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NABU vs. NachDenkSeiten – die Umweltschützer schlagen zurück, können dabei aber auch nicht überzeugen

Veröffentlicht in: Audio-Podcast, Energiepolitik, Kampagnen / Tarnworte / Neusprech, Ressourcen, Umweltpolitik, Wirtschaftspolitik und Konjunktur

Der NABU will die deutsch-russische Ostseepipeline Nord Stream 2 verhindern und ruft dafür seine Anhänger zu einer Protestmail an „Merkel, Schulz und Seehofer“ auf. Problematisch: Dieser Protest spielt den Interessen der USA und der amerikanischen Öl- und Gaswirtschaft in die Hände, die liebend gerne ihr Fracking-Gas nach Europa exportieren würde. Die NachDenkSeiten hatten diesen Widerspruch letzte Woche aufgegriffen und zahlreiche unserer Leser haben sich beim NABU beschwert oder sind aus dem Verband ausgetreten. Mit (Teil)Erfolg. Ohne dies transparent zu machen, hat der NABU ganze Textpassagen seiner Kampagne verändert und die Beschwerden unserer Leser mit einem Formschreiben beantwortet. Parallel dazu hat Kim Detloff, Leiter Meeresschutz beim NABU, Kontakt zu den NachDenkSeiten aufgenommen und seine Version der Protestaktion geschildert. Wir wollen Ihnen beide Schreiben präsentieren, nehmen jedoch auch kritisch dazu Stellung. Von Jens Berger.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

  1. Ergänzung der NABU-Aktionsseite

    Nach dem Artikel hat der NABU seine Kampagnenseite zu Nord Stream 2 überarbeitet, ist durch erklärende Textpassagen dankenswerterweise auf die Position der NachDenkSeiten eingegangen und hat dabei die eigenen Aussagen und Forderungen zumindest in Teilen präzisiert und entschärft. Sie können mit Hilfe der Wayback Machine selbst die alte Version mit der aktuellen Version vergleichen. Die NachDenkSeiten haben die neuen Passagen für Sie bei drei Beispielen farblich gekennzeichnet.



    Es ist natürlich erfreulich und löblich, dass der NABU zumindest in Teilen auf unsere Aufklärung reagiert. Ein wenig ärgerlich ist jedoch, dass dies so intransparent vor sich geht. Einige Leser haben sich beispielsweise gestern bei uns beschwert, dass unsere Aussagen doch inkorrekt seien, der NABU erkläre auf seiner Seite doch selbst, dass er z.B. Fracking-Gas aus den USA ebenfalls ablehne. Nun ja. Wir von den NachDenkSeiten machen – wie viele andere Publikationen auch – Änderungen stets als solche kenntlich. Aber dies kann man einem Umweltschutzverband, für den schließlich keine journalistischen Regeln gelten, natürlich nicht vorschreiben. Ein wenig schade ist jedoch, dass eben dieser Umweltschutzverband uns im Gegenzug einen mangelnden „journalistischen Anspruch“ unterstellt und dabei so tut, als seien die Ergänzungen schon immer Bestandteil der Kampagne. Aber darüber sollen sich unsere Leser und die Anhänger des NABU ihr eigenes Bild machen.

  2. Formbrief des NABU

    Zahlreiche unserer Leser haben uns die Antworten des NABU auf ihre Beschwerde-Mails weitergeleitet. Diese Antworten variieren meist nur in der Anschrift und im ersten Absatz, in dem kurz auf die Beschwerde eingegangen wird. Danach folgen Passagen aus einer Argumentationshilfe, einem Formbrief, der auch schwere Anschuldigungen gegen die NachDenkSeiten enthält, dabei jedoch nicht auf unsere Argumente eingeht. Wir haben die Zeichensetzung aus dem Original 1:1 übernommen und einige Stellen, die wir besonders interessant fanden, gefettet.

    Liebe Frau Klein, Lieber Herr Klein,
     
    mit großem Unverständnis haben auch wir den Artikel auf der Webseite NachDenkSeiten zu Kenntnis genommen. Die darin formulierten Anschuldigungen zeugen leider von einer sehr oberflächlichen und populistischen Betrachtung der NABU-Auseinandersetzung mit Projekt Nord Stream 2.

