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Albrecht Müller Wolfgang Lieb
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21. Dezember 2014
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Iren und Briten verfügen über mehr Kaufkraft als Deutsche, und noch mehr als Schweden und Finnen. Da kann doch etwas nicht stimmen?

Verantwortlich:

Die „Welt“ berichtete am 15.11. auf der Basis einer Veröffentlichung des Nürnberger Marktforschungsinstitutes GfK unter der Überschrift „Sogar Franzosen haben mehr Geld als Deutsche“, die Deutschen hätten jährlich 18.055 € zur Verfügung und lägen damit auf Platz 10 von 40 untersuchten Staaten. Schweden kommt erst auf Platz 11 und Finnland auf Platz 13. Wir alle sind schlechter dran als die Iren. In der Schweiz hätten die „Menschen“ jährlich fast 10.000 € „mehr zur Verfügung“.
Diese Meldung verdient die Zuweisung in unsere Rubrik „Manipulation des Monats“. Denn die Zahlen, die dieser Interpretation zu Grunde legen, geben nicht her, was in dem Text und der Grafik behauptet wird. Albrecht Müller.

Die Manipulation fängt schon damit an, dass weder aus den Texten noch aus der Grafik erkennbar ist, was da eigentlich unter dem Begriff „Kaufkraft 2007 je Einwohner“ verglichen wird. Vermutlich wird das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf verglichen. Das sagt aber sehr wenig darüber aus, über welche „Kaufkraft“ die Mehrheit der Menschen in einem Land verfügen. Wenn unter diesen Ausländer sind, die aus steuerlichen Gründen ihren Wohnsitz zum Beispiel in die Schweiz, nach Irland oder nach Liechtenstein verlegt haben oder an der Börse in London arbeiten, oder wenn Unternehmen ihre Gewinne an Tochterfirmen in ein Niedrigsteuerland wie Irland verschieben, dann werden diese Einkommen und diese Gewinne mitgezählt, obwohl es den Iren, den Schweizern, den Liechtensteinern und auch den Briten nicht zur Verfügung steht. Ausländer verfügen darüber. Die Kaufkraft der Iren und die der Briten wächst damit nicht automatisch.

Ich bin diesem Denkfehler in der „Reformlüge“, die immerhin schon 2004 erschien, für den Fall Irland nachgegangen. Der entsprechende Auszug aus dem Buch ist als Link angefügt:
Besonders absurd ist der Vergleich mit Finnland und Schweden. Schon der ganz normale Augenschein zeigt, dass es den Finnen und Schweden wirklich besser geht als den Iren und auch den Briten. Schon dieser Gebrauch des gesunden Menschenverstandes hätte die GfK wie auch die „Welt“ warnen müssen, so etwas zu veröffentlichen. Sie tun es trotzdem, offenbar nicht in der Absicht, uns zu informieren.
Dahinter steckt die Absicht, mit allen nur erdenklichen Möglichkeiten den Reformdruck aufrecht zu erhalten. Uns soll signalisiert werden, dass es den Menschen in Reformländern wie Irland und Großbritannien besser geht. Bei nächster Gelegenheit wird man sich wieder darauf beziehen.

Lesen Sie hierzu: Auszug aus Albrecht Müllers „Die Reformlüge. 40 Denkfehler, Mythen und Legenden, mit denen Politik und Wirtschaft Deutschland ruinieren“, Denkfehler Nr. 13 „Wir sind nicht mehr wettbewerbsfähig“, Seite 187 ff

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