Leserbriefe zu „Ukrainisches Atomkraftwerk: Beschießen sich die Russen selber?“

Ein Artikel von:

In diesem Beitrag hinterfragt Tobias Riegel den Beschuss des Atomkraftwerkes Saporischschja und die Darstellung in Medien, nach der die russische und die ukrainische Seite sich „gegenseitig beschuldigen“ würden. Das Atomkraftwerk würde laut Medienberichten jedoch von russischen Soldaten kontrolliert. Demnach würden sich die russischen Truppen selber angreifen. Kiew nutze eine „Strategie des Gegenvorwurfs“, die von manchen großen Medien distanzlos übernommen werde. Das sei fragwürdig. Auf Parallelen zum „Giftgasangriff“ im syrischen Duma wird hingewiesen – ebenso auf die mangelnde Bereitschaft des Westens zur Aufklärung und auf die Verhinderung von IAEA-Inspektionen durch die Ukraine. Abschließend wird festgestellt, dass der ukrainische Präsident Selensky indirekt Angriffe auf das Gelände des Atomkraftwerkes rechtfertigen möchte. Danke für die interessanten Zuschriften. Hier ist eine Auswahl der Leserbriefe, die Christian Reimann zusammengestellt hat.


1. Leserbrief

Hallo Herr Riegel,

auf diesen Beitrag habe ich gewartet. Plumper geht’s nimmer mit dieser sog. “Berichterstattung”. Die Medien verrenken sich ja derart, um die Ukrainer positiv darzustellen und gleichzeitig ihre eigene Verantwortung zur Suggestion zu kaschieren. Das wirkt letztendlich nur noch widerlich. Nichtsdestotrotz ist die “russische Schutzschild”-Behauptung im Bekanntenkreis bereits fest verankert, wogegen die Berichte über die ukrainischen menschlichen Schutzschilde nicht geglaubt werden. So effektiv wirkt die westliche Propaganda.
Und endlich werden auch mal die Parallelen zur Syrien-“Berichterstattung” aufgegriffen. Wunderbar.

Ich hatte es bisher nicht für möglich gehalten, dass Irreführungen wie in den 1930er Jahren heute wieder möglich sind.

Ich danke Ihnen herzlichst für diesen Artikel!
mfg. Siegfried Klar


2. Leserbrief

Sehr geehrte Redaktion,

der Beitrag von Herrn Riegel zeigt sicher ungewollt, wie einfach es heutzutage doch ist, mit völlig neben der Sache liegenden Behauptungen Scheinrealitäten zu schaffen. Die momentan vorherrschenden Meldungen reden zumeist von “Beschuß” des Kraftwerks, erscheinen also zunächst völlig neutral. Nun liegen allerdings militärische Erfahrungssätze vor, die den Begriff Beschuß mehr oder weniger eindeutig definieren. Danach geht es dabei ausschließlich darum, ein gegnerisches Ziel zu bekämpfen, welcher Art auch immer. Nun aber wird durch diese anscheinende Neutralität suggeriert, es könnte entgegen allen Erfahrungen aus kriegerischen Ereignissen plötzlich anders sein, will sagen, daß es in den Raum gestellt wird, jemand könne sich selbst beschießen. Wird  nun also der Standpunkt eingenommen, diese allen Erfahrungssätzen zuwiderlaufende Variante für die wahrscheinlichere zu halten, dann obliegt dessen Inhaber eine außerordentlich hohe Beweislast, da ansonsten alle Erfahrungssätze außer Kraft gestzt würden. Die Juristen sagen dazu, was bei Gericht bekannt ist, muß nicht mehr bewiesen werden. Worum es  mir geht, stellt man nun die beiden Varianten wie in dem Beitrag von Herrn Riegel als nahezu gleichwertig dar, dann ist man m.E. bereits Opfer der Vernebelungstaktik geworden. Bei der Beurteilung einer Situation wie der in der Ukraine tappen wir anscheinend allzuleicht in die Falle der Moralisierung, einer Kategorie, die zwar bei der politischen, nicht jedoch der militärischen Beurteilung der Vorgänge zu beachten ist. Die Russen haben das Kraftwerk in der Hand, eine Tatsache, die bei der militärischen Vorgehensweise zu beachten ist. Und ein Beschuß dessen trägt die Gefahr in sich, eine atomare Katastrophe in Europa auszulösen. Welche Konsequenzen muß das also für militärische Entscheidungen (der Ukraine!) haben? Und das hat nichts mit der Frage zu tun, wer den Krieg begonnen hat.

Mit freundlichen Grüßen
Jürgen Keller


3. Leserbrief

Hallo Nachdenkseiten,

was will uns der Beschuss des Atomkraftwerkes Saporoschje sagen?

Vielleicht ist es die Botschaft, dass, wenn der Westen den Krieg in der Ukraine verliert, auch sonst niemand diese bekommen soll. Das Kraftwerk wird zerschossen und die Ukraine (nebst Teilen Osteuropas) werden zur Todeszone, die niemand mehr gebrauchen kann.

Beste Grüße,
Johannes Kießling


4. Leserbrief

Lieber Tobias Riegel,

wer wann womit zuerst geschossen hat (und schießt) kann vielleicht irgendwann einmal aufgeklärt werden. Ob das dann noch zu irgendetwas von Nutzen ist, bezweifle ich – der von den Folgen einer Kernschmelze  betroffenen Bevölkerung  in den umliegenden Gebieten hilft eine wie auch immer geartete Erkenntnis über die Urheber jedenfalls herzlich wenig. Und die Verantwortlichen haben für sich, ihre Familien und ihr Vermögen sicher schon längst vorgesorgt –  oder  aber sie sind räumlich so weit entfernt, dass sie sich dieses Schauspiel in Ruhe anschauen (und davon profitieren) können.