    Der NABU begleitet das Genehmigungsverfahren der Gaspipelineseit etwa einem Jahr und stützt sich bei seiner Ablehnung auf klimapolitischeund naturschutzfachliche Argumente, die in dem zitierten Artikel weitgehend ausgeblendetwerden. Ja, Nord Stream 2 ist auch von europapolitischer Bedeutung. Genaudeshalb haben wir diesen Punkt in unserem offenen Brief an die Bundeskanzlerin ebenfallsaufgegriffen. Klimapolitik und Energiesicherheit sollten nach unserer Meinung europäisch diskutiert und entschieden werden und nicht in nationalen Alleingängen.

    Der Autor des zitierten Artikels  macht den NABU in diffamierender Weise zum Gehilfen einer in seinen Augen imperialistischen US-Politik und zum Lobbyistender amerikanischen Fracking-Industrie. Das ist haltlos und unsachlich. Es geht nämlich nicht um russisches oder amerikanisches Gas, sondern darum, dass Gas grundsätzlich kein Weg aus der Klimakrise ist. Fossile Energieträger laufen derEnergiewende zuwider und konterkarieren die Ziele des PariserKlimaschutzübereinkommens.

    Dass politische Positionierungen des NABU von anderen Akteuren für ihre Zwecke missbraucht werden verurteilen wir, können es jedoch leider nicht verhindern. Waren wir bei unserer ablehnenden Haltung gegenüberdem Freihandelsabkommen TTIP noch zu russlandfreundlich, so soll es beim Projekt Nord Stream 2 genau andersherum sein. Das wird der Komplexität imNatur- und Umweltschutz nicht gerecht, ist im Denken zu eindimensional und genügt keineswegs journalistischem Anspruch. Nicht wir flankieren den amerikanischen Außenminister, sondern dieser hat eine eigene, abweichende Motivation, sich gegen das Projekt zu positionieren, die natürlich kritisch hinterfragt werden darf.

    Im Übrigen rufen wir an keiner Stelle zu einer Sanktionspolitik gegen Russland auf. Die bestehende Ostseepipeline wird Deutschland wohl noch für Jahrzehnte mit russischem Gas versorgen.

    Als NABU erwarten wir nicht, dass alle Menschen unsere Position teilen. Aber wir wünschen uns, dass auch Kritiker sich mit unseren Argumenten auseinandersetzen. Wenn Sie auf unsere Kampagnenseite www.stopptnordstream2.de gehen undden Offenen Brief lesen, werden Sie eine klare Herleitung unserer Argumentationerkennen: Klimaschutz, Naturschutz und dann auch die Frage der Europapolitik. Machen Sie sich bitte selbst ein Bild und seien Sie versichert, dass wir unsals NABU sehr klar an unsere Rolle als Naturschutzverband und unsere Vereinssatzunggebunden fühlen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Anne Böhnke-Henrichs
    Referentin Meeresschutz
NABU Bundesverband

    Wenn der NABU – vollkommen zu Recht – fossile Energieträger und hier insbesondere das Erdgas kritisiert und ein generelles Umdenken fordert, so ist es doch ein wenig seltsam, dass er diese generelle Forderung gerade an einem sehr konkreten Projekt aufhängt und auf seiner Kampagnenseite den generellen Zusammenhang in den Hintergrund stellt. Dass der Text vom NABU Bundesverband dabei auf kein einziges unserer Argumente eingeht und stattdessen mit Verbalinjurien und Blendgranaten nur so um sich wirft, lässt ebenfalls tief blicken und ist keinesfalls geeignet, um unsere kritischen Leser zu überzeugen.

