Leserbriefe zu „Der Niedergang der Linkspartei und die Sehnsucht der Vielen“

Ein Artikel von:

Udo Brandes vertritt hier die These, dass linke Kritiker der Linkspartei einem „Denkfehler“ unterliegen würden. Es werde eine „Klassenpolitik“ gefordert, da die Betonung auf die „´Identitätspolitik´ (Gendern, politische Korrektheit, Antirassismus, feministische Themen)“ gescheitert sei. Die Identitätspolitik sei jedoch „Klassenpolitik“ für eine „ambitionierte, akademisch gebildete Schicht“, die sich von denen „da unten“ abgrenze und „mit Identitätspolitik Klassenkampf von oben“ betreibe. Es sehe so aus, als ob sich innerhalb der Linkspartei diese Fraktion durchgesetzt habe. Abschließend wird hinterfragt, ob eine „neue, wirklich linke Partei“ nötig sei. „Vielleicht“, aber auch sie könne von „angepassten Funktionären beherrscht“ werden. Wir danken für die interessanten E-Mails. Es folgt eine Auswahl der Leserbriefe. Zusammengestellt von Christian Reimann.


1. Leserbrief

Sehr geehrte Damen und Herren der Nachdenkseiten, liebe Leidensgefährten,

dem Artikel von Udo Brandes stimme ich voll und ganz zu. Hier noch einige weitere Ursachen für die Niederlage:

Wir erleben die schwerste Gesundheits- und Gesellschaftskrise seit 1945, die die finanzielle Existenz von Millionen Menschen bedroht. Aber eine kleine privilegierte Minderheit hat nichts Wichtigeres zu tun, als mit geradezu religiös-fanatischem Eifer wie im Mittelalter gegen „Ketzer und Ungläubige“ den Kampf gegen grammatikalische männliche Endungen zu führen und die Menschen zum rechten Glauben zu bekehren.

Feministinnen protestieren gegen „sprachliche Ausgrenzung“, wenn von „Ärzten“ die Rede ist, aber nie, wenn von „Tätern, Betrügern, Verbrechern, Investmentbankern“ die Rede ist. Hierüber beschweren sich übrigens nicht mal Männer; auch nicht, wenn Albert Einstein als die Geistesgröße bezeichnet wird. Die „Hindenburg“ ist abgestürzt, die „Sigmund Jähn“ fuhr als Handelsschiff über die Weltmeere, ohne dass Männer das als „sprachliche Diskriminierung“ bezeichnen und deshalb eine Änderung der Sprache fordern.

Da ich seit Jahren meine Mutter pflegen muss, erlebe ich jeden Tag: für hör- und sehbehinderte Menschen ist die Gendersprache eine zusätzliche Barriere (Stichwort: Barriere-Freiheit!), mit der sie vom Zugang zu Informationen ausgegrenzt werden, wenn allen Ernstes von „Kandidierenden“ und „Wählenden“ geredet wird anstatt von „Kandidaten“ und „Wählern“ und der Lesefluss permanent durch Gendersterne und das „innen“ behindert wird.

Geht es bei der Gendersprache also wirklich um den „Kampf gegen Diskriminierung“?

  • Oder darum, eine gekünstelte, abgehobene Sprache zu erfinden, die niemand braucht;
  • um eine Diskriminierung zu konstruieren, die es nicht gibt;
  • um dann anderen Menschen diese angebliche Diskriminierung vorzuwerfen;
  • um auf diese Weise Feindbilder zu schüren, an denen man sich medienwirksam abarbeiten kann;
  • um sich selbst auf-zuwerten, indem man andere Menschen(gruppen) ab-wertet;
  • um sich wichtig zu tun; um die persönliche Eitelkeit zu befriedigen;
  • um den persönlichen Bildungsstatus und den persönlichen Standesdünkel zur Schau zu stellen
  • und um sich auch mittels Sprache nach unten abzugrenzen gegen den „ungebildeten Proleten“?

