Leserbriefe zu „Bayern, die Ostukraine und der Krieg – oder: Ein etwas anderer Blick auf die Ereignisse im Donbass“

Ein Artikel von:

Leo Ensel vergleicht in diesem Beitrag Bayern und die Ostukraine. Vergleiche könnten Strukturen sichtbar machen. Regionale Identitäten würden sich von einer Zentralmacht nur temporär und um den Preis von Bürgerkriegen unterdrücken lassen. Hierzu haben wir einige Leserbriefe bekommen. Sie enthalten interessante Eindrücke und Erkenntnisse. Danke dafür. Christian Reimann hat für Sie eine Auswahl zusammengestellt.


1. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Ensel,

das war eine sehr gute Idee und herrlich konsequent durcherzählt. Schade, dass solche Parallelen nicht in der breiten deutschen Öffentlichkeit gelesen werden. Vielleicht würden dann mehr Deutsche ins Grübeln kommen und sich auch eingestehen, dass sie nicht wirklich wissen, was in der Ukraine los war und ist. Wenn man jeden Handlungsschritt in Ihrer Geschichte im Hinblick auf die am Ukraine- Konflikt und -krieg Beteiligten und Zusammenhänge sowie Motive recherchieren würde, käme ein komplexeres Bild vom Geschehen zustande. So manche Gewissheit würde ins Wanken geraten. 

Jedoch denke ich, dass viele Menschen derzeit lieber Gewissheiten vorgesetzt bekommen wollen als komplizierte Zusammenhänge zu durchdringen. Leider sind unter den Liebhabern der Interessen gesteuerten Einfachheit auch Medienvertreter und Politiker. (Anmerkung: Ich weigere mich zu gendern!) 

Allerdings möchte ich zu Ihrem Szenario noch anmerken, dass bereits zu Beginn eines solchen Putsches in Deutschland, der den Föderalismus abschafft, Art. 20 (4) greifen würde und jeder das verfassungsmäßige Recht auf Widerstand hätte. Aber für den Vergleich spielt das ja keine Rolle. 

Brecht hätte an Ihrer Parodie-Parabel (?) jedenfalls Freude gehabt. 

Mit freundlichen Grüßen
Titanja Altmann


2. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Ensel,

vielen Dank für Ihren genialen und erhellenden Artikel „Bayern, die Ostukraine und der Krieg – oder: Ein etwas anderer Blick auf die Ereignisse im Donbass“.

Im Ansatz hatte ich bereits ebenfalls versucht, mir dieses Gedankenspiel in der Vorstellung auszumalen, war aber nicht in der Lage, dies so detailliert und gekonnt wie Sie zu vollbringen.

Ich wünsche mir, dass Ihr fiktives Szenario in ferner Zukunft, wenn hoffentlich „alles wieder gut“ ist, als Drehbuch von Hollywood aufgegriffen und als Komödie („Tausende von Menschen demonstrieren in bayerischer Tracht“) verfilmt wird. Ich sehe mich bereits vor Lachen Schenkel klopfend im Kinosaal sitzen!

Im Moment bleibt mir das Lachen aber im Hals stecken…!!!

Mit freundlichen Grüßen
Manfred Marggraf


3. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Ensel,
 
vielen herzlichen Dank für diesen, wenn auch “hinkenden” Vergleich, wie Sie selber einräumen. Aber anschaulicher geht es wohl kaum, denn er passt auf den reaktionären Mechanismus und das ihm zugrundeliegende psychosoziale Denkmuster im Ukraine-Russlandkonflikt wie “Faust aufs Auge”.

Ich halte Ihren Beitrag “in Zeiten wie diesen”, in denen der doch so wichtige Sinn für Humor und unsere Vorstellungskraft verloren zu gehen scheinen, in der unsere staatlich unterstützten “Think Tanks” ihre nur noch als schizophren zu bezeichnenden VertreterInnen wie bspw. eine Claudia Major in die Talkshows schicken, um nicht nur die Nation, sondern auch unser Bewusstsein zu spalten, für “überlebensnotwendig”.
 
Mit herzlich-solidarischen Grüßen
und Dank an das NDS-Team
Johanna Michel-Brüning


4. Leserbrief

Geschätzte Nachdenkseiten-Redaktion !