    Gehört Russland etwa nicht zu Europa? Warum sollte ein Projekt, an dem neben Deutschland und Russland auch Frankreich, die Niederlande und Norwegen partizipieren, nicht „europäisch diskutiert“ sein? Wir sind in unseren Artikeln zum Thema recht ausführlich auf die Interessenkonflikte eingegangen. „Oberflächlich“ und „populistisch“ ist da eher – mit Verlaub – das Schreiben des NABU. Auch die Aussage, „der Autor“ mache den NABU „in diffamierender Weise zum Gehilfen einer in seinen Augen imperialistischen US-Politik und zum Lobbyisten der amerikanischen Fracking-Industrie“ ist unzutreffend, betonen wir doch, dass es sich hierbei um eine „indirekte“ Lobbyarbeit handelt, die den genannten Interessen in die Hände spielt. Der Begriff „imperialistisch“ kommt in den Texten zum Thema übrigens überhaupt nicht vor und wurde offenbar gewählt, um den Artikel der NachDenkSeiten zu diffamieren. Dass man in einem derart unterkomplexen Antwortschreiben ausgerechnet uns mangelnde Komplexität und Eindimensionalität vorwirft, ist schon unfreiwillig komisch. Wir wollen uns nicht auf ein derartiges Niveau herablassen. Machen Sie sich ruhig Ihr eigenes Bild.

    Sind diese beiden verlinkten Hintergrundartikel zum Thema wirklich unterkomplex und eindimensional?

    Weiß der NABU nicht, dass solche Mails natürlich immer auch ihren Weg zu uns finden und wir solche haltlosen Frechheiten nicht auf uns sitzen lassen? Zum Glück – für den NABU – gab es auch eine Mail an uns, die ein wenig differenzierter war und auf kindische Beleidigungen verzichtete …

  3. Eine Mail an uns

    Von: „Kim Detloff“
    An: „[email protected]
    Gesendet: 30.01.2018 18:04:23
    Betreff: Ihr Artikel zu Nord Stream 2 und der Rolle der Umweltverbände

    Sehr geehrte Redaktion der NachDenkSeiten,

    mit einigem Unverständnis habe ich den heutigen Artikel „Wenn Umweltschützer sich vor den Karren der Transatlantiker und der Fracking-Lobby spannen lassen“ gelesen.

    Wenngleich wir den Diskurs um das Projekt Nord Stream 2 bewusst eingegangen sind, so sind wir von der eindimensionalen Auseinandersetzung mit dem Thema bei ihnen doch enttäuscht. Wir erwarten nicht, dass unsere Forderung von allen Menschen geteilt wird, es ist in der Tat eine schwierige, vielschichtige Debatte, aber ein wenig journalistischen Anspruch hätten wir uns gewünscht. Warum greifen Sie sich allein die europapolitische Dimension heraus – die unbestritten da ist – aber gehen in keiner Weise auf unsere klimapolitischen und naturschutzfachlichen Argumente ein. Diese aber sind genau die Grundlage unseres Handelns und stehen bei unserer Kampagne www.stopptnordstream2.de klar im Mittelpunkt.

    Uns geht es nicht darum woher das Erdgas kommt, sondern dass Gas leider nicht die klimafreundliche Brückentechnologie zur Bekämpfung des Klimawandels ist als die es zu oft dargestellt und verkauft wird. Es geht nicht um russisches Gas oder amerikanisches Fracking-Gas – beides ist eine Sackgasse und konterkariert die Pariser Klimaziele. Es geht nicht um pro USA und contra Russland, dieser Vorwurf wird leider in anderen Zusammenhängen genau andersherum und zu inflationär ausgesprochen. Wer sich die Mühe macht, unsere ausführlichen Stellungnahmen oder auch die Hintergründe auf unserer Webseite zu lesen, erkennt das.

    Eine ganze Reihe ihrer Follower via facebook und twitter hat auch erkannt, dass Sie es sich mit ihrer Attacke auf den NABU und den WWF etwas zu leicht gemacht haben. Das gewählte Flaggenmotiv hinterlässt bei mir persönlich sogar noch andere, viel traurigere Assoziationen. Wir würden es begrüßen, wenn Sie eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Projekt Nord Stream 2 auf ihrer Seite möglich machen, sei es über einen weiteren Bericht, einen Leserbrief oder ein anderes Format. Wir stehen dafür jederzeit gern zur Verfügung.