Ist hier also ein zunächst – vielleicht – gut gemeintes Anliegen (der Kampf gegen Diskriminierung) inzwischen umgeschlagen ins entgegengesetzte Extrem: in das Schüren von Feindbildern bis hin zu offenem Hass?

Erinnert die Identitäts-Politik nicht doch sehr an den religiösen Wahn der religiösen Fanatiker im Mittelalter, die nur eine einzige wahre Lehre, nämlich ihre persönlichen Machtinteressen, akzeptierten und jede Kritik (und sogar wissenschaftlich fundierte Kritik) als „Gotteslästerung“ bekämpften und verfolgten?

Weitere Schlußfolgerung:

  • Ist also die Gendersprache sowie die Identitäts-Politik insgesamt bereits eine weitere Form der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit (GBMF)? Aber in diesem Falle die GBMF der privilegierten Schichten in Politik, Medien und Universitäten?
  • Denn das Schüren von Feindbildern sowie das Ab-werten von Menschen(gruppen) sind ganz typische Symptome der GBMF. (Die GBMF wurde von Prof. Heitmeyer – Bielefeld – von 2002 bis 2012 sehr ausführlich untersucht.)
  • (Übrigens: auch nicht-privilegierte, prekär beschäftige Mitarbeiter an Unis sowie Studenten mit wenig Geld können sich moralisch auf-werten, indem sie andere Menschen ab-werten, Feindbilder schüren und sich mittels Gendersprache nach unten gegen die kleinen Leute abgrenzen, selbst wenn diese mehr Geld haben sollten.)

Wenn sogar der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse voller Hass angegriffen wird (Februar 2021), weil er – übrigens sehr diplomatisch – die Gendersprache kritisiert und ihm deshalb allen Ernstes sogar vorgeworfen wird, er würde „neurechtes Sprech“ verbreiten, dann ist das eine ganz gefährliche Entwicklung. Und dabei hat sich Wolfgang Thierse mehrmals selber aktiv an Sitzblockaden gegen Neonazis beteiligt.

Menschen brauchen einen Anker, einen Halt im Leben, insbesondere in Krisenzeiten; das ist die Familie, die Heimat, die eigene Muttersprache.

Wenn eine kleine privilegierte Minderheit jedoch die Muttersprache der Menschen moralisch abwertet und sogar als angeblich „diskriminierend, sexistisch, frauenfeindlich“ usw. diffamiert und der Mehrheit vorschreibt, wie die Mehrheit zu sprechen, zu schreiben und zu denken hat; dann ist das nicht wirklich ein Ausdruck von Weltoffenheit, Toleranz und Emanzipation, sondern das genaue Gegenteil und spaltet obendrein die Gesellschaft.

Übrigens: „Nicht jeder Student ist wirklich ein Studierender, und auch nicht jeder Studierende ist tatsächlich ein Student.“ (Daniela Dahn in ihrem Buch: “Der Schnee von gestern ist die Sintflut von heute.”)

Mit freundlichen Grüßen
Jörg Fauser


2. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Brandes,
 
zuerst möchte ich sie vorbereiten auf einen fehlerhaften Text. Deutsch ist eine Fremdsprache für mich und Ich bin in dieser Hinsicht eine Behinderte mit der Hoffnung, dass meine Sprachfehler werden Sie nicht in der Verständnis des Textes hindern.
 
Ich stimme Ihren Gedanken, die Sie in dem Artikel geäußert haben voll zu. Es ist gut, dass Sie versuchen die Grabenkämpfe (also den Argumenten mit Gegenargumenten widersprechen) zu verlassen und steigen auf der Metaebene, auf s. z. strategische Ebene (woher kommt dieser Phänomen her, welche Ziele hat die Strategie etc.). In dem Sinne würde ich auch nicht es als Gedankenfehler beurteilen. Auch Grabenkämpfe sind wichtig. Es ist aber wichtig den Horizont der Sicht auf das Phänomen zu erweitern und auf diese Ebene zu analysieren. Dann auch die kämpfende in den Graben erhalten eine strategische Unterstützung.
 
