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10. Dezember 2016
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Leserbriefe zum Lokführerstreik und dem NDS-Eintrag vom 21.10.14

Veröffentlicht in: Arbeitsmarkt und Arbeitsmarktpolitik, Aufbau Gegenöffentlichkeit, Leserbriefe, Verkehrspolitik, Wichtige Debatten

Auf unseren Eintrag kamen viele kritische Leserbriefe und einige zustimmende. Wenn mit dem Eintrag vom 21.10 der Eindruck entstanden ist, die NDS würden am Sinn von Streiks im Allgemeinen und dem Lokführerstreik im Besonderen zweifeln, dann tut mir das leid. Mit Recht weisen einige Leserbriefschreiber/innen darauf hin, dass sich eine solche Einstellung auch nicht mit unserer Dauerwerbung für höhere Löhne vertrüge. Albrecht Müller.

Ich habe mich geäußert, weil ich Zeitpunkt und Umstände des Streiks am vergangenen Wochenende für unglücklich hielt und weil ich die verkehrspolitischen Folgen, d.h. die damit verbundene de facto-Werbung für den „Schienenersatzverkehr“ der privaten Fernbuslinien sah. Aber ich bin offen für die Argumente der Leserbriefschreiber/innen, diese meine Sorgen seien unangebracht.

Es folgt eine Sammlung der Leserbriefe:

Anmerkung unseres Lesers S.W.:

Sehr geehrter Herr Müller,
ich war überrascht, weil Ihre Replik plötzlich zu Ende war. Ich hatte eigentlich folgendes (auch noch) erwartet:

  • Sollen wir nur dann mit Streikenden solidarisch sein, wenn wir von deren Streik nichts bemerken (außer der Berichterstattung in den Medien) oder wir die Folgen leicht ertragen können (Amazon liefert eben 2 Tage später)?
  • Dürfen alle die Berufsgruppen nicht mehr streiken, denen es nicht möglich ist, mit ihren Streiks die ‚wirklich Verantwortlichen‘ zu treffen (bspw. wenn Lehrer und Schüler während der Unterrichtszeit gegen die Mißstände in der Bildung demonstrieren)?
  • Warum richtet sich der Unmut von Herrn Dodel gegen die Lokführer und nicht gegen die Leute, die die Lokführer derart schlecht bezahlen, daß sie sich für Streik entscheiden?

Auf jeden Fall ist es sehr erfreulich, daß ich als Leser der Nachdenkseiten nur über solche Kleinigkeiten stolpere. Als Quelle für wichtige Informationen aus der Gegenöffentlichkeit sind die Nachdenkseiten für mich unersetzlich.

Anmerkung unseres Lesers B.C.:

Ich habe die eMail des Lesers der NDS zum Lokführerstreik gelesen und muss sagen, da verstehe eigentlich ich die Welt nicht mehr. Wer sich aufregt, weil Lokführer streiken, aber dafür ist, dass Mitarbeiter bei Amazon usw. streiken dürfen, hat für mich überhaupt kein Demokratie- und kein gesellschaftliches Verständnis. D. h. ja, dass man dem gesamten öffentlichen Dienst das Streikrecht nehmen soll. Denn wenn der öffentliche Dienst streikt, ist immer irgendwie der „kleine Mann“ betroffen. Wenn die Einen streiken dürfen, dann dürfen das auch die Anderen. Nur so funktioniert Demokratie.

Anmerkung unseres Lesers T.F.:

Lieber Herr Müller,
Ihre Replik auf den einen Leserbrief, der sich kritisch zu den jüngsten Streiks und ihre Behandlung in den Nachdenkseiten geäußert hat, fand ich ziemlich merkwürdig und ruft nun auch auf meiner Seite entschiedenen Protest hervor. So geht es nun wirklich nicht, Herr Müller! Ich habe es nicht für möglich gehalten, dass ein so kluger Mann wie Sie gegenüber dem Mainstream einknickt und der allgemeinen Empörung über die Streikenden weitere Nahrung gibt. Offenbar haben Sie zu wenig über die institutionellen Grundlagen des Streikrechts nachgedacht. Lassen Sie mich dazu ein paar Worte sagen, wie sich die Sache aus meiner Sicht darstellt.
Wir leben in einer Gesellschaft, die uns von Geburt an mehr oder weniger zu Einzelkämpfern macht, sie ist geprägt von Konkurrenz und fundamentalen Interessengegensätzen. Dazu passt, dass die einzelnen Lohnniveaus von Einzelinteressen entweder festgesetzt oder im Rahmen von Verhandlungen durchgesetzt werden, wobei die Verhandlungspartner recht unterschiedlich viel Macht haben. Die herrschende Politik scheint nun immer mehr Einzelinteressen zu bedienen und nach dem Prinzip „divide et impera“ zu verfahren. Auch eine Errungenschaft wie das Streikrecht ist nach diesem Prinzip konstruiert, auch wenn man sich allgemein dieser Nähe wenig bewusst zu sein scheint. Wer heute streikt, tut dies immer auf Kosten von anderen, die durch den Streik behindert werden und nicht für das beanstandete Lohnniveau direkt verantwortlich sind. Wir erleben dann regelmäßig, wie durch die Medien die eine Gruppe der Streikenden gegen die anderen, die nichts für den Streikgrund getan haben, aber trotzdem betroffen sind, ausgespielt werden. Der Markt funktioniert im übrigen tendenziell als Streikbrecher, was man sehr schön am jüngsten Lokführerstreik sehen kann, wo verstärkt die billigen Fernbusse anderer Unternehmen zum Einsatz kamen. Das begrenzt natürlich die Wirksamkeit von Streiks. Es gibt Berufe, die eine relativ hohe Verhandlungsmacht haben, weil sie kurzfristig hohen Schaden anrichten können und kaum ersetzt werden können wie etwa Piloten und es gibt andere, die eine ungleich geringere Verhandlungsmacht haben. Das Problem scheint mir eher zu sein, dass viele Menschen gar nicht erst in die Lage kommen, überhaupt streiken zu können.
Die Lösung für die hier anstehenden Probleme kann nicht darin bestehen, dass wir uns dem Mainstream irgendwie anschließen und uns über den angeblichen „Zynismus“ von Streikenden aufregen. Wie, wann und wo Leute streiken hat uns solange nichts anzugehen, wie nicht unmittelbar Menschen massiv gefährdet werden. Der Zynismus steckt vielmehr im Prinzip „divide et impera“. Wir sollten uns besser Gedanken darüber machen, wie wir eine Kampfform entwickeln können, die dieses Prinzip schon im Ansatz überwindet. Wir können nicht alles irgendwelchen „Verhandlungspartnern“ überlassen, deren Macht, wie wir wissen, doch extrem ungleich verteilt ist. Eine gesetzliche Maßgabe, nach der sich die Löhne gefälligst dem Produktivitätsfortschritt anzupassen haben, wäre das Mindeste, das wir anstreben sollten. Eine Debatte über geeignete Kampfformen ist längst fällig, findet aber in den Nachdenkseiten noch nicht statt.

