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9. Dezember 2016
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G7 und das Klima – die entscheidenden Themen wurden nicht angesprochen

Veröffentlicht in: Audio-Podcast, Globalisierung, Klimawandel, Strategien der Meinungsmache, Umweltpolitik

Als sich die Mächtigen der Welt beim G7-Gipfel in Elmau über verbindliche Ziele zur CO2-Reduktion stritten, ging es nicht um die Rettung der Welt. Es geht auch nicht um die unzähligen Menschen, die durch den Klimawandel, der irreversibel ist und auch von Frau Dr. Merkel nicht gestoppt werden kann, Schaden nehmen. Vor allem für Deutschland geht es beim Thema „Klimaschutz“ vor allem um den schnöden Mammon. G7 gegen Schwellenländer, Deutschland gegen alle. Die Umwelttechnologie ist ein gigantischer Markt mit einem Billionenvolumen – und Weltmarktführer ist Deutschland. Da wundert es kaum, warum in Deutschland der Klimawandel hysterischer als in anderen Ländern kommentiert wird. Bei all ihrem Geschachere um CO2-Reduktion verschenkt die Weltgemeinschaft dabei die Chance, die Folgen des Klimawandels wirklich zu minimieren. Von Jens Berger.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Die letzte Wachstumsbranche

Schon heute arbeiten 1,2 Millionen Deutsche im Greentech-Sektor, wie Zahlen, die im Auftrag des Umweltministeriums erhoben worden, zeigen. Umwelttechnik ist damit noch vor dem Maschinenbau und der Automobilindustrie der wichtigste industrielle Sektor Deutschlands. Dieser Erfolg kommt nicht von irgendwo her. Rigide Umweltschutzgesetze und strenge Industrierichtlinien, kombiniert mit gigantischen Subventionen, haben aus den lila Latzhosen Schlipsträger gemacht und auch die Marktführer im Industriesektor in die Umwelttechnik getrieben. Der weltweit größte Greentech-Konzern ist mittlerweile Siemens, dessen Umweltsparte 19 Milliarden Euro umsetzt.

Waren die USA vor dem Amtsantritt des Öl-Mannes George W. Bush noch Weltmarktführer auf dem Greentech-Sektor, so hat Deutschland den Amerikanern diesen Rang längst abgejagt – und dies bei steil nach oben steigenden Wachstumszahlen. Alleine das Marktsegment „erneuerbare Energien“ soll pro Jahr um 11% steigen – das Segment „Energieeffizienz“ um 6%. In den nächsten zehn Jahren wird sich das Volumen des Greentech-Sektors damit mehr als verdoppeln. 2020 sollen laut einer Studie von Roland Berger 2,2 Millionen Deutsche im Greentech-Sektor tätig sein – mehr als in der Automobilindustrie und im Maschinenbau zusammen. Keine Frage, die deutsche Industrie hat ein Interesse an weltweit verbindlichen Klimazielen – je rigider, desto besser.

Umverteilung global

Investitionen in die Umwelttechnik sind – wie alle Investitionen – auch ein Umverteilung von Geldern. Wenn Umweltschützer die Kosten zur vermeintlichen Abwehr des Klimawandels mit den Kosten der Finanzkrise vergleichen, so ist dies sympathisch naiv. Schon die Vergangenheit des deutschen Ökobooms war eine Umverteilung – zum Teil auch von unten nach oben. Verdeutlichen kann man dies an Windrädern und Solardächern. Jahrelang waren Investitionen in erneuerbare Energien reine Steuersparmodelle für Besserverdiener – Verlustabschreibungen, ausgeglichen durch subventionierte Energiepreise. Was der Besserverdiener an Steuern gespart hat, musste von der Allgemeinheit über höhere Stromkosten bezahlt werden. Höhere Stromrechnungen für die Kassiererin zugunsten der die Steuerersparnis ihres Chefs. Aber wenn es der Umwelt dient, ist es ja ok. Protest von „links“ blieb bei dieser Form der Umverteilung erwartungsgemäß aus.

Heute geht es eher um eine globale Umverteilung. Um Klimaziele zu erreichen, muss viel Geld in Umwelttechnik investiert werden. Davon profitieren zu allererst die Unternehmen, die im Markt stark sind, allen voran Weltmarktführer Deutschland. Wenn die Chinesen also weniger CO2 ausstoßen sollen, müssen sie viel Geld investieren. Geld für deutsche Technik aus deutschen Firmen. So holt sich Deutschland das Geld zurück, das China den Deutschen und mehr noch den Amerikanern für Konsumgüter abnimmt. Ein schöner Kreislauf, solange alle Länder die immer rigideren Klimaprotokolle unterzeichnen.

Aber das ist doch gut!