In Russischem gibt es ein Sprichwort, der sinngemäß könnte so übersetzt werden: „Hauptsache hat das Kind eine Beschäftigung“. Ich finde es trifft hier voll zu. Um von wirklichen Problemzonen abzulenken, zu vernebeln, werden andere Probleme hervorgehoben und die Wirklichkeit damit verzerrt. Bildlich passt auch die Vorstellung von einem Rudel, der relativ friedlich zusammen ist und achtet auf Sicherheit eines Hauses. Nähert sich ein Fremde, der ganze Rudel ist im Aufstand gegen den Fremden. Ein kluge Fremde wirft ein Stück Fleisch und löst damit „die Grabenkämpfe“ auf. Der Rudel ist mit sich beschäftigt und der Fremde kann ruhig das Haus ausrauben.
 
Sie schreiben: „Darüber hinaus ist Politische Korrektheit auch ein lukratives Geschäftsmodell.“ Ich erinnere die Äußerung einer Feministin, die Feminismusangehörigen in Afghanistan beschrieben hat. Viele von denen haben gar keine tiefe feministische Überzeugungen (dafür muss die Gesellschaft reif sein), sondern sind genug intelligent und witterten, welche Themen angesagt sind und wo sie eine Kariere machen und relativ gut finanziell abgesicherten Dasein führen können. Das Westen hat sich nicht gegeizt die Programme für die Etablierung ihrer Werte in afghanischen Gesellschaft zu fordern.
 
Wenn wir diese Metaebene betreten, dann fällt auf, dass ähnliches Szenario auch auf anderen Bereichen zu beobachten ist. Wie z.B. Coronadiskurs. Man führt die Grabenkämpfe, das Offensichtlichste aber bleibt unerwähnt: mit dem Beginn der Corona, wurden sämtliche Errungenschaften der klassischen Epidemiologie über Bord geschmissen und ein reduziertes, ein technokratisches Sicht auf die Pandemie angenommen (die Reduzierung des Geschehen auf das Virus, das Ausblenden von Wirts- und Umgebungsfaktoren; absolutes Vertrauen der Simulationen). Sehr gute Aufklärung ist auf dieser Quelle zu finden. Das Abstruse dabei ist, dass dieses Vorgehen unter der Fahne der Wissenschaft betrieben wurde. Auch hier interessant zu analysieren, wie, mit welchen Mitteln wurde es geschafft, dass fast sämtliche Regierungen mehr oder weniger ähnliche Politik betreiben (die Lehrgänge, die Notübungen unter dem Deckmantel VHO). Diejenige die dem Stirn bieten, werden unter Druck gesetzt. Auch hier gibt es unzählige Willige, die meinen dem großen Ziel zu dienen und merken dabei nicht, dass dieses Ziel (und auch Methoden zu der Erreichung) wurde ihnen vorgeschoben.
 
Ich denke, es trifft auch Klimadebatte. Auch hier wird ein Ziel vorgegeben, mit der völlige Ausblendung der sozialen Zerwürfnisse, die in Folge der (falschen) Bekämpfung mit dem Klimawandeln, entstehen. Ich vermisse hier den Grundsatz unserer Evolution. Unsere Evolution ist basiert auf der kulturellen Evolution, in dem wir der Natur neue Ideen und neue kulturelle Artefakte entgegen stellen. Wir kleiden uns an, statt Fell wachsen zu lassen usw. Es heißt, wir können durchaus etwas gegen Klimawandeln unternehmen. Es könnte schwimmende Stätten sein, woanders vielleicht man dagegen sich unter gräbt bzw. untertaucht, um von der Sonne zu schützen. Ich habe das Gefühl, dass derzeit will man alles auf einer Karte stellen: Das Klimawandeln zu stoppen. Im Grunde heißt es, wir möchten die Gegenwart konservieren. Vielleicht hat es auch ein (evolutiven) Sinn: Durch die Anstrengung zur dieser Konservierung, werden wir uns selbst verändern müssen. Wobei gerade diese Veränderungen – ihre Tragweite – glaube ich, werden nicht ernst genommen. Engstirnige Fokussierung auf ein Punkt, wie auch in Coronafrage oder Political Correctness. Es sieht so aus, der Mensch hat den Gott von seinem Tron gestoßen, um gleich sein Platz übernehmen zu wollen…
 