Anmerkung unserer Leserin J.D. (aus Frankreich):

Aus dem Blickwinkel des streikerprobten Frankreichs hier einige Anmerkungen :
Gibt es Streiks speziell im Transportwesen die den « kleinen Mann » nicht berühren? Die altbekannten Argumente zum Urlaubsbeginn wurden ja gerade wieder aufgewärmt, zu normalen Zeiten kommt dann das Register des Langzeitarbeitslosen der sein lang erhofftes Interview für einen Job verpasst: Konkurrent war vor ihm da, war nicht auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, also aus und vorbei für ihn. Des weiteren die alleinerziehende Mutter, die ihren 3,5-Euro-Job beim Supermarkt zu verlieren droht weil sie nicht pünktlich zur Ladenöffnung erscheint, der Student mit Stipendium der seine nicht nachholbare Prüfung verpasst und sein Bafög verliert kurz, auch hier alles schon gehört und gelesen. Auch sehr beliebt: die „Geiselnahme“ des Publikums, was wohl die wahren Geiseln von diesem Sprachgebrauch halten?
Gibt es Streiks die den «grossen Mann» berühren ?
Mir ist nur einer aus jüngster Vergangenheit in Erinnerung und zwar waren dies die Küchenhelfer der Pariser Starköche, Immigranten ohne Aufenthaltspapiere, ohne Versicherungsschutz, ohne Arbeitsschutz, aber ungeheuer wichtig damit die Geschäftsessen stattfinden können. Was hatten sie bewirkt? Ersteinmal die Tatsache in die öffentlichkeit bringen dass Starköche Illegale in grossem Umfang beschäftigen. Interessant. Und dass sie sie unbedingt brauchen. Also hat man im Endeffekt eine Klausel gefunden, die eine Regularisierung «à la carte» erlaubt nach dem Motto: Erst mal zeigen was du kannst , dann sehen wir mal was wir für dich tun können. Da brökelt die stolze Devise „Liberté – Egalité – Fraternité“ noch ein gutes Stück mehr von den Fassaden der Rathäuser und Stadtpaläste!
Gibt es Streiks die niemanden interessieren ?
Ja, leider! Hebammen, Altenpfleger, Sozialarbeiter, Küchenhilfen, Bauarbeiter, Kanalarbeiter, Gebäudereiniger, Laborhilfen usw.
Auch Streikende erleiden Verluste, hauptsächlich Lohn-und Einkommenseinbussen, aber auch mögliche Jobnachteile. Das macht man nicht so leichtfertig und selten werden die durch den Streik erlittenen Nachteile kurzfristig wieder wettgemacht.
Fazit : Niemand geht in den Streik um seinen Mitmenschen grösstmöglichen Schaden zuzufügen. Es gibt Streik wenn alle anderen Möglichkeiten nichts bringen. und dann braucht er grösstmögliches Echo in der Öffentlichkeit. Und da sind wir bei den NDS: Welche öffentlichkeit ?

Anmerkung unserer Leserin H.G.:

Sehr geehrter Herr Müller,
es ist nicht nur unerfreulich, wenn es am Wochenende passiert, sondern ebenso, wenn es in der Woche passiert, denn da muss ich dem Leserbriefschreiber vollkommen recht geben. Ich als ALG-II-Empfängerin ohne Führerschein, bin auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Zur Zeit arbeite ich auf 450 Eurobasis in Hamburg und erreiche meine Arbeitsstelle nur über die Bahn und S-Bahn.
Aber damit noch nicht genug. Jedes Mal, wenn es bei der Bahn zu einem Streik gekommen ist und in den Verhandlungen dann ein Kompromiss gefunden wurde, sind die Fahrpreise gestiegen. Die Bahn hat die Fahrpreiserhöhung schon jetzt angekündigt. Sie trifft diesmal nicht den Fernreiseverkehr, da sie dort die Konkurrenz der Fernbusse fürchten müssen, nein, diesmal trifft es wieder mal den „kleinen Mann“, denn die Preise des Nahverkehrs werden erhöht werden.
Wir Menschen, die auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind, trifft der Streik also doppelt. Obwohl wir eigentlich die Menschen sind, die durch die Nutzung des Nahverkehrs die Straßen und die Umwelt entlasten und keine Parkplätze besetzen, werden wir dafür noch bestraft. Je teurer die Tickets werden, desto weniger Service dürfen wir Fahrgäste erwarten, denn dieser wird immer weiter zurückgefahren. Können ältere Menschen die Ticketautomaten nicht mehr bedienen, müssen sie ihre Fahrkarte teuer am Serviceschalter kaufen. In den Nahverkehrszügen ist nicht viel Platz für Gepäck, der frühere Service, Fahrkarten auch im Zug kaufen zu können, wurde abgeschafft für den Nahverkehr, immer mehr Kleinbahnhöfe werden still gelegt, etc. pp.
Ich bin eine Vielfahrerin der DB und kann somit gut beurteilen, wie es darum steht.

Anmerkung unseres Lesers J.K.:

Hallo liebes Nachdenkseiten-Team,
es ist nicht meine Art Kommentare abzugeben, aber der Beitrag von Albrecht Müller am 22.10 hat mich richtig erbost:
Beim Lokführerstreik wird der „kleine Mann“ getroffen, weil Herr Dodel mit der Bahn fährt, während ein Streik bei Amazon oder beim Zivilpersonal des US-Militärs gut ist, weil Herr Dodel nichts mit ihnen zu tun hat? Das ich mein Paket von Amazon nicht bekomme stört Herrn Dodel nicht, weil er dort nicht kauft und es ihm auf gut deutsch „am Arsch vorbei geht“ ob ich leide? Dieser Egoismus in der Feigheit ist verachtungswürdig! Stattdessen macht Herr Müller noch einen Kniefall davor.
Herr Dodel und alle Anderen „Gestrandeten“ sollten stattdessen den Bahnvorstand verklagen und sich nicht wie an deutschen Flughäfen mit Feldbetten zufrieden geben, sondern ins 3-Sterne-Hotel ziehen und anschliessend die Rechnung dem Vorstand schicken. Damit würde dort Druck ausgeübt wo die Unterdrückung gerechtfertigter und lange überfälliger Forderungen her kommt.
Das ist wie mit einem Müllabfuhrstreik im Sommer, wenn es schön stinkt. Ich ärgere mich nicht über die müllmänner, sondern über den unfähigen Vorstand der mich in diese Lage bringt.
Ein bischen mehr Solidarität mit den Kämpfern würde unserem Volk nicht schaden.

Anmerkung unseres Lesers O.B.:

Also, DAS ist mir echt unverständlich!
Man jammert rum, wenn’s um die eigene Position als „kleiner Mann“ geht.
Aber die Solidarität mit anderen endet, sobald es um den eigenen Wochenendurlaub geht.
Kein Wunder, daß der „kleine Mann“ auch weiterhin und zunehmend Grund hat, die eigene Position zu bejammern, wenn diejenigen, die sich noch dafür einsetzen, daß ihre Position nicht immer schlechter wird, erst dann in den Kreis der „Opfer“ mit aufgenommen werden, wenn sie selbst zum Prekariat gehören.
Streik am Wochenende, wo man mit der Familie eine Reise machen will?
Nein, unverfroren.
Streik im Laufe der Woche, wo man zur Arbeit fahren will?
Nein, unverfroren.
Eine Zeit für den Streik, wo keiner von betroffen ist?
Ja, so soll es sein.
Dann kann man das Streiken also auch gleich sein lassen.
Diese Art von „Neiddebatte“, wie sie in dem Leserbrief zum Vorschein kommt, die dient letztlich nur der Verschlechterung der eigene Position des „kleinen Mannes“.
Das ist genau der Grund, wieso der „kleine Mann“ immer mehr Grund hat, jammern zu können.
Aber man will eben nur die eigenen Problemchen bejammern.
Sorry für solche Art von Pseudeo-Engagiertheit habe ich null Verständnis.

Anmerkung unserer Leserin U.W.

