„Endspiel des Kapitalismus“ – der Journalist und Blogger Norbert Häring hat sein „bisher wichtigstes und bestes“ Buch geschrieben
„Endspiel des Kapitalismus“ – der Journalist und Blogger Norbert Häring hat sein „bisher wichtigstes und bestes“ Buch geschrieben

„Endspiel des Kapitalismus“ – der Journalist und Blogger Norbert Häring hat sein „bisher wichtigstes und bestes“ Buch geschrieben

Ein Artikel von Thomas Trares

Wenn ein Autor über sein neues Buch sagt, dass es sein „bisher wichtigstes und bestes“ ist, dann hat er entweder ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein oder er ist ein ausgesprochener Marketing-Fachmann oder er hat schlicht und einfach recht. Auf den Blogger und „Handelsblatt“-Redakteur Norbert Häring trifft sicher Letzteres zu. Denn mit seinem neuen Werk „Endspiel des Kapitalismus – Wie die Konzerne die Macht übernahmen und wie wir sie zurückholen“ ist ihm tatsächlich der große Wurf gelungen – und dies gleich in dreifacher Hinsicht. Von Thomas Trares.

Erstens knüpft Häring damit nahtlos an seine Vorgängerwerke „Abschaffung des Bargelds“ und „Schönes neues Geld“ an, in denen er bereits die Dystopie eines digitalen Überwachungsstaates an die Wand gemalt hat. Zweitens liefert er eine ausführliche Kritik des heutigen Kapitalismus, als dessen wesentliches Merkmal er die Vormachtstellung der global agierenden Großkonzerne ausgemacht hat, und drittens bietet Häring all denen, die das offizielle Corona-Narrativ hinterfragen, mit „Endspiel des Kapitalismus“ eine plausible Alternativ-Erzählung an.

Kernthese Härings ist, dass der Kapitalismus mittlerweile in seinen letzten Zügen liegt und dass die globalen Eliten dies wissen. Die Coronakrise nutzen sie nun dazu, die Gesellschaft in ihrem Sinne umzubauen, hin zu einem autoritären Kontroll- und Überwachungsstaat, in dem Geld, Macht und Einfluss gewahrt bleiben.

Rechte der Kapitalbesitzer haben Vorrang

Zunächst einmal gesteht Häring ein, dass Kapitalismus zu definieren kein leichtes Unterfangen ist, weil es sich dabei um einen Begriff mit „äußerst wandlungsfähigem“ Inhalt handelt. Klar wird dann doch, dass der Kapitalismus heute eine Wirtschaftsform ist, in der die Rechte der Kapitalbesitzer Vorrang haben und in der global agierende Großkonzerne die dominanten Akteure sind, allen voran die Tech-Giganten aus dem Silicon Valley, aber auch Finanzkonzerne wie Citi und Blackrock. Der Reichtum dieser Kapitalisten speist sich im Wesentlichen aus der „Aneignung leistungsloser Einkommen“ und der „Abwesenheit von Wettbewerb“. „Marktmacht ist das A und O im Kapitalismus“, schreibt Häring (S.104).

In der Corona-Pandemie wird nun Zweierlei deutlich. Einerseits zeigt sich, dass die Großkonzerne erneut die Profiteure der Krise sind. Denn während die Wirtschaft insgesamt im „Corona-Koma“ liegt, sind sie es, die von den überschießenden Aktienkursen und Immobilienpreisen profitieren. Andererseits hat mit Corona aber auch das „Endspiel des Kapitalismus“ begonnen. Häring geht nämlich davon aus, dass die Art der Krisenbewältigung, wie sie bereits in der Dotcom-, der Finanz- und auch der Eurokrise praktiziert wurde, nun an ihr Ende gekommen ist.

Schneeballsystem lange in Gang gehalten

Häring schreibt: „Das ist ein Schneeballsystem. Man kann es lange in Gang halten, indem man immer mehr frisches Geld ins System pumpt und die Zinsen senkt, aber irgendwann gibt es nicht mehr genügend Menschen, Unternehmen und Staaten, die sich noch stärker verschulden wollen und können, nicht mehr genügend Menschen und Institute, die auf Kredit Wertpapiere kaufen, weil sie mit immer weiteren Wertsteigerungen rechnen. Wenn die Vermögen und Einkommen extrem konzentriert sind, fehlt der breiten Masse irgendwann die nötige Verschuldungsfähigkeit und Kaufkraft, um die Wirtschaft am Laufen zu halten.“ (S. 201)

Häring nimmt nun an, dass die globalen Eliten wissen, dass das Kartenhaus irgendwann zusammenbrechen muss. Und Corona ist für sie die Möglichkeit, sich für die Zeit nach dem großen Crash zu wappnen. Denn in der Krise wurden die Menschen bereits an den Abbau von Bürgerrechten und den Umgang mit einem autoritär agierenden Staat gewöhnt. „Propaganda, Kontrolle und Repression müssen dafür sorgen, dass alle in der Spur bleiben. Die Schöne neue Welt nach dem Kapitalismus ist eine Art neuer Feudalismus“, schreibt Häring.