Der Vergleich von Leo Ensel ist nur auf den ersten Blick schlüssig, denn er berücksichtigt nicht die innerbayrischen Befindlichkeiten : fränkisch-evangelische Bratwurst und oberbayrische katholische Weißwurst harmonieren nicht sonderlich miteinander. Die übrigen Teilnehmer am politischen Geschehen würden dann volle Deckung nehmen, nicht so wie die Frösche in Wilhelm Buschs Fabel vom Streit zwischen dem Storch und dem Raben….

„Der Streit erlosch. Ein jeder nimmt sich seinen Frosch, der schmeckt ihm gar nicht schlecht.“

projekt-gutenberg.org/wbusch/schuhu/schuhu.html

Trotzdem freundliche Grüße, 
Hildegard Bartneck


5. Leserbrief

Sehr geehrte Nachdenkseitenmacher, Sehr geehrter Her Ensel,

ich finde die Geschichte sollte verfilmt werden. Endlich mal wieder ein „Historien Epos“  – zu Weihnachten (nach der Fußball WM natürlich)

Gabs da nicht mal die bayrische Filmförderung – ulk
 
Schöne Grüße aus der preußischen Enklave Wilhelmshaven umzingelt vom aggressiven Friesland
Heiko Künzel


6. Leserbrief

Guten Tag,
liebe Redaktion

Der Artikel hat mir sehr gut gefallen. Wie gefällt Ihnen mein Vergleich zu den jetzt abgehaltenen Referenden im Donbass und dem Referendum in Katalonien am 1. Oktober 2017, den ich vor einer Woche am 30. September auf meinem Blog veröffentlicht habe?

Der Katalonienkonflikt ist zur Zeit zwar außerhalb Spaniens nicht so aktuell, aber mein Vergleich betrifft statt gut gemachter Fiktion zwei Realitäten.

Sie dürfen meinen Beitrag gerne veröffentlichen oder darauf verlinken.

katalonienkonflikt.eu/index.php?show=reftest&idioma=german

Mit freundlichem Gruß
Helmut Jutzi


7. Leserbrief

Sehr geehrter Herr Dr. Ensel,

Sie haben den Part vergessen, wo die Putschregierung unterstützende Neonazis gezielt Polizisten und Gegendemonstranten mit Molotow-Cocktails verbrennen, die selben Neonazis von NATO-Staaten in militärische Verbände organisiert, militarisiert und jahrelang finanziert werden, die dann sowohl Zivilisten als auch zivile Ziele wie Wohnhäuser und Schulen angreifen, die Frauen und Mädchen entführen und vergewaltigen, die Männer foltern und verschwinden lassen, die von Vergewaltigungen und Foltermorden Videos anfertigen und diese teilweise im Internet verbreiten (Quelle siehe unten), die permanent auf Drogen sind, die schon die Wehrmacht genutzt hat, die einen Heldenkult um Bandera und Hitler pflegen, die eine im Internet einsehbare Todesliste führen, auf der auch ein 13-jähriges Mädchen ist, und dass genau diese Neonazis dann in der westlichen Presse als “Helden”, “Verteidiger”, “Patrioten” und “Widerstandskämpfer” dargestellt werden, um die eigene Bevölkerung zu belügen und ruhig zu stellen.

Außerdem haben Sie den Part vergessen, wo sowohl die gesellschaftlich normalisierte Gewalt gegen Russen als auch die militärische Gewalt gegen Russen derart systematische Ausmaße annimmt, dass man von einem (versuchten) Völkermord sprechen muss, aber trotzdem alle westlichen Regierungen, einschließlich der deutschen Bundesregierung, die nach jahrelangem Zögern endlich erfolgende Hilfe des großen Bruders im Osten scheinheilig als “unprovozierten, brutalen Angriffskrieg” verurteilen um anschließend den Neonazis noch mehr Abermiliarden von Steuergeldern und hochgefährliche Waffen zu liefern, mit denen die Neonazis dann natürlich weiterhin zivile Objekte wie Wohngegenden, zivile Autos und Busse des ÖPNV angreifen. Sogar die militärische Ausbildung von Tausenden noch mehr solcher Typen organisiert der Westen auf deutschem und britischen Boden! Was übrigens eine direkte Kriegsteilname ist.

