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Albrecht Müller Wolfgang Lieb
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22. Dezember 2014
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Die Vorherrschaft der katholischen Kirche in unseren Medien ist unerträglich

Verantwortlich:

Gestern stellte ich um 20:00 Uhr die Tagesschau an: im Gespräch war in Rom ein katholischer Funktionär und ein als Journalist getarnter Katholik, dann der Chefredakteur des bayerischen Fernsehens Gottlieb im Gespräch mit einem Abt und einem anderen Katholiken, dazwischen Bilder vom Petersplatz und der Empore in Erwartung des gewählten Papstes. Und das Ganze länger als eine halbe Stunde statt der angekündigten Tagesschau. Schon Tage vorher waren die Medien voll von Papst und Kirche. Im Deutschlandfunk beispielsweise, den ich in der Regel höre, ständig Meldungen über die Wahlvorgänge, über schwarzen und weißen Rauch usw. Nirgendwo Distanz. Nirgendwo die angemessene Pluralität. Chefredakteur Gottlieb sagt – wie viele andere Journalisten auch – „Die Kirche“ und tut so, als gäbe es nicht auch andere Kirchen und Religionsgemeinschaften. (Wo bleibt eigentlich der Protest der evangelischen Kirche?) Nirgendwo irgend eine Rücksicht auf die körperlichen und seelischen Opfer des Personals der katholischen Kirche. Nirgendwo ein kritisches Wort zur zur Schau gestellten Zweitrangigkeit der Frauen. Albrecht Müller.

Die in den Medien vorherrschende Bewunderung für die Katholische Kirche ist unangebracht. Aber das Kalkül ist klar: hier soll die Glaubwürdigkeit der Katholischen Kirche wiederhergestellt werden und vergessen gemacht werden, was sie direkt den Opfern sexueller Missbräuche und Millionen von Frauen und Mädchen durch ihre Sexualerziehung angetan hat und antut. Hier soll auch vergessen gemacht werden, wie oft und unkritisch die katholische Kirche auf Seiten der Herrschenden stand und steht. Hier wird nicht die demokratische Gesinnung gleichberechtigter Bürger eingeübt, sondern die Bewunderung für autoritäre Strukturen. Insofern ist diese Vorherrschaft auch von Bedeutung für die politische Entwicklung bei uns und weltweit.

Ich thematisiere den Vorgang Papstwahl auch deshalb, weil der Umgang in den Medien typisch ist für die allgegenwärtige Vorherrschaft katholisch geprägter Journalisten in vielen Medien, allen voran beim ZDF. Man kann die gezielte Infiltration deutscher Medien durch die katholische Kirche bewundern, weil das ein Beispiel für effiziente Medienarbeit ist; die katholische Kirche hat dazu unter anderem in ein besonderes Institut investiert, dem Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses e.V. . Als Anhänger eines pluralen demokratischen Staates kann man den überproportional großen Einfluss einer Religionsgemeinschaft und noch dazu einer autoritär geprägten Kirche auf das öffentliche Geschehen nicht gut finden. Deshalb mache ich darauf aufmerksam. Damit Sie bei ähnlichen Fällen Ihre Stimme erheben.

P.S.:

  1. Die gute halbe Stunde katholischer Kirchenfunk statt der angekündigten Tagesschau von gestern war im übrigen auch journalistisch jenseits des Erträglichen. Wenn man wie ich um 20:00 Uhr eingeschaltet hatte, dann hat man eine halbe Stunde lang nicht erfahren, wer die Gesprächspartner der als Journalisten getarnten Kirchenleute Gottlieb und des Moderators in Rom sind und welche Rolle sie im Milieu spielen.
  2. Falls Leserinnen oder Leser gegen die Eindeutigkeit meines Textes Einwände haben: beachten Sie bitte, dass ich nichts gegen die Präsenz der katholischen Kirche wie jeder anderen Religionsgemeinschaft in deutschen Medien einzuwenden habe. Ich wende mich gegen die Vorherrschaft. Diese ist nicht angemessen. Nur deshalb dieser Beitrag.
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