• Beim Erscheinen eines neuen Artikels erhalten Sie eine Benachrichtigung per E-Mail.

Nachtrag zum Beitrag über die Vorherrschaft der katholischen Kirche in unseren Medien. Hier: Dokumentation der Mails von NachDenkSeiten-Nutzern

Verantwortlich:

Die Reaktion war sehr groß. Die überwiegende Mehrheit der reagierenden Leserinnen und Leser der NachDenkSeiten hat die Berichterstattung der Papstwahl ähnlich empfunden wie wir: als Zumutung. Die Mails ergänzen den Artikel, die Reaktion ist interessant. Deshalb die unten folgende Dokumentation. (Siehe auch Hinweis Nr.1 von heute) Übrigens wird in der Frankfurter Rundschau gerade ein aktueller Vorgang geschildert – die heute stattfindende Wahl des neuen Intendanten der Deutschen Welle –, der die Feststellung vom übergroßen Einfluss der katholischen Kirche bestätigt. Zugleich wird darin sichtbar, wem dieser Einfluss oder Rücksicht auf die Qualität des Personals und der Politik nutzt: den konservativen Kreisen und Parteien. – Die Berichterstattung zur Papstwahl wie auch jene zur Agenda 2010 und zur angeblich besten Regierung, die wir je hatten, zeigt, in welch jämmerlichem Zustand unserer Medien sind. Von Albrecht Müller

Wir haben keine kritischen Medien mehr und das Korrektiv, das kritische Bürgertum, ist ebenfalls verschwunden. Das hat tief greifende Folgen für die Qualität der Meinungsbildung und der politischen Entscheidungsfindung. Darauf wird anhand von einigen wenigen aktuellen aber gravierenden Denkfehlern und Entwicklungen in einem nächsten Beitrag einzugehen sein.

Hier folgt die angekündigte

Dokumentation der Mails von NachDenkSeiten-Nutzerinnen und –Nutzern zum gestrigen Beitrag „Die Vorherrschaft der katholischen Kirche in unseren Medien ist unerträglich“

(Alle bis 14.3.2013 um 18:00 Uhr eingegangen Mails werden wiedergegeben, nach Eingang durchnummeriert. Statt Klarnamen in der Regel Vorname und Anfangsbuchstabe des Familiennamens)

  1. Hallo Nachdenkseitenmacher,
    vielen Dank für diesen Artikel. Sie sprechen mir sowas von aus der Seele. Ich sehe nun wenig fern, aber auch in allen Online-Medien mit Ausnahme der schweizerischen NZZ war der Fortgang des Konklave der stundenlange Aufmacher mit Live Ticker! Da wählen alte Männer in merkwürdigen Kleidern und mit menschenfeindlichem Weltbild einen aus ihrer Mitte, der dann noch merkwürdigere Kleider tragen muss.  Warum nur ist das dermaßen wichtig?

    Freundliche Grüße
    Ingrid S.

  2. Herr Müller spricht mir aus dem Herzen. Morgens die Drei-Minuten Andacht: “Was der neue Papst über Christus gesagt hat…” Ich bin nur noch dabei, Radio und TV abzuschalten – bzw. gestern abend gar nicht erst anzuschalten. Die Distanzlosigkeit der öffentlich-rechtlichen “Anstalten” ist einfach unerträglich. Ich sehe es auch so: Die Jubelperser vor den Kameras und auf den Straßen sollen das Image einer Institution retten, die am Ende ist.Danke für den Beitrag – auch gut.

    Viele Grüße

    Siegfried H.

  3. Lieber Herr Müller,

    vielen, vielen Dank für den aufrüttelnden Hinweis. Ich muss gestehen, dass ich trotz einiger Jahre Nachdenkseiten immer auch noch – oder leider immer wieder zu oft, bei derartigen Anlässen meinen Verstand vergesse und Emotionen fühle (welche weiß ich gar nicht so genau ) weil Emotionen transportiert werden. Das Bild von der kreischenden, fast hysterischen Frau, ist mir heute morgen noch gut in Erinnerung, so wie auch einige andere, die in Freude taumelnde Menschenmassen zeigten, Petersplatz in Rom und einiges aus Argentinien.
     