Dann sollte man die deutsche Bundesregierung, die polnische Regierung, die baltischen Regierungen, die britische Regierung und nicht zuletzt die US-Regierung nicht vergessen, die von der staatlich organisierten, systematischen Ausrottung von russischstämmigen Menschen und der staatlichen Ausrottung der russischen Kultur vollumfängliche Kenntnis hat, aber statt der Wahrheit lieber abscheuliche Kriegspropaganda von überwiegend völlig frei erfunden Kriegsverbrechen der russischen Seite verbreitet um damit Sanktionen, Waffenlieferungen und Kriegstreiberei zu rechtfertigen. Die stets angewendete Taktik der ukrainischen/amerikanischen Seite, massenhaft Zivilisten als sog. “Kollaborateure” umzubringen, um ihre Leichen und Gräber dann als angeblichen Beweis russischer Kriegsverbrechen zu präsentieren, damit sie dann weitere Gelder und Waffenlieferungen fordern können, davon haben die westlichen Regierungsmitglieder ebenfalls Kenntnis, aber sie werden eben von weiter oben zum Lügen bezahlt, sie werden für das Verlängern und das Weiterführen des Krieges bezahlt und nicht dazu, um das Wohl der eigenen Wähler zu mehren.

Cui bono? Das eigene Volk muss unter der sanktionsbedingten Inflation und unter dem sanktionsbedingten Mangel leiden, es drohen Stromausfall und ein Zusammenbruch staatlicher Strukturen. Die gesamte Wirtschaft geht den Bach runter. Man kann nur hoffen, dass der Zorn des Volkes sich gegen die Richtigen wendet, nämlich gegen die eigene verräterische, verlogene Regierung, gegen die ebenso verlogene Presse und gegen die Parteien, die fast allesamt bei der medialen Kriegstreiberei, bei der Hasspropaganda und bei dem immer noch andauernden Genozid gegen Russischstämmige bewusst mitgespielt und ihn angefeuert haben. Scholz, Lindner, Strack-Zimmermann, Habeck, Baerbock, Hofreiter und Konsorten ruinieren nicht Russland sondern die Bundesrepublik. Aber zweifellos werden sie weiterhin, im Dienste der Oberen stehend, ein abgeschirmtes, bequemes, sicheres Leben führen, während die eigene Bevölkerung da draußen vor der Tür leidet. Irgendwann geraten eure Kriege gegen Russland immer außer Kontrolle. Dieser Punkt ist so langsam wieder erreicht. Was einst gewesen ist, das wird wieder sein.

Quelle: Mariupol—Civilians denounce the crimes of the fighters of the neo-nazi Azov Regiment, MROnline, Originally published: Donbass Insider on March 22, 2022 by Christelle Néant, Mar 28, 2022 mronline.org/2022/03/28/mariupol-civilians-denounce-the-crimes-of-the-fighters-of-the-neo-nazi-azov-regiment/; Ukrainian Pro-Govt Unit Caught on Video Raping Young Girls, 8 August 2016, teleSUR

Mit freundlichen Grüßen
Ernesto Loll


8. Leserbrief

Sehr geehrter lieber Herr Ensel,
liebes NDS-Team!
 
Das ist eine wunderbare klare hellsichtige und realistische Allegorie, wenn nicht Analogie!
Die Verteidiger des Narrativs dürften dabei ml wieder bitter aufkreischen, von wegen „staatlicher Souveränität“ usw.
 
Einige Punkte an Ihrer Geschichte sind sehr stark, v.a. die historischen und kulturellen Bezüge, die die Frage nach der Legitimität welcher (staatlichen) Gewalt auch immer zu JEDER Zeit virulent sein lassen, zumal, wenn der Souverän (anders als in den befreiten Oblasten) NIEMALS gefragt wurde (in der BRD weder nach dem Grundgesetz noch nach dem – imo schwebend unwirksamen – „Einigungsvertrag“, geschweige denn nach der Vernichtung der (eh nur begrenzten) eigenstaatlichen Souveränität im Lissabon-Vertrag).
 
