Bye Bye Bolton! Eine gute Nachricht … aber nicht für jeden
Bye Bye Bolton! Eine gute Nachricht … aber nicht für jeden

Bye Bye Bolton! Eine gute Nachricht … aber nicht für jeden

Ein Artikel von: Redaktion

Manchmal gibt es sie doch: gute Nachrichten. Eine davon der letzten Tage: Der Abgang des „Nationalen Sicherheitsberaters“ John Bolton, einem gefährlichen Kriegstreiber, der vor nichts zurückschreckte, um die USA als alleinige Weltmacht im Sattel zu halten. Die unabhängige australische Bloggerin und Journalistin Caitlin Johnstone beobachtet die Reaktionen angeblich gemäßigter demokratischer Führungsfiguren auf diese Demission. Erleichterung klingt anders. Übersetzung von Susanne Hofmann.

Demokraten stellen Boltons Abgang als etwas Schlechtes dar

John Bolton ist nicht mehr Präsident Trumps Nationaler Sicherheitsberater. Trump sagt, er habe Bolton gefeuert, Bolton sagt, er habe seinen Rücktritt zuerst angeboten. Beide legen nahe, dass der Abgang aufgrund von Unstimmigkeiten über die Außenpolitik erfolgt sei, das scheinen auch unabhängige Berichte zu bestätigen.

Mir persönlich ist das herzlich egal. Mich kümmert es nicht, ob Trump Bolton gefeuert hat, weil sie sich darüber zerstritten haben, welche Figur der Sesamstraße einen Faustkampf gewinnen würde. Mir ist es gleich, ob Bolton von einem heftigen Windstoß aus dem Weißen Haus gepustet wurde. Es ist vergebene Liebesmüh, in einer mit verlogenen Soziopathen vollgepfropften Regierung die Details des Schauspiels auseinanderzuklamüsern. In diesem Fall ist es besonders sinnlos, denn das Einzige, was zählt, ist, dass John Bolton jetzt weg ist. Das ist gut an sich, ganz gleichgültig, wie genau es dazu gekommen ist.

Trump sagt, er werde in der kommenden Woche einen neuen Nationalen Sicherheitsberater benennen, und die gute Nachricht lautet, dass es – gleich wen er nun letzten Endes auswählt –schier unmöglich ist, dass er oder sie ein schlimmerer blutrünstiger psychopathischer Unhold als sein/ihr Amtsvorgänger sein kann. Denn Bolton ist ohne Übertreibung die schlimmstmögliche Personalie, wenn es um den Drang geht, einen Dritten Weltkrieg loszutreten. Derzeit ist ein gefährlicher neokonservativer Dämon namens Charles Kuppermann Boltons kommissarischer Nachfolger. Ihn beschreibt der politische Beobachter Jeffrey Kaye als „Reagan-Anhänger, islamophoben Neandertaler, ein Geschöpf der Rüstungsindustrie und sehr engen Mitarbeiter von Bolton selbst“, und es gibt Gerüchte, wonach ein anderer widerwärtiger neokonservativer Bundesgenosse Boltons, der frühere CIA-Analyst Fred Fleitz unter den Topfavoriten ist. Wir können also nicht darauf vertrauen, dass Boltons Nachfolger besser sein wird, aber wir können absolut zuversichtlich sein, dass er zumindest nicht schlimmer wird.

Es ist unbestreitbar positiv, dass der frühere Direktor des PNAC (Project for the New American Century, eine neokonservative US-Denkfabrik, Anmerkung der Übersetzerin), der so psychopathisch ist, dass er einmal damit gedroht hat, die Kinder eines Beamten der OPCW (Organisation für das Verbot chemischer Waffen, Anmerkung der Übersetzerin) umzubringen, weil er ihm bei seinem Versuch, den Einmarsch in den Irak herbeizuführen, lästig wurde, nicht mehr die einflussreichste außenpolitische Position auf dem Planeten innehat. Diese Tatsache an sich ist eindeutig und offenkundig ein Segen für die gesamte Menschheit. Und deshalb hat natürlich die Führungsriege der Demokratischen Partei etwas dagegen.

