“Bei Gesprächen mit Freunden die Klappe halten.” Oder: Wie kommen wir an jene Menschen heran, die nicht mehr aufgeklärt werden wollen? Eine Frage an Sie.
“Bei Gesprächen mit Freunden die Klappe halten.” Oder: Wie kommen wir an jene Menschen heran, die nicht mehr aufgeklärt werden wollen? Eine Frage an Sie.

“Bei Gesprächen mit Freunden die Klappe halten.” Oder: Wie kommen wir an jene Menschen heran, die nicht mehr aufgeklärt werden wollen? Eine Frage an Sie.

Ein Artikel von: Redaktion

Auf den Beitrag “Lieber dazugehören, als aufgeklärt sein” von Anette Sorg kamen eine Reihe interessanter Mails, darunter auch solche von NachDenkSeiten-Leserinnen und -Lesern, die von ihrer eigenen ähnlichen Erfahrung berichteten – von Menschen im Freundeskreis, die nicht mehr hören wollen, was ist und denen unsere kritische Begleitung ihrer Medien nicht gefällt. Einer der Leser schreibt: „Was also tun? Auf etablierte Medien zurückgreifen und abends Tagesschau gucken, um sozial integriert zu bleiben oder weiter kritisch bleiben und lernen, in den Gesprächen mit Freunden die Klappe zu halten?“ – Was also tun, das wollten wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, fragen. Albrecht Müller.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Dass ehedem kritische Mitbürgerinnen und Mitbürger müde werden, ist ausgesprochen verständlich. Dass sie sich ungern in ihrem Milieu isolieren, ist auch verständlich. Und je mehr die reaktionäre, konservative, neoliberale Bewegung dominiert und das Geschehen bestimmt, umso schwieriger ist Widerspruch.

Es bleibt uns trotzdem nichts anderes übrig, als nachzudenken, was in dieser schwierigen Situation getan werden könnte. Sie könnten uns bitte unter der E-Mail-Adresse [email protected] ihre Vorschläge oder auch nur ihre Meinung wissen lassen. Wir werden diese dann auswerten und wieder auf Sie zukommen.

Vorerst aber dokumentieren wir hier die Leserbriefe zu dem Beitrag von Anette Sorg. Dieser Beitrag liegt inzwischen übrigens auch als gestaltetes PDF vor. Wenn auch Sie diesen Beitrag hilfreich fanden, dann drucken Sie ihn bitte aus und geben ihn weiter.

Wir beginnen mit dem oben schon zitierten Leserbrief:

1. Leserbrief

„seit etwa 2-3 Jahren bin ich Leser der Nachdenkseiten und verpasse keine Folge des Podcastangebotes. Einige Folgen höre ich sogar mehrfach, um den häufig umfangreichen Inhalt der jeweiligen Folge zu verinnerlichen. Ich schreibe dies einleitend, da sich seitdem zunehmend ein Gefühl in mir breit macht, welches in dem am 30. April erschienenen Artikel „Lieber dazugehören, als aufgeklärt sein“ auf den Punkt formuliert wird. Ich werde in Gesprächen und Diskussionen regelmäßig mit Blicken gestraft, sobald ich die gängige Meinung hinterfrage. Argumente bringe ich schon keine mehr, eine gefühlte Isolation ist häufig das Ergebnis. In der Konsequenz ist es also eine Art kognitive Dissonanz, mit der ich mich da konfrontiert sehe. Was also tun? Auf etablierte Medien zurückgreifen und abends Tagesschau gucken, um sozial integriert zu bleiben oder weiter kritisch bleiben und lernen, in den Gesprächen mit Freunden die Klappe zu halten? Ich habe mich zunächst für letzteres entschieden, wenngleich damit eine Art Ohnmacht einher geht. – Ich danke Ihnen für das kritische Denken, welches bei mir seit dem Lesen der Nachdenkseiten wieder aktiviert wurde.

Herzliche Grüße aus Hamburg.
Stefan Berens


2. Leserbrief

Liebe Anette Sorg,

Ihrem obigen Artikel stimme ich gern zu.

Am vergangenen Wochenende war ich im tiefsten Münsterland zur Erstkommunion eingeladen. Die Diskussionen an der Tafel klappten mir die Fußnägel hoch, und ich konnte nicht an mich halten.

Die Lust der Provokation packte mich, und ich legte ohne Rücksicht los. Die Augen der Gesprächsteilnehmer sprachen Bände: die ist ja völlig vom anderen Stern – und dann auch noch (oder: na ja?) eine Frau. Das Münsterland ist ja für sein konservativ-katholisches Meinungsklima bekannt. Worauf ich hinaus will: Hier konnte ich fröhlich von der Leber reden – die Leute werde ich nie wiedersehen, können mir also egal sein. Aber zu Hause mit Freunden, an denen mir liegt, rede ich viel vorsichtiger, auch wenn ich hier für meine “abweichende” Meinung bekannt bin.