    Mit freundlichen Grüßen

    Kim Detloff

    Dr. Kim Cornelius Detloff
    Leiter Meeresschutz
    Head of Marine Conservation

    Obgleich Kim Detloff im Kern auch die Argumentation des Formbriefs des NABU verwendet, versucht er zumindest einen Dialog zu erreichen. Auf diesen Brief antwortete ich ihm wie folgt …

    Von: „Jens Berger“
    An: „Kim Detloff“
    Gesendet: 30.01.2018 18:50:15
    Betreff: Re:Ihr Artikel zu Nord Stream 2 und der Rolle der Umweltverbände

    Sehr geehrter Herr Detloff,

    offensichtlich stammen die Formulierungen auf der Kampagnenseite nicht von Ihnen, da ich dort von Ihrem differenzierten Ansatz nicht viel finde. Dort rufen Sie zum Protest gegen „Nord Stream 2“ und nicht zum Protest gegen die „Brückentechnologie Gas“ auf. Es wäre sicherlich auch hilfreich, wenn man die Diskussion um Nord Stream 2 auch einmal von der Frage nach dem Pro und dem Contra von fossilen Energieträgern abkoppeln würde, bei der ich Ihnen sicherlich auch in den allermeisten Punkten Recht geben würde. Den Akteuren, die Sie in Ihrer Formulierung Schützenhilfe geben, geht es aber nicht um den Ersatz von fossiler durch regenerativer Energie, sondern um die Substitution von russischen Erdgaslieferungen durch LNG aus den USA und dem persischen Golf. Und hier fällt die Umweltbilanz – da werden Sie mir sicherlich Recht geben – noch wesentlich schlechter aus und auch klimapolitisch kann eine solche Substitution nicht in Ihrem Sinne sein. Warum erwähnen Sie diesen Aspekt in Ihrem Kampagnentext nicht einmal in einem Nebensatz?

    Wie Sie unschwer feststellen können, geht es im Artikel auf unserer Seite aber auch nicht primär um die klimapolitischen Aspekte, sondern um die außen-/wirtschafts- und sicherheitspolitischen Aspekte, auf die Sie in ihrer Mail erstaunlicherweise nicht zu sprechen kommen. Eben diese Punkte führen Sie aber zentral in ihrem Kampagnenaufruf auf. Ihre Meinung dazu würde mich ja mal interessieren. Sie können dies doch nicht ausblenden, auch Klimapolitik spielt sich nicht im luftleeren Raum ab. Und wenn es Ihnen wirklich nicht um „pro USA“ und „contra Russland“ geht, warum greifen Sie dann in Ihrem Aufruf das transatlantische Vokabular auf? Da hilft es wenig, sich auf die „Hintergründe auf Ihrer Webseite“ zu berufen. Die habe ich im Artikel selbst positiv gewürdigt und bereits erwähnt, dass die kritisierten Formulierungen in den Hintergrundinformationen gar nicht vorkommen. Mir scheint es eher so, dass Ihre Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit (oder Ihr Vorstand?) den Naturwissenschaftlern in ihrem Verband durch eine eigenmächtige Formulierung einen Bärendienst erwiesen haben. 

    beste Grüße
    Jens Berger

    Kim Detloff beantworte dies mit folgender Mail …

    Von: „Kim Detloff“
    An: „Jens Berger“
    Gesendet: 31.01.2018 17:13:53
    Betreff: Antwort:Re: Ihr Artikel zu Nord Stream 2 und der Rolle der Umweltverbände

    Sehr geehrter Herr Berger,

    ich darf Ihnen mitteilen, dass ich für die Ausrichtung des vom NABU verschickten Offenen Briefs wie auch für die Kampagnenseite mit Verantwortung trage. In einem ihrer Punkte kann ich Ihnen Recht geben: Klima- und Umweltpolitik spielen sich nicht in einem luftleerem Raum ab. Genau deshalb haben wir neben unseren Kernargumenten aus Klima- und Naturschutz (Schwerpunkt der fachlichen Stellungnahmen) auch die europapolitische Komponente in unserer Kampagne adressiert. Weil es kaum zu trennen ist. Die europäische Gasversorgung und die europäische Klimapolitik gehört in europäische Hand, dazu stehen wir.

