobias Riegel

Mit Corona hat sich der Begriff „Verschwörungstheorie“ endgültig als Totschlagargument etabliert. Politische Verschwörungen sind verschwiegene Absprachen mächtiger Akteure zum eigenen Vorteil. Es prinzipiell zu leugnen, dass es solche Absprachen geben kann, bedeutet entweder eine wenig glaubwürdige Naivität oder eine böswillige Irreführung. Es wäre Zeit, den moralischen Spieß bei diesem Thema umzudrehen. Von Tobias Riegel.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Die Existenz politischer Verschwörungen ist nicht zu leugnen, historisch und aktuell: Wenn sich westliche NATO-Staaten mit Golf-Monarchien verbünden, um Al-Kaida-Krieger zu bewaffnen, mit dem Ziel, die syrische Regierung zu stürzen, dann ist das eine handfeste Verschwörung. Indirekt haben sich an dieser Verschwörung auch jene westlichen (und deutschen) Journalisten beteiligt, die über zehn Jahre den Mythos vom „demokratischen syrischen Volksaufstand“ am Leben gehalten haben und die Kritiker des Regime-Change-Versuchs als „Verschwörungstheoretiker“ diffamiert haben.

Wenn sich Akteure westlicher Staaten mit zum Teil rechtsradikalen Strömungen in der Ukraine verbünden, mit dem Ziel, die Regierung Janukowitsch mit einem militanten Umsturz zu vertreiben, dann ist das eine handfeste Verschwörung. Auch diese Verschwörung wäre ohne die Unterstützung durch viele deutsche Journalisten und deren Diffamierung der Kritiker als „Verschwörungstheoretiker“ nicht möglich gewesen. Das Gleiche gilt für den Vorgang, wenn sich westliche Staaten mit einer militanten und teils rechtsradikalen Opposition in Venezuela verbünden und einen „alternativen Staatschef“ aufbauen, mit dem Ziel, die aktuelle Regierung zu stürzen.

Corona: Die Radikalisierung der Verschwörungsleugner

Auch europäische Länder sind Ziel von Verschwörungen. Gut dokumentiert ist das etwa im Falle Italiens mit den Aspekten Strategie der Spannung, GLADIO und P2 und den belegten Verschwörungen zwischen US-Geheimdiensten, Teilen des (tiefen) italienischen Staates, Medien, Terroristen und Mafiosi. Über manche besonders schrille US-Verschwörungen gibt es mittlerweile sogar Mainstream-Hollywood-Filme, etwa zum groß angelegten CIA-Drogenschmuggel im Zusammenhang mit der verzweigten Iran-Contra-Affäre: „Kill The Messenger“ und „Barry Seal“.

Als (ganz offizielle) Verschwörungen könnten auch die Absprachen zu illegalen und grausamen Wirtschaftssanktionen gegen nicht folgsame Länder bezeichnet werden. Oder auch die aktuell zu beobachtende Zusammenarbeit zwischen Staaten und Tech-Konzernen, um Corona-Infos zu unterdrücken: Ist das keine Verschwörung zur Zensur? Dazu kommen aktuelle Absprachen mächtiger Akteure im Sinne einer bis zu Corona unvorstellbaren Massenkontrolle, die über das Vehikel der erzeugten Virus-Panik eingeführt werden könnte: Diese etwa vom Journalisten Norbert Häring dokumentierten und aktuell umgesetzten Pläne finden sich übrigens zum Teil auch in den offiziellen Texten des WEF oder der EU. Diese Pläne werden nicht versteckt, sondern ganz offen beschrieben – man muss es nur lesen und thematisieren, wie etwa Häring und manche Alternativmedien das im Gegensatz zu den meisten großen Medien tun.

Die Existenz von politischen Verschwörungen und den zugehörigen internationalen PR-Firmen, Thinktanks und Konferenzen und der „Drehtür“ zwischen Konzernen und Politik ist nicht zu leugnen. Die hier beschriebenen Beispiele sind willkürlich und nur ein winziger Ausschnitt. Dennoch gibt es zahlreiche einflussreiche und reichweitenstarke Verschwörungsleugner, die bereits die Erwähnung der theoretischen Möglichkeit der verdeckten Absprache Mächtiger als „verschwurbelt“ oder gar „antisemitisch“ diffamieren. Seit Corona hat sich dieses Phänomen nochmals gesteigert und haben sich die Verschwörungsleugner zusätzlich radikalisiert.

Naivität oder Böswilligkeit

Die Verschwörungsleugner lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen: Da gibt es einerseits Jene, die sich durch Naivität, Mangel an politischer Fantasie und Mangel an politischem Wissen eher „unschuldig“ in dieser Position der pauschalen Abwehr gegen die Existenz vertraulicher Absprachen befinden. Und es gibt andererseits Jene, die im vollen Bewusstsein des absurden Charakters dieser Abwehr-These politische Verschwörungen dennoch pauschal als abwegig bezeichnen – das Ziel dieser Gruppe ist es, ganz bewusste Propaganda wider besseres Wissen zu betreiben und Kritiker zu diffamieren. Motiviert werden sie durch ein Heischen nach Applaus aus den großen Medien und nach anderen gesellschaftlichen Vorteilen.

