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Markt und Shareholder Value auf dem Kapitalmarkt? – Alles Täuschung. Das wird am Fall Bayer/Monsanto sichtbar. Gut erläutert in einem Film von Gaby Weber.

Veröffentlicht in: Audio-Podcast, Ökonomie, Banken, Börse, Spekulation

Alle Shareholder sind gleich. Aber einige sind gleicher. Und erzielen höhere Renditen – durch Ausnutzung von Macht und Beziehungen. Und durch Drohungen. Von den Ideologen der Marktwirtschaft auf den Kapitalmärkten wird üblicherweise die Geschichte erzählt, es gebe dort wie auf den sonstigen Märkten Angebot und Nachfrage von Anlegern und Investoren und dieses führe dann zu optimalen Entscheidungen. Alles Quatsch, alles Betrug! Das wird uns zur Zeit am Fall Bayer/Monsanto und der Schadensersatzentscheidung eines kalifornischen Gerichtes drastisch vor Augen geführt. Der Investmentfonds BlackRock, der an beiden Unternehmen beteiligt ist, hat offensichtlich mit seinem 7%-Anteil an Bayer dafür gesorgt, dass Bayer das risikobehaftete US-Unternehmen Monsanto zu 100 % übernimmt und damit auch die Risiken ins Haus stehender Schadensersatzforderungen gegen Monsanto wegen des Einsatzes von Glyphosat. Albrecht Müller.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Die Journalistin und Filmemacherin Gaby Weber nimmt sich dieses Vorgangs an. Wir geben zunächst Ihre Mail einschließlich des Links auf den neuen Film (21 Minuten) zur Kenntnis. Sie schreibt dazu:

„Es geht darum, wie Monsanto seine Risiken auf Bayer abgewälzt hat. Ihr habt sicher von dem am Samstag veröffentlichten Urteil aus San Francisco gehört, wo Monsanto – also jetzt Bayer – zu einem dreistelligen Millionenbetrag verurteilt wurde, weil es nicht ausreichend über die Gefährlichkeit seines Pestizids Glyphosat hingewiesen hat. Auf Bayer kommt damit eine Prozesslawine nicht nur in den USA zu, aber dort ist es am teuersten. Es geht in diesem Film nicht um die Umweltfragen – dazu habe ich ja einen 75-Minüter über Monsanto in Argentinien gemacht – sondern um die Haftungsrisiken, die nunmehr Bayer zu 100 Prozent übernommen hat. Dahinter steckt der größte Vermögensverwalter der Welt, Blackrock. Den Fusionsvertrag hält Bayer geheim, ich habe ihn aber aus anderer Quelle besorgt und im Film verwertet. Außerdem habe ich ihn auf meine homepage gestellt, wo ihr ihn komplett runterladen und studieren könnt.“

Schon seit längerem können wir beobachten und haben in den NachDenkSeiten auch schon mehrmals davon berichtet, dass Anteilseigner wie BlackRock mit geringen Anteilen an einem Unternehmen die Macht über wichtige Unternehmensentscheidungen ausüben. Sie schaffen das, weil sie über ihre Beteiligung an vielen Unternehmen ein Netz der Einflussnahme gespannt haben, das ihnen dann im Einzelfall erlaubt, auch mit geringeren Anteilen als 7 % große Entscheidungen wie den Kauf eines großen anderen Unternehmens, zum Beispiel Monsanto, zu erreichen. (Siehe zur Situation dazu ein Beitrag von Jens Berger von 2014)

Vor zwei Jahren, am 5. August 2016, hatte ich diesen Beitrag veröffentlicht: Und hier frei Haus die Verschwörungstheorie fürs Wochenende: US-Fondsgesellschaften im Dienste des Imperiums? Der Text ist ganz und gar nicht veraltet. Lektüre deshalb empfehlenswert.

Drei Tage später veröffentlichten wir die Leserbriefe zum Thema mit weiterführenden Informationen: Interessante Leser/Innenmails zu „US-Fondsgesellschaften im Dienste des Imperiums?“.

Außerdem erreichte uns damals die Mail eines Lesers, der davon berichtete, dass der Chef eines großen deutschen Unternehmens bei einer Tagung davon berichtet habe, dass US-amerikanische Fonds mit geringen Anteilen von den Vorstandssprechern verlangen, an internen Sitzungen des Unternehmens teilnehmen zu können. Wenn sie sich diesem Begehren verweigern, dann setze ein dreistufiges System der Drohung ein, das bis zur körperlichen Bedrohung des Managers und seiner Familie reiche.

Mit dieser Information sind wir vorsichtig umgegangen, wahrscheinlich zu vorsichtig. Die Äußerungen des bis vor kurzem als Aufsichtsratschef von ThyssenKrupp fungierenden Ulrich Lehner in einem Zeit-Interview sprechen für den Wahrheitsgehalt des Berichtes unseres Lesers. Zitat aus dem Zeit-Online-Artikel:

„In einem Interview der ZEIT hatte Lehner vom “Psychoterror” einiger Aktionäre gesprochen. Diese würden Unwahrheiten in der Öffentlichkeit platzieren und sogar Nachbarn und Familienmitglieder belästigen.“

Diese Aussage deckt sich – einschließlich des Hinweises der Belästigung von Familienmitgliedern – mit dem Bericht des Lesers der NachDenkSeiten über die Äußerungen eines anderen Managers eines anderen deutschen Konzerns.

Mit Marktwirtschaft, mit Shareholder Value (ein Begriff, der eine Gleichwertigkeit von Anteilseignern suggeriert), mit fairem Wettbewerb hat das alles nichts mehr zu tun. Als Fazit könnte man zugespitzt, aber realistisch formulieren: Die hohen Renditen einzelner Fonds kommen durch kriminelle Drohungen und Akte zustande.

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