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8. Dezember 2016
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Traue keiner Grafik…

Veröffentlicht in: Aufrüstung, Medienkritik, Strategien der Meinungsmache

Heute wurde der Bericht des schwedischen Forschungsinstituts SIPRI über die weltweiten Rüstungsausgaben im Jahr 2014 veröffentlicht. Das war Anlass zur Berichterstattung in den Medien. Grafiken sind bekanntlich am besten geeignet, abstrakte Zahlen in ein leicht fassbares Bild zu fassen. Schaut man sich die Auswahl der Grafiken an, dann kann man zeigen, wie mit solchen bildlichen Darstellungen Eindrücke und damit Meinungen beeinflusst oder gar manipuliert werden können.
Von Wolfgang Lieb.

So berichtet tagesschau.de unter der Überschrift „Russlands Nachbarn rüsten auf“ die Zahlen aus dem SIPRI-Untersuchung korrekt: „Von den weltweiten Rüstungsausgaben entfielen demnach im vergangenen Jahr 34 Prozent auf die USA, zwölf Prozent auf China und 4,8 Prozent auf Russland. Deutschland belegte den Angaben zufolge nach Saudi-Arabien, Frankreich, Großbritannien und Indien mit geschätzten 46,5 Milliarden Euro den achten Platz.“

Dann wird darauf hingewiesen, dass laut SIPRI-Untersuchung Russland seine Militärausgaben um 8,1 Prozent erhöht habe und ein Anstieg für das Jahr 2015 um rund 15 Prozent vorausgesagt werde. Vor allem osteuropäische und baltische Staaten hätten im letzten Jahr ihre Militärausgaben massiv gesteigert, die Ukraine um geschätzte 23 Prozent, Polen um rund 13 Prozent.

Und dann folgt eine Grafik:

Quelle: tagesschau.de

Dieses Bild kann beim Betrachter keinen anderen Eindruck auslösen, als dass Russland nicht nur eine riesige Militärmacht gegenüber seinen östlichen Nachbarn darstellt, sondern damit zugleicht eine überwältigend mächtige Bedrohung.
Die Rüstungsausgaben Russlands bereiten Angst und Schrecken…

Ein völlig anderer Eindruck entsteht, wenn man dagegen die Grafik dagegen stellt, die SIPRI in seinem Fakten-Anhang anbietet.


Quelle: SIPRI [PDF – 2.6 MB]

Danach machen die Russischen Militärausgaben nur einen Bruchteil aus, gemessen an den Rüstungsausgaben der USA oder Chinas. Der Riese sind also die USA und daran gemessen der Zwerg das ist Russland, gerade mal ein Stückchen größer als Saudi Arabien.

Wieder einen anderen Eindruck versucht eine Grafik im Kölner Stadt-Anzeiger zu erwecken.


Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger

„Fast die Hälfte aller Militärausgaben entfallen auf USA und China“ heißt es dort. Deutschland als „Exportweltmeister“ hat hingegen „nur“ einen bescheidenen Anteil von 2,6 Prozent, könnte man (und sollte man wohl) denken.

Warum rechnet man eigentlich nicht die Militärausgaben der in der NATO als Militärbündnis zusammengeschlossenen Prozentanteile zusammen, also die 34 Prozent der USA, die 3,5 Prozent von Frankreich, die 3,4 Prozent von Großbritannien, die 2,6 Prozent von Deutschland oder die 1,7 Prozent von Italien, die 1,3 Prozent der Türkei, die unter den Top 15 der Militärausgaben-Rangliste ausgewiesen sind. Allein die hier aufgeführten Länder machen einen größeren Anteil als China aus.

Dabei sind nur 6 der insgesamt 28 Nato-Mitgliedstaaten aufgeführt.

Wenn man also schon einen Vergleich der Militärpotentiale und der Rüstungsausgaben zwischen dem Westen und Russland herstellen wollte, dann müsste man auf der westlichen Seiten die Militärausgaben der osteuropäischen Staaten, wie Polen, Tschechien, Ungarn, Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Albanien, Kroatien und natürlich nicht zuletzt der westeuropäischen EU-Staaten, die alle nicht in der Liste aufgeführt sind addieren.
(Siehe dazu als Anhaltspunkt Militärausgaben in den NATO-Staaten von 1990 bis 2013 auf statista)

Dann würde jedenfalls eine Grafik entstehen, die zeigt wie dominant die Rüstungsausgaben der NATO-Staaten gegenüber allen anderen staatlichen Militärausgaben in der Welt sind.

Diese Grafik sähe in etwa so aus:


Quelle: The Center for Arms Control and Non-Proliferation
(Diese Grafik stammt aus dem Jahr 2012, sie gibt jedenfalls auch heute noch die Größenordnungen wieder)

Die Verteidigungsausgaben Russlands machten gerade mal knapp 9 Prozent der Militärausgaben der NATO-Staaten aus

(Siehe etwa DEFENCE EXPENDITURES OF NATO COUNTRIES (1990 – 2013) [PDF – 392 KB] danach haben die NATO-Staaten insgesamt über 1000 Milliarden Dollar während Russland um die 90 Milliarden Dollar eingesetzt hat.)

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