Die Analogie weist aber auch Schwachstellen auf, auf die hinzuweisen ich mir ohne Anspruch auf Vollständigkeit freundlich erlaube:

  1. Daß Österreich einen „Großmacht“-Status bzw. überhaupt irgendwelche Einflußsphären, Interessen oder Sicherheitsbedürfnisse anzumelden habe, wird vom „westlichen Narrativ“ bestritten. Aus Sicht des „westlichen Hegemons“ und der Berliner Putsch-Junta handelt es sich um eine kleine unfähige bösartige und feindselige „Mittelmacht“, deren Großmachtallüren ja eben genau eingedämmt werden sollen (s.u. 4., 7.).
  2. Der „Anschluß“ Bayerns an das westliche System unter der Fuchtel Berlins wäre anders als aus westdeutscher Sicht nicht 70 Jahre her und Teil der westeuropäischen Nachkriegsarchitektur, ja noch nicht einmal Teil der in der Charta von Paris und im Budapester Memorandum kodifizierten europäischen Ordnung nach den Ereignissen von 1989/90, sondern gerade mal ein paar Jahre her. „Berlin“ hätte überhaupt keinen gesicherten legitimen Status. So zu tun, als wären Charta wie Memorandum quasi das neue Gesetz der Meder und Perser, das die Jaltaer Beschlüsse für die nächsten 1.000 Jahre ersetzte, bildet wieder nur das westliche Narrativ ab, nicht aber das Empfinden in „Wien“ und „München“.
  3. Es fehlt die für das westliche bzw. „Berliner“ Narrativ so konstitutive Rolle der Autonomen Republik Meinau! Diese Bodensee-Insel wäre immer, zu jeder Zeit, ur-österreichisch gewesen und nur durch eine – wohl illegitime – Laune der Geschichte (verlorene Wette, Jagertee…) unter Münchner Verwaltung geraten. Sie hätte sich schon nach der – rechtlich fragwürdigen – Abtrennung Bayerns von der Hofburg vor erst wenigen Jahren (!!) für autonom erklärt (hinsichtlich Wien UND München) und wäre durch einen Akt der Entrechtung aus dem damals schon rechtlich wie ökonomisch in einem einzigen Mafiasumpf irrlichternden Berlin entrechtet worden.
  4. Die „Zerfallsgeschichte“ der österreichischen Großmacht als Hintergrund des „Wiener Narrativs“ wird überhaupt nicht beleuchtet, es kommt quasi nicht vor, dabei sind diese noch nicht lange zurückliegenden Ereignisse mindestens ebenso konstitutiv wie die Entstehung des „westlichen Bündnisses“ viele Jahrzehnte zuvor.
  5. Die Interessen des „westlichen Hegemons“ und die geostrategische Bedeutung kommen überhaupt nicht vor – ebensowenig wie daß die „Berliner“ Republik in keinem einzigen Zug ihres Wesens auch nur den Hauch einer Souveränität aufweist (so wie die echte übrigens)! Man müßte erwähnen, daß „Berlin“ ALLES im Land, was nicht niet- und nagelfest ist, an westliche Berater und Geldgeber verscherbelt hat. Daß es die für den Klimaschutz unerläßlichen Schnee-Lieferungen aus Österreich schon länger in reiner Piratenmanier ausraubt, plündert, kappt und die eigenen Schnee-Rechnungen nicht bezahlt, sondern für seltsame Revers-Geschäfte mißbraucht, an denen die „demokratischsten“ Clans unter den Vertretern des westlichen Hegemons zufälligerweise am meisten mitverdienen.
  6. Man müßte zumindest erwähnen, daß durch den Beitritt „Berlins“ zu einer aggressiven Einfluß-Sphäre des „westlichen Hegemons“ erstschlagsfähige Atomraketen bis wenige Kilometer vor Wien, Klagenfurt und Bratislava aufgestellt würden, ja daß der Berliner Polit-Kasper, der da von westlichen Auslands Gnaden den Kanzlerdarsteller spielen darf (für welche Rolle er – anders als im wahren Berlin – zumindest eine Qualifikation mitbringt), genau mit dieser Aufstellung herumgeprahlt hat.
  7. Letzten Ende müßte konstatiert werden, daß „Berlin“ das Problem ist und das Wiener Narrativ damit zumindest ansatzweise stimmiger ist als das westliche, da das dortige illegitime Putschregime aufgrund seiner beschränkte Souveränität gar nicht mehr imstande ist zu realisieren, daß es nicht im Interesse der Menschen oder des eigenen Landes handelt, sondern lediglich als Marionette für den seit dem Wiener Kongreß geplanten und immer wieder angezettelten „großen Krieg“ gegen Österreich mißbraucht wird und dafür nun Land, Blut und alles hergeben muß. Denn aus Sicht seiner westlichen „Beschützer“ sind da ja eh alles nur „Murmeltierwämser“, die sich am besten gegenseitig die Köppe einschlagen. Damit erübrigt sich dann nämlich auch die Schlußfrage.

