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Albrecht Müller Wolfgang Lieb
Ein Aufruf der Herausgeber:
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22. Dezember 2014
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„Riestern lohnt sich nicht!!“ Überprüfen Sie Ihre eigenen Verträge, falls Sie welche haben.

Verantwortlich:

Seit langem schon informieren die NachDenkSeiten darüber, warum mit der Privatisierung der Altersvorsorge aus volkswirtschaftlicher Sicht ein falscher und gefährlicher Weg beschritten worden ist (z.B. hier, mit vielen Links auf weiterführende Artikel). Auch auf das grundsätzliche Risiko für den Einzelnen, aufgrund der überhöhten Renditeversprechen von den Versicherungsunternehmen im Alter erheblich weniger als erhofft zu erhalten, haben wir bereits mehrfach hingewiesen.

Inzwischen erreichen uns immer mehr Hinweise auf kritische Kunden, die sich der Mühe unterzogen haben, die Angebote der Versicherungsunternehmen genau durchzurechnen. Gerhard Krug aus Görwihl etwa kommt auf seiner Website nach einem Vergleich mehrerer Angebote für eine Riester-Rente mit der Anlage in Bundes- und Industrieanleihen zu einem eindeutigen Ergebnis: „Riestern lohnt sich nicht!!“. Albrecht Müller.

„Du wirst wahrscheinlich erschrecken, wenn du siehst, welch kleinen Anteil deiner Beiträge und Zinsen (mit Zinseszinsen) du aus der Risterrente wirklich zurückbekommst“, schreibt Krug. Und weiter: „Es handelt sich bei diesem Konstrukt um eine Milliarden schwere Umverteilung unserer mühsam verdienten Gelder zugunsten großer Versicherungen.“

Gerhard Krug hat außerdem eine Excel-Tabelle zum Herunterladen bereitgestellt, damit Sie das Angebot Ihres Versicherers selbst überprüfen können.
Das ist die Quintessenz dessen, was wir in den NachDenkSeiten zur Riester-Rente und zur Rürup-Rente nunmehr seit über vier Jahren schreiben und was in der letzten Nacht auch Gegenstand der Dokumentation in der ARD mit dem Titel „Rentenangst. Der Kampf um die Altersversorgung“ war. (Diese Dokumentation mit Interviews mit Norbert Blüm, den Professoren Bosbach und Schmähl und Albrecht Müller wird übrigens auf Eins Extra am 25.03. um 01:15 wiederholt. Wir bemühen uns auch um einen Link zu dieser Dokumentation. Bisher von der ARD noch nicht ins Netz gestellt.)

Dass Gerhard Krug den Riester-Renten-Betrug so schlüssig und verständlich durchgerechnet hat, ist sehr verdienstvoll.

Gerhard Krug versucht auch zu erklären, wie es zu dieser für die Betroffenen nutzlosen bis schädlichen Gesetzgebung gekommen ist: „Das ganze Gesetz wurde den Politikern durch die Versicherungslobby untergejubelt, und diese, insbesondere Herr Riester, haben es nicht gemerkt und sind leider auch noch stolz darauf. Wollen es sogar für alle verbindlich machen. Wahrscheinlich auch von den Lobbyisten vorgeschlagen.“

Die Einschätzung, dass der Vorschlag, die Privatvorsorge zur Pflicht zu machen, von den Lobbyisten vorgeschlagen worden ist, teile ich. Im Unterschied zu Gerhard Krug bin ich allerdings der Meinung, dass die Politiker sehr wohl wussten, was sie taten, als sie beschlossen, die private Altersvorsorge zu fördern. Mir erscheint es nicht plausibel anzunehmen, dass sie

  • zum einen die Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Rente durch politische Entscheidungen wie den Nachhaltigkeitsfaktor, durch Nullrunden, Festhalten des Beitragssatzes, Anlastung der sozialen Kosten des Aussiedlerzuzugs und der deutschen Vereinigung oder die Erhöhung des Renteneintrittsalters fortlaufend und nachhaltig beschädigen und
  • zum anderen Milliarden von Subventionen für eine private Vorsorge, die unter dem Etikett Eigenverantwortung läuft, beschließen,

ohne zu wissen, was sie damit anrichten.

Auch die wirklich ausgefeilte Propaganda, mit welcher der Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung unser Land mit eigenen Mitteln und mithilfe der Deutschen Rentenversicherung, der Stiftung Warentest/Finanztest, der Volkshochschulen und Schulen überzieht, kann man nicht ahnungslos in Gang setzen. Anzunehmen, Walter Riester oder Franz Müntefering, Gerhard Schröder oder Angela Merkel wüssten nicht, was sie tun, ist sehr unrealistisch.

Spätestens wenn man zum Beispiel diese Reklame sieht, weiß man, was gespielt wird:

vorsorge

Der hier abgebildete Carsten Maschmeyer ist Chef des Hannoveraner Finanzdienstleister AWD und Freund von Gerhard Schröder. Maschmeyer hatte etwa durch eine Anzeigenkampagne wesentlich zum guten Abschneiden des damaligen Ministerpräsidenten Schröder bei der Landtagswahl in Niedersachsen im März 1998 beigetragen und damit letztlich die Kanzlerkandidatur von Schröder gesichert. Die Riester-Rente kann man getrost als Dankeschön betrachten.

Auch die mindestens 181.000 €, die Walter Riester für Vorträge und Beratung laut Aufstellung des Deutschen Bundestages über die Nebeneinkünfte „verdient“ hat, deuten darauf hin, dass wir es hier mit einem Fall politischer Korruption zu tun haben und nicht mit Ahnungslosigkeit.

Näheres dazu hier

Diese kritischen Anmerkungen zu den Aussagen von Gerhard Krug sind jedoch nur Randbemerkungen. Ansonsten gilt: wir würden nicht auf seine Seite hinweisen, wenn wir sie nicht für sehr hilfreich hielten.

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