Natürlich gibt es politische Spinner, abwegige politische Behauptungen und antisemitische Agitatoren – denen sollte man mit Nichtbeachtung begegnen oder im Falle justiziabler Äußerungen mit der Härte des Strafgesetzbuchs. Die mittlerweile in „sozialen Medien“ eingeführten halb-privaten Zensur-Praktiken, die unabhängig von konkreten Gesetzen (Volksverhetzung, Beleidigung etc.) wirken, sind strikt abzulehnen. Die Absprache zu dieser Privat-Zensur kann, wie gesagt, ebenfalls als Verschwörung gegen die Meinungsvielfalt bezeichnet werden.

Zur Diffamierung von Standpunkten, die eine Absprache Mächtiger voraussetzen, greift oft folgende Praxis: Eigentlich in der jeweils betreffenden Debatte irrelevante Nazis und UFO-Spinner werden dann in zahlreichen Medienbeiträgen als relevant oder zentral dargestellt, ihre Bedeutung absurd aufgeblasen, um in der Folge Kontaktschuld möglich zu machen. Zusätzlich werden seriöse physikalische Bedenken (etwa beim JFK-Attentat oder bei 9/11) in einem Atemzug mit bizarren Alien-Phantasien genannt. Gleichzeitig bewegen sich zahlreiche Verschwörungs-Betrachtungen in großen Medien auf dem Niveau eines Grundschulseminars, eine Protagonistin dieser infantilen und aus den immer gleichen Phrasen bestehenden Sichtweisen ist die „Expertin“ Pia Lamberty.

Die Heuchelei der Verschwörungsleugner

Der Weg der Verschwörungsleugner ist gepflastert mit Heuchelei: Sobald bei dem Thema der eigene politische Kulturkreis und eine bestimmte Größenordnung angesprochen wird, findet die sattsam bekannte aggressive Abwehr statt. Ganz anders sieht es aber aus, wenn über konkurrierende Staaten oder Systeme gesprochen wird – da ist dann plötzlich die staatliche Beteiligung an Terroranschlägen gar nicht mehr abwegig, etwa wenn es um Russland geht. Hier soll übrigens nicht behauptet werden, politische Verschwörungen seien eine Spezialität des Westens: Mutmaßlich gibt es vonseiten Russlands oder Chinas ähnliche Bestrebungen, mit diesem Mittel die eigenen Vorteile zu stärken. Die deutschen Bürger sind bislang aber vor allem den mutmaßlichen Verschwörungen von westlicher Seite ausgeliefert.

Verdeckte politische Absprachen müssen sich nicht prinzipiell in bösem Glauben abspielen: Es könnte auch eine Gruppe mächtiger Akteure aus hehrem persönlichen Antrieb beschließen, die „Welt zu retten“. Aber auch eine solche Selbstermächtigung, „Gutes“ zu tun, wäre unkontrolliert und nur gerechtfertigt durch den eigenen Reichtum und darum immer auch mit maßloser Arroganz verbunden und würde den demokratischen Gedanken mit Füßen treten. Und auch die, die „nur das Beste für alle“ wollen, können brandgefährlich sein. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, ist auch die dominante Heuchelei von superreichen „Philanthropen“ eine einzige Anmaßung.

Corona und Verschwörungstheorien

Auch der Corona-Komplex ist verbunden mit zahlreichen Spekulationen („Verschwörungstheorien“) über die „wahren Motive“ für die Ausrufung und die konsequente Durchsetzung des „Pandemie“-Gedankens. Diese teils schlüssigen, teils abwegigen Spekulationen werden aggressiv und pauschal von fast allen Medien und Politikern als „Verschwörungstheorien“ diffamiert. Dieses aggressive „Selbstbewusstsein“ der Lockdown-Verteidiger gerät auch dann nicht ins Wanken, wenn zahlreiche Säulen der organisierten Corona-Panik ins Wanken geraten: etwa die unseriöse Zählweise der „an oder mit dem Virus Verstorbenen“ oder die fragwürdigen Aussagen der PCR-Tests oder die unbegründete Angst vor der vernichteten Lebenserwartung oder die unbegründete Angst vor zu wenig Intensivbetten oder die (ausbleibende) Übersterblichkeit. Keinen Einfluss auf die Wertung der Corona-Politik hat bei vielen Lockdown-Verteidigern auch der durch die Corona-Maßnahmen (nicht durch das Virus) massiv gesteigerte Welthunger, die Reichtums- und Armuts-Explosion, der Grundrechtsentzug, die Protest-Verbote, die Gängelei und die sich anbahnende Massenkontrolle. Ebenso unberührt bleibt die Weltsicht vieler Lockdown-Verteidiger davon, dass ohne jeden Zweifel festgestellt werden kann, dass die extrem destruktiven Wirkungen der Lockdown-Politik und der Impfkampagne in keinem angemessenen Verhältnis zum Gefahrenpotenzial des realen Corona-Virus stehen.