    Ich schaute die späten Nachrichten. Ein Interview mit dem Vorsitzenden der EKD Schneider, der nur an die Ökumene denkt, ein Interview mit dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinden in Deutschland, der die Hände weit ausstreckt und ein Interview mit dem Kardinal aus Mainz, der so verworren gesprochen hat, dass ich nicht viel verstanden habe und annahm er sei betrunken, jedenfalls war er voll des Lobes.
    Hinweise zu dem Neuen gab es auch – nämlich seine zweifelhafte Haltung in der Militärdiktatur.
    Wenn er als Priester der Armen bezeichnet wird, der das hochkapitalistische System in Argentinien anprangerte, macht das erst mal einen guten Eindruck…
     
    Natürlich sind die C-Parteien daran interessiert, die Kraft des “katholischen Glaubens” ihren Wählerinnen und Wählern über diese Papstwahl wieder ins Bewusstsein zu rufen, alte, fast vergessene Emotionen wie Treue und Glauben und die Unfehlbarkeit dieser Kirche wieder zu beleben, damit die Untaten allein dieses Jahrhunderts vergessen werden und guten Gewissens CDU und CSU gewählt werden können, weil klassische Katholikenparteien.
     
    Danke, dass mir durch Ihren Bericht mein Verstand wieder in meinen Kopf gerutscht ist und das Ausmaß dieser Berichterstattung mehr als deutlich macht. Ich werde darauf achten.
     
    Viele Grüße
    Karola Sch.

    Anm. Albrecht Müller: Wie Karola Sch. war ich wider willen auch selbst emotional berührt. Da mein Kopf, siehe den Artikel von gestern, alles andere als angetan war, kann ich die emotionale Reaktion nur darauf zurück führen, dass Inszenierung und Ritual so angelegt sind, dass wir Menschen gegen unseren eigenen Willen gepackt werden. Schrecklich und gefährlich.

  4. Hallo Herr Müller,
     
    vielen Dank für diesen Beitrag. Sie sprechen mir aus der Seele! Am 1. März hatte ich in den “Hinweisen des Tages” ebenfalls auf die Vorherrschaft der katholischen Kirche in unseren Medien aufmerksam gemacht.
     
    Es gibt eine bereits aus den 90er Jahren stammende 12-teilige Youtube-Dokumentation des Kirchenkritikers Karlheinz Deschner (“Mit Gott und den Faschisten”) zur Verstrickung der katholischen Kirche  und des Vatikan mit autoritären / faschistischen Regimen zwischen dem 19. Jahrhundert und dem Ende des 2. Weltkrieges.
     
    Insebesondere jene Videos, welche sich mit der Zeit des europäischen Faschismus beschäftigen, zeigen erschreckende Kumpaneien zwischen katholischer Kirche und den braunen Diktaturen. Ich kann nicht prüfen, ob alle in diesen zwölf Youtube-Videos erhobenen Vorwürfe gerechtfertigt sind. Jedoch: Selbst wenn dies nur für die Hälfte dieser Vorwürfe zutreffen sollte, dann würde dies dunkle Schatten auf die sich in übersteigerter Hybis “Stellvertreter Gottes auf Erden” (hat der Allmächtige seine Zustimmung zu diesen “Stellvertretern” erteilt?) nennenden Päpste werfen.
     
    Ich persönlich bin kein Gegner der katholischen Kirche (ich war während meiner Kinheit sogar Ministrant) und bin der Überzeugung, daß viele in der katholischen Kirche arbeitende Menschen versuchen, in ihren jeweiligen Aufgabenfeldern für ihre Mitmenschen Gutes zu bewirken. Gleichzeitig bin ich jedoch der Überzeugung, daß in den höheren Funktionärsetagen der katholischen Kirche eine unselige Allianz zwischen kirchlicher und weltlicher Macht herrscht (gab es in den 50er Jahren nicht sogar den spöttischen Dreiklang “Kirche, Kanzler, Kapital”?). Möglicherweise ist dies sogar das Merkmal auch anderer christlicher Gruppierungen sowie anderer Religionen.
     
    Auch der neue Papst scheint hier keine Ausnahme zu sein, wie seine Verstrickungen in die frühere argentinische Militärdiktatur zeigen.
     
    Viele Grüße
    G.K.
  5. Lieber Herr Müller,

    ich kann Ihrem Artikel über die Präsenz der katholischen Kirche in den Medien nur beipflichten.

    Auch den immer weiter um sich greifende Einfluss beider „Staatskirchen“ in Kindergärten und Schulen sehe ich sehr kritisch (besonders unter dem von Ihnen angesprochenen Punkt der Gewöhnung an autoritäre Strukturen). Berichte hierzu laufen durchschnittlich eher um 23:30 in einem der dritten Programme als zur besten Sendezeit.

    Abgesehen von der Papstwahl (die nun mal alle paar Jahre ansteht ) sind die Anlässe, über die katholische Kirche zu berichten, idR negativ (Missbrauchsskandale, Ausbeutung der Mitarbeiter, etc.), die Berichterstattung wird dem aber meist nicht gerecht. Oder haben Sie z.B. zum Thema Arbeitsbedingungen/Bezahlung schon einmal eine ähnliche Medienreaktion auf das Verhalten der katholischen Kirche gesehen, wie das letztens bei Amazon der Fall war?