Liebe Nachdenkseiten, sehr geehrter Herr Müller,
nach meiner Meinung dient die Mail von Peter Dodel der notwendigen Darstellung von differenten Meinungen, die diskutiert werden sollen und müssen. Sie dient meiner Meinung nach aber nicht (Zitat AM) „so gesehen der in diesem Fall notwendigen Balance“. Ich bin auch nicht der Meinung, dass eine „differenzierte Betrachtung dieses Vorgangs“ (Lokführerstreik) notwendig ist in dem Sinne von AM. Differenzierte Betrachtung dieses Vorgangs mit der notwendigen Balance würde für mich bedeuten, dass man ausführlich die Öffentlichkeit über die Hintergründe und Beweggründe dieses Streiks informiert, ohne sich über die damit einhergehenden Belastungen der Bevölkerung „differenziert“ Gedanken zu machen. Natürlich gehen damit Belastungen einher und zwar nicht zu knapp. Schade, dass es zu diesen Belastungen kommt, aber die Frage ist, warum es dazu kommt. Ich bin allgemein der Überzeugung, dass sich Streikende im Vorfeld sehr wohl selbst die notwendigen Gedanken machen, was vertretbar ist und was nicht. Wem dient es wohl, wenn dieses Verantwortungsgefühl den Streikenden abgesprochen und der Bewertung von aussen zugesprochen wird.
Ich bin den Nachdenkseiten für die wohltuende Gegeninformation in diesem Dschungel der allgemeinen manipulativen Berichterstattung sehr dankbar.

Anmerkung unseres Lesers H.M.:

Liebe NDS-Macher,
warum sollen die Lokführer nicht streiken dürfen? Sie sollen dürfen? Wann? Nachts zwischen 0:00 und 2:00? Wenn es niemand weh tut und es niemand merkt?
Der Kinderglaube, den Amazon-Besitzern schmerze der Streik ihrer Mitarbeiter, ist naiv. Warum soll der Amazon-Streik in Ordnung sein, dagegen der der Lokführer nicht? Sie finden immer jemanden, und unsere Mainstreammedien erst recht, warum man jetzt gerade nicht streiken darf.
Zum Beispiel gibt es sicher Amazon-Junkies die gefährliche Entzugserscheinungen bekommen, wenn sie nicht täglich ihr Amazon-Päckchen ausgeliefert bekommen.
Auf der Zielgeraden im Kampf um die Marktkonforme Demokratie werden die Bandagen mit denen gekämpft, wird immer härter. Da gilt es, dagegen zu halten.

Anmerkung unseres Lesers U.D.:

Sehr geehrter Herr Müller,
Ihr Kommentar zu dem Leserbrief des Herrn Dodel geht m.E. an der eigentlichen Problematik vorbei. Es ist nicht die Frage, wie viele alleinerziehende Mütter oder gebrechliche Alte von einem Streik betroffen sind, sondern ob der Streik der Lokführer berechtigt ist oder nicht. Die GDL will explizit einen Tarifpluralismus durchsetzen und strebt die Realisierung ihrer Forderungen ausschließlich für ihre Mitglieder an, so Herr Weselsky. Ich lese leider von keinerlei Überlegungen, was die Folgen einer solchen (im Sinne der GDL) erfolgreichen Strategie wären, wenn sich in Zukunft mehrere kleine Spartengewerkschaften gegenseitig in ihren Forderungen überböten, um an Attraktivität zu gewinnen? Können die Arbeitnehmer insgesamt von einer solchen Strategie profitieren oder nur die, die an den entscheidenden „Schalthebeln“ sitzen? „Einigkeit macht stark“ wird abgelöst durch: „Soll jeder doch für sich kämpfen“. Die Übernahme des Konzepts eines brutalen und egoistischen Wettbewerbs bei der Vertretung von Arbeitnehmerinteressen förder die weitere Zerbröselung eines gesellschaftlichen Zusammenhangs und schadet langfristig allen abhängig Beschäftigten.

Anmerkung unseres Lesers H.S.:

Beide Kommentatoren kritisieren die Terminierung des letzten Lokführerstreiks. Stellt sich die Frage welcher Termin denn der richtige währe. Ein Streik in der Nacht, wenn alle schlafen ist offensichtlich wirkungslos. Natürlich muss ein Streik die größtmögliche Wirkung entfalten. Jeder Streik hat “Fernwirkungen” auf die Bevölkerung, hier nur sehr direkt spürbar. Neben dem aufgebauten wirtschaftlichen Druck ist eine öffentlichkeitswirksame Streikführung zwingend notwendig.
Es hilft nicht (frei nach Brecht) in einem Boot aufs Meer hinauszufahren und die Welt anzuklagen.

Anmerkung unseres Lesers H.S.:

Sehr geehrter Herr Müller,
die NDS, die schon lange für mich zur täglichen Pflichtlektüre gehören, sind auch Diskussionsforum und damit gibt es glücklicherweise keine einheitliche Meinung zu den diversen Themen, wenn auch einen vereinheitlichenden Diskurs.
Beim Thema Streik im Dienstleistungs-Sektor ergeben sich die widersprüchlichen Positionen z.T. aus der Sache selbst und diese Widersprüche sind leider auch nicht einfach lösbar.
Bei der Dienstleistung fallen – im Unterschied zur Warenproduktion – Produktion und Konsum d.h. Nutzung unmittelbar zusammen. Ein Streik im Dienstleistungs-Sektor ist damit immer(!) sofort wirksam, trifft aber als erstes die Nutzer. Erst in zweiter Linie wird der eigentliche Adressat (das Unternehmen) durch finanzielle Verluste getroffen.
Wichtig ist aber vor allem auch der Druck, der durch die Unzufriedenheit und Proteste der Kunden an das Unternehmen gerichtet wird. Es macht also keinen Sinn, in den Streik zu treten, wenn möglichst wenige potentielle Nutzer betroffen sind.
Auf den NDS-Seiten wurde ja richtig dargestellt, daß im Falle des GDL-Streiks die Phalanx der regierenden Parteien in schönster Einigkeit mit BildSpiegelARDundZDF etc. in der heute üblichen Kampagnenmanier (ich nenne das Propaganda) die Schuld an den durch den Streik entstehenden Problemen der Gewerkschaft zuschreiben, nicht zuletzt mit dem Ziel, das Streikrecht überhaupt zu demontieren. Den Lokführern wird eine Arbeitspflicht unterstellt, egal unter und zu welchen Bedingungen. Der desaströse Zustand des profitorientierten Unternehmens Bahn, Entlohnung und Arbeitsbedingungen der Angestellten etc. ist für diese Propaganda natürlich kein Thema.
Ziel dieser Propaganda ist es vor allem, die Stoßrichtung der Unzufriedenheit und Probleme der vom Streik Betroffenen statt gegen die Verantwortlichen in Politik und Unternehmen gegen die Streikenden zu lenken – das scheint zu gelingen. Schade, wenn diese Stoßrichtung auch auf den NDS greift.
Die „Streikopfer“, deren Probleme ja wirklich zu beklagen sind, sind Opfer einer schon länger praktizierten Politik der Privatisierung der Bahn und des damit einhergehenden Personalabbaus, der sich auf Löhne, Sicherheit und Service verheerend auswirkt und nicht der Streikenden, die selbst Opfer dieser Politik sind.
Werfen Sie bitte die von Ihnen beklagten „ Mütter mit kleinen Kindern und gebrechliche alte Menschen“, die angeblich unter dem Streik „besonders leiden“ (dieser spezielle Fokus bzgl. der Streikopfer ist ja Teil der Meinungsmache) den Verantwortlichen bei Politik und Bahn vor.
Ein kleiner (zynischer) Ausblick zum Schluss: der nächste schwere Unfall mit Toten und Verletzten bei der Bahn wird dann von Politik und Medien als „menschliches Versagen“ qualifiziert werden.
Hat der Lokführer doch einfach was falsch gemacht…

Anmerkung unserer Leserin M.G.:

Hallo Herr Müller,
ich verstehe den Ärger von Herrn Dodel sehr gut – auch ich hätte wahrscheinlich als Betroffener für einen Moment schwer geflucht.
Aber: Die Streikenden haben in meinen Augen nicht zynisch gehandelt, sondern mit der Wahl ihres Streiktermins auf etwas aufmerksam machen wollen, was in diesem Land fehlt. Nämlich die uneingeschränkte Solidarität aller arbeitenden Menschen über ihre egoistischen Interessen hinaus!
Wenn wir nicht aufwachen und uns in Solidarität zusammen schließen, dann werden wir eine Zeit erleben, in der niemand mehr in den Ferien verreisen wird, weil ihm das Geld dazu schlichtweg fehlt.
Niemand wird mehr pendeln, weil es keine Arbeit mehr gibt, zu der man pendeln müsste.
Niemand wird mehr einen Arzt aufsuchen können, weil das Gesundheitssystem kaputt gespart wurde.
Es gibt da ein Sprichwort: Außergewöhnliche Umstände benötigen außergewöhnliche Maßnahmen.
Und die außergewöhnlichen Umstände nehmen in diesem Land und weltweit mit jedem Tag zu.
Außergewöhnliche Maßnahmen tun weh, sonst wären sie ja nicht außergewöhnlich.
Ich erinnere noch einmal in diesem Zusammenhang an eine Feststellung aus der Psychologie: Die meisten Menschen lernen erst durch Schmerz und/oder Verlust.
Die Zeiten, die auf jeden von uns zukommen, werden schmerzhaft sein.
Schmerzhafter als das, was viele durch so einen Streik erfahren haben.

Anmerkung unseres Lesers R.R.:

Hallo NachDenkSeiten,
wie wäre es, insbesondere Bahnstreiks auch als ein „Aufwecken“ der Bevölkerung, einem „Entmatrixen“ aus der alltäglichen Lethargie zu verstehen. Der Sinn eines Streikes ist ja nicht nur, den eigenen Arbeitgeber zu zwingen, für bessere Arbeitsbedingungen oder Entlohnung zu sorgen, sondern die Allgemeinheit oder die Politiker auf Missstände hinzuweisen. „Houston, wir haben ein Problem“. Nichts anderes ist ein politischer (General)Streik, welcher alle Bereiche des alltäglichen Lebens zum Stillstand bringt.
Leider hält sich die Solidarität mit Streikenden jedweder Couleur in unseren Breitengraden in Grenzen. Sie werden als störend für den alltäglichen Ablauf wahrgenommen und nicht als individuelles demokratisches Machtinstrument gegen die Mächtigen.
Menschen leiden unter vielerlei „Sanktionen“, überall auf der Welt, tagtäglich. Wir aber fühlen uns in unserer Freiheit zu shoppen, in Urlaub zu fahren oder ein allwöchentliches Event wie ein Fußballspiel zu verpassen, bereits gestört, wenn dieses Hamsterrad an einem Wochenende im Jahr mal nicht funktioniert.
Wer sind wir, anderen höhere Löhne abzusprechen oder deren Forderungen als absurd abzutun, während wir selbst immer nach mehr Geld und Mammon gieren, und unsere Welt zu Tode konsumieren. Es sollte viel mehr solcher Ereignisse geben. Wenn die Masse nicht bereit ist, selbst für einen Downstream zu sorgen, müssen das eben andere oder ein Eyjafjallajökull tun. Letztlich wird doch nur noch eine Unterbrechung des Warenstroms oder der eigenen Mobilität in der Bevölkerung wahrgenommen. Und damit halten Bahner und Piloten eine wundersame „Waffe“ in ihren Händen…

Anmerkung unseres Lesers B.P.:

Sehr geehrter Herr Müller,
ich bin 23 Jahre alt und lese die Nachdenkseiten seit nunmehr 8 Jahren täglich. Durch Ihren heutigen Artikel mit dem Kommentar von Herrn Dodel fühle ich mich aber zum ersten Mal gezwungen, deutlich den Aussagen eines Ihrer Artikel zu widersprechen.
Der Zweck eines Streiks ist doch immer, die Öffentlichkeit darauf aufmerksam zu machen, wie es wäre, wenn eine bestimmte Tätigkeit eben nicht so verrichtet wird, wie es gewöhnlich der Fall ist. Bei einem Lokführerstreik trifft dies nunmal zwingend die Bahnfahrer. Dies ist eine – durchaus beabsichtigte – Nebenwirkung. Dass es den Bahnvorstand oder die „Wirtschaftsbosse“ nicht selbst trifft, ist wahrscheinlich sogar richtig. Dasselbe gilt aber auch für einen Streik bei amazon, den Herr Dodel im Gegensatz zu einem Bahnstreik als legitim erachtet. Denn getroffen wird davon nicht Jeff Bazos persönlich – die Kunden zahlen in der Regel direkt mit der Bestellung – sondern die amazon-Kunden. Mit der kruden Argumentation von Herrn Dodel können wir uns bei den absehbaren – von ver.di doch absichtlich in die Vorweihnachtszeit gelegten – Streiks bei amazon schon bald auf Berichte über verzweifelte Kinder freuen, deren Weihnachtsgeschenk wegen des Streiks nicht rechtzeitig unter dem Tannenbaum gelegen hat. Damit wäre das Verständnis für solcherlei Streiks bei amazon wohl auch schnell dahin.
Im übrigen freue ich mich schon auf die baldigen Berichte, in denen die Journalisten über ihre seit Jahren schrumpfenden oder stagnierenden Gehälter lamentieren. Ob sie dann eventuell mal einen Bezug zwischen Durchsetzungskraft der Arbeitnehmerseite im Jounalismus und ihrem Gehalt herstellen können und das am Ende sogar auf alle Berufsgruppen generalisieren können? Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Anmerkung unseres Lesers J.W.:

Lieber Herr Müller,
um es vorwegzuschicken: ich bin kein Lokomotivführer, ich verstehe aber, dass Lockführer, wenn sie überhaupt streiken, immer auch alte Leute, Mütter mit kleinen Kindern oder auch mich treffen. Vielleicht hat ja jemand eine Idee, wie man das anders organisieren kann. Dann soll er die bitte nennen.
Wäre es für mich lästig, vom Lockführerstreik direkt betroffen zu werden? Ganz sicher. Würde ich mich ärgern, wenn ich aufgrund eines Streiks auf einem Bahnhof stranden würde? Sehr wahrscheinlich ja. Verstehe ich trotzdem, dass Lockführer streiken? Ja.
Sollten Erzieherinnen am besten in den Ferien streiken, weil sonst vor allem Kinder und deren Eltern betroffen sind? Oder sollen sie warten, bis alle Kinder erwachsen sind?
Die Metaller habens da leichter, weil Konsequenzen ihres Streiks den größten Teil der Bevölkerung eher zeitversetzt treffen. Also nur noch streiken, wenn es nicht so direkt stört? Aber wann ist es denn wem genehm?
Ich kann nicht folgen, wenn jemand zwar für das Streikrecht ist, aber nicht, wenn dann Lokomotiven stehen bleiben.
Sie deuten an, dass ein Streik außerhalb der Ferien günstiger sein könnte. Aber sicher nicht für Berufspendler.
Das Dilemma kann ich verstehen. Ihre Bewertung (zynisch) ist mir in diesem Fall aber etwas zu einfach.

Anmerkung unseres Lesers W.F.:

Liebe Nachdenkseiten Redaktion,
der Leserbrief von Herrn Dodel und der Kommentar von Albrecht Müller rufen bei mir doch den Wunsch nach einer Erwiderung hervor.
Richtig bei der DB AG (wie im gesamten öffentlichen Dienst) leiden bei einem Streik nicht deren „Bosse“. Es leidet immer der Kunde, der Bürger.
Aber kann das bedeuten, dass der öffentliche Dienst nicht streiken darf zur Durchsetzung der Forderungen der Beschäftigten?
Oder wie sollen Beschäftigte im öffentlichen Dienst Druck machen für ihre Forderungen ohne damit dem „kleinen Mann“ zu schaden.
Da hier nicht der ökonomische Druck (Produktions- und Einnahmenausfall) eine Rolle spielen, geht es wohl nur über den politischen Druck.

