Und immer wieder Russlandschmähung
Und immer wieder Russlandschmähung

Und immer wieder Russlandschmähung

Ein Artikel von Frank Blenz | Verantwortlicher: Redaktion

Für den aufgeschlossenen Mediennutzer stellt sich beim Stichwort „Russland“ beinah tagtäglich eine Frage: Was kann der Grund dafür sein, dass deutsche Medienmacher mit vielen ihrer Beiträge über den großen Nachbarn im Osten beim Publikum ein Gefühl des Unbehagens bis hin zur Ablehnung Russlands erzeugen, erzeugen wollen? Ein Beispiel. Die Deutsche Welle produzierte jüngst eine kurze Reportage aus Moskau, die einen zunächst staunen lässt und die Reaktion der Zustimmung und der Achtung hervorruft. Doch Misstöne im Beitrag, mit einer latenten Arroganz versehen, die lassen nicht auf sich warten. Völker verbinden, das fühlt sich anders an. Den Autoren geht es wohl nicht darum und auch nicht um das russische Volk, findet Frank Blenz.

Blättert man die großen Zeitungen auf, Russland bekommt sein Fett weg. Schaltet man zum Beispiel Deutschlandfunk oder Deutschlandradio Kultur ein, dito. Der Fernseher sollte getrost ausgeschaltet bleiben, sobald es auf unseren großen Nachbarn zu sprechen kommt, ach ja, deutsche Journalisten sind eben keine Freunde Russlands, stellt man fest. Dennoch will es der lernwillige, geduldige Mediennutzer, Bürger, Bezahlender des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks und Fernsehens immer wieder versuchen, Vertrauen zu einheimischen Medienmachern aufzubauen, so geschehen jüngst mit der Schau auf eine Sende-Reihe namens „Global 3000“. Diese wird bei ARD-Alpha ausgestrahlt, produziert von der weltweit tätigen Medien-Institution „Deutsche Welle“ (DW). Der Beitrag trug den Titel: „Moskaus rasante Verkehrswende“. Den Zuseher erfreuten zunächst die guten Nachrichten aus Russland, aus Moskau. Doch alles in allem – der Beitrag ließ einen einfach nur verärgert zurück.

Der Beitrag „Moskaus rasante Verkehrswende“ wird auf der Internetseite der Deutschen Welle mit diesen Worten eingeleitet:

128 Stunden – so lange standen Autofahrer in Moskau 2019 durchschnittlich im Stau. Das soll sich ändern. Der Bürgermeister investiert massiv in moderne Technologien und in einen grünen, digital vernetzten öffentlichen Nahverkehr. 500 E-Busse sind schon im Einsatz und die Metro wird im Rekordtempo ausgebaut. Doch viele Bürger protestieren gegen diese brachiale, von oben diktierte Mobilitätswende.

Die Ankündigung zum Beitrag klingt interessant, doch der letzte Satz lässt indes ahnen, wohin der Hase laufen soll: Russland bekommt sein Fett weg. Im TV-Beitrag kommen Zitate vor, die die wohl eigentliche Intention der Autoren transportieren, nicht die technologische Leistung vielleicht gar zu würdigen. Nein, nicht das Engagement der großen Kommune Moskau, das Wirken für die Moskauer stehen im Vordergrund, nein, es ist Ablehnung.

Das geschieht mit derlei Zitaten:

Bei der PR sind sie schon mal Profis.

Der E-BUS-Projektleiter … weiß die Vorteile anzupreisen.

Viele Russen ziehen aus den armen Regionen in die reiche Millionenmetropole Moskau.

Die Schnelligkeit des Moskauer Metrobaus – in europäischen Demokratien wäre das so wohl nicht möglich.

Weil Russland ein autoritäres Regime ist, kann man viele Entscheidungen von oben einfach durchsetzen.

Viele Staus, schlechte Luft ….

