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Und wieder das gewohnte Trauerspiel unserer Medien. Kein Wort, keine Frage danach, wie Gewalt und Gegengewalt, wie Kriege und Terror zusammenspielen. Oberflächlich.

Veröffentlicht in: Audio-Podcast, Innere Sicherheit, Medienkritik, Militäreinsätze/Kriege, Terrorismus

Gestern habe ich ab 18:00 Uhr Deutschlandfunk gehört, und von 19:00 Uhr bis 20:00 Uhr ZDF-heute und das ZDF-Spezial zum Berliner Mordanschlag angesehen, und dann auch noch in der Nacht den Brennpunkt der ARD. Vielleicht hat in anderen Medien irgendjemand gefragt, ob es einen Zusammenhang zwischen den illegalen Kriegen des Westens und den mörderischen Terroranschlägen geben könnte. In den von mir beobachteten Medien nicht. Interviews, Berichte, Kommentare an der Oberfläche, unangenehme Fragen werden weggelassen, Lückenpresse. Lügenpresse – alles auf einmal. Immer das gleiche und ein primitives Niveau – Medien im Verein mit Politikern. Albrecht Müller.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

‚Wir lassen uns das Leben und das Feiern nicht verbieten‘, so der Sicherheitsexperte des Deutschlandfunks und mit ihm X andere. Der Bundespräsident sieht mal wieder einen Anschlag auf unsere westliche Lebensweise. Im ZDF-Spezial hieß es, wir lassen uns nicht unterkriegen. Auch nicht von den Terroristen. Allenfalls besorgen wir Betonklötze gegen feindliche LKWs und mehr Polizei. Vielleicht auch die Flüchtlingspolitik überdenken. Ansonsten weiter so wie bisher.

„Ob die Deutschen mal begreifen, dass sie die Gewalttaten auch ihrer Bundeskanzlerin und den Kriegen ihrer Freunde in den USA etc. zu verdanken haben?“

So hatte ich am 25. Juli 2016 in den NachDenkSeiten gefragt. In den letzten beiden Absätzen jenes Artikels steht, was in der jetzigen Situation zu tun wäre, wenn man langfristig die Spirale von Gewalt und Gegengewalt unterbrechen wollte:

„Deutschland muss seine Beteiligung an den einschlägigen Kriegen beenden. Der erste Schritt: Die Erklärung dieser Absicht und zugleich die Aufforderung an die NATO-Partner einschließlich der USA, ihren sichtbar eskalierenden und erfolglosen Kampf gegen den Terror einzustellen, weil sie mit diesem kriegerischen Kampf die Massenbasis des IS beschaffen und verstärken. Die weiteren Schritte sind sehr mühsam: die Aussöhnung mit den betroffenen Völkern.

Wie man mit dem selbst gezüchteten und von „Freunden“ wie Saudi-Arabien geförderten Terror des IS umgeht, ist eine zweite Frage. Aber diese Frage sollte und kann man von der anderen trennen. Wir sollten jedenfalls aufhören, immer weiter die Massenbasis für den Terror des IS zu schaffen.“

Nachdenkseiten-Leserinnen und Leser können an dem zitierten Artikel vom Juli sehen, wie viel umfassender und differenzierter auf den Nachdenkseiten gefragt wird. Jens Berger wies gestern auf einen seiner früheren einschlägigen Beiträge hin.

Bei den Medien kommen diese Hinweise und Hilfestellungen nicht an. Sie ignorieren konsequent, was nicht in ihre Linie passt. Und auf den einschlägigen Foren zensieren sie. Davon berichten jedenfalls NachDenkSeiten-Leser.

Unsere Medien und die Politiker sind offensichtlich übereingekommen, an der Oberfläche zu bleiben und ja nicht die Frage nach der Spirale von Gewalt und Gegengewalt zu stellen. Das würde das Geschäft der Rüstungswirtschaft und die imperialen Absichten des Westens stören. Das will man offensichtlich nicht.

Nebenbei: Der lange Medienabend hat auch noch die Einsicht beschert, dass unser Bundesinnenminister gemessen am Spitzenpersonal des ZDF Spitze ist.

Der ZDF-Chefredakteur Peter Frey war für ein Interview im Rahmen des Formates „Was nun, Herr de Maizière?“ nach Berlin eingeflogen worden. Zusammen mit der Büroleiterin des ZDF in Berlin, Bettina Schausten, stellten sie dem Bundesinnenminister de Maizière Fragen. Da konnte einem der Innenminister richtig sympathisch werden. Er ließ erkennen, für wie blöd er die Fragen und Einlassungen des ZDF-Spitzenpersonals hält. Und nebenbei auch noch vom Gerede eines israelischen Sicherheitsexperten, den ein ZDF-Spezial kurz zuvor in die Debatte eingeführt hatte. Er hatte empfohlen, sich an den Sicherheitsmaßnahmen Israels gegen Terrorismus zu orientieren. Gute Nacht. De Maizière hat das wenigstens erkannt. Respekt.

Es gibt auch in diesen Tagen kleine Lichtblicke in unseren Hauptmedien:

So im ZDF die Stimme des Mainzer Nahost-Experten Günter Meyer. Bei heute.de erschien dieses Interview: Syrien-Krieg „Hauptverantwortung liegt bei den USA„. Da muss der Chefredakteur in Ferien gewesen sein.

Zum Schluss noch der Text eines NachDenkSeiten-Lesers, der ausgesprochen gut zum Thema passt.

Im Juli schickte uns Julian Heidemann seine Gedanken über die Anschläge von Brüssel, Paris und Nizza. Eine Art Gedicht mit Einsichten, die unsere Medienmacher leider nicht haben.

Man muss oben in der Überschrift nach Nizza noch Berlin ergänzen. Und danke vielmals.

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