Anmerkung unseres Lesers T.W.:

Liebes Nachdenkseiten Team:
So sehr ich es schätze, wenn verständnisvoll mit Leserzuschriften umgegangen wird, für die Zuschriften gegen den GDL Streik, daß doch nur die kleinen Leute betroffen sind, fehlt mir jedes Verständnis.
Da werden von Propaganda-Opfern, die sich zu Recht als Opfer fühlen, aber den Grund Ihrer Misere aus den Augen verloren haben, krude Halbwahrheiten runtergebetet, die täglich, wie gerade im Moment auf WDR3 „Aktuelle Stunde“, propagiert werden.
Zur Problemklärung:

  1. Die GDL hat ein Recht zu streiken. (Punkt)
  2. Ein Streik, den keiner merkt, ist kein Streik. (Punkt)
  3. Der „kleine Mann“ war immer schon Leidtragender jedes Streiks, ob im Bergbau der 50er, der Metall- und KFZ-Industrie oder in den 70er und 80er Jahren bei der ÖTV. In einer solidarischen Gesellschaft kein Problem.
  4. Der „Neid“ auf die Streikenden kommt vermutlich aus der Ohnmacht und Hilflosigkeit breiter Arbeitnehmerschichten die weder ein abgesichertes Streikrecht noch eine angemessene Vertretung beim DGB findet, und so weder streiken noch angemessen für einen gerechten Lohn kämpfen kann.
  5. Von den Nachdenkseiten hätte ich nicht erwartet, den Zeitpunkt des Streikes als „zynisch“ zu bezeichnen, sondern zynisch sind die Krokodilstränen der DB-Sprachrohre die plötzlich den „Kunden“ für sich entdecken, der Ihnen sonst in vieler Hinsicht „am Ar… vorbei“ geht. Da werden weit unzureichende „Angebote“ gemacht und dann erwartet, daß die GDL brav einknickt. Das Spiel nennt sich „Schwarzer Peter“.
  6. Zu meiner Person: ich bin weder Bahnangestellter noch Gewerkschaftsmitglied. Ich war freier Grafiker, auf niedrigstem Einkommens-Niveau, seit 2010 insolvent, 3 Jahre Call-Center im technischen Service und nun ausortiert auf Hartz4 Niveau, mit 58 bekomme ich auf Bewerbungen nicht einmal eine Antwort.

Anmerkung unseres Lesers A.K.:

Sehr geehrte Herren,

  1. zum Streik der GDL, speziell zum Verhältnis GDL und EVG
    Gibt es Informationen zum Verhältnis der beiden Gewerkschaften?
    Was spricht gegen eine Vereinigung (außer dem Wegfall von Funktionärsposten) ?
  2. Zur Rolle der Gewerkschaften mit „Druckmitteln“
    Der Solidaritätsgedanke innerhalb der Gewerkschaften für das Schicksal anderer Berufsgruppen oder gar der Arbeitslosen scheint irgendwann abhanden gekommen zu sein. Jeder holt nur noch das Maximale für „seine“ Mitglieder heraus.

Die Gewerkschaften und Berufsgenossenschaften mit den besten Druckmöglichkeiten (Piloten, Metaller, Lokführer, Ärzte – auch wenn diese nicht in dieselbe Reihe gehören) holen das meiste heraus.
Ist der DGB als Dachverband heute mehr als ein Papiertiger? Müsste von hier nicht der Solidargedanke auch z.B. durch Solidaritätsmaßnahmen für Schwächere befördert werden?
Wäre ein „Gemeinschaftsgefühl“ der sogenannten Arbeitnehmer und ihrer Vertreter noch vorhanden, hätte es für die Einführung des Mindestlohnes erheblich mehr gewerkschaftlichen Druck gegeben…

Anmerkung unseres Lesers D.B.:

Lieber Herr Müller,
das kann doch nicht war sein. Nicht Sie auch noch.
Da haben wir unseren Mitleser Herrn Dodel, der sich um den kleinen Mann (offensichtlich meint er sich) beim Bahnstreik Sorgen macht und jammert, dass durch den Streik Fahrgäste belästigt werden.
Ja, na klar. Das ist u.a. Sinn, Zweck und Erfolg eines Streiks.
Wenn jetzt der Fahrgast, der kleine Mann oder Herr Dodel, ihren Verstand einschalten würden und ihren Ärger wegen dieser Unzulänglichkeiten gegen die Bahnverantwortlichen richteten und diese zu ernsthaften Verhandlungen auffordern würden, wäre alles in Ordnung.
Nicht Jammern ist hier die Parole, sondern Solidarität.
Diese Stuttgart 21 Erbauer lassen doch absolut nicht mit sich reden. Sie vertrauen auf die fehlende Solidarität des kleinen Mann und der Dodels, und hetzen zudem zusammen mit den Springerblättchen, einem großen Teil der Medien einschließlich öffentlichem Rundfunk und Fernsehen ohne Unterlass gegen die Gewerkschaft.
Der kleine Mann Dodel aber steht (wie immer, außer bei Amazon) natürlich nicht auf Seiten der streikenden Arbeiter, sondern jammert in jedes Mikrofon über sein schweres Los, dass die Bahn nicht fährt und sorgt sich „ernsthaft“ um Fahrschüler.
Tatsächlich besorgt er damit bereitwillig das Geschäft für die Bahnchefs, die Kanzlerin Merkel und Prinzessin Nahles, die die kleinen, effektiven Gewerkschaften, eh am liebsten ausschalten möchten.
Das alte, ewige Lied. Der „kleine Mann“ will immer seine Ruhe und ist selten solidarisch mit dem superreichen „kleinen Arbeiter“, der als Lokführer über ein tolles Nettogehalt von 1750,– Euro monatlich verfügt.
Ich weiß nicht, was Herr Dodel so treibt und verdient. Aber es ist ihm, seinem „kleinen Mann“ und dem lernbegierigen Fahrschüler zuzumuten, während des Arbeitskampfes für ein paar Tage im Monat Einschränkungen des Fahrplans hinzunehmen,
Der Hinweis Dodels auf die „Machtspielchen des Herrn Weselsky“ erscheinen mir im Übrigen wie aus dem Springer Blätterwald entsprungen.
Lieber Herr Müller, bitte keine weiteren Hilfsaktionen für Herrn Dodel. Dem wird schon durch die „Leidmedien“ genug geholfen.

Anmerkung unseres Lesers K.B.:

Sehr geehrter Herr Müller,
auf den heutigen NachDenkSeiten kritisieren Sie die Terminierung des Streiks der GDL. Ob das wirklich der „notwendigen Balance“ dient, wage ich zu bezweifeln. Auch wenn Sie differenzierter argumentieren, stützen Sie letztlich die Behauptung, es gäbe eine „Unzeit“ für Arbeitskämpfe. Gerne wird der „Knüppel aus dem Sack“ geholt, wenn öffentliche „Belange“ betroffen sind: Lokführer nicht in den Ferien; Lehrer nur in den Ferien; ErzieherInnen nur Nachts, wenn alle Kinder schlafen; KrankenpflegerInnen nie; Müllabfuhr nur am Wochenende, wenn eh kein Müllsack abzuholen ist …
Warum wird immer nur den Streikenden vorgeworfen, gegen die „Interessen des kleinen Mannes“ zu handeln, wie es ein NachDenkSeiten-Freund mailt. Warum nicht den Arbeitgebern, die sich stur den Belegschaften verweigern?
Nun wird dieser Arbeitskampf propagandistisch auch genutzt, um Stimmung für die Einschränkung des Streikrechtes zu schüren. Dass dabei Teile der „alten“ Gewerkschaften kräftig mitschüren, ist keine Entschuldigung. Das ist gegenwärtig die eigentliche Gefahr.