Lobbyorganisation des Großkapitals

Zentraler Akteur auf der Seite der globalen Eliten ist das Weltwirtschaftsforum (WEF), das 1971 von ihrem heutigen Leiter, dem deutschen Wirtschaftswissenschaftler Klaus Schwab, gegründet wurde. Das WEF ist so etwas wie die Lobbyorganisation des Großkapitals auf internationaler Ebene. Alle wichtigen Regierungen der Welt sind inzwischen mit ehemaligen Teilnehmern des Young-Global-Leaders-Programms des WEF besetzt. Und nun ist das Forum auch noch dabei, den Vereinten Nationen (UN) die Führungsrolle bei der Lösung globaler Probleme streitig zu machen. „Die Idee ist, dass die Konzerne die Entscheidungen treffen und die UN und die Regierungen diese dann den Völkern verkaufen und sie nachträglich legitimieren“, schreibt Häring. (S.71)

Darüber hinaus ist das Weltwirtschaftsforum Teil eines Geflechts von Stiftungen, Gruppen und Organisationen, das zusammen mit den Regierungen der G20-Staaten schon seit Jahren die Totalerfassung von Daten über das Tun und Handeln der Erdenbürger vorantreibt. Zu diesem Geflecht gehören Adressen wie die Bill & Melinda Gates Foundation, die Rockefeller Foundation, das Omidyar Network von eBay-Gründer Pierre Omidyar, der Techkonzern Microsoft, die Impfallianz Gavi, die Unternehmensberatung Accenture oder auch die Kreditkartenanbieter Visa und Mastercard.

Das Lock-Step-Szenario

Im Zusammenhang mit der Coronakrise sind vor allem die Aktivitäten der Rockefeller Foundation interessant. Diese hatte bereits 2010 – offenbar inspiriert durch die Schweinegrippe – in einem „Lock Step“-Szenario durchexerziert, wie man im Rahmen einer Pandemie zu durchdigitalisierten, kontrollierten Gesellschaften kommen kann. Außerdem treibt die Rockefeller Foundation seit 2017 das Projekt ID2020 voran, eine Initiative mit dem Ziel, alle Weltbürger bis 2030 mit einer global lesbaren, biometrisch unterlegten digitalen Identität auszustatten.

Wo und wie dies alles enden könnte, beschreibt Häring wie folgt: „Wenn das einmal erreicht ist, wenn jeder Mensch und jedes Ding eindeutig identifizierbar an das ´Internet der Dinge und von allem´ angeschlossen ist, bedeutet das, dass unter unserer Identifikationsnummer jede Interaktion mit unserer Kaffeemaschine, unserem smarten Kühlschrank und unseren Mietfahrrädern und Mietrollern abrufbar ist. Es bedeutet auch, dass, wenn jemand in diesem ´Internet von allem´ einen virtuellen Hebel umlegt, der unsere Identifikationsnummer unbrauchbar macht, wir ohne Hilfe nicht einmal mehr spazieren gehen können. Denn unsere Wohnungstür wird sich für jemand ohne Identifikationsnummer nicht mehr öffnen.“ (S. 248)

Geopolitischer Konflikt China-USA

Die Pläne der globalen Eliten dürften zudem stark von dem geopolitischen Konflikt zwischen den USA und China beeinflusst sein. Denn gerade im Bereich der Zukunftstechnologien wie der Künstlichen Intelligenz sind die Chinesen dabei, die Amerikaner zu überholen. „Von Drohnen über selbstfahrende Fahrzeuge und Sensoren bis zu Smart Citys und Überwachungstechnologie im Allgemeinen“, auf vielen Feldern ist China inzwischen der Hauptwettbewerber geworden. Und in diesem Ringen um die globale Vorherrschaft drohen nun zivilisatorische Errungenschaften wie strenge Datenschutzregeln, der Schutz der Privatsphäre oder eine gut funktionierende analoge Infrastruktur unter die Räder zu kommen, während autoritäre Überwachungs- und Kontrollinstrumente wie das in China entwickelte Sozialpunktesystem auch im Westen salonfähig zu werden.

Das Ende des Buches ist allerdings noch nicht dessen Ende. Denn Häring bietet dem Leser auf seinem Blog unter „norberthaering.de/endspiel-des-kapitalismus“ die Möglichkeit, sich weiter über den Fortgang der Dinge zu informieren. Wichtige Ereignisse, die nach Fertigstellung des Buchs eingetreten sind, ordnet er dort in den Gesamtzusammenhang des Buches ein.

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