Mit herzlichen Grüßen,
Ihr
Matthias Jehsert


9. Leserbrief

Sehr geehrte Nachdenkseiten-Redaktion,
 
ein Bekannter aus Deutschland hat mir heute den Link zum Beitrag von Dr. Ensel «Bayern, die Ostukraine und der Krieg» geschickt.

Ich erzähle meinen deutschen Bekannten ab und zu ein ähnliches Gleichnis, um den Konflikt in und um die Ukraine aus meiner russischen Perspektive zu erklären. Es gibt allerdings einige wichtige Unterschiede, uns zwar: In meinem Gleichnis zerfällt die BRD in 15 Staaten. Die Mehrheit ist dagegen, kämpft aber nicht aktiv gegen den Zerfall, denn alle glauben, dass erstens, die Rechte von Minderheiten sowieso garantiert sein würden und, zweitens, früher oder später alle postdeutschen Staaten in einer paneuropäischen Union aufgehen würden. Zwanzig Jahre später bringen die Briten Radikale an die Macht in Sachsen. Die sächsische Mundart wurde schon früher zur Sprache erklärt, nun aber wird sie zur einzigen Staatsprache erhoben. Hochdeutsch ist keine Amtssprache mehr, hochdeutsche Literatur wird verboten und Hochdeutsch wird an den Schulen nicht mehr unterrichtet. Nun erklärt sich ein Teil der Gesellschaft für die Sachsen und stellt sich komplett auf Sächsisch um. Ein anderer Teil versucht, auf beiden Stühlen zu sitzen und behauptet, sie seien nunmehr die deutschsprachigen Sachsen. Ein dritter Teil aber meint, sie waren Deutsche und bleiben Deutsche, egal, welche neue Identitäten konstruiert und aufgezwungen werden. Dieser Teil fordert Wiedervereinigung Deutschlands, und, weil Brandenburg (Preußen) zögert, spalten die deutschen Gebiete von Sachsen ab. Die Zentralregierung in Sachsen schickt Truppen gegen die „Separatisten“, es fängt ein Bürgerkrieg an. Die Briten unterstützen Sachsen mit dem Ziel, dieses Land als ein Aufmarschgebiet gegen Brandenburg (Preußen) aufzubauen, was Preußen als eine existenzielle Gefahr wahrnimmt. Acht Jahre später schreitet Brandenburg (Preußen) doch ein… und dann geht die Geschichte wie im Beitrag von Dr. Ensel weiter.

Für mich ist es wichtig zu betonen, dass im posttraditionellen Zeitalter sowohl Zerstörung einer gewachsenen Identität durch Propaganda als auch Konstruktion einer künstlichen Identität ein ziemlich leichtes Unterfangen eine echte Waffe geworden ist. Die angelsächsischen Eliten haben die Deutschen gegen die Russen aufgehetzt, wie G. Friedmann bekanntlich erklärt hatte, zum Schaden der beiden Völker, und dazu noch die Russen gegeneinander, indem sie die Ukrainer, ein Zweig des russischen Volkes, in Gegenrussen transformierten. Wenn ich doch im Jahre 1991 gewusst hätte, wohin uns dieses „Neue Denken“ und „Perestrojka“ bringen würde, hätte ich nie Gorbatschow unterstützt, geschweige denn Jelzin. Aber ich war ein naiver Siebzehnjähriger damals. Und jetzt zahlen wir den Preis für unsere Naivität. Ich meine, wir alle: Die einen schon mit Blut, die anderen noch mit Gasmangel und Deindustrialisierung.

Schöne Grüße aus Sotschi an der Schwarzmeerküste Russlands,
 
Froll Vladimirow


10. Leserbrief

Wer  Schuld oder Mitschuld  am Krieg  ernsthaft herausfinden will  und den Mut hat, dazu zu stehen, kommt nicht umhin, auch die Entstehung des 2. Weltkriegs  zu betrachten und  sie in einem anderen Licht zu sehen als bisher.  Das Buch von Schulze-Rhonhof “Der Krieg, der viele Väter hatte”  kann eine Hilfe sein.
 
