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3. Dezember 2016
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Das Imperium schlägt zurück – Die Reaktion der „Qualitätsmedien“ auf den Aufruf: „Wieder Krieg in Europa? Nicht in unserem Namen!“

Veröffentlicht in: Aufbau Gegenöffentlichkeit, Friedenspolitik, Kampagnen / Tarnworte / Neusprech, Medien und Medienanalyse

Gestern wies Albrecht Müller in seinem Beitrag zum Aufruf „Wieder Krieg in Europa? Nicht in unserem Namen!“ auf dessen sehr geringe Resonanz in den Leitmedien hin. Dabei bezog er sich vor allem auf die positive Resonanz. Dass eine derartige „Russlandversteherei“ offenbar nicht unbeantwortet bleiben konnte war eigentlich fast klar. Hier die mehr als absehbare Reaktion der „Qualitätsmedien“ (JK/JB)

Putin schließt das Fenster zu Europa
Nicht der Westen bedroht Russland und den Frieden in Europa – Putin ist es. Das ignorieren die Unterzeichner des Aufrufs „Nicht in unserem Namen“
Quelle: ZEIT

Dieser Russland-Aufruf ist ein peinliches Dokument
60 prominente Deutsche von Roman Herzog bis Wim Wenders warnen Politik und Medien vor einer „Dämonisierung“ Russlands. Ein peinlicher Aufruf, der die Tatsachen auf den Kopf stellt.
Quelle: Welt

Der Krieg ist bereits da
In dieser komplexen Situation der Ukrainekrise muss man von Intellektuellen mehr erwarten als rein moralische Appelle und ein Denken in geopolitischen Einflusssphären.
Quelle: Berliner Zeitung

Schröders Gedächtnisschwund
Wenn unter anderem Ex-Kanzler Gerhard Schröder die Russland-Politik der Regierung kritisiert, muss er sich fragen lassen: Will sich der Putin-Freund verspätet von eigenen Positionen distanzieren?
Quelle: FAZ

Einzig Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung schert hier aus der publizistischen Einheitsfront aus: Debatte um andere Russlandpolitik – Brennende Sorge
In einem offenen Brief rufen 64 Prominente zum Frieden in Europa auf. Sie warnen davor, angesichts der Ukraine-Krise Russland zu dämonisieren. Dieser Aufruf hat Gewicht, nicht nur, weil sich unter den Unterzeichnern ein Altkanzler und ein ehemaliger Bundespräsident befinden.
Quelle: SZ

Auch in der taz findet sich ein entsprechenden Kommentar („Kein Bückling vor Putin!“), der voll auf Linie, die üblichen Argumentationsmuster des Medienmainstream wiedergibt und damit exemplarisch für die von den NachDenkSeiten immer wieder scharf kritisierte einseitige Berichterstattung steht. Er ist auch exemplarisch für die Reaktion der Leser, die eben nicht bereit sind sich weiter für dumm verkaufen zu lassen. Dazu einige interessante Lesermeinungen zu diesem Kommentar. Sind deren Verfasser alle – wie es die Medienschaffenden ja stets behaupten – von Russland gekauft?

Leserkommentare zum taz-Artikel „Kein Bückling vor Putin!“:

„Fehlt Ihnen der Mut, wenigstens den Text des Aufrufs zu veröffentlichen, damit der geneigte Leser den Kommentar einschätzen kann?
Die TAZ ist immer näher an die Zeitungen gerückt, von denen sie sich einst unterscheiden wollte. Kritische Distanz zum Mainstream. Die TAZ stand mal der Friedensbewegung nahe. Aus dieser Bewegung kamen die Gründer. Jetzt ist sie bei den Kriegshetzern wie Göring-Eckardt, Gauck etc. Es ist schlimm zuzusehen, wie der „militärisch-industrielle Komplex“(Eisenhauer) seine Macht immer mehr ausdehnt. Die SPD hat er längst übernommen und die Gründen mindestens zum Teil.“

„Hat die Taz auch eine Baden-Württemberg-Fraktion wie die Grünen, die ständig mit erzdummen und -konservativen Zwischenrufen klarmachen dürfen, dass man von links oder progressiv weit entfernt ist? Was für ein absolut unterirdischer und vom sprachlichen Duktus her hetzerischer Kommentar. Was soll das!?
Will Herr Johnson vielleicht zum Deutschlandfunk wechseln? Da kann er sich im Kreise Gleichgesinnter austoben und verbal an Russland abreagieren.“

„Es wird mittlerweile auf alles und jeden eingeschlagen, der entweder russisch ist, oder versucht, die russischen Positionen zu verstehen. Das scheinen irgendwelche Reflexe zu sein.
Was sind denn unsere wirklichen europäischen Werte?
Freiheit? Nur für die, die es sich leisten können. Und gute Sicherheitsprogramme auf dem PC haben.
Menschenrechte? Unser größter verbündeter knallt weltweit Menschen mittels Drohnen über den Haufen. Wir liefern Waffen an reaktionäre Regime.
Der Westen ist eine zutiefst verheuchelte Gesellschaft geworden. Nur gut, dass wir jetzt den Ukrainekonflikt haben, um davon abzulenken.“

„Diese völlig stumpfsinnige Anti-Russland-PR ist vom Leiter des Auslandsressorts bei der taz? Ich bin Fassungslos.“

„Offensichtlich ist die taz-Redaktion nun auch transatlantisch gleichgeschaltet worden.“

Und auch Medienjournalist Stefan Niggemeier macht sich seine Gedanken zum Thema:

60 Prominente gegen den Krieg sind keine Nachricht für ARD und ZDF
[…] Aber ich merke, dass beim Wahrscheinlichkeitstest meine Trauriger-Redaktionsalltag-in-nichtsmerkenden-Senderbehörden-Theorie zunehmend an Boden verliert gegenüber jeder Verschwörungstheorie.
Es geht ja hier — wie auch bei den Symbolbildern von Putin neulich — nicht um eine einzelne Meldung. Es geht um eine Gesamtsituation, in der ARD und ZDF seit Monaten in außerordentlichem Maße vorgeworfen wird, dass ihre Berichterstattung über den Krieg in der Ukraine einseitig und gefährlich sei. (In welchem Maße diese Vorwürfe berechtigt sind, sei ganz dahingestellt.) Und nun gibt es einen Appell, der eben diese Vorwürfe wiederholt, unterzeichnet nicht von unbekannten Ins-Internet-Schreibern oder möglicherweise vom Kreml bezahlten anonymen Trollen, sondern von 60 teils prominentesten Persönlichkeiten.
Und bei ARD und ZDF denkt man nicht: Okay, da sollten wir uns jetzt aber nicht noch zusätzlich angreifbar machen, sondern das sauber berichten, erstens weil es eh eine Nachricht ist, und zweitens weil der Vorwurf sich womöglich auch irgendwie gegen uns richtet, schon als vertrauensbildende Maßnahme?
Sondern bei ARD und ZDF denkt man: Oh, puh, aber, naja, blöd, heute am Freitag, schon so viel los, gibt ja auch Wichtigeres?
Sie merken nichts. Sie lernen nichts.
Quelle: Stefan Niggemeier

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