    In diesem Zusammenhang ein Hinweis: Sie haben in letzter Zeit öfter darauf hingewiesen, Bücher lieber in der lokalen Buchhandlung zu bestellen. Da in letzter Zeit der Trend immer weiter zu den eBooks geht, wird in den letzten Tagen und Wochen vielfach der „Tolino“-eBook-Reader beworben. Damit hätte man sich zwar von Amazon distanziert, aber dahinter stehen u.a. Bertelsmann (was eigentlich als Gegenargument reichen sollte) sowie Weltbild (gehört der katholischen Kirche), Hugendubel (gehört wohl auch irgendwie zu Weltbild und damit der katholischen Kirche) und Thalia (große Buchhandelskette). Insgesamt auch nicht unbedingt eine Ansammlung von Sympathieträgern, denen ich zusätzlichen Umsatz bescheren möchte …

    Viele Grüße,
    Henrik B. 

    PS.: In einem Punkt haben aber alle Medien bei der Berichterstattung zur Papstwahl komplett versagt: nirgends wurde überhaupt nur die Frage gestellt, wie „die Märkte“ auf den neuen Papst reagieren. Schließlich ist es doch ein Außenseiter geworden, den die „Analysten“ vorher nicht auf dem Zettel hatten… ;-)

  6. Werter Herr Müller,

    vielen, vielen Dank für Ihre wahren Worte, ich teile Ihre Auffassung über die Berichterstattung voll und ganz. Es war in den vergangenen Tagen ein Graus, den Höhepunkt bildete die praktisch ausgefallene Tagesschau, und es ging heute im Morgenmagazin nicht weniger unerträglich weiter.

    Ich habe gestern Abend mit meinen beiden Söhnen (10 und 12) fassungslos vor dem Fernseher gestanden. Zuvor hatten wir schon die logo-Nachrichten auf KIKA boykottiert…auch hier permante Berichterstattung, als wenn ein Mann in roten Schuhen und seltsamen Gewändern irgendwie für uns von Bedeutung wäre, zumindest hat er nicht die Bedeutung die ihm zugesprochen wird. Hier wurden und werden via KIKA Kinder auf ungaubliche, ja unerträgliche Weise beeinflusst. Für uns als Heiden, Atheisten oder Agnostiker eine Zumutung. Ich muss sagen, dass ich gestern Abend kaum noch an mich halten konnte, so sehr packte mich der Zorn. Ich war kurz davor die ARD anzurufen um zu fragen, ob man noch bei Sinnen ist. Wahrscheinlich hätte man mich dort gar nicht verstanden. Und ich denke wie Sie, dass dies alles in einem Zusammenhang steht, es soll dem Volke Obrigkeitshörigkeit beigebracht werden bzw. so getan werden, dass es eine Gute Sache sei, wenn oben nur “der Richtige” steht. Im ARD-Moma durfte man heute zwischen Papstgläubigkeit und Wirtschaftsweisengläubigkeit wählen…mir scheint, die halbe Welt hat den Verstand verloren.

    Da stehen Tausende Menschen in Rom und haben Freudentränen, weil weißer Rauch aus einem Schornstein quillt, ohne zu wissen, wer da nun an die Macht gekommen ist, wird gejubelt, sich umarmt, Beifall geklatscht. Man kann sich nur an den Kopf fassen, und es hat nichts mit einem fehlenden Respekt vor Gläubigen zu tun…was zur Zeit abgeht, ist aber ein Mangel an Respekt vor Nichtgläubigen oder Andersgläubigen.  Dass dies Konsequenzen haben würde wäre wohl ein sehr naiver Wunsch. 

    Umso besser dass es die Nachdenkseiten gibt…so fühlt man sich im Meer das Wahnsinns als Schiffbrüchiger, der wenigstens ein Stück Treibholz hat und ab und zu etwas zu Essen, damit man nicht untergeht. Danke dafür!

    Herzlichst,
    S.K.

  7. Lieber Herr Müller,
     
    danke für Ihren tollen Kommentar zur gestrigen Papst-Berichterstattung, den ich voll und ganz teile.

    Es wurde übrigens nicht nur zwischen 20 Uhr und 20.30 Uhr in der ARD darüber berichtet, sondern auch noch deutlich davor.(Im ZDF lief sogar parallel eine dynamische Textzeile mit irgendwelchen belanglosen Twitterkommentaren; im Grunde war das nicht auszuhalten…).

