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Nachtrag zum kritischen Beitrag über die Worte des Bundespräsidenten zu Militäreinsätzen

Verantwortlich:

Ein Freund der NachDenkSeiten macht mich darauf aufmerksam, dass der in meinem gestrigen Beitrag kritisierte Satz des Bundespräsidenten – „Und dass es wieder deutsche Gefallene gibt, ist für unsere glücksüchtige Gesellschaft schwer zu ertragen” – im Text der Rede, die vom Bundespräsidialamt veröffentlicht wurde, nicht enthalten sei. Außerdem hält er meine Qualifizierung („ekelhaft“) für zu hart. Von Albrecht Müller

In der Tat enthält die Rede des Bundespräsidenten vom 12. Juni in Hamburg diese eine von mir kritisierte Passage nicht und dafür eine teilweise differenzierte Sicht von der Anwendung militärischer Gewalt. Ich habe mich deshalb gestern Abend an die Pressestelle des Bundespräsidialamt gewandt und gefragt, ob die Äußerung über die „glücksichtige Gesellschaft“ wirklich gefallen ist oder ob das Bundespräsidialamt diese dementieren kann. Ich verwies dabei darauf, dass sie im einschlägigen Artikel von Spiegel Online immer noch enthalten sein.

Bisher erhielt ich keine dementierente E-Mail. Da beim Text der Rede auch angemerkt ist, es gelte das gesprochene Wort, muss ich davon ausgehen, dass sich der Bundespräsident in diesem Sinne geäußert hat und dass auch der folgenden zitierte Einstieg von Spiegel Online dem Tenor der Rede des Bundespräsidenten entspricht:

Gauck wirbt für Auslandseinsätze der Bundeswehr

Joachim Gauck fordert von den Deutschen mehr Offenheit für Auslandseinsätze der Bundeswehr – und bemängelt eine gewisse Distanz der Bürger zu den Streitkräften: “Dass es wieder deutsche Gefallene gibt, ist für unsere glücksüchtige Gesellschaft schwer zu ertragen”, sagt der Bundespräsident.“

Wir müssen also davon ausgehen, dass die Redenschreiber des Bundespräsidenten durchaus zu einigermaßen differenzierten Texten fähig sind, dass aber die wahre Haltung des Bundespräsidenten dann in den von ihm persönlich eingefügten Äußerungen zum Ausdruck kommt. Getrennt marschieren, vereint schlagen – von Parteien kennen wir diese Methode, von der Vereinigung in einer Person noch nicht.

Der eingangs zitierte NachDenkSeiten-Freund, dem die Qualifizierung der Äußerung als „ekelhaft“ zu hart ist, riet stattdessen dazu, sie als „intellektuell von unterstem Niveau“ zu qualifizieren. Das versteht aber in diesem Zusammenhang kaum jemand. Es geht nicht um das Niveau. Aber, wie auch immer, ich hänge nicht an dem von mir verwandten harten Begriff. Ohne Probleme nenne ich die Äußerung stattdessen „bösartig“. Hinter der Äußerung des Bundespräsidenten steckt nämlich eine bösartige Einschätzung jener Menschen in Deutschland, die sich wegen der wachsenden Neigung zu militärischer Gewalt Sorgen machen. Immerhin wird ja auch offen darüber gesprochen, dass Militäreinsätze auch der Sicherung der Versorgung mit Rohstoffen dienen könnten und der Sicherung der Einflusszonen sowieso.

Interessierte verweise ich in diesem Zusammenhang auf unseren Beitrag zu „40 Jahren Ostverträgen“ vom 18. Mai 2012.

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