Ich teile ihre Einschätzung, dass die „Agenten“ (nach Albrecht Müller) sind nicht zu stoppen. Wie das schön heißt: Das geld regiert die Welt. Ich hoffe  auch, dass dieser unhaltbarer Zustand wird sich mal ändern. Die Frage ist nur: Werden wir (über 60-jährigen) es noch erleben? Ich sehe breit und weit keine Ideen, die als Zündstoff um das Umkippen der Verhältnisse dienen könnte. Hoffentlich reifen sie sich irgendwo unbemerkt. Wenn sie sich genug verbreiten würden und zugleich zurzeit herrschende Erklärungen immer unglaubhafter werden, werden sie auch potente Menschen finden, die ihrerseits fähig sind, die Massen zum Widerstand zu erwecken…
 
Auch die Bemerkung über Symbolträchtigkeit der PC-Sprache, die zum einem vereint, zum Anderem grenzt ab, finde ich zutreffend. Vielleicht auch das kann uns eine Lösung zeigen.
Ich bin nicht gut in historischen Fragen, dennoch finde sehr gut eine Beschreibung, die dem Lenin zugeschrieben wird. Der revolutionäre Zustand entsteht indem die da oben nicht weiter können und die da unten nicht weiter wollen. 
 
Mit freundlichem Gruß
Irena Pottel


3. Leserbrief

Liebe Nachdenkseiten-Redaktion,

der Artikel von Udo Brandes zum Niedergang der Linkspartei trifft sehr genau meine Gedanken, die mich nach vielen Monaten des Zögerns im April 2021 zum Parteiaustritt bewegt haben. Ich bitte, den Text meiner Austrittserklärung aus der Linkspartei als Leserbrief zu veröffentlichen:

Erklärung meines Parteiaustritts

„Was heute als links gilt, hat mit den traditionellen Anliegen linker Politik oft nicht mehr viel zu tun. Statt um soziale Ungleichheit, Armutslöhne und niedrige Renten drehen sich linke Debatten heute oft um Sprachsensibilitäten, Gendersternchen und Lifestyle-Fragen. Diejenigen, für die linke Parteien eigentlich da sein sollten, also die Beschäftigten, die untere Mittelschicht, die Ärmeren, wenden sich deshalb ab. Von Arbeitern und Arbeitslosen werden linke Parteien kaum noch gewählt. Die linken Parteien sind Akademikerparteien geworden.“

Sarah Wagenknecht

Diese Partei DIE LINKE ist nicht mehr die Partei, die als Reaktion auf die Sozialstaats-Abbau-Politik der Schröder-SPD entstanden ist, gegründet von Gewerkschaftern und enttäuschten linken Sozialdemokraten, in die ich vor eineinhalb Jahrzehnten eingetreten bin, und sie ist auch nicht mehr die Partei DIE LINKE, die zwei Jahre später aus WASG und PDS entstanden ist!

Verstand sich die ursprüngliche LINKE als die Partei, die die Interessen der „einfachen Leute“ gegen die Mächtigen in diesem Land vertritt, so erscheinen mir entsprechende Erklärungen des Parteivorstandes der heutigen LINKEN nur wie Lippenbekenntnisse. Nicht mehr die Frage nach den Arbeitsbedingungen derjenigen, die die öffentlichen Toiletten reinigen müssen, sondern die Frage, ob Transgenderpersonen Damentoiletten benutzen dürfen, bestimmt heute den Diskurs in dieser Neo-LINKEN.

