IMK hebt seine Wachstumsprognose für 2006 leicht von 1,4 auf 1,7 Prozent an – dennoch schlechte Aussichten für Beschäftigte und Arbeitslose

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Peter Hohlfeld und Gustav Horn vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) sehen in ihrer jüngsten Prognose für das kommende Jahr eine zaghafte Aufschwungstendenz (wenn man bei 1,7% Wachstum überhaupt schon von „Aufschwung“ sprechen will). Dank einer aufwärtsgerichteten Weltwirtschaft und einer angesichts sinkender Lohnstückkosten sich weiter verbessernden Wettbewerbsfähigkeit, rechnet das IMK mit einer Zunahme der Ausfuhren um 7 ½ %. Entgegen der Absicht der neuen Regierung rege die Fiskalpolitik die Konjunktur nicht an.

Der Beitrag des Außenhandels werde auch im kommenden Jahr die wichtigste Wachstumsquelle sein. Die Exportnachfrage lasse die Ausrüstungsinvestitionen leicht um ein Prozent ansteigen. Der Beitrag der Bauinvestitionen zum Wachstum werde nach einem Einbruch zu Beginn des Jahres 2005 im kommenden Jahr bei Null liegen.
Trotz eines angenommen „Vorzieheffektes“ beim Kauf von langlebigen Investitionsgütern aufgrund der für 2007 drohenden kräftigen Mehrwertsteuererhöhung von 3% dürfte der private Konsum nicht aus seiner Krise herauskommen und 2006 allenfalls stagnieren, da die Realeinkommen im vierten Jahr in Folge sinken dürften.
Die leichte konjunkturelle Erholung könnte die Zahl der Arbeitslosen allenfalls um 200.000 von 11,1 auf 10,6% zurück gehen lassen.
Trotz hoher Öl- und Energiepreise dürfte wegen der niedrigen Lohnabschlüsse die Inflation wieder etwa bei 2% liegen. Trotz eines sog. Investitionsprogramms dürften zu den früheren Sparprogrammen von 9 Milliarden aufgrund der von der neuen Regierung beschlossenen weiteren Haushaltskonsolidierungsmaßnahmen noch einmal negative fiskalische Impulse von 1,8 Milliarden Euro ausgehen. Das entspräche einem negativen Gesamtimpuls von 10,8 Milliarden Euro (oder -0,5% des BIP). Es bleibe die gedämpfte positive konjunkturelle Aussicht, dass sich die außenwirtschaftlichen Erfolge allmählich auf die binnenwirtschaftliche Investitionsnachfrage übertrage und dass dieser Impuls so stark sein könnte, dass ein geringfügiges Beschäftigungswachstum entstehe. Dennoch sei 2006 wegen der schwachen Einkommensentwicklung nicht mit einer Überwindung der tiefsten Konsumkrise der Nachkriegszeit zu rechnen. Und genau diese Krise stehe einem nachhaltigen Aufschwung im Wege. Der weiterhin restriktive Kurs in der Fiskalpolitik und die mit der jüngsten Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank signalisierte Zinswende sprächen nach 2006 sogar gegen eine weitere Fortsetzung eines möglichen Aufschwungs.

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung

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