Deutsch-Französische Feindschaft?

Oskar Lafontaine
Ein Artikel von Oskar Lafontaine | Verantwortlicher:

Eine der Haupt-Verantwortlichen für die zunehmende Entfremdung zwischen Berlin und Paris ist, neben Bundeskanzlerin Merkel, bedauerlicherweise Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer. Nachdem der französische Präsident Macron in der Tradition seines Amtsvorgängers de Gaulle immer wieder auf eine europäische Eigenständigkeit in Verteidigungsfragen drängt, belehrt ihn Kramp-Karrenbauer: „Ohne die nuklearen und konventionellen Fähigkeiten Amerikas können Deutschland und Europa sich nicht schützen.“

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Kramp-Karrenbauer ist ein Beweis dafür, wie wichtig es wäre, unsere Grundschulen besser auszustatten, damit Spitzenpolitiker und Mainstream-Journalisten die Grundrechenarten lernen.

Denksport-Aufgabe: Die USA geben 732 Milliarden Dollar für Rüstung aus, Russland 65,1 Milliarden, China 261 Milliarden. Warum kann sich Europa mit rund 300 Milliarden Dollar nicht gegen Russland oder China verteidigen? Und wieso ist Russland mit Ausgaben von 65,1 Milliarden eine große Gefahr für Europa, das fast fünfmal so viel Geld in sein Militär steckt?

Hinzu kommt: Wer auch nur minimale Fähigkeiten zum strategischen Denken hat, weiß: Die Russen programmieren ihre Raketen – auch ihre Atomraketen – auf die US-Militäreinrichtungen, mit denen Russland eingekreist ist. Wichtige militärische Schaltstellen zur Führung der weltweiten US-Kriege befinden sich in Deutschland. Preisfrage: Auf welches Land sind wohl besonders viele russische und – da die USA nicht nur Russland, sondern auch China systematisch einkreisen – demnächst wohl auch chinesische Raketen gerichtet? Man müsste alle sogenannten Verteidigungsexperten der Nato zum Nachsitzen verdonnern, mit der Aufgabe, auf der Weltkarte mit bunten Stiften die Militäreinrichtungen der USA, Russlands und Chinas zu markieren. Und was sähen sie? Während sich viele US-Einrichtungen an der russischen oder chinesischen Grenze befinden, gibt es keine russischen oder chinesischen Einrichtungen an den US-Grenzen.

Auf die Länder ohne US-Flughäfen und -Schaltzentralen sind mit hoher Wahrscheinlichkeit auch keine russischen oder chinesischen Raketen programmiert – wozu auch?

Der mittlerweile frustrierte Macron sprach vom „Hirntod“ der Nato. Da Organisationen kein Hirn haben, meinte er wohl die führenden Verteidigungspolitiker der „westlichen Wertegemeinschaft“. So weit muss man nicht gehen! Es geht um das Erlernen der Grundrechenarten.

Nachbemerkung Albrecht Müller:

Der Text stellt gut dar, wer hier in Europa wen bedroht und warum es sinnvoll ist, die Militärs der USA aus Europa zu verabschieden. Aber was hat Macron damit zu tun? Der Präsident Frankreichs tut doch nur so, als wolle er die USA hier in Europa nicht mehr haben. Damit erwirkt er noch größere Rüstungsanstrengungen Europas und vermutlich auch unsere finanzielle Beteiligung an der französischen Rüstung. Wir sollen seine Kriege in Afrika und sonstwo mitfinanzieren und mit deutschen Soldaten und Material mitführen.

Ich würde nicht einmal ausschließen, dass der Disput zwischen Kramp-Karrenbauer und Macron ein vereinbartes Schattenboxen ist.

Die NachDenkSeiten sind für eine kritische Meinungsbildung wichtig, das sagen uns sehr, sehr viele - aber sie kosten auch Geld und deshalb bitten wir Sie, liebe LeserInnen, um Ihre Unterstützung.
Herzlichen Dank!