    Mich hat ebenfalls geärgert, dass die “Co-Kommentatoren” im Ersten überhaupt nicht vorgestellt wurden. Dem Anschein und meiner Einschätzung nach müsste jedoch einer der beiden Notker Wolf vom Benediktinerorden gewesen sein. Ich habe das versucht über google oder der Homepage vom Ersten herauszufinden, jedoch ohne Erfolg.

    Bei google stößt man auf eine Sondersendung zum Papstrücktritt im Februar. Dort war Notker Wolf bereits Gast bei Sigmund Gottlieb.

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass er auch gestern Partner von Gottlieb war.

    Notker Wolf habe ich übrigens ziemlich gut im Gedächtnis, sein Name liefert ja auch einige deutliche Ergebnisse, wenn man ihn in die Suchfunktion der nachdenkseiten eingibt…, übrigens nicht nur dort…

    Ich erinnere mich dann sofort an ein ekliges Plakat als Werbung für die INSM.

    Dies habe ich leider nur noch in schlechter Bildqualität im Internet gefunden. Sie hatten es damals (2007) verlinkt, wo es jetzt aber leider auch nicht mehr abrufbar ist.

    Es sagt sehr viel aus über die gesamte Hoheit und Stärke der herrschenden und geschlossenen Meinungsmacht im Mainstream…
     
    Viele Grüße eines NDS-Förderes
     
    Thorsten C.

  8. Lieber Herr Müller,

    vielen Dank für den sehr guten und kritischen Beitrag. Mir ist es gefühlsmäßig ebenso gegangen. Dieser Staat versteht sich als weltanschaulich neutral und sozial, kulturell als plural.
    Wenn ich das höre, bekomme ich jedesmal einen Lachanfall, der allerdings schnell zum Wutanfall wird!

    Im 21. Jahrhundert müßte das wohl etwas anders aussehen, gelinde ausgedrückt.

    Mit freundlichen Grüßen
    Thomas N., Hamburg

  9. Schönen guten Tag zusammen!

    Ich denke schon seit einiger Zeit darüber nach, die Aufsichtsgremien der einzelnen Rundfunkanstalten in Frage zu stellen.
    So sind z.B. beim BR die Kirchen vier- oder gar fünfmal vertreten, die diversen nichtkirchlichen Sozialverbände jedoch nicht.
    In diesem Falle leider bin ich kein Jurist, so daß ich mich erst einlesen muss. Falls es ihnen möglich ist und Ihnen die Sache wert erscheint, könnten Sie sich evtl. dazu äußern.

    Vielen Dnak für Ihre unermüdliche Arbeit und lassen Sie sich nicht kleinkriegen! Unterstützen kann ich Sie alle leider nicht, dazu ist meine Frührente zu gering.

    Mit freundlichen und solidarischen Grüßen

    Bernhard K.

  10. Lieber Herr Müller,

    Ihre Einschätzung teile ich im wesentlichen, letztlich ist auch in der Beschneidungsdiskussion die generell zu hohe Bedeutung religiöser Gruppen in Deutschland durchgeschlagen, das ist im Kern ein katholishes Erbe.

    Freilich: Hier kommt eine Roßkuhr und Gesundung.

    Hat sich die deutsche rkK in den letzten Jahren mal für den Nabel der Welt, mal für Gott gehalten, dürfte jetzt, wenn Robert Zollitsch mal wieder 24 Mio. Katholiken vertritt, von Papst Franz die Reaktion kommen: “Lieber Bruder im Bischofsamt, da ist ja deine Diözese so groß wie meine letzte!” und wenn Robert Zollitsch meint: “Nein, das sind alle deutschen Diözesen zusammengenommen” wird Franz sagen: “Ach so!” – und damit ist das Thema erledigt.

    Die gestrige Wahl dürfte die deutschen Katholiken ziemlich ruckartig daran erinnert haben, daß sie Teil einer Weltkirche sind, und daß 24 Mio. Katholiken in Deutschland bei 1,2 Milliarden Katholliken (das sind wohl die Zahlen, IIRC) nicht wirklich ins Gewicht fallen.

    Oder, um es mal für Friede verständlich auszudrücken: Wir sind nicht mehr Papst, wir sind nur noch 2 %.

    Für die NDS heißt das konkret: Sie waren schon immer wachsam gegenüber evangelikalen und fundamentalistischen Gruppierungen, diese Gewächse finden in Gütersloh bekanntlich einen guten Nährboden, die dürften ganz massiven Auftrieb bekommen.

    mfg
    Detlef B.