Euhe


11. Leserbrief

Liebes Nachdenkseiten-Team, lieber Leo Ensel

Die Geschichte vom Bayerischen Separatismus und der Reaktion des eingeschnappten Berlin (dem damit einer der beiden massiven Nettoeinzahler in den Länderfinanzausgleich verloren ginge) liest sich von Südostoberbayern aus gesehen deutlich realistischer als man das als Nichtbayer überlicherweise so sieht im Rest der Republik – und das nicht nur weil wir eh schon ein Freistaat mit eigener Verfassung, einer einzigartigen Staatspartei (auch wenn sich der Söder massivst für eine „Normalisierung“ und damit Marginalisierung seiner bayerischen Staatspartei langmacht nach allen Richtungen) und stabilem Staatshaushalt sowie einer eigenen Vertretung in Brüssel sind.

Die Bayern und von denen besonders die Ober- und Niederbayern sind seit jeher ihren südlichen Nachbarn Tirol (mit Südtirol), Salzburg und Innviertel sowie natürlich Vorarlberg vom Wesen, den Weltanschauungen und der Herrschaftserfahrung wesentlich näher als ihren nördlichen Nachbarn, den „Preiss’n“.

So wie die Habsburger ihr K&K Reich im Westen regiert haben wie eine Ansammlung von dummen Bauern-Kolonien, was die im ganzen restlichen Land verhassten Wiener ja im Prinzip bis heute durchhalten, so wird das Besteuern und Bevormunden aus Berlin in Regensburg, München, Augsburg und Nürnberg nicht immer widerstandslos und schon gleich nicht wohlmeinend angenommen.

Die Bayern haben selbst nach dem zweiten Weltkrieg ihre Erfahrungen mit Autonomie und Widerstand gemacht, unter anderem als in den sechzigern und frühen siebzigern dem alpenländischen Brudervolk der Südtiroler von bayerischen Bergbau- und Steinbruchunternehmen tätige Hilfe mit Sprengstoff und Logistik zuteil werden musste, weil die Südtiroler den Autonomie- und Zweisprachigkeitsstatus für „alto Adige“ herbeibomben mussten nach dem die Zentralregierung in Rom auf stur geschaltet hatte.

Nur zwanzig Jahre nach dem Krieg waren alpenländische Partisanen-Netzwerke und widerständige Bauernbündlerei allerdings naturgemäß noch verbreiteter und wirkungsvoller als später, zum Beispiel zum Katalanenaufstand.

Der übrigens durchaus von München Unterstützung verdient hätte.

Aber Europa ist ja voll von derartigen Konstellationen, seien das die Katalanen, die Basquen, die Schotten, Walliser, Korsen, (Nord-)Tiroler, Vorarlberger, La Grande Padana, die welsch-Schweiz, Transnistrien, Südschleswig oder die Betagne.

Überall gibt es wiederholt Unmut gegen die Bevormundung lokaler Eigenheiten durch großmannssüchtige Zentralregierungen.

Manchmal ist dieser Widerstand „tätig“ wie der Basquische, der Korsische oder zuletzt der Katalanische, wobei in letzterem Fall haupsächlich die Zentralregierung geprügelt, geschossen, gefangen genommen und gebombt hat.

Manchmal ist der Widerstand auch andersrum organisiert, wie beispielsweise durch die Entsendung von Verkehrsministern aus München nach Berlin, die dort das Strukturhilfe-Budget für Strassen- und Brückenbau so erfolgreich abgreifen wie das Ramsauer, Dobrindt und Scheuer in Reihe gemacht haben, während sie die in Bayern besonders unbeliebten Berliner Schnaps-Ideen wie beispielsweise die eines allgemeinen Tempolimits gleichzeitig erfolgreich auf Eis legen haben können.

Und auch insgesamt weltweit ist der gewünschte oder vollzogene Austritt von Regionen aus der ehemaligen Staatlichkeit, auch gegen den Willen etwaiger Zentralregierungen, ein völlig normaler Vorgang: Sudan, Westshara, Palästina, die Tamilen, die Kaukasusvölker, der Pundschab, Uiguristan, Texas, um nur mal einige zu nennen, wollen mehr oder weniger intensiv alle ihre Ruhe von ihren jeweiligen Zentralregierungen, und dann gibt’s natürlich noch den absoluten Diaspora-Klassiker (nein, nicht Isr. …!) Kurdistan, die sich ja schon seit Jahrhunderten dagegen wehren müssen von ständig wechselnden „Regierungen“ der umliegenden Staaten ihr Staatsgebiet, ihre Sprache, ihre Lebensweisen und ihre Eigenständigkeit abgesprochen zu bekommen, während sie von ihren wechselnden „Partnern“ regelmässig verraten und verkauft werden.

