George Orwell hätte seine Freude: Heute wird das waffenstarrende Militärbündnis NATO mit dem „Preis des Westfälischen Friedens“ ausgezeichnet. Diese absurde Episode ist ein vorläufiger Höhepunkt bei der Anbiederung an den neuen Militarismus. Auch mit anderen Preisverleihungen wird teils harte Propaganda betrieben. Ein Kommentar von Tobias Riegel.
Der Preis des Westfälischen Friedens 2026 wird am heutigen Donnerstag an das westliche Militärbündnis NATO verliehen, wie Medien berichten. In Empfang nehmen wird den Preis der Generalsekretär des Bündnisses, Mark Rutte. Die Jury findet sich hier, bisherige Preisträger hier. Die Begründung für die Auswahl der NATO als Friedenspreisträger findet sich unter diesem Link.
Wir sind auf die Verleihung und die Begründung schon bei der Ankündigung vor einigen Monaten im Text „Geht es noch verrückter? NATO erhält ‚Westfälischen Friedenspreis’“ eingegangen. In dem Artikel heißt es:
„In dieser Begründung stehen viele salbungsvolle Worte zur angeblichen ‘kontinuierlichen Friedensarbeit der NATO’ im Sinne des Erbes des Westfälischen Friedens – natürlich wird dort aber unterschlagen: Es war die NATO-Osterweiterung und die Verweigerung einer Russland einschließenden Sicherheitsarchitektur, die absolut voraussehbar (mit) zum Ukrainekrieg geführt haben. Es war die NATO, die 1999 mit der Bombardierung Jugoslawiens den Angriffskrieg ohne UN-Mandat nach Europa gebracht hat. Das sind nur zwei Fakten unter zahlreichen weiteren zum Charakter der NATO und ihrer ‚kontinuierlichen Friedensarbeit‘, die die Ehrung durch einen ‚Friedenspreis‘ umgehend ausschließen müssten.“
Als Reaktion auf den dreisten Versuch, die NATO durch eine Friedenspreisverleihung zu verniedlichen, hat sich Protest formiert, außerdem wurde der „Alternative Westfälische Friedenspreis“ ins Leben gerufen – die Verleihung an „Connection e.V.“, einer Initiative zur Unterstützung von Wehrdienstverweigerern, kann man unter diesem Link ansehen.
Propaganda durch Preisverleihungen
Auch wenn im aktuellen NATO-Fall das Umfeld der Preisverleihung weniger wissenschaftlich-kulturell als „politisch“ geprägt ist (Laudatio: Friedrich Merz), so wirken solche Verleihungen doch oft auch in einen „feuilletonistischen“ Bereich hinein. Auf die Propaganda-Masche, nach der auch „die Kultur“ und „die Wissenschaft“ angeblich bestimmte politische Anliegen unterstützen würden, wurde allgemein bereits in diesem Artikel eingegangen. Und über die harte Meinungsmache, die mit wohlklingenden Preisverleihungen betrieben wird, haben wir bereits in einigen Artikeln berichtet: etwa über den Friedensnobelpreis für die Invasions-Befürworterin Machado, über die Karlspreise für Selenskyj und für von der Leyen, über die „Friedenspreise“ des deutschen Buchhandels für das antirussische Pamphlet von Serhij Zhadan oder kürzlich für den Historiker Karl Schlögel.
Auch Medien wie N-TV wundern sich aktuell über die Auswahl der NATO als Friedenspreisträger und fragen: „Ein Vegetarierpreis für Metzger?“ – aber nur, um das Husarenstück um den Friedenspreis für die NATO dann mit einer „baltischen Perspektive“ doch indirekt rechtfertigen zu wollen.
Kritische und gut informierte Bürger lassen sich von solchen Preisverleihungen intellektuell wohl nicht mehr hinters Licht führen – möglicherweise können sie aber bei anderen Gruppen noch eine erhebliche propagandistische Wirkung entfalten.
Titelbild: Qeeraw / Shutterstock
Geht es noch verrückter? NATO erhält „Westfälischen Friedenspreis“
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Kulturpropaganda und Preisverleihungen
Kapiert es endlich: Frieden ist jetzt Krieg! Und links ist jetzt rechts!