  11. Lieber Herr Müller,
     
    Nur eine kleine Anmerkung zum Katholiken-Artikel: Grundsätzlich gebe ich Ihnen vollkommen Recht. Diese Jubelperser-Haltung quer durch alle Medien ist schwer erträglich.
    Sigmund Gottlieb allerdings (was für eine Name in diesem Zusammenhang :-) !) ist meines Wissen evangelisch, falls sie ihn mit dem “getarnten” Katholiken gemeint haben sollten.
     
    Viele Grüße
     
    Wolfgang W.

    Anm. Albrecht Müller: Das ist richtig. Sigmund Gottlieb ist vermutlich evangelisch. Er handelt mit seiner Berichterstattung und Kommentierung trotzdem konsistent, weil er als engagiertes CSU-Mitglied sehr gut weiß, dass die ausgedehnten Papstfeiern in den Medien seiner Partei zugute kommen.

  12. Lieber Albrecht Müller,
     
    mit Ihrem Beitrag ‘Die Vorherrschaft der katholischen Kirche in unseren Medien ist unerträglich’ treffen Sie genau den Punkt.
    Ich teile Ihre Kritik in vollen Umfang. Auch im Radio (hr-info) höre ich kaum noch etwas anders.
     
    Es wurde im Vorfeld der Wahl sogar noch fabuliert ob nicht noch einmal ein ‘deutscher’ Papst werden könnte.
    So als ginge es um einen Fussballtrainer. Erbärmlich kann ich nur sagen!
     
    Alle Gute für Sie und das NDS-Team.
     
    Herzliche Grüße aus Wiesbaden
    Edgar W.
  13. Lieber Albrecht Müller,

    zunächst einmal herzlichen Dank für den heutigen Beitrag zur “Vorherrschaft der Katholischen Kirche in den Medien”. Vielem darin kann ich vollkommen zustimmen.

    Allerdings habe ich mich im Anschluss an die Lektüre gefragt, warum ein solcher Beitrag erst jetzt kommt. Insbesondere die ARD (oder muss man hier besser “der BR” einsetzen?) hat im Zusammenhang mit dem Rücktritt von Josef Ratzinger vom Amt des Papstes ja schon länger massiv Sendeplatz in Anspruch genommen. Man denke nur an den Brennpunkt vom 11. Februar (den man vielleicht sogar noch verstehen kann, da es ja tatsächlich eine kleine Sensation war, dass Ratzinger einen Rückzieher machte), vor allem aber an die 30-minütige Sondersendung vom 28. Februar (natürlich auch wieder mit BR-Chefredakteur Gottlieb), dem Tag des tatsächlichen Rücktritts. Die hatte den Titel “Benedikt geht – Welt ohne Papst”, gerade als ob die Welt ein paar Tage ohne ein amtierendes Oberhaupt der katholischen Kirche nicht in aller Ruhe weiter ihre Bahn ziehen könnte – was sie dann allerdings doch getan hat.

    Mit den besten Grüßen,

    Jörg A.

  14. Sehr geehrter Herr Müller,

    ich habe mir die Papstwahl (bzw. die Berichterstattung darüber vom Petersplatz) live bei Phoenix angesehen und wollte dann pünktlich 20:00 Tagesschau sehen – immerhin gehen in der Welt ja auch noch andere Dinge vor sich. Sie haben Recht damit, diese Berichterstattung war übertrieben. Ich kann ja verstehen, dass es eine Sonderberichterstattung gibt, andererseits hat die ARD (übrigens sehr zum Ärger des Bundestagspräsidenten Lammert) beispielsweise die Bundespräsidentenwahl 2010 nur auf Phoenix übertragen und sein Programm nicht unterbrochen – obwohl diese Wahl um die Mittagszeit stattfand!
    Ich habe nicht viel gezappt, aber offenbar hat auch das ZDF sein Programm für eine Sondersendung unterbrochen. Das setzt dem ganzen dann die Krone auf. Wozu haben wir denn zwei staatliche Fernsehsender, wenn eh alle das selbe senden.
    Ich teile ihre Kritik ausdrücklich!

    Mit freundlichen Grüßen
    Georg G.

  15. Sehr geehrter Herr Albrecht Müller,

    mit sehr vielen Sympathien lese ich täglich die Nachdenkseiten und habe für die NDS in meinem Bekannten- und Verwandtenkreis viel Werbung gemacht.

    Auch kann ich Ihnen verraten, dass die NDS dazu beigetragen haben, nach 25 Jahren Mitgliedschaft aus der CDU auszutreten.

