Wieder ein bisschen mehr Medien-Konzentration
Wieder ein bisschen mehr Medien-Konzentration

Wieder ein bisschen mehr Medien-Konzentration

Ein Artikel von Hermann Zoller | Verantwortlicher: Redaktion

Die Entwicklung der Besitzverhältnisse auf dem Medien-Markt ist für die politisch Zuständigen schon lange kein Thema mehr. Immer weniger Kapitalanleger entscheiden darüber, was wir als Bürgerinnen und Bürger an Informationen vor die Augen bekommen. Das spitzt sich dadurch noch zu, dass im letzten Jahrzehnt im Journalismus nahezu 5.000 Arbeitsplätze abgeschafft wurden. Das Rad der Medien-Konzentration hat sich jetzt wieder eine Sprosse weitergedreht. Darauf macht Hermann Zoller aufmerksam.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Über die politische Bedeutung der Entwicklung in den Medien kann man bei der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) lesen:

„Die Eigentumskonzentration im Medienbereich hat ein nie da gewesenes Ausmaß erreicht. Diese Entwicklung ist nicht nur volkswirtschaftlich unerwünscht, sondern führt auch zu gesellschafts- und demokratiepolitischen Legitimationsdefiziten.“

Den politisch Zuständigen sei empfohlen, sich mal dieses Problems anzunehmen – geht es doch immerhin um einen der wichtigsten und fundamentalsten Bausteine eines demokratischen Staates. Vielen ist es aber wohl wichtiger, Seminare für ein erfolgreiches „wording“ zu besuchen, also zu lernen, wie ich am besten Bürger und Bürgerin ein X für ein U vormachen kann. Ein fahrlässiges Politikversagen.

Jetzt hat sich das Rad der Konzentration im Medienbereich wieder um ein paar Zacken weitergedreht. Am 11. Mai verkündete die Deutsche Presse-Agentur GmbH, die sich hauptsächlich im Besitz der Verleger von Print-Produkten befindet: „dpa übernimmt TV-Videoagentur TeleNewsNetwork (TNN) und baut Bewegtbildangebot aus.“ Konkret bedeutet dieser „Ausbau“ das Wegfallen eines Konkurrenten. Ansonsten kann man die offizielle dpa-Pressemitteilung sprechen lassen:

Die dpa baut damit ihr Videoangebot massiv aus. Chefredakteur Sven Gösmann: „Neben Text in mittlerweile sieben Sprachen, Foto, Audio und Voice, Infografik, Daten, Terminen und sonstigen Services bietet die dpa-Redaktion nun mit dem Ausbau der Videoangebote ein echtes Vollsortiment journalistischer Leistungen an.“ 

Das Unternehmen produziert in Kooperation mit einem Netz aus TV-Videojournalisten und -Produzenten Nachrichtenvideos aus ganz Deutschland, die vor allem die thematischen Bereiche politische und wirtschaftliche Großlagen, Incidents (Kriminalität, Unfälle, Feuer), Gerichtsberichterstattung, Wetter, gesellschaftliche Ereignisse, Prominente sowie „Skurriles und Bemerkenswertes“ abdecken. Kunden sind alle öffentlich-rechtlichen und privaten TV-Sender Deutschlands. Der bisherige Alleineigentümer Hendrick R. Hertel ist seit 2003 erfolgreich mit dieser TV-Nachrichtenagentur tätig. 

TNN-Gründer Hendrick R. Hertel: „Ich freue mich, dass ich mit meinem bewährten Team nun im größeren Verbund der dpa unsere Kunden betreuen und durch die Zusammenarbeit mit der dpa-Redaktion Geschwindigkeit und Qualität unseres Angebots noch verstärken kann.“

Hauptzielmarkt für die Bereitstellung von Drehmaterial aus den Genres Crime, Gesellschaft, Wetter und Buntes bleiben die öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehsender. Das aktuelle Material wird jedoch auch für die Beitragsproduktion zu aktuellen Nachrichtenlagen für die digitale Ausspielung zur Verfügung stehen. 

dpa CEO Peter Kropsch: „Für die dpa ist der signifikante Ausbau des Bewegtbildangebots ein zentraler Strategiebaustein. dpa wird durch diese Akquisition zu einem flächendeckenden Video-Versorger des deutschen TV- und Digitalmarktes.“

„Skurril“ ist hier vor allem, dass es unterm Strich weniger Berichterstattung, weniger Konkurrenz und damit weniger überprüfbare Berichterstattung für die Bürgerinnen und Bürger geben wird: „flächendeckend“ eben. Und ein paar Arbeitsplätze wird man auch einsparen. Diese Übernahme von TNN durch dpa ist zwar auch wieder nur so ein Mosaiksteinchen, aber keines, das das Bild bunter macht, sondern es wird herausgebrochen aus einer Medienlandschaft, die damit nur noch trister wird. Viele bunte Bilder sind kein Beweis für ein vielfältiges, meinungsfreudiges und demokratieförderndes Informationsangebot.

Und: Mögen sich die Journalistinnen und Journalisten, die für dpa arbeiten, noch sehr um gute Arbeit bemühen: diese Agentur ist zu über 80 Prozent in den Händen der Verleger. Und entsprechend deren Konzept muss die Agentur liefern.