Und als ob die Neo-LINKEN unterbewusst erkannt haben, dass sie niemals die Macht haben wer­den, konkrete gesellschaftliche Wirklichkeit zu gestalten, wenden sie sich der irrtümlich als links verstandenen, kleinbürgerlichen, aus den USA „importierten“ korrekten Gestaltung der Begriffe zu. Statt an die Lebensrealität und die Sprache „normaler“ Menschen anzuknüpfen, setzt sich die Neo-LINKE vor allem mit der politisch korrekten (u.a. Genderismus-Sprech) Verwendung der Sprache auseinander.

„Es gibt in verschiedenen politischen Spektren und vor allem in den sozialen Medien die Tendenz, Politik nur noch über Moral und Haltungen zu debattieren. Ich halte dies für einen Rückschritt. Werte und Moral sind das Fundament politischer Überzeugungen. Wer jedoch meint, dass alleine die „richtige Haltung“ über “richtig oder falsch” entscheidet, versucht in Wahrheit den Streit mit rationalen Argumenten zu verhindern. Eine solche Debattenkultur hat nichts mit Aufklärung zu tun, sondern ist Ausdruck eines elitären Wahrheitsanspruchs, wie ihn die Kirche im Mittelalter bediente.“

Fabio de Masi

Eine merkwürdige Melange dominiert jetzt diese Neo-LINKE: “Emanzipatorische“ Linksliberale und antilaizistische Trotzkisten (was würde Trotzki nur dazu sagen?), Offenen-Genzen-für-Alle-Utopisten und autoritäre Zero-Covid-Illusionisten, junge antideutsche Groß-Israel-Fans und Hamas-Freunde, jugendliche Anarchie-Romantiker und alte K-Gruppenaktivisten, Transgenderisten, die für das Recht von Transgenderpersonen auf die Benutzung von Damentoiletten kämpfen und Feministinnen, die die Damentoiletten gegen Transgenderisten verteidigen, Ex-Piraten-Digital-Fetischisten etc., etc.

Gemeinsam ist diesen diversen Gruppen und Grüppchen vor allem die Ablehnung von Sarah Wagenknecht, die Ablehnung des Nationalstaates (der Nationalstaat ist auch Sozialstaat!) und die „Offene-Grenzen für-Alle-Utopie“ – sowie eine diffuse kleinbürgerliche Mentalität, vom ausschließlichen Heil ihrer einzigartigen Religions-Ersatz-Ideologien überzeugt zu sein. Der Stand der Entwicklung der Produktivkräfte ist nicht mehr entscheidend – an ihren diversen „idealistischen“ Ideen soll die Welt genesen! (Was würde Marx nur dazu sagen?) Mit „Offene-Grenzen-für-Alle“ ist sich die Neo-LINKE erstmals einig mit Arbeitgeberverbänden und Vermietern – schließlich ist „Offene-Grenzen-für-Alle“ in den 4 Grundfreiheit des Neoliberalismus enthalten: Freier Kapitalverkehr, freier Dienstleistungsverkehr, freier Warenaustausch und freier Arbeitskräfteaustausch.

Diese Neo-LINKEN machen sich selbst überflüssig, weil sie praktischen Antworten auf konkrete Probleme weniger interessieren. Sie werden immer mehr Wähler verlieren, treiben einige sogar in die Arme der AfD, Wähler, die in ihrem täglichen Konkurrenzkampf um prekäre Jobs, um bezahlbaren Wohnraum, um Kitaplätze enttäuscht feststellen müssen, dass die LINKE sich in diesem Konflikt mit „Offene-Grenzen-für-Alle“ für die Arbeitsmigranten entschieden hat.