Anmerkung unseres Lesers H.S.:

Sehr geehrter Herr Müller,
dass Sie Verständnis für die Kritik dieses Herrn Dodel an dem Streik der Lokführer äußern, das befremdet mich gerade bei Ihnen schon sehr! Ich selbst komme aus der IG- Metall! Das war zu meiner Zeit die Gewerkschaft, die sich als Speerspitze der Arbeiterbewegung verstand, die inzwischen wie alle großen Gewerkschaften innerhalb des DBG zu zahnlosen Tigern degeneriert sind, mit der Ausnahme eventuell noch von Verdi!
Niemand streikt gern, was soll die Arbeitnehmerschaft aber machen, wenn seit der „Ära Kohl“ die Arbeitnehmerrechte latent „geschleift“ werden und „das Ende der Fahnenstange“ noch nicht einmal in Sicht ist?! Die Fragen an die GDL sollten all‘ diejenigen, die an ihr Kritik üben, auch dem Vorstand der DB AG., sowohl auch der Bundesregierung stellen! Wer so leichtfertig mit der Existenz sehr vieler Arbeitnehmerfamilien spielt, sie unisono in eine Ecke stellen will mit Vaterlandsverrätern, der muss sich über die Streiks der GDL und auch von Cockpit nun wirklich nicht mehr wundern.
Streiks sind immer schmerzlich, für die Arbeitnehmerschaft umso mehr, als für diejenigen, die meinen sich an ihr und ihren Familien jahrzehntelang hemmungslos bereichern zu können.
Besonders aber diese widerliche Meute der Medien, die landauf, landab eine Medienkampagne gegen die GDL und Cockpit glauben losstreten zu müssen, die alle kann ich nur noch abgrundtief verachten.
Mit Ausnahme der NachDenkSeiten kann man die versammelten „Mainstream- Medien“ doch getrost „in die Tonne kloppen“!

Anmerkung unseres Lesers M.M.:

Sehr geehrte Redaktion der Nachdenkseiten,
was mich in der Betrachtung der Bahnstreiks verwundert ist die Tatsache, dass hier nirgends das Thema „Daseinsfürsorge“ auftaucht. OK, dass dies weder bei privaten noch öffentlichen Leitmedien thematisiert wird ist klar, aber auch bei etwas individuelleren Medien (meist Blogs) taucht diese Betrachtungsweise eigentlich gar nicht auf.
Eigentlich gibt es für mich nur 2 Möglichkeiten:

  1. Der Öffentliche Personen Nah- und Fernverkehr gehört zur Daseinsfürsorge und muss daher mit allen möglichen und nötigen Mitteln vom Staat geleistet werden (siehe Behörden / Schulsystem / Infrastruktur / Energie-/Wasserversorgung / etc.). Streiks sollte es dann eigentlich nicht mehr geben
  2. Der Öffentliche Personen Nah- und Fernverkehr gehört nicht zur Daseinsvorsorge (allenfalls vielleicht die zugrundeliegende Infrastruktur / Schienennetz). Da darf dann aber auch kein Geschrei sein, wenn sich die Mitarbeiter über einen Streik bessere oder wie hier wohl eher zumindest gleichbleibende Bedingungen erkämpft. Daher sollte man dann die Schreihälse der oben genannten Medien eher mit folgender Formel konfrontieren: Wenn euch der Bahnverkehr so wichtig ist, dann plädiert doch für eine Verstaatlichung desselben.

Ich kann mich noch gut an Zeiten erinnern, als die „Bahner“ noch Bahnbeamte waren, da gabs so ein Geschrei nicht – und nach meiner Erinnerung gings auch den Bahnbeamten nicht so schlecht, dass sie für eine Scheibe Brot mehr streiken müssten. Mein Vater war übrigens noch Postbeamter, ein guter Bekannter von ihm Bahnbeamter.

Anmerkung unseres Lesers W.B.:

ich bin sehr dafür jedes Thema differenziert aufzubereiten, aber in einer Phase, in der alle Mainstreammedien und Thinktanks der Wirtschaft und Politiker dieser Republik das Streiken als Niedertracht, persönlich motiviert und wirtschaftsschädigend diskriminieren, muß ich mich hinstellen und sagen: Lokführer und Piloten, endlich gibt  es in Deutschland wieder Gewerkschaften, die für ihre Interessen kämpfen und nicht von vornherein die Waffen strecken. Ein Hoffnungsschimmer. Laßt uns von ihnen lernen. Nicht umsonst gibt es ja von allen Seiten die Pläne, gerade diesen Organisationen die Grundlagen zu entziehen. Wehren wir uns dagegen und unterstützen wir bedingungslos aber klug die Streiks der beiden Gewerkschaften.

Anmerkung unseres Lesers W.Z.:

bei dem Lokführerstreik, welcher derzeit geführt wird, erstaunt es mich doch sehr,
dass niemand auch nur ansatzweise das Chaos am Stellwerk Mainz vor knapp einem Jahr zu Sprache bringt. Ist es wirklich schon so lange her, als dass man diese Blamage der Deutschen Bahn bereits vergessen haben könnte? Da Internet ist voll von Artikeln zum Mainzer Stellwerk-Chaos, welcher nicht einmal ein Jahr her ist.
Sämtliche Mainstreammedien stürzten sich auf das Thema, buhten wie im Chor die Führung der Deutschen Bahn aus und suggerierten Verständnis und Mitleid für das überforderte Bahn-Personal… Und nun, wo gestreikt wird, haben wir da wirklich bereits diese Blamage der Deutschen Bahn von vor einem knappen Jahr vergessen? Ich würde mich freuen, wenn zumindest die Nachdenkseiten ihre Leser an diesen Vorfall, der kaum ein Jahr zurückliegt, und doch bereits vergessen zu sein scheint, erinnern würden.

Anmerkung unserer Leserin K.S.:

Ich las gerade folgenden Kommentar auf Ihren Seiten:
„Ich verstehe die NachDenkSeiten nicht mehr, wenn ich die Hinweise und Kommentare zum Lokführerstreik lese.“
…
“Ich teile die Kritik von Peter Dodel an der Terminierung dieses Streiks. So sehr ich für Streiks bin, die Auswahl dieses Termins an einem Wochenende und am Ende und Anfang von Ferien hat einen zynischen Charakter. Mütter mit kleinen Kindern und gebrechliche alte Menschen besonders leiden zu lassen, ist einfach albern.“
Ich hatte als Bahnkunde am vergangenen Wochenende viel ungeplante Zeit, mir darüber Gedanken zu machen und finde die Terminierung des Streikes nur folgerichtig: Unter der Woche sind besonders viele Reisende mit Zeitkarten unterwegs. Die Zeitkarten sind sowieso schon bezahlt. Die am Wochenende Reisenden aber kaufen meist Tickets speziell für diese eine Reise am Wochenende. Das gilt insbesondere zu Beginn und am Ende von Schulferien. Das bedeutet, dass ein Streik am Wochenende bei der Bahn tatsächlich zu Mindereinnahmen führt. Zudem zeigt ein Streik am Wochenende auch, dass es nicht erstes Ziel der GdL ist, die Berufspendler zu „bestrafen“.