Eigentlich wollte ich noch mehr schreiben. Gerade eben aber habe ich folgenden Beitrag gelesen, der meiner Meinung nach die Situation sehr gut analysiert.  Deshalb hier mein Hinweis:

 
Wer hat ein Interesse an einer nuklearen Katastrophe in der Ukraine?
17 Aug. 2022 06:45 Uhr
 
Versuchen extremistische Netzwerke des Tiefen Staates der westlichen Länder, mit krimineller Verantwortungslosigkeit und politischem Abenteurertum ihre in die Sackgasse geratene Ukraine-Politik zu retten? Und die ARD-Tagesschau mischt kräftig mit.
 
Eine Analyse von Rainer Rupp

Anmerkung LK: Wenn sich jetzt nicht einige prominente Kritiker des Geschehens (die es doch hoffentlich im Verborgenen noch gibt) zu öffentlichen Stellungnahmen aufraffen können – wann dann ?
 
Auch wenn mir die Lage trostlos erscheint bin ich froh, dass das Nachdenkseiten-Team weiterhin unermüdlich daran arbeitet, Informationen außerhalb des Mainstreams zu vermitteln.

Danke dafür und herzliche Grüße
Luise Kay


5. Leserbrief

Moin Herr Riegel,

auch ich halte es für unwahrscheinlich, daß die Russen ein von ihnen kontrolliertes Atomkraftwerk beschießen, noch dazu das größte in Europa. Das betrifft auch Operationen unter falscher Flagge.

Wie immer bei solchen Situationen ist es ratsam, beide bzw. mehrere Seiten zu hören (OK, in Deutschland findet sich zu 99% nur einseitige Berichterstattung im öffentlichen “Diskurs”).

Russia Today schreibt in seinem Artikel vom 15. August 2022, 18h15, daß es sich “höchstwahrscheinlich” nicht um “verirrte Granaten” handele, sondern “um einen kalkulierten psychologischen Angriff auf die lokale Bevölkerung”, damit diese aus Angst vor einer nuklearen Katastrophe das Weite sucht und das geplante Referendum, dem Beitritt der Region an Rußland, aus Mangel an Einwohnern nicht stattfinden kann, was Kiew natürlich sehr gelegen käme.

Immerhin ist es beruhigend zu erfahren, daß “die Blöcke selbst” “nur schwer zu beschädigen” seien, da “die Betonhülle” sogar “den Sturz eines Leichtflugzeugs, den Beschuss durch Mörser oder die Artillerie” widerstehe. Direkt ins Reaktor-Innere kommen sie also so nicht (es sei denn, sie nutzten schmutzige Waffen wie DU, wie die USA im Irak und im ehemaligen Jugoslawien).

Deshalb, so berichtet RT weiter, sei das Kühlsystem sowie das Trockenlager für abgebrannte Brennstäbe an der Oberfläche das Ziel des Beschusses. Dies käme einem “nuklearen Terrorismus” gleich. Daher ist ein Abzug der Truppen für Rußland undenkbar, weil dann das Atomkraftwerk gänzlich ohne Luftabwehr schutzlos wäre. Was die ukrainische Armee nicht halten kann, das wird zerstört, was sie mehrfach unter Beweis gestellt haben.

Die folgende Passage muß ich im Ganzen zitieren:

“Die hartnäckige Weigerung Kiews, den Besuch der Inspekteure zu ermöglichen, ist eine Erklärung für den konspirativen Charakter des Verhaltens, erklärte Anpilogow. “Wie sich neulich herausstellte, hat Kiew in dieser Anlage das größte SNF-Lager errichtet, wobei die IAEO bereits ihre Besorgnis darüber zum Ausdruck gebracht hat. Denn SNF ist das ideale Rohmaterial für eine “schmutzige” Atombombe. Die IAEO-Inspektoren wären in der Lage, sobald sie in Energodar vor Ort sind, Diskrepanzen zwischen den Berichten, die sie in der Vergangenheit regelmäßig aus Kiew erhalten haben, und der realen Gegebenheiten am Standort, an dem die abgebrannten Brennelemente gelagert werden, festzustellen. Diese Interpretation ist die einzig vernünftige Erklärung dafür, warum die Ukraine ihr eigenes Atomkraftwerk beschießt”, sagte Anpilogow.”

Ruft man sich in Erinnerung, daß Selenskyi im Februar 2022 Rußland mit der Wiederbewaffnung von Atomsprengköpfen gedroht hat, ergibt das Ganze ein in sich stimmiges Bild. Nimmt man hinzu, daß das ukrainische Militär (mit mutmaßlich Selenskyi als Befehlsgeber) in russischen Regionen inhaftierte ukrainische Söldner & Soldaten totschießen läßt, damit diese keine Aussagen mehr machen können, die Kiew belasteten, so soll es wohl in allererste Linie um das Vertuschen von massiven Kriegsverbrechen gehen. Solange der Krieg noch läuft, kann man es ja mal versuchen. Wenn aber die unausweichliche Kapitulation kommt, dann wird’s eng für die ukrainische Junta — und womöglich auch für so manchem “Verbündeten”, ja sogar dem gesamten “Werte-Westen”.

Krieg ist schmutzig. Die (deutschen) Medien verfügen nicht über ausreichend Waschmittel, um die Berge an Schmutz weiß waschen zu können. Mögen sie an dem Schmutz, den sie nicht weg kriegen, selbst Schaden nehmen. Sie wurden oft genug gewarnt, endlich den Pressekodex einzuhalten, doch die Warnungen wurden ignoriert.

Wie immer vielen Dank für derartige tolle Artikel, die unheimlich wichtig sind.

Mit vielen Grüßen,
Michael Schauberger


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