Ein Anpassen an den Weg der Grünen, den die “emanzipatorischen“ Linksliberalen gehen wollen, wird mit der AKL nicht machbar sein, und sowieso nicht dazu führen, dass Grünen-Wähler Neo-LINKE wählen. Die wählen lieber weiter das grüne Original! Aber Wahlergebnisse sind diesen Neo-LINKEN sowieso nicht wichtig, Hauptsache der einzig wahre Weg (bzw. die diversen einzig wahren Wege) wird tapfer weiter gegangen, ein Weg zurück zur linken Sekte bis unter die 5 % Hürde.
Auf kommunaler Ebene gibt es noch Linke, die echte praktische Politik machen, aber die Gründer der WASG sind inzwischen eine Minderheit in ihrer Partei, wie der totale Sieg der AKL und die Niederlage der SL bei den letzten Wahlen zum Bundesvorstand sehr deutlich macht. Und die fähigsten politischen Talente der LINKEN werden an den Rand gedrängt oder geben entnervt auf.
Diese Partei ist nicht mehr die Partei, in die ich vor anderthalb Jahrzehnten eingetreten bin, diese Neo-LINKE und ich, wir passen nicht mehr zusammen. Deswegen trete ich jetzt aus.

Noch ein Gedanke zum letzten Absatz des Artikels von Udo Brandes: Wahrscheinlich muss ca. alle 20 Jahre eine linke Partei immer wieder neu gegründet werden, weil eine 20 Jahre alte Linkspartei durch “Integration” in den Mainstream schon zu sehr – ohne es zu merken – korrumpiert ist.

Freundliche Grüße
Holger Kaschuge


4. Leserbrief

Guten Abend! 

Ich hatte ihren Artikel mit Interesse gelesen da fiel mir auf das über Frau Stock aus Großbritannien geschrieben wurde. Das mich als langjährige Leserin mich bewog ihnen zu. Nicht das ! denn ich bin eine Transfrau Post Op. Ich hatte mir meine Transsexualität nicht ausgesucht diese wurde mir quasi in die wiege gelegt. In meinen frühen Jugendjahren war es mir unmöglich meine tatsächliche Sexualität auszuleben da dies einer Transsexuelle ein gefahrenenvoller Weg bedeutete.  Meine Pubertät war für mich ein Katastrophales Ereignis das in mir Ängste und Zweifel auslösten die mich zum Außenseiter brandmarkten  hätten können. Ich musste mich Gesellschaftlichen zwängen hingeben die damals mit Abscheu über mich ergehen ließ. In dieser Zeit war diese Gesellschaft nicht bereit solche Menschen wie mich zu akzeptieren oder mich so leben zu lassen. Ich glaube, nein ich weiß es das können sie nicht nachvollziehen. In mir formte sich eine innere Immigration. Ich ließ mir vieles über mich ergehen  um bloß nicht aufzufallen das viel mir alles sehr schwer. Erst Ende der achtziger Jahre erfuhr ich das es Operative gab die einer mir das gaben was schon seit Jahren wusste. Die Verwandlung zur Frau. Meine Eltern verlangten von mir eine Heirat und Enkel. Eine zweite Katastrophe bannte sich an.

Ich wurde eine Mehr oder weniger erfolgreicher Ehemann und Vater. Dennoch bleib mein inneres nicht ruhig es verlangte nach seinen Recht ich es während meiner Ehe gab  dem nach  aus einer inneren tiefen Überzeugung. Ab 2010 fing ich mich Fraulich zu kleiden nach und nach. Zu dem meine noch Ehefrau ihr bedauern ausdrückte. Ende der zehner Jahre kam meine Operation zu Frau. Ich war absolut glücklich doch noch   angekommen zu sein. Trotz aller Wirrungen und Irrungen.

Nun bin ich eine Frau mit allen Vorzügen und auch Nachteilen, eines was ich nicht kann meine ist Vergangenheit leugnen. Transfrau Post Op.

