Annalena eint die Welt!

Annalena eint die Welt!

Annalena eint die Welt!

Jens Berger
Ein Artikel von: Jens Berger

Wie schnell doch die Zeit vergeht. Ist es wirklich erst ein Jahr her, dass Deutschlands Star-Diplomatin Annalena Baerbock dem Ruf der Vereinten Nationen nach New York gefolgt ist und mit ihren kecken Instagram-Filmchen einen Hauch von Berliner Glamour in die verschlafene Hudson-Metropole brachte? Bereits in zwei Wochen wird sie ihren Platz als Präsidentin der Generalversammlung der Vereinten Nationen – also im Grunde als oberste Repräsentantin der Menschheit – räumen müssen und die noch zu schreibenden Laudationes werden sicher ganze Bibliotheken füllen. Doch Annalena wäre nicht Annalena, wenn sie nicht kurz vor ihrem Abgang mit einem Paukenschlag für Furore sorgen würde. Glaubt man einschlägigen Pressemeldungen, hat Annalena nun geschafft, was vor ihr noch niemandem geglückt ist: Sie hat die USA und Russland vereint! – und sei es auch nur in gemeinsamer Abneigung gegen sie, Annalena Baerbock. Scheitern als Chance! Daraus könnte noch Großes erwachsen! Eine Glosse von Jens Berger.

Die Vereinten Nationen sind schon ein seltsames Gebilde. Zwar mag Annalena Baerbock ja – ähnlich wie der Papst oder der Dalai Lama – zweifelsohne die oberste moralische Autorität der Menschheit sein; formal werden die Vereinten Nationen jedoch vom Generalsekretär vertreten. Den kennt zwar auch so gut wie niemand und realpolitisch hat er nicht so viel zu melden, er ist jedoch in diplomatischen Fragen immer noch eine gern zitierte Instanz. Gewählt wird dieser Generalsekretär von der Generalversammlung, also genau jener Veranstaltung, der Annalena Baerbock vorsteht.

Habe ich „gewählt“ gesagt? Nun, das ist nicht ganz richtig. Denn eine echte Wahl haben die Vertreter nicht. Ihnen wird vielmehr ein Kandidat vorgesetzt, den sie dann bitte schön abzunicken haben. Aber so war es bei Annalenas „Wahl“ ohne Gegenkandidaten ja auch – wobei man da schon schmunzeln muss, dass immerhin sieben Vertreter nicht Annalena, sondern eine gewisse „Helga Schmidt“ (sic!) gewählt haben. Diese Dame stand gar nicht auf dem Wahlzettel und heißt eigentlich Helga Schmid, ist deutsche Karrierediplomatin mit tadellosem Ruf und war eigentlich die designierte Kandidatin für den Posten. Böse Zungen behaupten, dass Annalena sie von der Liste gemobbt hätte, um ihre eigene Traumkarriere bei der UN zu befördern. Aber das spielt letztlich keine Rolle, denn eine Wahl hatten die Delegierten ja ohnehin nicht. Der Posten wurde – wie so viele hohe UN-Posten – im Hinterzimmer ausgekungelt.

Und wo wir gerade beim Auskungeln sind. Da auch der Posten des UN-Generalsekretärs am Ende des Jahres neu besetzt werden muss, läuft die Auskungel-Maschinerie in New York derzeit auf Hochtouren. Doch da der Posten des Generalsekretärs – rein formell versteht sich – etwas wichtiger als der Posten der Präsidentin der Generalversammlung ist, haben die Strippenzieher aus Berlin hier nichts mitzureden. Die Nominierung des UN-Generalsekretärs ist vielmehr die Champions League der hohen Weltdiplomatie. Der Kandidat, der von der Generalversammlung gewählt, also abgenickt, wird, muss nämlich zuvor vom UN-Sicherheitsrat nominiert werden. Und dort haben bekanntlich die Weltmächte USA, Russland, China und aus unerklärlichen Gründen auch Frankreich und Großbritannien ein Vetorecht. Heißt: Jedes dieser fünf Länder kann und wird einen Kandidaten, der ihm nicht so recht in den Kram passt, ablehnen. Ist das demokratisch? Natürlich nicht. Ist das transparent? Natürlich auch nicht. Aber war die Nominierung von Annalena Baerbock demokratisch oder transparent? Ich weiß, das ist eine rhetorische Frage.