    Leider hat mich Ihr Angriff auf die katholische Kirche sehr traurig gemacht. Ich bekenne mich zu meinem Glauben und bin sehr froh Gottesdienste zu besuchen, weil dort ein Menschenbild idealisiert wird, das geradezu anti-materialistisch und anti-egoistisch ist. Linke und Katholiken haben mehr gemein als mancher glaubt. Schwindet das Christliche(auch aus den Medien) noch mehr aus unserer Gesellschaft, werden platter Materialismus, Egoismus, sowie flacher Konsumismus triumphieren, was die Linke ganz sicher nicht möchte. Ich hoffe, dass der neue lateinamerikanische Papst das Armutsthema, soziale Gerechtigkeit und eine deutliche Kritik am Superkapitalismus in den Vordergrund seines Pontifikats rücken wird. Der gewählte Name Franziskus ist vielversprechend.

    Mit freundlichen Grüßen und guten Wünschen für Sie und die NDS
    Klaus-Dieter M.

    Anm. Albrecht Müller: Keinesfalls wollte ich gläubige Katholiken herabsetzen und auch nicht traurig machen, vor allem jene nicht, für die die Orientierung an den Werten der Bergpredigt im praktischen Leben Bedeutung hat.

  16. Lieber Herr Müller,

    vielen Dank für Ihren heutigen Beitrag zur Rolle der katholischen Kirche in den Medien, den ich gerade gelesen habe. Auch wenn es sicherlich wichtigere Themen gibt – Sie haben mir voll und ganz aus dem Herzen gesprochen. Ich gehörte nämlich auch zu den”Geschädigten”, die sich gestern Abend einfach nur die Tagesschau anschauen wollten und dann über eine halbe Stunde lang das genauso belanglose wie unerträgliche Geschwätz der Herren Gottlieb & Co. ertragen mussten. Ich war zwischen Fassungslosigkeit und Ärger hin- und hergerissen – das war in der Tat katholischer Kirchenfunk pur. Dazu noch dieses gebannte Warten darauf, dass sich der Vorhang endlich öffnet – man fühlte sich wie im Kasperletheater.

    Furchtbar auch dieses Gerede von “der Kirche”, ganz so, als ob es nur diese eine Kirche gäbe und als ob die gesamte Menschheit Mitglied dieser einer Kirche wäre. Kurzum: Ich habe keinerlei Einwände gegen die Eindeutigkeit Ihres Textes – sie ist in jeder Beziehung angemessen.

    Mit freundlichen und voll und ganz solidarischen Grüßen –
    Günther G., Osnabrück

  17. Sehr geehrter Herr Müller,

    nicht nur die Vorherrschaft der katholischen Kirche in unseren Medien ist unerträglich. Die Vorherrschaft der religiösen Anschauungen insgesamt ist es. Überall und immer wieder werden Berufs-Religioten jeder Couleur zu allen möglichen Themen befragt, von denen sie zumeist gar keine oder wenn nur wenig Ahnung haben (von Kernenergie bis zur PID), ihnen aber “überlegene ethische Urteilskraft” verglichen mit z. B. Atheisten zugestanden wird. Von “Ethikkommissionen” bis zu Rundfunk- und Fernsehräten überall sind sie vertreten und maßen sich an, uns anderen ihre Sicht der Welt zu oktroyieren.

    Und Ihre Worte zur katholischen Kirche im besonderen waren IMO viel zu zaghaft. Jeder andere Verein, der in einem solchen Umfang Kinder-Vergewaltiger….1) in seinen Reihen hätte und zudem bis in die Spitze mit Vertuschern und Beschützern der Vergewaltiger besetzt wäre, wäre schon längst verboten worden. Aber wenn “Kirche” darauf steht, ist offenbar alles entschuldbar. Da wird sogar einem Ober-Vertuscher als Papst im Bundestag gelauscht und stehend applaudiert und die wenigen, die sich dieser Farce verweigerten, vorgeworfen, sie wären unanständig…2)

    Also, nein, es gibt nichts, wofür Sie sich entschuldigen müssten!

    Mit besten Grüßen
    Jürgen B.

    Fußnoten:

    1) Nichts anderes sind diese Taten: Vergewaltigung; Kinderschänder ist a) für mein Gefühl eher verharmlosend, weil “Schande” heute nicht mehr den negativen Stellenwert hat, und b) ist die “Schande” beim Täter und nicht beim Kind.

    2) Mir ist bekannt, dass Kinder auch in anderen (auch kirchlichen) Organisationen Opfer von Missbrauch und Gewalt wurden. Aber nach meiner Einschätzung hat keine andere Organisation derart aggressiv eine Mitschuld der Opfer heraus gestellt bzw. die Schuld der Täter verharmlost.

  18. Lieber Herr Müller,

    auch wenn Sie Recht haben: die Vorherrschaft der Kirchen in unseren Kindergärten und Schulen ist viel, viel schlimmer!

