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20. Dezember 2014
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BILD: Zu fein zum Arbeiten!

Verantwortlich:

Der Krawall-„Journalist“ (Tagesspiegel) Georg Gafron darf in BILD mal wieder gegen die faulen Arbeitslosen hetzen. Wolfgang Lieb.

„Entweder sind die Sozialleistungen immer noch zu hoch oder zu viele machen einfach mit Schwarzarbeit Kohle nebenbei“ und deshalb sei es – so Gafron – ein Skandal, dass bis zu einem Drittel der Obst- und Gemüseernte nicht eingebracht werden könnten.
„Weil wir (!) Deutschen uns offenbar zu fein für diese Arbeit sind!“

Dieses „Wir“ aus der Feder von Gafron, der 600.000 Euro in einem Jahr vom inzwischen pleite gegangenen Medienmogul Leo Kirch für „angebliche Beratungsleistungen“ kassierte und diese „Nebentätigkeit“ seinem Arbeitgeber, dem Springer-Verlag, angeblich sogar noch verschwiegen hat, ist schon für sich allein ziemlich scheinheilig.

Gafron geht es um die Verunglimpfung der Arbeitslosen, da nimmt er auch in Kauf, dass der von ihm hochgejubelte Skandal auf ihn selbst zurückfällt.
Denn dass die Knappheit an Erntehelfern wohl kaum an den faulen Deutschen liegt, sondern wohl eher schlicht an den unzumutbaren Arbeitsbedingungen, zeigt sich etwa darin, dass sich auch anderswo, etwa in England zu wenig Leute für solche Jobs finden.

Der redaktionelle Bericht von BILD deckt zwar die Skandalisierung Gafrons nicht, denn dort wird nur die staatlich verordnete Begrenzung der Zahl der Arbeitserlaubnisse für osteuropäische Erntehelfer dafür verantwortlich gemacht, dass der Spargel auf den Feldern verrottet. Da aber Kommentar und Bericht unmittelbar nebeneinander stehen, wird nahe gelegt, die Schuld den angeblichen deutschen Faulenzern zuzuschieben.

Wie der englische „Guardian“ vom 28. Mai berichtet, gibt es jedoch auch in England die Klage, dass Früchte, Salat und Gemüse auf den Feldern verrotten, weil es sowohl zu wenig einheimische als auch zu wenig ausländische Erntehelfer gibt: „Es gibt eine Knappheit von Erntehelfern aus dem UK und Polen“ sagte eine Sprecherin einer britischen Saisonarbeiter-Vermittlungsfirma.
Der Grund für die Knappheit von eingewanderten Arbeitern wird im „Guardian“ u.a. darin gesehen, dass die Arbeitsbedingungen mit einem 14-Stundentag mit halbstündiger Pause bei einer 7-Tagewoche unzumutbar sind.

Offenbar kamen auch ohne die bei uns geltende Zahlenbegrenzung weniger Osteuropäer auf die englischen Äcker. Man vermutet, dass es z.B. die Polen einfach nicht mehr nötig hätten, sich als Erntehelfer ausbeuten zu lassen, weil inzwischen ihr Lebensstandard zu Hause so angestiegen ist, dass sie solche „Arbeitsangebote“ nicht mehr annehmen (müssen).
2005 arbeiteten knapp 22.700 Osteuropäer auf den Feldern in Großbritannien, in den ersten drei Monaten dieses Jahres waren es nur noch 3.400.
Der Rückgang ist also im Verhältnis noch drastischer als in Deutschland.

Für den ach so feinen Herrn Gafron sind aber wohl auch die Engländer nur zu fein zum Arbeiten.
Zur Strafe für solche Hetzerei sollte Gafron einfach einmal vier Wochen Spargel stechen müssen.

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