Fand unsere Superdiplomatin diese undemokratischen und intransparenten Prozesse bei ihrer eigenen Wahl noch ganz dufte, ging sie nun bei der anstehenden Wahl des Generalsekretärs jedoch auf die Barrikaden. Die Einzelheiten erspare ich Ihnen, geht es dabei doch um ziemlich langweilige Formalien und UN-Gewohnheitsrecht – fest steht jedoch, dass Annalena Baerbock sich über sämtliche vorherigen Absprachen hinwegsetzte, indem sie lauthals postulierte, dass die Kandidaten, die beim Gekungel im Sicherheitsrat in die engere Auswahl kommen, sich in der Generalversammlung zu einer Mischung aus Befragung und Elefantenrunde vorzustellen hätten. Sie wolle, so Baerbock, die „Transparenz“ des Auswahlprozesses stärken. Das ist aus dem Mund der Frau, die selbst ihr Amt durch intransparentes Geschacher und Intrigen zugeschustert bekam, natürlich mal eine echt steile Ansage. Das Auswärtige Amt konnte es sich noch nicht einmal verkneifen, in einem Statement darauf hinzuweisen, dass Deutschland ja der „größte Beitragszahler“ der UN sei und „unser“ Wort damit offenbar besonderes Gewicht haben müsste. Damit erreichte man schon mal 9 von 10 Punkten auf der Fremdschämskala. Annalena selbst machte dann die 10 Punkte voll, als sie noch nachschob, der kommende Kandidat solle – was auch sonst – eine Frau sein.

Doch dann geschah das Wunder. Annalena wurde zwar nicht er-, aber dennoch gehört. Als erstes wagte sich Jennifer Locetta, ihres Zeichens stellvertretende UN-Botschafterin für die USA und Trumps Mädchen fürs Grobe bei der UN, aus der Deckung und machte sich genüsslich über den „diplomatischen Superstar“ aus Germany lustig. Deren Vorgehen bei der Nominierung des Generalsekretärs sei „übergriffig“ und „heuchlerisch“. Nun gibt es ja nicht viele Punkte, bei denen man der Trump-Regierung vorbehaltslos recht geben muss. Hier trifft sie jedoch zweifelsohne voll ins Schwarze. Doch nicht nur das. Kaum war der rhetorische Steilpass aus Washington gespielt, verwandelte Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja ihn mit einem fulminanten Volley ins Tor – auch er sei „besorgt über die Rolle“, die sich Baerbock mit ihrem Verhalten verschaffen wolle. Weniger diplomatisch sollte das wohl heißen, die komische Frau aus Deutschland solle doch lieber ihre Klappe halten und besser Instagram-Storys darüber posten, wie aufregend das Diplomatenleben in New York doch sein kann.

Da war es: Die beiden größten Atommächte der Welt, die sich jahrzehntelang spinnefeind gegenüberstanden, waren vereint. Vereint in ihrer Abneigung gegen Annalena Baerbock. Ein großdiplomatisches Wunder war geschehen. Washington und Moskau Seit’ an Seit’. War der Weltfriede jemals so nahe?

Ich hätte da ja eine Idee. Laut Medienberichten soll unsere Annalena ja nun Professorin werden. Nicht am „Annalena-Baerbock-Zentrum für Kinder, die eher aus dem Völkerrecht kommen“, sondern an der echten Columbia University. Fragen Sie mich nicht, wer das ausgekungelt hat. Aber nein, man darf doch das größte diplomatische Talent seit Talleyrand nicht an irgendeiner Uni verschimmeln lassen. Ich fordere: Annalena for Generalsekretär! Die USA mögen sie nicht, Russland hasst sie und auch in China ist die „oberste deutsche Wolfskriegerin“ ungefähr so beliebt wie Pest und Cholera zusammen. Wie wäre es also, wenn man die Weltmächte durch ein gemeinsames Feindbild an einen Tisch bringt? Gemeinsamkeit durch Abneigung – das wäre doch ein Slogan, der unseren Planeten dem Weltfrieden näherbringen sollte. Nun muss man nur noch eins und eins zusammenzählen und die Antwort liegt auf dem Tisch: Annalena Baerbock muss die nächste UN-Generalsekretärin werden!

Titelbild: ChatGPT, erstellt mit künstlicher Intelligenz

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