„John Boltons plötzlicher Abgang ist ein Symbol des Durcheinanders, das unsere Verbündeten seit dem ersten Tag von Trumps Administration entnervt“, twitterte Nancy Pelosi, die Sprecherin des Repräsentantenhauses. „Stabile Führung & und eine strategische Außenpolitik sind der Schlüssel dafür, dass die nationale Sicherheit Amerikas sichergestellt ist.“

„Die heutige Aktion von @RealDonaldTrump ist nur das jüngste Beispiel seines chaotischen Regierungsstils und seiner orientierungslosen nationalen Sicherheitspolitik“, twitterte der Fraktionsführer der Demokraten im US-Senat, Chuck Schumer. „Wenn Ihnen die extremen Ansichten des US-Repräsentanten Bolton nicht weit genug gehen, stehen den USA noch chaotischere Zeiten ins Haus.“

„Ich bin zurecht erschüttert von der schwerwiegenden Instabilität der heutigen amerikanischen Außenpolitik“, twitterte der demokratische Senator Chris Murphy. „Ich bin kein Bolton-Fan, aber die Welt driftet auseinander und die Drehtür der US-Führung führt dazu, dass Amerika just in dem Augenblick, in dem eine stabile amerikanische Hand am dringendsten gebraucht wird, aus der Welt verschwindet.“

Die (angeblich) gemäßigten Twitter-Kommentare sind voll von diesen „Ich bin kein Bolton-Fan, aber …“-Aussagen. Das zeigt, wie sehr die massenmediale Propagandamaschine Boltons wahnsinnigen Blutrausch zum gängigen Mainstream erhoben hat. Derartige Twitter-Botschaften werden von imperialistischen Comedy-Propagandisten wie The Daily Show sowie von neokonservativen Propagandatröten wie Max Boot enthusiastisch befeuert. Er hat soeben einen Artikel in der Washington Post veröffentlicht mit der Überschrift: „Bolton war schlimm. Sein Abgang könnte noch schlimmer werden.“.

Ich werde nun nicht in Aufregung verfallen und der verbreiteten Vorstellung anhängen, dass Boltons Rauswurf den Wendepunkt der bereits blutgetränkten Trump-Administration darstellt. Seine Abwesenheit wird zehntausende Venezolaner , die die von der Trump-Administration verhängten Sanktionen getötet haben, nicht wieder zum Leben erwecken. Auch wird er sich kaum auswirken auf die immer wieder zurückgenommenen Zusagen, das US-Militär aus Syrien und Afghanistan zurückzuziehen. Die Kündigung Boltons kann die Lage aber unmöglich weiter verschlimmern, sie könnte sie eher – vielleicht, womöglich – leicht verbessern.

Es liegt ja nahe, dass die politische/mediale Klasse – die jedes Mal ausflippt, wenn dieser Präsident als bloßes Lippenbekenntnis auch nur die Möglichkeit ins Spiel bringt, die Interventionen im Ausland reduzieren zu wollen, und die es jedes Mal freudig begrüßt, wenn er die Einmischungen verstärkt – die unerwartete Kündigung des aggressivsten Kriegstreibers in Washington, DC, ablehnt; der endlose Krieg ist inzwischen so zur Normalität geworden, dass jeglicher Schritt, ihn einzudämmen, von den Herstellern des Narrativs immer als abnormal und irre dargestellt wird. Die Reaktion der sogenannten „Gemäßigten“ auf die Entfernung Boltons aus dem Amt zeigt, wes Geistes Kind sie sind: brutale Extremisten, deren Ideologie unsere gesamte Welt bedroht.

Titelbild: paparazzza/shutterstock.com

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