    Ich zitiere aus
    KEINE MACHT DEN DOOFEN
    von Michael Schmidt-Salomon:

    In den meisten Ländern der Welt ist der Grad der religiotischen Durchseuchung um ein Vielfaches höher als im weitgehend säkularisierten Europa.
    Doch auch in unseren Breiten ist der Schaden, der aus der frühen Infektion mit religiotischen Hirnwürmern entsteht, beträchtlich. So erzählt man Kindern oft schon im Kindergarten, spätestens jedoch ab der ersten Klasse den naiven “Backe-backe-Kuchen-Mythos” der biblischen Schöpfungsgeschichte, enthält ihnen aber die damit im Widerspruch stehenden Erkenntnisse der Evolutionsbiologie vor. Wenn überhaupt, so werden Schülerinnen und Schüler in Deutschland erst im zehnten Schuljahr eingehender mit dem Thema “Evolution” konfrontiert, bis dahin jedoch haben sich kreationistische Vorstellungen in ihren Köpfen längst verankert.

    Fragen Sie sich selbst:
    Müsste es nicht genau anders herum sein?
    Müssten wir den Kindern nicht erst einmal vermitteln, was wir mehr oder weniger gesichert über die “Natur der Dinge” wissen (Evolution), bevor wir fragwürdige Weltdeutungen (etwa die Schöpfungslehre) an sie herantragen, deren Problematik sie gar nicht abschätzen können, da ihnen dazu das notwendige Grundwissen fehlt?

    Und weiter:

    Sucht man nach der Ursache für den “betrübenden Kontrast zwischen der strahlenden Intelligenz eines gesunden Kindes und der Denkschwäche des durchschnittlichen Erwachsenen” – hier wird man fündig.

    Ich möchte weitere Indoktrinationen erwähnen.
    Im zarten Kindesalter hören unsere Kleinen und Schüler solche giftigen Sätze:
    ”Ich bin ein eifersüchtiger Gott.”
    ”Ich bin ein strafender Gott.”
    ”Jesus ist für deine Sünden am Kreuz gestorben.”
    Der letzte Satz ist doppelt infam, weil er Schuldgefühle erzeugt und den Opfergedanken in die jungen Seelen träufelt.
    Dabei sollten die christlichen Theologen wissen, dass Opfer und Schuld einerseits und Liebe andererseits sich gegenseitig
    ausschließen.

    Fazit:
    Kindergärten und Schulen in kirchlicher Trägerschaft gehören generell abgeschafft.
    Desgleichen der Religionsunterricht an unseren staatlichen Schulen.
    Er ist Gift für Seele und Geist.

    Mit freundlichen Grüßen
    Jürgen R.

  19. Lieber Herr Müller,

    da auch ich mich sehr aufgeregt hatte, habe ich heute eine Mail an die Kontaktadresse der ARD verfaßt, und auch bereits eine  – natürlich nichtssagende – Antwort erhalten. Diese möchte ich Ihnen nicht vorenthalten.

    Herzliche Grüße
    Wolfgang F.
    Bad Camberg

    ++++
    Gesendet: Donnerstag, 14. März 2013 16:15
    Von Wolfgang F.
    An: Zuschauerredaktion
    Betreff: Bereich: Fernsehen

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    was war das gestern Abend zur Hauptsendezeit denn für ein Trauerspiel? Anstelle von Tagesschau und anschließend, wie angekündigt, zum letzten Mal BLOCH, bringen Sie erst einmal eine stundenlange Sondersendung zur Papstwahl, mit uninteressanten Interviews zu Kuttenträgern die ich nicht kenne und nicht kennen lernen will. Bringen Sie das doch in BIBEL TV, aber nicht im – auch von mir mitfinanzierten – öffentlich-rechtlichem Fersehen. Und das noch auf beiden Kanälen, also ARD und ZDF. Und noch nicht einmal ein zarter Hinweis: “Die nachfolgenden Sendungen verschieben sich um ca….”. Leider konnte ich nicht ausschalten, daß meiner Frau und mir der BLOCH – als letzter vor dem Tod von Dieter Pfaff – wichtig war, und es keinen Hinweis auf die Anfangszeit gab.

    Also, Sie bringen eine Sendung zur Wahl des neuen “Capo di tutti capi”, des Chefs also einer Organisation, die kräftig von sich Reden macht durch Frauenfeindlichkeit und Mitgliedschaft von Kinderschändern. Diese Orga wird mit finanziert durch die Vatikan-Bank, lt. OECD eine Geldwaschanlage für Maffiosi und Drogenbosse, verstrickt im internationalen Waffenhandel und anderen finsteren Geschäften. Was darf ich noch erwarten – Sondersendungen, wenn irgend ein Mufti gewählt wird, LIVE-Übertragung aus dem Kanzleramt zu Muttis 60.?