Anmerkung unseres Lesers M.H.:

ich finde die Bemerkungen von Albrecht Müller im Beitrag „Ich verstehe die NachDenkSeiten nicht mehr, wenn ich die Hinweise und Kommentare zum Lochführerstreik lese.“ völlig falsch. Auf der einen Seite plädieren die NDS, incl. A.M. für höhere Löhne auf der anderen Seite richtet sich A.M. im Effekt gegen den Streik. Zum Einen sind Streiks nur wirksam, wenn sie nicht symbolisch sondern eben wirksam sind. Es ist ja gerade der Kern ein Streiks das er zu Störungen führt und Schaden anrichtet. Das unterstreicht gerade die Bedeutung der Arbeit, die die Streikenden sonst leisten. Während Topmanagern immer hohere Bezüge zu Teil werden, mit der Begründung, dass man ja die besten bräuchte, werden Arbeiter (insbesondere Transportarbeiter) oft genötigt oder gar gezwungen, Streiks abzubrechen. Ich freue mich auf den Tag an dem Manager in einen unbefristeten Streik treten, was wohl nie passieren wird. Die meisten Politiker scheinen Streiks nur zu akzeptieren, wenn sie ja keinen Schaden anrichten, d.h. wirkungslos und symbolisch bleiben. Das erinnert mich an Sonntagsgroßdemonstrationen: Solange alles friedlich bleibt und Montag brav zurück zur Arbeit gehen, ist Demonstrationsfreiheit eine feine Sache … die man nicht weiter beachten muss.
Andererseits ist es auf lange Sicht (insbesondere aus Sicht der NDS) wichtig, dass die Lockführer eine größtmögliche Lohnerhöhung bekommen. Das ist auch für die viel beschworenen „Frauen und Kinder“ wichtig. Denn je mehr Teile der Arbeiterklasse höhere Löhne erkämpfen, desto leichter ist es für andere Arbeiter ebenfalls Lohnerhöhungen zu erreichen und Erhöhungen von Sozialleistungen zu erwirken. Hinzu kommt Ihr keynesianistisches Nachtfrageargument.
Schließlich stellt sich mir die Frage wie denn die höheren Löhne, die immer wieder gefordert werden, denn praktisch erreicht werden sollen. Als Gnadenakt des Kapitals wenn die Arbeiter nur demütig genug darum bitten? Oder als Akt „großer Männer von Ehre und Gewissen“ in Politik und Wirtschaft? Wie das aussieht zeigt die Debatte um den Mindestlohn, die überhaupt nur nötig ist, weil die Arbeiter ideologisch auf dem Rückzug sind und kaum Bewusstsein über ihre Rolle in der Gesellschaft haben. Die jetzige Situation ist gerade ein Resultat der Schwäche der Arbeiterbewegung. Seit Jahrzehnten sind die Arbeiter nun auf dem Rückzug und bei dem kleinsten Anzeichen von Widerstand, setzt ein großes Klagen und Jammern ein, wie fies und gemein die Arbeiter seien. Ich erinnere mich noch an eine Schlagzeile aus den frühen 90ern: „Der fiese Streik der Reichsbahner“ titelte Bild damals. Ein Satire titelte jüngst: „Löhne richten in der Wirtschaft Milliardenschäden an“. Ich frage mich wie lange das nur Satire bleibt.
Warum richtet sich denn der Aufruhr nicht gegen das Bahnmanagement, dass den Lochführern die Lohnerhöhung verwehrt, die allenthalben von den NDS als gerecht und gar notwendig angesehen werden? Was hat es denn mit notwendiger Balance zu tun (wie A.M. schreibt), wenn die Masse der Politiker und Medien gegen den Streik agitieren und sich A.M. dieser Agitation teilweise anschließt. Beteiligt sich A.M. nicht an dem was die NDS Meinungsmache nennen? Vielleicht ist sich ja A.M. den Folgen seines Tuns nicht bewusst. Denn praktisch gesehen macht A.M. damit das Erreichen von Lohnerhöhungen schwerer, wenn auch nur geringfügig. Dies wiegt aber umso schwerer je geringer die öffentliche Unterstützung des Streiks ohnehin ist. Streik war auch für Arbeiter schon immer eine schwere Sache, die nur durch Solidarität erfolgreich gemeistert werden kann.

Anmerkung unseres Lesers H.J.:

Ich weiß bezüglich der Diskussion zum Bahn Streik eine viel bessere Lösung:
Das Bahnpersonal sollte die Züge ruhig fahren lassen – nur eben als Streikmaßnahme auf Fahrkartenkontrollen verzichten!
Dann kann jeder umsonst fahren!
Diese hochwirksame Arbeitskampfmaßnahme würde für Sympathien in der Bevölkerung sorgen.
Keiner müßte mehr Nachteile durch nicht fahrende Züge in Kauf nehmen.
Wir Deutschen sollten bezüglich solcher idealer Ideen und der Solidarität von der französischen Mentalität lernen.
Die Bahn würde so aber zusätzlich unter Druck gesetzt…sie hätte die Kosten für den Treibstoff und Strom, bekäme aber keine Gewinne durch verkaufte Fahrscheine mehr.

Anmerkung unseres Lesers J.B.:

ich kann es nachvollziehen, wenn sich die von den Streikmaßnahmen betroffenen Bürger ärgern. Allerdings sind die Beispiele von Herrn Dodel nicht nur zu diesem Zeitpunkt zutreffend. „Der Arbeiter, der zu seinem Arbeitsplatz mit dem Zug fahren muss, der Fahrschüler, der seinen Schulort nur mit der Bahn erreicht,“ ja sogar eine „Familie, die sich auf die Fahrt in den Urlaub gefreut hat“, die wird es immer geben, egal wann der Streik durchgeführt wird, es sei denn der Streik findet nur ganz kurz zwischen 24 Uhr und 0 Uhr statt.
Einen Streik, der niemand weh tut, kann man auch lassen. Da wäre ein Bettelbrief an den Vorstand genauso gut (oder besser schlecht). Warum nehmen die Bürger (offenbar sogar NDS-Leser) die Position des Vorstandes der Bahn (oder der Lufthansa) ein und reden von „Machtspielchen des Herrn Weselsky“ (wie Herr Dodel) oder von Machtspielchen der Piloten?
Die Lokführer (und Piloten) sind wichtig, das zeigen die Streiks. Viel wichtiger als die Vorstände, denen außer Personal- und/oder Lohnkürzungen offenbar nichts einfällt, deren Saläre aber im Gegensatz zu denen ihrer Mitarbeiter exorbitant hoch sind und steigen. Haben die Vorstände „dank“ ihrer menschenverachtenden Mitarbeiterpolitik der Lohn- und Gehaltskürzungen und des Stellenabbaus, der zu einer Mehrbelastung der Mitarbeiter führt, ein paar Prozente mehr Rendite herausgequetscht, werden sie mit „Erfolgsboni“ gepampert. Das kommt in den Medien, die in der Hand der „Geldkaste“ resp. der von der Wirtschaft (ich will es mal vorsichtig formulieren) „beeinflussten“ politischen „Kaste“ sind, nicht so deutlich, wenn überhaupt, vor.
Statt die sture Verweigerungshaltung von z. B. dem Bahnvorstand zu kritisieren, werden diejenigen, die für sich und ihre Kollegen endlich mal wieder eine Teilhabe an den erwirtschafteten Gewinnen haben wollen, verunglimpft. Wenn die GdL, die auch Nichtlokführer als Mitglieder hat, weil diese enttäuscht der „großen“ Kuschelgewerkschaft den Rücken gekehrt haben, vertreten will, dann (auch), weil sie das tun muss! Es sind auch ihre Mitglieder, ob das dem Bahnvorstand, der Regierung oder den Medien passt oder nicht!
Wenn also der Bahnvorstand die GdL dazu zwingen will, einen Teil ihrer Mitglieder nicht zu vertreten, ist das ein Angriff auf die Koalitionsfreiheit. Wenn Nahles ihren Verfassungsbruchversuch durchsetzt (bis das BVerfGer den wieder (leider persönlich konsequenzfrei) kassiert), werden die Medien jubeln, die Bürger sich freuen, dass die Bahn störungsfrei fährt – bis sie feststellen werden, dass auch Ihnen das einzige Mittel zur Durchsetzung ihrer berechtigten Interessen ein weiteres Mal noch zahnloser gemacht wurde! 
Ja, ich kann den Unmut über die Streiks verstehen. Nur das Ziel des Unmuts nicht!


