SPD „hintertreibt“ Berliner Einheitsdenkmal – gut so!

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Auf das Berliner Einheitsdenkmal hagelt es Kritik: am transportierten Inhalt, an der Ästhetik, an der Überdimensionalität, an der technischen Umsetzung und an den Kosten. Dennoch braut sich die unsägliche „Wippe“ wie ein Gewitter, wie ein unaufhaltsames Naturschauspiel am Berliner Firmament zusammen. Nun wird das Denkmal von der SPD mutmaßlich durch Verwaltungstricks verzögert. Die CDU sieht dadurch „das ganze Projekt“ bedroht. Das macht Hoffnung. Von Tobias Riegel.

In der Posse um das Berliner Einheitsdenkmal gibt es neue Hoffnung: Die Realisierung der seit 2007 geplanten und 2017 „endgültig“ beschlossenen „Einheits-Wippe“ verzögert sich weiter, weil das Denkmal mutmaßlich auf Betreiben der SPD am Mittwoch nicht im Haushaltsausschuss verhandelt wurde. Wenn die schwankende Riesen-Skulptur nicht noch kurzfristig vor der Sommerpause diskutiert wird, kann das Geld für den Baubeginn wohl erst im September bewilligt werden, berichten Medien. Das ist eine gute Nachricht!

Denn auch wenn die nach ästhetischen wie inhaltlichen Kriterien inakzeptable Einheits-Schüssel wohl prinzipiell kaum noch zu verhindern ist – es ist zu begrüßen, dass die SPD nun immerhin den Baubeginn so lange wie möglich hinauszögert. Obwohl man sich natürlich fragt, warum auch viele sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete dem peinlichen und überdimensionierten Bauwerk überhaupt erst zugestimmt haben. Sei’s drum: Jeder Tag der Verzögerung bietet die Chance auf eine Einkehr jener Vernunft, die eine endgültige und ersatzlose Abkehr von dem kitschigen Monument für einen schwammigen „Freiheits“-Begriff zwingend vorschreiben würde.

Kitschiges Monument für einen schwammigen „Freiheits“-Begriff

Es ist ein politisches Rätsel: Die Wippe braut sich trotz vielstimmiger und vernichtender Kritik am transportierten Inhalt, an der Ästhetik, an der Überdimensionalität, an der technischen Umsetzung und an den Kosten von 18 Millionen Euro dennoch wie ein Gewitter, wie ein unaufhaltsames Naturschauspiel am Berliner Firmament zusammen. Scheinbar machtlos harren kritische Politiker, Kulturschaffende und andere Bürger der baldigen Entladung auf die Straße in Berlins Mitte. Dort würde es eine unheilvolle Symbiose mit dem anderen architektonischen Sündenfall Berlins, der reaktionären Schloss-Rekonstruktion, eingehen. Angesichts eines verbreiteten passiven Fatalismus’ gegenüber einer ungeliebten und unredlich verkürzten „Einheits“-Ästhetik ist die jetzige mutmaßliche SPD-Demontage der Wippe durch Verwaltungstricks ein zu begrüßendes, wenn auch verdruckstes Lebenszeichen von Teilen des Parlaments.

„Das ist ein Schlag ins Gesicht der mutigen Menschen, die für Freiheit und Einheit ihr Lebens aufs Spiel gesetzt haben“, schimpften dagegen CDU-Abgeordnete am Mittwoch. Und schoben diesen bemerkenswerten Satz hinterher: Die SPD stelle mit ihrem Verhalten das ganze Projekt in Frage. „Das ganze Projekt steht in Frage“ – das hatte man schon gar nicht mehr zu hoffen gewagt.

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