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Mit dem Zweiten sieht man einäugiger

Veröffentlicht in: Audio-Podcast, einzelne Politiker, Kampagnen / Tarnworte / Neusprech, Medienkritik

„Relativismus“ und „Einseitigkeit“ – das ist es, was das ZDF an diesem Sonntag zur Prime Time Sahra Wagenknecht und der Friedensbewegung vorwarf. Wenn es um den Krieg in Syrien geht, kritisiere man einseitig den Westen und die USA, schweige jedoch zu Assad und Putin. Hat das ZDF mit diesem harten Vorwurf Recht? Nein! Wer sich einmal die Rede von Sahra Wagenknecht anschaut, entdeckt selbstverständlich Passagen, in denen die Linken-Politikerin auch das syrische und das russische Vorgehen massiv kritisiert. Der Beitrag des ZDF ist somit eine echte Unverschämtheit – manipulativ und bösartig. Von Jens Berger.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

„Uns bewegen die Bilder, die wir jeden Tag bekommen. Aus Syrien und gerade aus Aleppo. Krankenhäuser, die bombardiert werden, Kinder, die sterben. Furchtbare Bilder. Und es ist völlig klar, dieses Morden muss aufhören. Diese Bombardierungen sind natürlich ein Verbrechen. Es muss Schluss sein. Aber dieses Verbrechen ist eben das Verbrechen jedes Krieges, weil jeder Krieg vor allem Zivilisten trifft. Deshalb sagen wir nicht einseitig, nur da muss es aufhören, sondern auf dieser Welt müssen die Bomben endlich ruhen. Und wir brauchen Frieden und Diplomatie und alle, die das hintertreiben, die machen sich schuldig an Kriegsverbrechen und an Mord. Und da sind wir nicht einäugig, sondern wir sagen es an alle Adressen.“

Sahra Wagenknecht auf der Friedensdemo am 8.10.2016 in Berlin

Hören sich diese Sätze, mit denen Sahra Wagenknecht ihre Rede auf der Friedensdemonstration „Die Waffen nieder“ unter großem Applaus des Publikums eingeleitet hat, nach einäugiger Kritik am Westen an? Hat die „linke Fraktionschefin“ tatsächlich einseitig gegen „Washington gewettert“[*] (sic!), wie es die Anmoderation der ZDF-Sendung Berlin Direkt suggeriert? Ganz sicher nicht. „Dummerweise“ passt diese differenzierte Sichtweise jedoch nicht in den vorherrschenden Narrativ der großen Medien (Putins Werk, Obamas Beitrag), nach dem Russland die Hauptverantwortung für das Sterben in Syrien trägt und eine „Querfront“ aus Linken und Rechten die russischen Bombardements verteidigt. Sicher, es mag in den Weiten des Netzes vereinzelte Überreaktionen geben, in denen einzelne Facebook-Nutzer oder Blogger syrische und russische Bombardements bejubeln. Dies sind jedoch absolute Ausnahmen und keineswegs repräsentativ für „die Friedensbewegung“ oder gar die politische Linke. So hat Oskar Lafontaine beispielsweise die russischen Bombardements in den NachDenkSeiten ganz explizit kritisiert.


ZDF manipuliert Wagenknecht

Da drängt sich natürlich die Frage auf, wie differenziert die Massenmedien und die Regierungsparteien sowie die Grünen die Syrien-Frage analysieren. Denn wo wir aber schon mal beim Thema „Einäugigkeit“ sind … angefangen bei der Tagesschau über die vermeintlich links-liberale taz bis hin zur heute-show herrscht in der Tat allenthalben eine Einäugigkeit in einem epischen Ausmaß vor. Wenn also nun die Einäugigen dem Sehenden vorwerfen, er sei in Wahrheit(TM) einäugig, so ist das nicht nur grotesk, sondern auch durchschaubar. Geben Sie diesen kurzen Text und/oder das Video vom Team Sahra ruhig an Freunde und Bekannte weiter.


[«*] p.s.: Liebes ZDF, streicht doch bitte den Begriff „wettern“ aus Eurem Vokabular. Immer wenn ein „Bösewicht“, also ein nicht linientreuer Gewerkschaftler oder ein Linker etwas kritisiert, dann „kritisiert“ er in Euren Beiträgen nicht, sondern er „wettert“ gegen dies und das. Diese kleine Manipulation ist derart einfach zu durchschauen, dass die allermeisten Zuschauer doch ohnehin schon innerlich abschalten, wenn Ihr etwas von „wettern“ erzählt. Dieser Begriff wurde übrigens gerne auch von Gerhard Löwenthal in seiner Sendung ZDF-Magazin benutzt. Da kann man mal sehen, wo Ihr wieder angekommen seid.

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