Ich möchte Sie aber noch auf einen anderen Aspekt aufmerksam machen. Das Interesse an politischer Aufklärung ist in weiten Teilen der Bevölkerung doch sehr begrenzt (und ist auch eine Frage der Bildung). Interesse kann nicht verordnet werden, und dieses Interesse zu verfolgen ist nebenbei sehr zeitaufwändig.

Aufklärung ist ein mühsames und (meistens) frustrierendes Geschäft, das nur von einer qualifizierten Minderheit verfolgt und goutiert wird, indem sie sich bei den NDS u.a. alternative Medien informiert. Ich kann sie nur ermuntern, weiterzumachen und nicht den Mut zu verlieren – auch wenn Sie weiterhin für die o.g. Minderheit arbeiten werden.

Herzliche Grüße
A.R.


3. Leserbrief

Liebe Annette Sorg, liebe NDS,

Danke für diesen Artikel mit einem sehr wichtigem Thema. Ich selber schreibe gerade eine “Trauerrede für eine geliebte Meinung”, die sich auch damit befasst. Ich denke, es ist auch so wie Walter Lippman es in etwa ausdrückte: “Wer will sich schon seine geliebte Meinung (mit der man dazugehört) von einer Bande brutaler Fakten erschlagen lassen?”

Dann kennen wir ja auch alle in der Christlichen Kultur den Sündenfall (wie das schon genannt wird!), wo, wer von dem Baum der Erkenntnis kostet, aus dem Paradies vertrieben wird. Wenn das nicht Abschreckung genug ist!?

Aber ich glaube auch, wir Aufklärer (klingt schon etwas arrogant, oder?) haben zu wenig Geduld. Vielleicht ist es einfach gut, Menschen mal mit anderen Fakten und Gedanken in Kontakt gebracht zu haben. Und später, wenn wir es gar nicht mitkriegen, bewirkt das, dass jemand einen Sachverhalt mal aus einem neuen Blickwinkel betrachtet und sich dadurch sein Denken verändert. Das ist jedenfalls meine optimistische Hoffnung. Immerhin hat es bei mir ja auch geklappt.

Liebe Grüße
Andreas Süskow


4. Leserbrief

Danke, Annette Sorg, für diese unaufgeregte Sprachanalyse, die deutlich macht, wie sehr Sprache Wirklichkeiten mit konstruiert und Zugehörigkeitsbedürfnisse befriedigen kann.

Sehr wichtig  der Verweis auf die materiellen wie psychosozialen Zwänge, die es zu beachten gilt, wenn einem Aufklärung am Herzen liegt.

Nachdenkenswert auch die Empfehlungen im letzten Abschnitt:

“Vielleicht hilft es beim Aufklären, wenn wir ohne Verbissenheit, ohne Verurteilungen unterwegs sein können. Vielleicht hilft es den Aufzuklärenden, wenn wir ihnen mit Verständnis begegnen, nicht mit Herablassung. Vielleicht öffnet es Türen, die verschlossen scheinen. Vielleicht.”

Als wichtig erachte ich somit, sich bewusst zu bleiben, dass wir alle immer auf dem neuesten Stand des Irrtums kommunizieren. Das Kommunikationsmodell Schulz v. Thun, auf welches Annette Sorg verweist,kann sehr hilfreich sein beim Ausräumen von Missverständnissen.

Beste Grüße
Ute Plass


 
5. Leserbrief

Dieser Artikel war für mich äußerst interessant. Besonders diese Stelle:

“Vermutlich wissen die heutigen „Hofnarren“, die auf Auftritte im öffentlich-rechtlichen Fernsehen angewiesen sind, das auch sehr genau und versichern jenen, von denen sie wirtschaftlich abhängig sind, durch das dezente Einstreuen gewisser Signalwörter, dass keine echte „Gefahr“ von ihnen ausgeht.”

Jetzt kann ich die Moderatoren der Sendungen

“Extra 3” und “Heute Show” für mich einordnen/verorten/einsortieren.

Wobei Oliver Welke für mich der intelligentere von beiden ist.

MfG
Klaus Korcz


6. Leserbrief

ergänzend zu Annette Sorgs Beitrag:

Liebes Team der Nachdenkseiten…

hier ergänzende Informationen zu dem interessanten Artikel von Annette Sorg….

Bacon Brock s erkenntnisreiches Nachdenken über Sprache und Verhalten und wie mit Problemen umzugehen ist, die man nicht lösen kann.

Der Fehlende Part: Bazon Brock über die kommende … – YouTube

15. Aug. 2018 … RT Deutsch, 9.08.2018 Der Philosoph und Autor Bazon Brock erläutert im Gespräch mit dem Fehlenden Part die weltweit heranschleichende …

Bazon Brock über die (kritik)unwürdige Gesellschaft – YouTube

Juni 2017 … Bilder sagen mehr als tausend Worte, so lautet das Sprichwort. Allerdings sagen auch tausend Worte nur wenig, was also kann uns ein Bild …

Viele Grüsse L. Sallinger

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