    Den NABU jetzt als Gehilfen der US-Regierung und der amerikanischen Fracking-Industrie darzustellen ist haltlos. Wir positionieren uns schon lange gegen Fracking. Es geht wie schon geschrieben nicht um russisches oder amerikanisches Gas, sondern darum, dass Gas grundsätzlich kein Weg aus der Klimakrise ist. Fossile Energieträger laufen der Energiewende zuwider und konterkarieren die Ziele des Pariser Klimaschutzübereinkommens. Besonders in den entscheidenden nächsten 20 Jahren ist das Methan bis zu 87 Mal klimaschädlicher als CO2. Das heißt, mit Gas erreichen wir das Pariser Klimaziel nicht. Weder mit Erd- noch mit Frackinggas. Wir müssen stattdessen weg von fossilen Energieträgern und zwar in allen Bereichen. Vermutlich wieder eine Übereinstimmung?

    Dass politische Positionierungen des NABU von anderen Akteuren für ihre Zwecke missbraucht werden verurteilen wir, können es jedoch nicht verhindern. Waren wir bei unserer ablehnenden Haltung gegenüber dem Freihandelsabkommen TTIP noch zu russlandfreundlich, so soll es beim Projekt Nord Stream 2 jetzt andersherum sein? Das wird der Komplexität im Natur- und Umweltschutz nicht gerecht und ist im Denken zu eindimensional. Nicht wir flankieren die amerikanische Politik, sondern diese hat eine eigene, abweichende Motivation, sich gegen das Projekt zu wenden, die natürlich kritisch hinterfragt werden darf. Doch Sie werfen uns vor, die jüngsten Aussagen des US-Außenministers zu stützen, das ist einfach Quatsch. Ich habe leider das Gefühl, Sie haben unseren offenen Brief von hinten gelesen, sich eine schnelle eigene Meinung gebildet und dann zur Hälfte abgebrochen. Das ist schade.

    Über Bärendienste brauchen wir nicht streiten. Aber unser Angebot steht noch immer, eine sachliche Debatte zu führen, auch um das geopolitische Gezanke, um Risiken für Umweltverbände in der Beschäftigung mit Nord Stream 2. Nur leider haben Sie uns dazu bisher nicht die Gelegenheit gegeben. Immerhin haben wir bilateral einen ersten Versuch unternommen, der sicher auch für die Abonnenten ihrer Webseite eine Möglichkeit wäre, sich ein differenziertes eigenes Bild zu machen. Bisher können sie das leider nicht.
    Mit freundlichen Grüßen
    Kim Detloff

    Man könnte diesen Disput wohl endlos fortführen. Der NABU stellt seine Aktion gegen Nord Stream 2 als Positionierung gegen fossile Energieträger dar, gesteht zwar ein, dass er nicht im luftleeren Raum agiert, erkennt jedoch die realpolitischen Folgen seines Handelns nicht. Auch wenn der NABU dies vehement abstreitet, erfüllt er mit dieser konkreten Aktion – wahrscheinlich ungewollt – die Vorfeldarbeit der US-Außenpolitik und der Fracking-Lobby. Schade ist, dass darüber offenbar vom NABU noch nicht einmal im Ansatz eigenkritisch reflektiert wird. Stattdessen verweist man auf das „große Ganze“ und will lieber über die Energiewende als über konkrete realpolitische Aspekte sprechen. Das ist durchaus verständlich, schließlich gehört die Außen- und Sicherheitspolitik nicht zu den Kernkompetenzen des NABU und streng genommen verlangt auch niemand von einem Umweltschutzverband sich über geostrategische Fragen den Kopf zu zerbrechen. Aber dann sollte sich der NABU auch nicht in Debatten einschalten, von denen er ganz offensichtlich nicht viel versteht und von denen er auch gar nichts wissen will. Bleibt zu hoffen, dass man aus dem Fehler gelernt hat und beim nächsten Mal ein wenig bedachter zur Sache geht.

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