Der Zuschauer erfährt immerhin auch Erstaunliches: Binnen zehn Jahren hat sich die Kilometerzahl des Streckennetzes der Moskauer U-Bahn „Metro“ verdoppelt, 145 neue Stationen (!) sind eröffnet worden, 44 weitere folgen bis 2024. Das öffentliche Verkehrsmittel Bus besteht mittlerweile unter anderem aus einer Flotte von 500 E-Fahrzeugen. Ein halbes Dutzend Anbieter von Autos, die man teilen, auf englisch per Car-Sharing nutzen kann, hält eine Armada von 26.000 PKW parat, es ist die größte in Europa (ja, Russland gehört zu Europa bis zum Ural). Das ist für den Zuschauer wie mich erfreulich und Respekt auslösend. Moskau ist eine wachsende Stadt, eine des 21. Jahrhunderts und eine, in die mehr und mehr Menschen ziehen, wie das weltweit in vielen Metropolen der Fall ist. Dass die entsprechenden Bedingungen für diese wachsende Zahl an Moskovitern zu schaffen sind, dies gerade auch infrastrukturell, zeigt der Beitrag.

Als Deutscher kommt man dabei nicht umhin zu schmunzeln, dass hierzulande für den Bau eines Hauptstadtflughafens zig Jahre vergehen, dass in Berlin für eine U-Bahnlinie entlang der schönsten Straße „Unter den Linden“ ebenfalls überdimensional lange „gebraucht“ wird. Und beide Geschichten in Berlin sind immer noch nicht zu Ende geschrieben. In Moskau verdoppelt sich dagegen der Umfang an Kilometern öffentlichen Nahverkehrs binnen weniger Jahre. Das jedoch weiß die „Deutsche Welle“ zu kritisieren. Der ständig arrogant wirkende Unterton des Sprechers macht das gute Gefühl ob der Leistung in Moskau madig.

Schließlich haben die Autoren des Beitrages aus Moskau auch besondere Vorstellungen von Menge, von „vielen Bürgern“:

„Doch viele Bürger protestieren gegen diese brachiale, von oben diktierte Mobilitätswende.“

Im Film kommt eine Bürgerinitiative zu Wort, die die Herangehensweise der Moskauer Verwaltung, der Projektleitungen usw. kritisiert. Nicht zu erkennen ist, dass es „viele Moskauer“ sind, die protestieren. Die DW transportiert den eigenen, politisch motivierten Angriff auf Entscheidungsträger in Moskau mittels der Initiative, ihr Befund lautet: In Russland, in Moskau könne man vieles diktatorisch durchwinken. Um sich als bessere Seite der Erdkugel zu loben: „Die Schnelligkeit des Moskauer Metrobaus – in europäischen Demokratien wäre das so wohl nicht möglich“, sagt der Sprecher.

Trotz des Spotts der DW-Macher, die rasante Moskauer Mobilitätswende ist keine Wende, sie ist eine Entwicklung, schlussfolgert der den Russen nicht ablehnend geneigte Zuseher und kommt zur Frage zurück: Was kann der Grund dafür sein, dass deutsche Medienmacher mit vielen ihrer Beiträge über den großen Nachbarn im Osten, Russland, beim Publikum ein Gefühl des Unbehagens bis hin zur Ablehnung erzeugen, erzeugen wollen?

Eine Antwort könnte sein: Moskau, Putin, Russland – bezeichnen ein Feindbild in Deutschland. Es kann nicht gut sein, was aus so einem Land unter so einer Führung stammt.

Was für die Metro in Moskau gilt, gilt auch für ein medizinisches Mittel. Der Impfstoff Sputnik V. wird in hiesigen Mainstream-Medien anders besprochen als die aus dem eigenen Land, aus den USA oder aus Schweden.

In deutschen Hauptnachrichtensendungen wurde 2020 gesagt, Putin habe für einen Impfstoff Sputnik die Erlaubnis zum Verimpfen erteilt (obwohl es die Erlaubnis war, den Stoff zur Verteilungsreife zu führen, was auch gelang). Dann, Anfang Dezember 2020, wurde in Russland begonnen, viele Menschen zu impfen. Diese Kampagne erblickte in Deutschland kaum das Licht der medialen Welt. Die Wirkungsfähigkeit von Sputnik wird auf über 90 Prozent beziffert, in Deutschland bleibt es bei Ablehnung und Häme in Kommentaren. Schließlich rückte die Kanzlerin heraus, mit Putin über Sputnik telefoniert zu haben. Aha!? Und immer noch, nachdem schon Dutzende Länder den Impfstoff aus Moskau ordern, meint die Kanzlerin sagen zu müssen, dass Sputnik V noch strenge europäische Prüfungsverfahren durchlaufen müsste.

Zurück nach Moskau. Dort sollen bis 2030 alle Busse E-Fahrzeuge sein.

Titelbild: FotograFFF/shutterstock.com

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