Natürlich wäre es aus deutscher Sicht problematischer, wenn sich die hiesige Volkswirtschaft den Rüstungssektor als Wachstumsmarkt ausgesucht hätte. Greentech schadet zumindest niemanden und nutze der Menschheit – oder? Das hängt davon, wen man betrachtet. Umweltstandards sind auch ein Schutz der OECD-Staaten vor der Konkurrenz aus den Schwellenländern. Kraftwerke, Industrieanlagen oder Autos können auch die Chinesen bauen, für den heimischen und den Exportmarkt. Wenn es allerdings Produktstandards gibt, die nur unter Einbeziehung westlicher Patente eingehalten werden können, so ist dies lediglich eine Handelsbarriere der anderen Art.

Das Ergebnis dieses billionenschweren Umverteilungskreislaufs besteht in einem reduzierten Verbrauch fossiler Rohstoffe und einem reduzierten Ausstoß von Treibhausgasen. In welchem Maße diese Treibhausgase überhaupt für den Klimawandel verantwortlich sind und was die Folgen dieses Klimawandels sind, ist dabei heftig umstritten. Fest steht, dass die Emission von Treibhausgasen auch signifikante Auswirkungen auf die globale Erwärmung hat. Die Frage lautet vielmehr – kann eine Reduktion des Ausstoßes von Treibhausgasen diese Entwicklung maßgeblich abschwächen?

Klimamodelle und Folgenabschätzung

Genau in diesem Punkt sind sich die seriösen Klimawissenschaftler uneins. Natürlich nimmt niemand die selbsternannten „Wissenschaftler“ ernst, die als „Klimaskeptiker“ auf Lügen basierende Verschwörungstheorien unters Volk bringen. Die seriösen Klimawissenschaftler sind sich zwar einig über den großen Einfluss menschlichen Handelns auf die Klimaentwicklung – uneinig sind sie sich indes, ob eine Reduktion des CO2-Ausstoßes wirklich so viel bringen wird. Natürlich sind die deutschen Klimaforscher um das mit Staatsmitteln aufgepäppelte PIK-Potsdam stets ganz vorne mit dabei, wenn es gilt, schrille Szenarien auszumalen. Je schriller, desto besser die Chance für die deutsche Politik, international rigide Grenzwerte durchzusetzen und damit hochprofitable Aufträge heim ins Land zu holen. Das ist nicht verwerflich – wenn eine Volkswirtschaft von Regenschirmproduzenten dominiert wird, wird sie die Klimawissenschaftler, die Regen vorhersagen, mit staatlichen Geldern ausstatten. Alles andere wäre ja auch dumm.

Vertane Chance

Aus deutscher Sicht ist nichts gegen die grassierende Klimahysterie einzuwenden – schließlich bringt sie Geld ins Land. Mit Umweltschutz oder gar den Folgen des Klimawandels hat das aber nichts zu tun. Das Klima wird wärmer, die Meere werden steigen, es wird Opfer geben – dies alles sind Fakten, die von niemanden ernsthaft bestritten werden. All dies wird eintreten, auch wenn die Menschheit von morgen an gar keine fossilen Rohstoffe mehr verbrennt und alle Kühe und Schafe keult – ihr natürlicher Methanausstoß hat Studien zufolge mehr Folgen für die Erderwärmung als Auto- und Kraftwerksabgase zusammen, aber mit „Kuhkatalysatoren“ lässt sich nun einmal kein Geld verdienen.

Wenn nun aber der Klimawandel auf jeden Fall kommt, dann müsste man sich doch darauf vorbereiten? Eben dies wird aber nicht getan, da die Gelder zur praktischen Klimafolgenabwehr nicht in die Taschen deutscher oder amerikanischer Konzerne gehen. Man könnte beispielsweise Bangladesch Geld geben, damit dieses Land Dämme baut, die es schon bald brauchen wird. Man könnte Nationen im südlichen Afrika Geld geben, damit sie schon jetzt ihre Landwirtschaft auf kommende Dürreperioden vorbereiten. Industrieländer können die Folgen des Klimawandels spielend leicht finanzieren – Holland und seine Dämme sind da nur ein Beispiel. Die ärmsten Länder des Südens, die vom Klimawandel am härtesten getroffen werden, stehen den Folgen des Klimawandels jedoch machtlos gegenüber. Sie sind bei der gesamten Debatte nicht Subjekt, sondern Objekt. Und daran wird sich leider auch nichts ändern.

All dies wurde aber auch in Elmau nicht diskutiert, genau so wie auf zahllosen Veranstaltungen zuvor. Es dreht sich dort nicht um Entwicklungsländer, sondern um Verteilungsfragen zwischen den G7 und dem Rest der Welt. Und wen wundert es, dass Angela Merkel auch in Elmau mal wieder wie ein Löwin gekämpft hat, um möglichst verbindliche Klimaziele zu erreichen. Ginge es „nur“ um die Umwelt, würde man dies wie zahllose andere wichtige Themen auch auf Gremienebene verhandeln und in den Medien würde kein Hahn danach krähen. Es geht aber um die Wirtschaft – und die ist Chefsache.

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