Ich weiß nicht ob ihnen das bekannt ist was Frau Stock vertritt.  Ich merke seit Monaten das ich und meines gleichen ständig unter Druck geraten in vielen Publikationen werden wir zu Paria gemacht. Während sich Lesben, Schwule und Bisexuelle sich in  Gönnerhaftig in der Gesellschaft bewegen können bleibt das  den transsexuellen Verwährt . Wir sollten besser unsichtbar sein.  Ich wurde in Öffentlichen Verkehrsmittel als Männer Votze beleidigt.

Nun zu Frau Stock sie ist nicht die einzige Frau die ins Transphobe Thesen vertritt. Es gibt  weitere Prominente Personen mit viel Geld und Medialer Macht. 

Stock ist dabei eine der wichtigsten Stimmen auf Seiten der Anti-Trans-Aktivist*innen. Das Wort „Aktivistin“ kann man in ihrem Fall durchaus wörtlich nehmen, denn sie engagiert sich für die in Großbritannien ziemlich wirkmächtigen Gruppe „LGB Alliance“. „LGB“ steht dabei für Lesbians, Gays, Bisexuals. Das T für Transgender fehlt dagegen bewusst<: Das Recht von Lesben, Schwulen und Bisexuellen, sich zum gleichen Geschlecht hingezogen zu fühlen, werde gefährdet, wenn es zu „Konfusionen" zwischen biologischen Geschlecht und Geschlechtsidentität komme, behauptet die Gruppe. Fazit ist hierbei das ich als Transfrau Post Op [meine eigne Definition ich bin eine Frau] komplett unter den Tisch falle. Ich möchte nochmals darauf hinweisen das ich zur Frau wurde trotz aller widerstände in dieser Gesellschaft, diese widerstände begleiten mich täglich. Ich empfinde das schlimm das einer ehemaligen Transfrau  PreOp wie mir von Anti-Trans-Aktivist*innen unterstellt wird, das ich Vergewaltigungsphantasien gehabt hätte. Was für ein diskriminierender Unfug in welcher Welt leben diese Anti-Trans-Aktivist*innen. Bei diesen gewissenlosen Geschreibsel fällt mir ein Spruch von Max Liebermann ein. Ach! Weil Transmenschen in der BRD unter der  Wahrnehmungsgrenze sind darf ein jeder auf uns ( Transfrauen) herumtrampeln, nach belieben. Damit wird einer Diskriminierung Vorschub geleistet. Ich hoffe sie wissen wo  solche Diskriminierungen hinführen da gab es für die diskriminierten auch Lösungen. Oder klatschen sie Beifall wenn Orban Seine LGBT Thesen vertritt. In Tschetschenien werden Menschen wie ich sang und klanglos beseitigt. Das mag ihnen wahrscheinlich zu hart klingen dann oder das ihnen besser gefallen.  Die Transsexualität, das Transsexuelle sein wird aus ihren Vokabular entfernt, nein ausgemerzt und ausgegrenzt. So das nur noch Eines gibt LGB! Es wird auch unerträglich erachtet werden das es solche Menschen wie meine Person sich Öffentlich zeigen da es zu Konfusionen kommen kann. Dann würde ich mich interessieren wann es die ersten Umerziehungslager gibt mit angeschlossen Operationssäle die das Geburtsgeschlecht wieder Herstellen. Sogar im Bundestag werden Transfrauen angegriffen als Männer in Frauen Klamotten aber nicht Namentlich genannt. Es drohen uns der betroffenen der Transsexualität interessante unruhige, vielleicht auch gefährliche  Zeiten.  Jetzt fällt mir wieder der Einlass von Max Liebermann ein, den er 1933 sagte.  Adriana  P.s. Ich überlege, die Nachdenkenseiten von meinen Geräten zu entfernen. Ich lese sie seit sie online es gibt. Als Transfrau fühle ich mich getroffen und betroffen. 


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