Anmerkung unseres Lesers H.-R.v.M.:

der Kommentar (21. Oktober 2014 um 12:54 Uhr „Ich verstehe die NachDenkSeiten nicht mehr,……“) und die Reaktion von Albrecht Müller zum Lokführerstreik veranlasssen auch mich zu reagieren:
Trotzdem:
Was die GDL zusammen mit der „Vereinigung Cockpit“ sich in letzter Zeit leisten,wirft uns weit in der Geschichte der Gewerkschaften zurück.
Abgesehen davon, dass es zutiefst unsolidarisch ist.
Die ersten Gewerkschaften in England entstanden dort als Vereinigungen von „trades“, d.h. bestimmten Berufsgruppen.
Das führte dazu, dass in vielen Betrieben sich z.B. die Schweisser einen anderen Tarifvertrag erkämpften als die Blechbieger oder die wiederum einen anderen Vertrag anstrebten als die Lackierer oder Schreibkräfte.
Z.T. wurde dann „fröhlich“ neben einander her gekämpft, mal gegen den Firmenbesitzer oder mal gegen die „Nachbargewerkschaft, die eine andere Berufsgruppe als Mitglieder „keilen“ wollte.
Ergebnis war, dass die Arbeiterschaft als Ganzes geschwächt wurde.
Erst als die verschiedenen trades zusammen gingen, konnte sich die Situation der Arbeiter etwas verbessern.
Die GdL und Cockpit wie auch der Marburger Bund sind ihren Vorstellungen nach eher mit der typischen FDP-Klientel („die Rosinen herauspicken“) zu vergleichen als mit Gewerkschaftern, die solidarisch für alle Arbeitnehmer im Betrieb denken und handeln.
Vor Jahren hatte z.B. die Gewerkschaft ÖTV bei Arbeitskämpfen auf kommunaler Ebene zwar die „Müllmänner“ vorgeschickt, weil diese leichter fühlbare Wirkungen erzielen konnten, aber diese Leute kämpften für alle Arbeitnehmer im Betrieb und nicht nur für sich selbst.

Anmerkung unseres Lesers J.H.:

Die Antwort von Albrecht Müller auf die Kritik von Peter Dodel fällt m.E. etwas dürftig aus und kann sich nicht nur auf das Machtspiel des Herrn Weselsky reduzieren lassen. Ab wann ist den ein Streik legitim? Die Ursache liegen ja wohl kaum bei den Gewerkschaften, sondern in dem weiteren Versuch der Unternehmen(und der herrschenden Politiker), die Löhne zu drücken, die Rentenansprüche zu reduzieren und die Gewerkschaften mittels der (ver)öffentlich(t)en Meinung zu zerschlagen.

Anmerkung unseres Lesers B.U.:

ich sehe keinen Grund dafür, in der Kritik an der unerträglichen Medienhetze gegen die Streiks der GDL zurückzurudern, nur weil erwartungsgemäß nicht wenige Menschen durch diese Manipulation beeinflusst sind. So jedenfalls wirkte auf mich die gestrige Reaktion von Albrecht Müller auf eine Leserzuschrift. Im Gegenteil, diese Medienkampagne gegen den GDL-Streik im Besonderen und gegen Streiks im Allgemeinen (Cockpit, ver.di-Streiks bei der AWO etc.) ist (auch von den Nachdenkseiten) noch viel zu wenig enthüllt und angegriffen worden. Was da an Lügen, Hetze, Verdrehungen, Verleumdungen in sämtlichen Medien abgesondert wird, ist m.E. von der journalistischen Qualität her durchaus mit der Berichterstattung zum Ukraine-Konflikt zu vergleichen, die vollkommen zu Recht massiv in der Kritik steht. Sehen Sie sich nur mal diesen Artikel aus NRZ/Der Westen an und Sie werden sich fragen, wie tief dieser Gossenjournalismus noch sinken kann und will. 
In sofern ist jetzt nicht die Zeit für Diskussionen, ob der der Zeitpunkt des letzten Streiks richtig war. Die ganze Anti-Streik-Propaganda läuft doch ohnehin darauf hinaus, dass es nie einen „richtigen Zeitpunkt“ gibt und dass Streiks nur dann geduldet werden, wenn sie möglichst keine Wirkung zeigen. Jetzt ist die Zeit der Solidarität mit den Streikenden, die angesichts der üblen Stimmungsmache dringend notwendig ist. Es ist schon schlimm und bezeichnend genug, wie still sich die DGB-Gewerkschaften in dieser Auseinandersetzung verhalten. Und genau dieses Stillhalten, die ewige Kollaboration mit den Unternehmern, statt konsequenter Interessenvertretung, ist doch der Hauptgrund, warum solche Berufsgewerkschaften stark werden konnten. Wenn das jetzt genutzt wird, um das ohnehin marginale und total reglementierte Streikrecht noch weiter einzuschränken, wäre das fatal und würde auch die DGB-Gewerkschaften treffen. 
Daher meine Bitte: bleiben Sie standhaft und schwimmen auch hier gegen den Strom.

Anmerkung unseres Lesers A.B.:

Der Sarkasmus ist der gelegentlich aggressiv erscheinende böse Bruder der lieben kleinen Ironie. 
Meines Wissens gab es am 02. Oktober eine Urabstimmung über Streikmaßnahmen der GDL. Und wenn dann immer wieder in den genialen Leitmedien das Ego des Herrn Weselsky herhalten muss, um die GDL insgesamt und deren Streik zu diffamieren, ich das jetzt auch hier bei den NDS lesen muss, dann erübrigen sich einfach nur noch sachdienliche Argumentationen. 
Auch könnte man ja mal von Passagieren sprechen, die warten mussten – ist allerdings nicht so tränenerzeugend wie Mütter, Kleinkinder und gebrechliche Omis. 
Und überhaupt: 
wie kann der Schreiber der an sie gerichteten E-Mail ernsthaft argumentieren, dass nur die Kleinen Leute leiden, und nicht die Manager und Bosse der Bahn? 
Frage: welche Kampfmittel hat eine Gewerkschaft gegen den Bahnvorstand? Wäre der überhaupt der richtige Adressat in einer Tarifauseinandersetzung?

Anmerkung unseres Lesers R.H.:

ich war gestern ein wenig irritiert über den NDS -Leserbeitrag .
Ich kann mich erinnern, dass vor wenigen Jahren von Politikern, Medien , Arbeitgebern usw behauptet wurde, dass die Arbeitnehmer in den Betrieben selbst Tarifverhandlungen führen sollen, da sie besser über die Situation in ihrem Betrieb Bescheid wüssten, als die Gewerkschaftsbosse. Als dann die Mindestlohndebatte anfing, wurde plötzlich, von eben diesen Vertretern,gefordert, dass die (geschwächten) Gewerkschaften die Tarifpartner der AG sein sollen.
Nun zum Lokführerstreik;
Die Bahn hatte früher einen Beförderungsauftrag und deshalbwurden die Angestellten verbeamtet (Streikverbot).
Nun wird die staatliche Bahn wie ein Privatunternehmen geleitet. Das aber bedeutet,dass die Angestellten um Lohnerhöhungen kämpfen müssen. Ja,es betrifft die Reisenden aber man kann und sollte daran sehen, wie wichtig dieser Beruf ist und dass er ordentlich bezahlt werden sollte. Warum macht die Bahn kein ordentliches Agebot an die Lokführer? Darüber hört man in den Medien nichts. Die Bahn hat meines Erachtens den Streik provoziert. Interessant ist auch, was H.Flassbeck heute darüber schreibt.

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