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Börse im Ersten – die permanente Imagebeschädigung der ARD

Verantwortlich:

Einer unserer aufmerksamen Leser macht uns auf Anja Kohls Stück von gestern aufmerksam. Das war nicht nur ein neoliberal und von Interessen gefärbtes Stück, es war auch einfach dumm und durcheinander. Höchste Zeit, dass die ARD diese Sendung streicht oder auf nachts um 0:45 Uhr legt. Albrecht Müller

Einige Stichworte zum Stück:

  • Die Menschen hätten im Schnitt mehr in der Tasche. Das wird einfach so behauptet, obwohl jedermann weiß, dass die Löhne massiv unter Druck stehen und die Kurzarbeit an der Höhe der Einkommen zehrt. Im Ersten kann man einfach so das Gegenteil behaupten.
  • Die Sorge vor Inflation wachse, berichtet Frau Kohl – und zitiert zum Beleg eine Umfrage von Union Investment. Diese Firma vertritt Interessen. Da hätten wir wenigstens gerne gewusst, wer die Umfrage gemacht hat und wie viele Menschen befragt worden sind. Nichts davon.
  • Spätestens dann, wenn die Staaten ihre Schulden loswerden wollen, gebe es Inflation. Diese Aussage gründet wohl auf einer eigenen ökonomischen Theorie von Frau Kohl.
  • Die mangelnde Logik spielt keine Rolle, hier geht es um das Schüren von Inflationsangst und damit auch um den Aufbau von Widerstand gegen die aus unserer Sicht notwendigen neuen Investitionsprogramme. In ähnliche Richtung geht die Behauptung im späteren Verlauf der Sendung, die Zentralbanken müssten das Geld umgehend wieder verknappen.
  • Hohe Preise allein wären verkraftbar, meint Frau Kohl. Erst dann, wenn auch die Löhne steigen, wäre die Erholung der Wirtschaft gefährdet. Auch wenn in einem Nachsatz diese Gefahr in die Zukunft verschoben wird, die Behauptung zur Abwehr von Lohnforderungen sitzt.
  • Dann wird kräftig Reklame für die Anlage in deutschen Aktien gemacht. 39 % meinen, dass die Kurse steigen, 30 % seien anderer Meinung. Und dann fügt Frau Kohl noch an, wenn die Aktienkurse steigen, dann wäre das eine angenehme Teuerung. Grotesk. Gesamtwirtschaftlich sind steigende Aktienkurse von keinerlei Bedeutung. Siehe dazu den nun fast ein Jahr alten Beitrag vom 7.1.2009: “Den Kapitalmarkt effizienter organisieren – Konversion ist angesagt (Finanzkrise I)”

Ernsthaft: Entweder diese Sendungen werden endlich von volkswirtschaftlichem Verstand geprägt oder die ARD sollte sie streichen. Reine Börsenförderungssendungen sind aus der Sicht unserer Gesellschaft betrachtet irrelevant. Nur maximal 5 % der Deutschen halten Aktien. Für diese 5 % wird diese Sendung gemacht. Obendrein nicht einmal gut, wie man im konkreten Fall sieht.

Zum Trost für die Redaktion von Börse im Ersten weise ich noch auf einen Link zu einem Video hin. Es ist die Aufzeichnung einer Runde von Journalisten, die mehrheitlich wichtige Funktionen wahrnehmen: Bild Chefredakteur Dieckmann, Matussek vom Spiegel, Jan Fleischhauer vom Spiegel, Alan Posener von der Welt, usw. Die Runde schwört sich auf den Verzicht aufs Bloggen ein:

SPIEGEL ONLINE, 18.12.2009 Sucht-Geständnisse: “Ich blogge nachts heimlich unter der Bettdecke”.

Es soll witzig sein, ist aber nur noch peinlich.

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