Jetzt werden die Brandstifter auch noch als Helden verehrt – dreist!

Albrecht Müller
Ein Artikel von:

In der Süddeutschen Zeitung versuchte am Samstag der Journalist Markus Zydra die Vertreter der neoliberalen Schule der Ökonomie zu den Warnern vor der Krise hochzustilisieren. Und er versucht noch einiges mehr. Darauf machte ein Leser der NachDenkSeiten aufmerksam, dessen Analyse hier wiedergegeben wird. Die Empfehlung, dieses erstaunliche Stück zur „Manipulation des Monats“ zu erheben, ist schlüssig. Albrecht Müller

Hier die Mail des NachDenkSeiten-Lesers V.G.:

Ich möchte Sie auf einen besonders interessanten Artikel von Markus Zydra in der SZ hinweisen.

Interessant darin ist vor allem die Darstellung der Anhänger der Österreichischen Schule als verkannte Experten, die vor dem Kollaps des Finanzsystems vergeblich gewarnt hätten. Zwar erkennt Zydra richtig die Vereinheitlichung der Wirtschaftslehre an den Hochschulen, behauptet jedoch allen Ernstes, die herrschende Lehre sei der Keynesianismus, die Österreichische Schule sei praktisch einflusslos (so als hätte sie nicht den theoretischen Unterbau für die Deregulierungs- und Privatisierungswelle seit den Achtzigern geliefert.) Auch behauptet er, die niedrigen Zinsen in den USA hätten die Immobilienkrise ausgelöst.

Besonders manipulativ ist die in diesem Artikel vorgenommene Verknüpfung der Österreichischen Schule mit dem Bereich Wirtschaftsethik. Dadurch, dass abwechselnd der Neoliberale Hülsmann und der Wirtschaftsethiker Thielemann zitiert werden, und zwar nicht in der Form eines Gegensatzes, kann der Leser fast den Eindruck bekommen, die Neoliberalen um Mises und Hayek (im Artikel auch noch falsch geschrieben: “Hajek”) seien ethisch motiviert gewesen. Auch fällt die euphemistische Wortwahl bei der Österreichischen Schule auf (z.B. “staatskritisch”, das Wort “neoliberal” kommt natürlich nicht vor). Der Zusammenhang zwischen Österreichischer Schule, Sozialstaatsabbau, Steuersenkungen und Privatisierungen wird selbstverständlich nicht genannt.

Meiner Meinung nach wäre dies ein guter Kandidat für die Rubrik “Manipulation des Monats”.

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