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4. Dezember 2016
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Inflation? Die Geldmenge fällt und keiner schaut hin

Veröffentlicht in: Finanzen und Währung, Neoliberalismus und Monetarismus

Wie sich die Zeiten doch ändern! Noch vor zwei oder drei Jahren war es in Deutschland ganz selbstverständlich, dass verantwortungsvolle Volkswirte jederzeit auf die von der Deutschen Bundesbank veröffentlichten Zahlen zur Entwicklung der Geldmenge schauten und sofort laut Inflationsalarm auslösten, wenn diese ein wenig über den Werten lagen, die man für stabilitätskonform hielt.
Ganz anders zurzeit. Die von den Anhängern der Geldmengenlehre, des sogenannten Monetarismus für relevant gehaltene Geldmenge M3 fällt, aber keiner schaut hin und keiner gibt Deflationsalarm. Was ist passiert? Von Heiner Flassbeck

Sind wirklich alle Ökonomen über Nacht Keynesianer geworden und von der monetaristischen Lehre des Milton Friedman vollständig abgefallen? Oder ist es ihnen nur peinlich, über ihr altes Lieblingskonzept zu sprechen, wo das doch genau das Gegenteil dessen vorhersagt, was man gerne vorhersagen würde angesichts der ausufernden Staatsdefizite und der ungeheuerlichen Ausweitung der Liquidität durch die Notenbanken, nämlich drohende Inflation?

Darüber könnte man mit einem Lächeln hinweggehen, wenn es nicht ein systematisches Verhalten der Zunft wäre und wenn es nicht so gravierende negative Folgen für die Menschen hätte. Immer wenn die volkswirtschaftliche Wirklichkeit nicht zur herrschenden Theorie passt, ignoriert man einfach die Wirklichkeit, anstatt über mögliche Fehler der Theorie nachzudenken. Das ist diesmal umso gravierender als Milton Friedman, an den die meisten doch noch heimlich ganz fest glauben, den größten Fehler der Politik in der großen Depression des vergangenen Jahrhunderts darin gesehen hat, dass die Politik die Tatsache einer sinkenden Geldmenge einfach nicht zur Kenntnis nahm.

Nun bin ich zwar weit davon entfernt, das Gegenteil zu tun, und zum Monetaristen zu werden, wenn es in den Kram passt, doch der Rückgang der Geldmenge wird entscheidend davon beeinflusst, dass die Kredite des Bankensystem an die private Wirtschaft und die privaten Haushalte zu Ende des vergangenen Jahres zu sinken beginnen. Das ist allerdings in Zeiten, wo alle Welt glaubt, der Aufschwung habe im letzten Sommer begonnen und sei inzwischen gefestigt, ein Alarmzeichen ersten Ranges.

Wenn nämlich die Privaten von den Banken keine Kredite bekommen oder nicht bereit sind, mehr Kredite aufzunehmen, um mit den neuen Schulden zu investieren, oder zumindest zu konsumieren, dann wird es dem Staat nicht gelingen, seine Kreditaufnahme zurückzufahren, ohne die Konjunktur weiter zu schwächen. Dann wird es mit Sicherheit nichts mit der Schuldenbremse und den schönen Hoffnungen auf eine Steuersenkung. Eine Regierung, die ihre Aufgabe ernst nimmt, „Schaden vom deutschen Volke abzuwenden“, müsste schlaflose Nächte haben, und das Volk darauf vorbereiten, dass die im vergangenen Jahr vorschnell beschlossene Schuldenbremse selbst bei unveränderten Steuersätzen nicht zu halten sein wird. Stattdessen wartet man, aber worauf?

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