Diese von der Entwicklung der Fakten entkoppelte Haltung vieler Lockdown-Verteidiger schürt wiederum die Gegenbewegung mit ihren teils naheliegenden, teils abwegigen Spekulationen. Die verschiedenen alternativen Erklärungsmuster („Verschwörungstheorien“) zu Corona jenseits der offiziellen Theorie werden wir demnächst in einem gesonderten Artikel näher vorstellen.

Wer ist hier der wahre „Covidiot“?

Auch wegen der Schwäche der eigenen Position und der Verweigerung von politischen Neubewertungen muss es aufhören, dass Verschwörungsleugner (also politische Naivlinge oder bewusste Propagandisten) seriöse Kritiker von politischen oder wirtschaftlichen Vorgängen mit dem Label „Verschwörungstheorie“ in billigster Art und Weise diffamieren und mundtot machen können. Zu dieser unhaltbaren Praxis gehören auch die aggressiven Beschimpfungen als „Schwurbler“ oder Nazi, die sich eingebürgert haben und gar keine Empörung mehr hervorrufen. Wer ist denn hier eigentlich der wahre „Covidiot“?

Der „Off-Guardian“ hat sich kürzlich in einem Artikel mit der „Psychologie der Verschwörungs-Leugner“ befasst. Da er auf Englisch ist, sollen hier einige Stellen zitiert werden. Man muss die im Text vorgestellten Ausführungen zur Psychologie des Kindes nicht umfänglich teilen, um andere Teile des Textes interessant zu finden. Wichtig ist der Hinweis auf angebliche „Irrtümer und Versehen“, die sich oft als Strategie entpuppen. Der Artikel leistet auch einen Beitrag zu einem überfälligen, hier schon thematisierten Schritt: dem Schritt, die moralische Defensive zu verlassen und jene in die Pflicht zu nehmen, die aus Naivität, aus Wissensvermeidung oder als gewiefte Propagandisten mit dem Totschlagargument „Verschwörungstheorie“ eine destruktive Politik möglich machen und sie von Kritik abschirmen.

„Das verfallene Fundament der Verschwörungsleugner“

So fragt der Artikel:

„Warum sträuben sich ansonsten vollkommen intelligente, nachdenkliche und rational denkende Menschen gegen die Behauptung, dass Soziopathen sich verschwören, um sie zu manipulieren und zu täuschen? Und warum verteidigen sie diese unbegründete Position mit solcher Vehemenz?“
(…)

Was genau ist es also, das die Verschwörungsleugner mit solcher Inbrunst, Rechtschaffenheit und Herablassung nicht anerkennen wollen? Warum verteidigen sie gegen alle Beweise höhnisch und verächtlich die bröckelnde Illusion, dass “die Großen und Guten” irgendwo da oben sind, alles im Griff haben, nur unser Bestes im Sinn haben und gewissenhaft, weise und aufrichtig sind? Dass die Presse dem Volk und der Wahrheit dient und nicht den Gaunern? Dass eine Ungerechtigkeit nach der anderen aus Irrtümern und Versehen resultiert, und niemals aus dem gefürchteten Wort: Verschwörung?“

Zum Phänomen, dass Verschwörungstheorien vor allem dann abgelehnt werden, wenn sie eine gewisse Größe übersteigen oder den eigenen politischen Kulturkreis betreffen, heißt es:

„Der Streitpunkt liegt hier nur in der Frage des Umfangs. Jemand, der wirklich neugierig auf die Pläne mächtiger Soziopathen ist, wird den Umfang seiner Neugier nicht auf z.B. einen Konzern oder eine Nation beschränken. Warum sollten sie? Eine solche Person geht davon aus, dass die gleichen Muster, die sich vor Ort zeigen, wahrscheinlich auch ganz oben in der Nahrungskette der Macht zu finden sind. Aber der Verschwörungsleugner besteht darauf, dass dies absurd ist.“
(…)

Meiner Ansicht nach ist dies der Grund, warum sich Verschwörungsleugner an die völlig unlogische Fantasie klammern und sie aggressiv verteidigen können, dass irgendwie – oberhalb einer bestimmten, nicht definierten Ebene der gesellschaftlichen Hierarchie – Korruption, Betrug, Bösartigkeit und Narzissmus auf mysteriöse Weise verdampfen.
(…)

Das ist der Kern, die tröstliche Illusion an der Wurzel der Denkweise der Verschwörungsleugner, das verfallene Fundament, auf dem sie eine turmhohe Burg der Rechtfertigung errichten, von der aus sie diejenigen, die das anders sehen, pompös verhöhnen und verspotten.“

Titelbild: Lia Kos / Shutterstock