Die Idee, Bayern könnte sich von der Berliner Bevormundung und Besteuerung lossagen ist also nicht sehr weit hergeholt – auch wenn das natürlich in Bayern eher nach der dritten Maß besprochen wird und selten in Gegenwart von „Preiss’n“.

Die Mehrheitsverhältnisse bei einer hypothetischen bayerischen Autonomie-Volksabstimmung dürften denen in Schottland, in Katalanien oder der Padana gleichen: überwältigende Zustimmung in der Fläche, verhalten eher in den von Preiss’n und Grünen usurpierten Städten.

Auch ein neuer Zusammenschluss der Padana, Südtirols und Tirols sowie Innviertel mit Salzkammergut, Vorarlberg, und Bayern zu einer Alpenländischen prosperierenden Industrieregion ist nicht so wahnsinnig weit hergeholt, solange aus Wien, Rom und Berlin aktiv die dumme Deindustrialisierungs- und Verarmungs-Politik mit der bekannt-einfältigen Propaganda vorangetrieben wird gegen den Willen der Bevölkerung im Westen (Österreich), im Süden (Deutschland) bzw im Norden (Italien).

„Wien“ allerdings dürfte hierbei meiner Einschätzung nach eher nicht der Partner Münchens gegen die Berliner werden, eher sind das schon Innsbruck, Bozen, Brescia und Bregenz, sowie eventuell Salzburg und Innbaiern.

Womit wir auf der Ebene von Luhansk und Donetzg und der Krim angekommen wären.

So wie in der Ukraine würden sich vermutlich auch in Bayern, in Tirol oder der Padana die Grabenkämpfe zu einem veritablen Bürgerkrieg mit allen Mitteln verstetigen, und die Unterstützung für die jeweiligen Seiten könnte aus mehr oder weniger erwarteten Richtungen kommen, wenn die Durchsetzung der jeweiligen Zentralregierungen drohte zu manifest zu werden – so wie München bzw. Bayern die Schotten, die Walliser (Wales), die Katalanen und die Bretonen unterstützen sollte, müssten wir aus den jeweiligen Regionen Unterstützung für unseren Kampf gegen unsere Zentraldeppen erwarten können – An der EU und ihrer grassierenden Antidemokratie lässt sich sehr schön ablesen was zu grosse, zu wenig demokratisch zur Verantwortung ziehbare Apparate für Gefahren bergen wider die Bürger der jeweiligen Vasallenregionen.

Staatsgrössen um die 5 bis 15 Millionen Köpfe sind leidlich demokratisch organisierbar, in allem darüber funktioniert die Demokratie und die dazugehörende Verantwortung immer weniger, und wenn es 500 Millionen werden wird die Oberdeppin automatisch zur Sonnenkönigin mit Whats-App Spezln und Hofschranzenzuteilungen in Milliardenhöhe, mit keinerlei Verantwortungsbewusstsein, geschweige denn echter Verantwortlichkeit im demokratischen Sinne. (Das selbe widerliche Verhalten hatte sie ja als Ministerin von nur 80 Millionen bereits auf die Spitze getrieben)

Als problematisch, zum Abschluss, könnte sich allerdings noch das Personalproblem herausstellen, für München, für Tirol, die Padana und Vorarlberg.

Mit einem Söder ist ebensowenig Staat zu machen wie mit einem Aiwanger, und die zweite Reihe ist noch wesentlich schlechter tauglich um im Sinne der Bayern zum freien Freistaat Bayern zu kommen.

Der Fachkräftemangel im politischen München ist ähnlich gravierend wie der im politischen Berlin, auch wenn die beiden Bundes-Ressorts Wirtschaft und Aussen derzeit natürlich so unvorstellbar unterirdisch geführt werden dass selbst einem Scholzomaten eine gewisse Existenzberechtingung zugestanden werden könnte – ausschliesslich im Vergleich mit den beiden genannten jedoch nur.

Söder gegen Scholzomat könnte zwar klappen, wegen der himmelschreienden Unfähigkeit von Mr. Cum-Ex, aber was dann? Mit Söder’s Maggus ist auf Dauer kein Staat zu machen, mit dem Hubsi ebensowenig, und wenn mir eines gar nicht brauchen dann so wen wie den Hermann.

In diesem Sinne vielen Dank für die Gedankenspiele, Ihr und Euer Michael Scheuer (nicht verwandt und nicht verschwägert, Gott sei dank)


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