    Ich bin konfessionslos, will dies auch bleiben und als solcher mit anderen gemeinsam auch berücksichtigt werden, und nicht von Gottlieb und Co. mit Hofschranzen-Berichterstattung zugemüllt werden.

    Mit nicht ganz freundlichen Grüßen
    Wolfgang F.
    Bad Camberg
    ++++

    Antwort der ARD:

    ——– Original-Nachricht ——–
    Betreff:     AW: Bereich: Fernsehen
    Datum:     Thu, 14 Mar 2013 15:17:58 +0000
    Von:     Zuschauerredaktion

    Guten Tag, Herr F.,

    vielen Dank für Ihre beiden E-Mails. Wir bedauern Ihre Unzufriedenheit mit unseren Beiträgen zur Papstwahl sehr.

    Wer um 20 Uhr die Hauptausgabe der “Tagesschau” einschaltet, erwartet selbstverständlich einen Überblick über die wichtigsten Ereignisse des Tages. Ob es im eigenen oder in anderen Programmen ausführliche Live-Übertragungen eines Ereignisses gab, darf dabei keine Rolle spielen.

    Aus der Fülle der täglichen Meldungen die wichtigsten Nachrichten auszuwählen, ist eine der zentralen Aufgaben der Redaktionen. Die begrenzte Sendezeit zwingt zur Beschränkung. Die Kriterien der Nachrichtenauswahl lassen sich mit den Begriffen Relevanz, Neuigkeitswert und vermutliches Zuschauerinteresse umschreiben. Feste Regeln, die sich griffig formulieren ließen, kann es dabei natürlich nicht geben. Ausbildung, Sachkenntnis und ein breites Hintergrundwissen helfen den Redakteurinnen und Redakteuren aber bei Auswahl und Gewichtung der Themen.

    In oft jahrzehntelanger Erfahrung haben sie so ein sicheres Gespür für den “Nachrichtenwert” einer Meldung entwickelt. Zudem ist die Nachrichtenredaktion so organisiert, dass die Nachrichtenauswahl nicht in den Händen eines einzelnen Redakteurs liegt, sondern in großen Konferenzrunden besprochen und oft auch kontrovers diskutiert wird. Auf diese Weise wird ein Konsens erzielt.

    Wenn der Papst, das Oberhaupt von mehr als einer Milliarde Katholiken, neu gewählt wird, halten es die ARD-Programmverantwortlichen für ihre selbstverständliche Pflicht, über dieses, die ganze Welt bewegende Ereignis, aktuell und ausführlich zu berichten. Dies erfolgt in “Tagesschau”, “Morgenmagazin”, “Mittagsmagazin”, “Tagesthemen” und “Nachtmagazin” und – je nach Ereignis rund um die Papstwahl – auch durch Sondersendungen.

    Doch nicht nur der Programmauftrag, auch das Zuschauerinteresse rechtfertigen solche Sonderberichterstattungen: rund 10,5 Millionen Menschen verfolgten in Deutschland gestern die Sondersendungen des Ersten und des ZDF. Um 20:25 Uhr sahen dann 22,62 Mio. (Zahl beinhaltet Das Erste, ZDF, RTL, WDR, BR, n-tv, PHOENIX, N24) Zuschauer den ersten Papst-Auftritt. Auf Twitter gab es zum Höhepunkt der Papstbekanntgabe 130.000 Mitteilungen der Nutzer zum Thema pro Minute.

    Wir bedauern, dass es diesmal keine Laufschrift gab, aber bei solch einem Ereignis ist leider nicht voraussehbar, wie lange es dauert. Ihre Anmerkung haben wir für die zuständige Stelle protokolliert.

    Mit freundlichen Grüßen

    Mandy Schäfer

    Erstes Deutsches Fernsehen
    Programmdirektion
    Zuschauerredaktion Das Erste
    Postfach 200665
    80006 München
    Tel +49 89 5900 3344
    Fax +49 89 5900 4070
    E-Mail: Info@DasErste.de
    www.DasErste.de

nach oben

Die NachDenkSeiten sind für eine kritische Meinungsbildung wichtig, das sagen uns sehr, sehr viele - aber sie kosten auch Geld und deshalb bitten wir Sie, liebe LeserInnen, um Ihre Unterstützung.
Herzlichen Dank!

Online spenden
Fördermitglied werden

Vorheriger Beitrag: Können Marktradikale und Nationalchauvinisten eine „Alternative für Deutschland“ sein?

Nächster Beitrag: Jubiläumsfeier für die Agenda 2010: Wenig Kritik und keine Empathie mit den Opfern