Was hat sich Putin nur dabei wieder gedacht?
Was hat sich Putin nur dabei wieder gedacht?

Was hat sich Putin nur dabei wieder gedacht?

Jens Berger
Ein Artikel von: Jens Berger

Unzählige „Experten“ mit besten Verbindungen in „Sicherheitskreise“ und „Dienste“ hatten uns gewarnt – Russland wird die Europawahlen manipulieren, um den Westen in großem Maßstab zu destabilisieren. In den meisten EU-Ländern blieb es zum Glück aufgrund der hervorragenden Arbeit der wachsamen Dienste relativ ruhig. Nur in Österreich und Deutschland gelang es Putin, die Wahl in letzter Minute zu beeinflussen. Die „Experten“ streiten jedoch noch darüber, warum der „Irre aus Moskau“ ausgerechnet die deutschen Grünen derart pushte und welcher Masterplan hinter dem Strache-Video steckt. Höchstwahrscheinlich ist diese Verwirrungstaktik jedoch genau so gewollt. Eine Glosse von Jens Berger.

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Dieser Putin ist wirklich ein Teufelskerl! Während die Geheimdienste und Medien mit Argusaugen die rechten Echokammern der sozialen Netzwerke nach potentiellen und realen Fake-News-Kampagnen durchforsteten, schlug der vierschrötige Kreml-Boss an einer Stelle zu, die den wachen Augen der Dienste bis dato unverdächtig für boshafte Wahlmanipulationen erschien – bei den YouTube-Influencern, die eigentlich eher durch Product Placement und gekaufte Jubelmeldungen über Schlankmacher, Pickel-Makeup und supersüße Klamotten von Kindern für Kinder aufgefallen sind. Aber wer hätte auch ahnen können, dass der 66-jährige Geheimdienstveteran sich den Schopf blau färbt und inkognito unter dem Tarnnamen „Rezo“ ein Zerstörervideo dreht, in dem er die destruktive Arbeit der berüchtigten FSB-Agentin Great Thunbergskaja fortsetzt. Das ist vor allem deshalb bemerkenswert, da der damit nicht etwa „Putins Puppen“ von der AfD, sondern ausgerechnet die Grünen promotet. Die Grünen? Waren das nicht gleich die liberalen Dinkelhaubitzen, die lieber heute als morgen da weitermarschieren würden, wo unsere Väter und Großväter von General Winter gestoppt wurden?

Für einfach strukturierte Geister mag es auch auf den ersten Blick nicht so recht einleuchten, warum der Russe mit großem Aufwand, dreckigen Zehennägeln und K.O.-Tropfen die beiden wackeren „Red Bull Brothers from Austria“ in eine prekäre Situation gebracht hat, der wohl noch nicht einmal Tugendbolde wie dieser Schwiegermutter-Traum Habeck hätten widerstehen können. Dabei sind Ösi-Populisten doch auch nur so etwas wie eine „Putin-Puppe“ mit komischem Dialekt. Aber der schlaue Österreicher hat diese Volte ja clever durchschaut und das rechte Lager in Österreich trotz oder wegen IbizaGate sogar zu den Wahlsiegern gemacht.

Wer jetzt anhand dieser beiden Fälle vom Defätismus überwältigt an der ewigen Weisheit der „Experten“ und „Dienste“ oder gar der tapferen Kämpfer an der Pressefront zweifelt, sollte erst einmal innehalten. Wie wir alle wissen, ist Putin ein mit allen Wassern gewaschenes, altes KGB-Schlachtross; ein Geheimdienstprofi und damit per Definition ein Großmeister der Verwirrung. Während des Kalten Krieges übten sich Putin und seine westlichen Kollegen darin, den Feind durch gezielte Finten, Volten und Desinformationen auf die falsche Spur zu lenken. Den Höhepunkt dieser Strategien stellte die „Madman-Theory“ dar, bei der man dem Gegner vorgaukelt, man sei unzurechnungsfähig und auch zu irrationalen Handlungen, wie dem Dreh eines Influencer-Videos mit blauer Perücke, imstande. Es besteht also kein Grund zur Entwarnung. Ganz im Gegenteil!

Dank Putins teuflischer Wahlmanipulation zermartern sich nun die Denker in den Redaktionsstuben ihre malträtierten Hirne sicher darüber, ob die Grünen nicht vielleicht „Putins Doppelagenten-Puppen“ sind und ob der Ösi die Nazis erst dann nicht mehr wählt, wenn man ihm sagt, dass es gut für Europa sei, wenn Strache möglichst viele Stimmen bekommt. Man weiß so wenig und wird ob dieser Fragen ganz uschig. Und genau das bezweckt der Manipulator aus Moskau! Erst wenn wir komplett verwirrt sind und uns ganz destabilisiert fühlen, hat der Russe sein Ziel erreicht und wird tags drauf vor unserer Tür stehen. Gut, dass wir noch unsere unbestechlichen Dienste haben, die dieses Treiben unbestechlich beobachten und uns auf tapfere Schreiberlinge verlassen können, die uns auch künftig bei allen kommenden Wahlen vor dem destruktiven Treiben russischer Wahlmanipulatoren warnen. Denn wer weiß schon, wie weit es Putin noch treibt? Wer heute arglos ins Bett geht, könnte morgen schon unter einem Kanzler Sonneborn aufwachen. Und es sage niemand, es habe ihn keiner gewarnt!

Titelbild: Screenshot Rezo/Youtube, Montage NachDenkSeiten.de

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